Der Allgäuer Advent hat andere Öffnungszeiten als eine Stadt
Wer aus einer Großstadt kommt, geht selbstverständlich davon aus, dass ein Weihnachtsmarkt vier Wochen lang jeden Abend offen hat. Im Allgäu stimmt das für kaum einen. Die meisten Orte machen ihren Markt an zwei oder drei Wochenenden auf, manche nur an vier Samstagnachmittagen. Wer die Unterkunft bucht und erst danach nach dem Marktprogramm schaut, steht mit den Kindern im Dunkeln vor einem leeren Kurpark.
Füssen etwa öffnet seinen Weihnachtsmarkt nur an zwei Wochenenden im Dezember, Bad Hindelang an drei langen, Oberstdorf an vier Samstagnachmittagen. Nur Kempten läuft über mehrere Wochen fast täglich. Das ist der wichtigste Planungsschritt für ein Adventwochenende im Allgäu: erst die Markttermine, dann das Quartier. Die genauen Daten werden jedes Jahr neu festgelegt, meist im Spätsommer veröffentlicht und wechseln mit der Lage der Adventwochenenden.
Die zweite Eigenheit betrifft die Entfernungen. Das Allgäu ist größer, als es auf der Karte wirkt, und die Talstraßen sind im Winter langsam. Von Oberstdorf nach Kempten sind es gut dreißig Minuten, nach Bad Hindelang etwa eine halbe Stunde, ins Westallgäu über eine Stunde. Wer drei Märkte an einem Wochenende sehen will, verbringt den größten Teil davon im Auto.

Oberstdorfer Advent: vier Samstage, viel Ruhe, wenig Rummel
Der Oberstdorfer Advent findet im Kurpark und im Oberstdorf Haus am Prinzregenten-Platz statt, und zwar an den vier Adventsamstagen von etwa 14 bis 20 Uhr, wobei die Verkaufsstände zuletzt erst ab 15 Uhr besetzt waren. Um 17 Uhr wird jeweils eine Kerze am großen Adventskranz im Kurpark entzündet, dazu gibt es Bläsergruppen, Chöre und einen Gottesdienst.
Das ist ausdrücklich kein Rummelplatz. Es gibt kein Riesenrad, keine Fahrgeschäfte, keine Kinderbahn. Familien, die einen Markt mit Attraktionen erwarten, sind an vier Samstagen im Kurpark schnell fertig. Wer dagegen mit kleinen Kindern eine Stunde Musik, Punsch und Kerzenlicht sucht und danach ins Hotel zurückgeht, findet hier genau das. Oberstdorf ist im Advent grundsätzlich ein ruhiger Ort, der große Betrieb kommt erst mit den Weihnachtsferien.
Kempten: der einzige Markt der Region, der fast täglich offen hat
Wenn das Wetter kippt oder ein Tag ohne Programm dasteht, ist Kempten der verlässliche Ersatz. Der Markt auf dem Rathausplatz lief 2025 vom 26. November bis 21. Dezember, sonntags bis donnerstags von 12 bis 20 Uhr und freitags und samstags bis 21 Uhr. Damit ist er der einzige größere Markt im Allgäu, den man auch an einem Dienstag ansteuern kann.
Für Kinder gibt es eine eigene Hütte mit Bastel- und Spielangeboten, einen Briefkasten für Wunschzettel, ein Karussell und ein Programm aus Puppentheater, Zauberei, Pantomime und Kekse backen. Der Platz ist überschaubar, das historische Rathaus als Kulisse hilft, und die Wege zwischen Parkhaus und Markt sind kurz. Aus dem Oberallgäu ist Kempten in gut einer halben Stunde erreichbar.

Bad Hindelang: Kinderweihnachtsmarkt im Schlosshof und der Weihnachtsumzug
Bad Hindelang macht seinen Erlebnis-Weihnachtsmarkt an drei langen Wochenenden auf, zuletzt jeweils von Donnerstag bis Sonntag Ende November und in den ersten beiden Dezemberwochen. Der Ort verwandelt sich dabei in ein Hüttendorf mit Kunsthandwerk, und im Schlosshof steht ein eigener Kinderweihnachtsmarkt in Miniaturhütten, kleine Stände in Kindergröße, an denen die Kinder selbst verkaufen und handeln.
Dazu kommt ein Weihnachtsumzug, den die Veranstalter als einzigen seiner Art in Deutschland bezeichnen, sowie ein eigener Kindertag Anfang Dezember. Für Vier- bis Zehnjährige ist Bad Hindelang damit der inhaltsreichste Markt im Oberallgäu. Der Nachteil: An diesen Wochenenden ist der Ort voll, der Talkessel eng, und die Parkflächen sind nachmittags belegt. Wer nicht im Ort wohnt, sollte früh kommen oder auf einen Shuttle setzen.
Winterwald am Skywalk Allgäu: Lichterweg und Baumwipfelpfad im Dunkeln
Am dritten Adventwochenende öffnet der Naturerlebnispark Skywalk Allgäu bei Scheidegg im Westallgäu seinen Winterwald. Der Markt steht im Wald statt auf einem Marktplatz, ein Lichterweg führt zwischen den Bäumen hindurch, es gibt ein himmlisches Postamt, Märchenerzähler, Bastelangebote und eine Feuershow. Zwischen den Ständen liegen die Spielplätze des Parks, und der Baumwipfelpfad selbst lässt sich begehen, im Winter, in der Dämmerung, mit Blick über den verschneiten Wald.
Das ist der familientauglichste Adventmarkt der Region, weil die Kinder sich zwischen den Programmpunkten bewegen können, statt an Ständen zu warten. Ehrlich dazu gehört die Entfernung: Von Oberstdorf aus fährt man gut eine Stunde bis Scheidegg. Als Tagesausflug funktioniert das, als spontane Abendidee nicht.
Was man tagsüber macht: Rodelbahnen, Hütten und die Eishalle
Ein Adventmarkt füllt einen Nachmittag, nicht ein Wochenende. Das Söllereck südlich von Oberstdorf ist das Familienskigebiet der Gegend mit rund vierzehn Pistenkilometern und breiten, flachen Hängen. Dort steht auch der Allgäu Coaster, eine Sommerrodelbahn auf Schienen, die ganzjährig läuft und deshalb der zuverlässigste Programmpunkt bei Regen oder Schneemangel ist. Kinder dürfen ab acht Jahren allein fahren, jüngere nur zu zweit mit einem Erwachsenen.
Für die klassische Rodelpartie führt vom Nebelhorn eine rund zweieinhalb Kilometer lange Bahn mit etwa 450 Höhenmetern ins Tal. Die Nebelhornbahn selbst ist auch ohne Schlitten ein Ausflug: Sie fährt in mehreren Sektionen hinauf, und oben liegt der Schnee auch dann, wenn es in Oberstdorf nur regnet.
Wer lieber läuft: Von Reichenbach führt ein präparierter Winterweg in etwa anderthalb Stunden zur Gaisalpe hinauf, wo es Kaiserschmarrn und Kässpatzen gibt und der Rückweg mit dem Schlitten zurückgelegt wird. Anderthalb Stunden bergauf sind mit Kindern unter sechs eine Ansage, mit einem Rodel als Zugmittel und genug Pausen klappt es, mit müden Kindern im Dunkeln eher nicht.

