Am ersten Morgen standen meine beiden Kinder um kurz nach sieben schon barfuß auf der Wiese vor unserer Ferienwohnung und zeigten aufgeregt Richtung Wasser. Über dem See hing noch ein dünner Nebel, dahinter zeichneten sich die Berge ab, und mein Sohn wollte sofort wissen, ob das da drüben schon die Schweiz sei. War es tatsächlich. Genau das macht diese Ecke aus: Du sitzt beim Frühstück in Deutschland, blickst nach Österreich und planst einen Nachmittag in der Schweiz.
Wir waren zehn Tage unterwegs, mit einem Sechsjährigen und einer Neunjährigen, und ich hatte vorher ehrlich gesagt Sorge, dass uns die Ideen ausgehen. Das Gegenteil war der Fall. Am Ende sind wir mit einer Liste nach Hause gefahren, die für einen zweiten Urlaub reicht.
Wenn du gerade selbst einen Urlaub am Bodensee mit Kindern planst, findest du hier keine Hochglanz-Aufzählung, sondern das, was bei uns wirklich funktioniert hat, und ein paar Dinge, die ich beim nächsten Mal anders machen würde.
Warum der Bodensee perfekt für Familien ist
Vieles klingt erst nach Werbung, bis man mit Kindern dort steht und merkt, dass es einfach passt. Diese Punkte haben bei uns den Unterschied gemacht:
- Kurze Wege. Die Ausflugsziele liegen dicht beieinander, oft reicht eine halbe Stunde im Auto oder eine gemütliche Schifffahrt, bevor gemeckert wird.
- Drei Länder an einem Ufer. Die Kinder fanden es großartig, an einem Tag Grenzen zu überqueren und Franken statt Euro zu sehen.
- Das Wasser selbst. Flache Strandbäder mit Liegewiese, an denen die Kleinen paddeln und die Großen ihre Ruhe haben.
- Wetterunabhängig. Bei Regen gibt es Museen und Erlebniswelten, bei Sonne den See. Wir mussten nie einen Tag streichen.
- Gute Mischung aus Natur und Trubel. Ein Vormittag am ruhigen Ufer, ein Nachmittag im Freizeitpark, beides ist drin.
- Vieles ist zu Fuß oder per Rad erreichbar. Der Radweg rund um den See ist flach und auch für kleinere Kinder machbar.
Die schönsten Ausflüge und Aktivitäten mit Kindern
Ravensburger Spieleland
Das war der Tag, den sich beide Kinder am meisten gewünscht hatten, und er hat geliefert. Der Park ist kleiner und entspannter als die großen Freizeitgiganten, was mit Grundschulkindern genau richtig ist. Kaum Wartezeiten, viele Stationen zum Selbermachen, und niemand war abends völlig überdreht.
Plant trotzdem einen ganzen Tag ein und kommt früh. Am späten Vormittag füllt es sich spürbar.
Insel Mainau
Ich gebe zu, ich hatte eine Blumeninsel als Kinderprogramm unterschätzt. Aber neben den Beeten gibt es ein riesiges Spielareal, ein Schmetterlingshaus, in dem einem die Falter auf der Hand landen, und genug Platz zum Toben. Meine Tochter wollte gar nicht mehr weg aus dem tropischen Haus.

Pfänderbahn in Bregenz
Von Bregenz aus fährt eine Seilbahn auf den Hausberg, und die Aussicht von oben über den ganzen See ist der Moment, in dem sogar müde Kinder wieder wach werden. Am Berg gibt es einen Wildpark mit heimischen Tieren, den man auf einem Rundweg erläuft, und einen Spielplatz mit Blick über die Kante.
Wir sind hochgefahren und ein Stück zu Fuß wieder abgestiegen, das war für unsere Beine genau die richtige Dosis.
Affenberg Salem
Hier laufen rund zweihundert Berberaffen frei in einem großen Wald herum, und du gehst mittendurch. Am Eingang bekommt jedes Kind Popcorn, das man den Affen auf die flache Hand legen darf. Mein Sohn spricht heute noch davon, wie ein Affenbaby direkt neben ihm saß.
Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Rucksäcke gut schließen, die Tiere sind neugierig und flink.
Pfahlbauten Unteruhldingen
Ein Freilichtmuseum auf Stelzen direkt im Wasser, das zeigt, wie Menschen hier vor Tausenden Jahren gelebt haben. Die Kinder durften in die nachgebauten Hütten, es gab Vorführungen mit Feuermachen und alten Werkzeugen, und plötzlich war Steinzeit kein trockenes Schulthema mehr.

Sea Life Konstanz
Für einen verregneten Nachmittag ideal. Man wandert durch die Wasserwelten vom Bodensee bis zum Meer, und der Glastunnel, durch den die Rochen über einem hinweggleiten, war der heimliche Höhepunkt. In gut zwei Stunden hat man alles gesehen, danach passt noch ein Bummel durch die Altstadt.
Zeppelin Museum Friedrichshafen
Friedrichshafen ist die Heimat der Zeppeline, und im Museum steht ein begehbarer Nachbau eines Teils der Hindenburg. Durch die Fenster blickt man auf den See, als würde man tatsächlich schweben. Für technikbegeisterte Kinder ein Volltreffer, und für die Eltern überraschend spannend.
