Ab Kehre elf hat meine Tochter aufgehört zu zählen und angefangen, sehr still zu werden. Wer mit Kindern nach Alpe d’Huez fährt, lernt die 21 Serpentinen von Bourg-d’Oisans hinauf schnell kennen, jede mit einem Schild und einem Namen aus der Tour de France. Für Radfahrer ist das ein Heiligtum, für ein Kind auf der Rückbank sind es 21 Gelegenheiten, das Frühstück zu bereuen. Seitdem fahren wir diese Strecke nur noch mit offenem Fenster, leerem Magen und einer Tüte in Reichweite.
Oben angekommen wird es dann meistens hell. Alpe d’Huez liegt in Isère auf einem nach Süden geneigten Hochplateau, und der Ort lebt seit Jahrzehnten von seinem Ruf als sonniger Skiort. Für Familien ist das mehr als Werbung: Ein Fünfjähriger, der im Schatten am Übungshang steht, hört nach vierzig Minuten auf. In der Sonne hält er doppelt so lange durch.

Sonne hat zwei Seiten
Die Südlage bringt lange, warme Vormittage. Sie bringt auch weichen Schnee am Nachmittag, besonders im Februar und März, wenn die Sonne schon Kraft hat. Für Anfänger ist das anfangs angenehm, weil Sulz weniger wehtut als Eis. Gegen halb vier wird derselbe Schnee dann schwer und klebrig, und genau dann fährt ein müdes Kind seinen letzten Kilometer.
Unsere Konsequenz nach der ersten Woche: früh raus, gegen halb zehn am Lift, mittags eine lange Pause in der Sonne, und den Nachmittag nur noch für kurze Abfahrten auf den flachen Hängen nutzen. Sonnencreme gehört hier in den Skianzug, nicht in den Koffer. Wir haben ein Kind mit verbranntem Kinn nach Hause gebracht, weil ich vergessen hatte, dass Licht auch von unten kommt.
Der Ort ist weitläufig, such dir die richtige Ecke
Alpe d’Huez ist kein Dorf, sondern eine ausgedehnte Ferienortschaft, die sich über das Plateau zieht. Zwischen dem einen und dem anderen Ende liegen Fußwege, die mit Skischuhen und einem Vorschulkind an der Hand lang werden. Es gibt Skibusse, aber der Wintermorgen mit zwei Kindern im vollen Bus ist keiner, den du sechsmal in einer Woche erleben willst.
Wichtiger als der Ortsname ist deshalb die Frage, wie weit die Unterkunft vom Anfängergelände und vom nächsten Lift entfernt liegt. Frag im Zweifel die Vermietung direkt danach und lass dir die Gehzeit sagen. Wer es kleiner und ruhiger mag, schaut sich die angeschlossenen Orte im selben Skigebiet an, etwa Vaujany, Oz-en-Oisans, Auris oder Villard-Reculas. Dort ist weniger los, dafür bist du auf die Verbindungslifte angewiesen, wenn ihr ins Hauptgebiet wollt.
Skikurs, Kinderbereich und die Sache mit der Sprache
Am Ortsrand gibt es abgetrennte Anfängerbereiche mit flachem Gelände und Förderbändern, dazu Übungshänge, die von den Terrassen aus einsehbar sind. Unterrichtet wird überwiegend von der ESF, der verbreiteten französischen Skischule, die eigene Gruppen für Kleinkinder führt. Buch früh. In den Ferienwochen sind die Kurse voll, und der Rest sind Zeiten, die deinen Tag zerschneiden.
Wenn dein Kind kein Französisch spricht, frag beim Buchen nach einem englischsprachigen Kurs oder nimm für den Start zwei Einzelstunden. Bei uns hat das mehr gebracht als drei Gruppentage, in denen die Kleine hauptsächlich versucht hat zu verstehen, was gerade von ihr erwartet wird. Nach den Einzelstunden konnte sie mit der Gruppe mithalten und wollte auch hin.

Die Eisgrotte hoch am Berg
Ganz oben, im Bereich des Pic Blanc, gibt es eine in den Gletscher gehauene Eisgrotte mit Skulpturen, die Grotte de Glace. Für Kinder ist das ein Ziel, das sich vom Skifahren unterscheidet: kalt, blau, still, und man geht darin herum statt zu fahren. Zieh warme Sachen an, drinnen bleibt es kalt, auch wenn draußen die Sonne knallt.
Die Auffahrt dorthin führt über mehrere Sektionen und endet weit über dem Ort. Plane das als eigenen Vormittag und nicht als Zwischenstopp. Kläre außerdem vorher, wie ihr wieder herunterkommt, wenn ein Kind die Abfahrt von dort oben nicht fahren kann oder will. Die Pisten im obersten Bereich sind nichts für den dritten Skitag im Leben.
La Sarenne, die lange Abfahrt
Vom Pic Blanc führt mit der Sarenne eine der längsten Abfahrten der Alpen hinunter in die Schlucht. Sie steht als schwarze Piste auf dem Plan, wobei die Schwierigkeit weniger in einzelnen Steilstücken liegt als in der Länge und darin, dass unterwegs kein Ausstieg wartet. Wer sie mit einem Kind fahren will, sollte ehrlich einschätzen, ob es eine ganze Abfahrt ohne Zusammenbruch durchhält.
Wir haben es mit unserem Sohn im zweiten Skijahr nicht gemacht und ein Jahr später sehr wohl. Der Unterschied war nicht das Können, sondern die Kondition. Nimm für so eine Fahrt den Vormittag, wenn die Beine frisch sind, und rechne mit deutlich mehr Zeit als die Karte suggeriert, weil Kinder unterwegs stehen bleiben und schauen.
Flugzeuge zwischen den Pisten
Mitten im Gebiet liegt der Altiport, ein kleines Flugfeld am Hang, auf dem Sportmaschinen starten und landen. Man kann von der Piste aus zusehen, und für viele Kinder ist das die Attraktion der Woche, obwohl sie in keinem Prospekt groß beworben wird. Wir haben dort einmal eine halbe Stunde am Rand gestanden und auf die nächste Landung gewartet, mit Kakao aus der Thermoskanne.