Im Ostallgäu bei Füssen liegt das Walderlebniszentrum Ziegelwies, das auch im Advent und in den Weihnachtsferien Workshops und Mitmachprogramme für Kinder anbietet. Der Baumkronenweg dort führt in mehreren Metern Höhe durch den Auwald und ist im Winter begehbar, ein Ziel, das sich gut mit dem Füssener Markt an einem der beiden Dezemberwochenenden verbinden lässt.

Der Plan B für Regen und Nebel steht mitten im Ort: Das Eissportzentrum Oberstdorf hat mehrere Eishallen, bietet täglich öffentliches Eislaufen und verleiht Schlittschuhe in allen gängigen Größen. Auch Laufhilfen für Kinder gibt es vor Ort, was den ersten Versuchen viel Frust nimmt. Die Zeiten für das öffentliche Laufen lagen zuletzt tagsüber zwischen 9.30 und 16.30 Uhr und ändern sich mit dem Trainings- und Wettkampfbetrieb, ein Blick auf den Tagesplan lohnt vor der Fahrt.
Anreise, Schneelage und was man einpackt
Oberstdorf liegt auf gut 800 Metern am Ende des Tals und ist Endstation der Bahnstrecke. Das macht die Anreise ohne Auto ungewöhnlich einfach: Der Bahnhof liegt im Ort, vieles ist zu Fuß erreichbar, und die Ortsbusse fahren zu den Talstationen. Wer mit dem Auto kommt, findet Parkplätze am Ortsrand; die Ortsmitte ist teilweise verkehrsberuhigt.
Zur Schneelage im Advent sollte man realistisch sein. Auf Talhöhe ist im Dezember Schnee möglich, aber nicht sicher, und ein grüner Adventmarkt bei sechs Grad und Nieselregen ist keine Seltenheit. Verlässlich weiß wird es erst weiter oben, weshalb die Bergbahnen bei mildem Wetter der bessere Plan sind als eine Schlittenfahrt im Ort.
Was mit Kindern in den Rucksack gehört: eine Sitzunterlage, weil Bänke im Kurpark feucht sind, Ersatzhandschuhe, weil das erste Paar nach dem ersten Schneeballwurf nass ist, und eine Stirnlampe. Um 16.30 Uhr ist es im Dezember dunkel, und die Wege zwischen Parkplatz und Marktgelände sind in kleinen Orten oft nicht durchgehend beleuchtet.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Erst die Markttermine prüfen, dann die Unterkunft buchen, die meisten Allgäuer Märkte öffnen nur an einzelnen Wochenenden.
- Kempten ist der einzige größere Markt in der Region, der fast täglich geöffnet hat, und damit der Ersatzplan für Regentage.
- Der Oberstdorfer Advent läuft nur an den vier Adventsamstagen am Nachmittag, Fahrgeschäfte gibt es dort keine.
- Bei mildem Wetter mit der Bergbahn hochfahren: Auf Talhöhe liegt im Dezember oft kein Schnee.
- Ersatzhandschuhe, Sitzunterlage und Stirnlampe einpacken, ab halb fünf ist es dunkel und die Wege sind nicht überall beleuchtet.
- Im Eissportzentrum Oberstdorf gibt es Leihschlittschuhe und Laufhilfen für Kinder, das nimmt den ersten Runden viel Frust.
Häufige Fragen
Wann haben die Weihnachtsmärkte im Allgäu geöffnet?
Welcher Adventmarkt im Allgäu ist der beste für Kinder?
Liegt im Advent schon Schnee in Oberstdorf?
Was kann man mit Kindern machen, wenn es regnet?
Kommt man ohne Auto nach Oberstdorf?
Ab welchem Alter lohnt sich die Rodelbahn am Nebelhorn?
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