Wohnen: fast immer Apartment
Wie überall in den französischen Alpen buchst du in Alpe d’Huez meist eine Ferienwohnung mit Selbstverpflegung. Familienhotels mit Halbpension sind die Ausnahme, Apartment-Residenzen die Regel, und die Wohnungen sind knapp geschnitten. Vier Personen bedeutet oft Schlafnische plus Schlafsofa, nicht zwei getrennte Schlafzimmer. Sieh dir vor der Buchung den Grundriss an, die Personenzahl im Titel verrät nichts über die Aufteilung.
Bettwäsche, Handtücher und die Endreinigung stehen häufig als Zusatzposten in der Buchung und tauchen im ersten Preis nicht auf. Das ist in Frankreich üblich, verschiebt aber den Vergleich zwischen zwei Angeboten spürbar. Ein zweiter Blick lohnt sich auf den Skiraum: Ein abschließbarer Raum mit Schuhtrocknern spart dir jeden Abend das Schleppen und das Wohnzimmer als Trockenkammer.
Mittagspause: Terrasse oder Rucksack
Die Südlage sorgt dafür, dass die Sonnenterrassen um zwölf voll sind. Mit Kindern heißt das entweder um halb zwölf essen oder um halb zwei, dazwischen stehst du mit einem Tablett in der Hand und suchst einen Platz, während jemand quengelt. Wir sind irgendwann dazu übergegangen, zweimal in der Woche einzukehren und an den anderen Tagen Brote und Obst mitzunehmen.
Für die Rucksackvariante brauchst du einen Platz, an dem alle sitzen können, ohne im Wind zu stehen. Rund um die Anfängerhänge gibt es Bänke und windgeschützte Ecken, die genau dafür taugen. Getränke am besten in einer Thermoskanne, Plastikflaschen im Rucksack sind nach zwei Stunden auf dem Rücken kalt und werden dann von niemandem angerührt. Und pack die Snacks so ein, dass ein Kind sie mit Handschuhen aufbekommt. Klingt nebensächlich, ist aber der Unterschied zwischen kurzer Pause und zehn Minuten Gefummel mit klammen Fingern.

Anreise über das Tal und die 21 Kehren
Die Zufahrt führt über Bourg-d’Oisans und die berühmten Kehren hinauf. Samstag ist in Frankreich der klassische Wechseltag, entsprechend voll ist die Straße, und in Serpentinen fährt es sich mit Stau vor jeder Kurve noch zäher. Wenn es geht, komm freitags an oder starte den Samstag so früh, dass ihr vor dem großen Andrang oben seid. Schneeketten gehören ins Auto, in den französischen Bergregionen kann in der Wintersaison eine Ausrüstungspflicht gelten.
Grenoble liegt als nächste größere Stadt am Fuß der Berge und eignet sich für den Rückreisetag, wenn ihr das Flugzeug oder den Zug erst am Abend nehmt. Die Seilbahn hinauf zur Bastille über der Altstadt ist ein kurzer Programmpunkt, der auch mit Kindern funktioniert, die von Bergen für diese Woche eigentlich genug haben.
Tage ohne Skier
Nicht jeder Tag muss auf der Piste stattfinden. Im Ort gibt es ein Sportzentrum mit Eislaufen und Schwimmbad, dazu Rodelhänge und präparierte Winterwanderwege über das Plateau. Eine Schneeschuhrunde funktioniert schon mit Grundschulkindern, wenn du die Strecke kurz hältst und ein Ziel hast, an dem es etwas Warmes zu trinken gibt.
Wenn du bei der Ortswahl noch schwankst, achte auf das französische Gütesiegel Famille Plus. Orte mit diesem Label werden auf Dinge geprüft, die im Alltag mit Kindern zählen, etwa Betreuung, Beschilderung und Angebote für verschiedene Altersgruppen. Es ersetzt keine eigene Recherche, sortiert aber die Auswahl vor.

Beliebte Familien-Aktivitäten in Alpe d'Huez
🏡 Familienunterkünfte in Alpe d'Huez
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Vormittags fahren und nachmittags kürzertreten, in der Südlage wird der Schnee ab dem frühen Nachmittag weich.
- Sonnencreme und Lippenpflege in die Skijacke, das Licht kommt auf dem Plateau auch von unten.
- Vor der Buchung nach der Gehzeit von der Wohnung zum Anfängerhang fragen, der Ort ist weitläufig.
- Für die Grotte de Glace am Pic Blanc einen ganzen Vormittag einplanen und warme Kleidung mitnehmen.
- Bei Anreise über die 21 Kehren mit leerem Magen und offenem Fenster fahren, die Serpentinen fordern empfindliche Mägen.
Häufige Fragen
Ist Alpe d'Huez für Skianfänger geeignet?
Können Kinder die Abfahrt La Sarenne fahren?
Wo wohnen Familien in Alpe d'Huez am besten?
Was machen wir an einem Tag ohne Ski?
Was bedeutet das Label Famille Plus?
Beliebte Ziele für den Winterurlaub
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