Mit dem Schiff über den See
Das Schiff war für uns kein Zwischending, sondern ein Ausflug für sich. Die Fähren verbinden die Orte am Ufer, und statt langweiliger Autofahrt sitzt man an Deck, isst ein Eis und schaut den Möwen zu. Die Kurzstrecke zwischen zwei Orten reicht schon, um bei den Kindern für Begeisterung zu sorgen.
Die schönsten Orte am Bodensee für Familien
Rund um den See reiht sich ein Ort an den nächsten, jeder mit eigenem Charakter. Diese fünf haben wir uns genauer angesehen.
Konstanz
Die größte Stadt am See, lebendig und mit einer schönen Altstadt zum Bummeln. Von hier aus erreichst du die Insel Mainau und das Sea Life schnell. Am Hafen gibt es Eis und Platz zum Herumlaufen, während man aufs Schiff wartet.
Friedrichshafen
Etwas nüchterner als Konstanz, dafür mit der schönen Uferpromenade und natürlich dem Zeppelin. Wer Technik mag, ist hier richtig, und die Seepromenade lädt zum abendlichen Spaziergang mit Eis in der Hand.
Meersburg
Unser Lieblingsort zum Anschauen. Eine mittelalterliche Burg thront über dem Städtchen, die Gassen sind steil und verwinkelt, und von oben schaut man weit über den See. Für Kinder ist die begehbare Burg mit Rittersaal und Verlies ein Erlebnis.
Bregenz
Der österreichische Teil, Ausgangspunkt für die Pfänderbahn und bekannt für die Seebühne. Die Uferpromenade ist breit und kinderfreundlich, und der Blick auf den See ist von hier besonders schön.
Lindau
Die Altstadt liegt auf einer Insel, verbunden durch einen Damm, und die Hafeneinfahrt mit dem Löwen und dem Leuchtturm bleibt im Kopf. Autofrei, überschaubar, ideal für einen Nachmittag, an dem man einfach durch die Gassen schlendern will.
Wo ihr am Bodensee mit Kindern am besten wohnt
Wir haben eine Ferienwohnung am deutschen Ufer genommen, und für uns war das die richtige Wahl. Mit Kindern schätze ich eine eigene Küche, in der ich morgens in Ruhe Frühstück machen kann, und den Platz, an dem jeder sein eigenes Eck hat. Nach einem vollen Tag ist es Gold wert, nicht im Restaurant sitzen zu müssen, wenn die Kleinen quengeln.
Wer es unkomplizierter mag, findet am See mehrere Familienhotels mit Pool, Spielzimmer und Betreuung. Das nimmt einem viel Organisation ab, kostet dafür mehr. Für einen Urlaub am Bodensee mit Kindern, der rundum sorglos sein soll, ist das eine Überlegung wert.
Die dritte Variante ist Camping, und rund um den See gibt es viele Plätze direkt am Wasser. Meine Kinder beneiden bis heute die Familien, die morgens vom Zelt aus in den See springen konnten. Wenn ihr campingerfahren seid, ist das am See eine der schönsten Arten, hier zu wohnen. Bucht in der Hauptsaison früh, die guten Plätze am Ufer sind schnell weg.
Anreise mit dem Auto
Wir sind mit dem Auto angereist, und das war entspannt. Über die Autobahn erreicht man das deutsche Ufer aus den meisten Richtungen gut, und die letzten Kilometer am See entlang sind schon Teil der Vorfreude. Plant für die Fahrt genug Pausen ein, gerade mit kleineren Kindern, ein Stopp mit Auslauf verhindert viel Gejammer auf der Rückbank.
Vor Ort haben wir das Auto oft stehen lassen und sind aufs Schiff umgestiegen. Die Fähren nehmen auch Autos mit, wenn du ans andere Ufer willst, was die Fahrt deutlich abkürzt. Wer ohne Auto anreisen mag, kommt mit der Bahn bis in mehrere Orte am See und ist dann mit Schiff und Bus gut unterwegs.
Beste Reisezeit und Tipps
Wir waren im Frühsommer da, und das war fast ideal: warm genug fürs Wasser, aber noch nicht so voll wie in den großen Ferien. Ein paar Dinge, die ich dir mitgeben möchte:
- Frühsommer und früher Herbst sind angenehm, weil die Attraktionen weniger überlaufen sind und das Wetter oft stabil bleibt.
- Packt für alle Fälle. Am See kann es morgens frisch sein und mittags heiß werden, Zwiebellook rettet den Tag.
- Badesachen gehören immer in die Tasche, auch bei einem Museumstag. Die Gelegenheit für einen Sprung ins Wasser kommt schneller als gedacht.
- Kombiniert einen Aktivtag mit einem ruhigen Tag. Nach dem Freizeitpark tat uns ein Nachmittag am Strandbad richtig gut.
- Kauft Tickets für beliebte Ziele vorab, an schönen Tagen bilden sich an den Kassen Schlangen.
- Fragt in eurer Unterkunft nach einer Gästekarte, mancherorts sind damit Bus oder einzelne Eintritte vergünstigt.
Als wir am letzten Abend noch einmal am Ufer saßen und die Sonne hinter den Schweizer Bergen verschwand, fragte meine Tochter, wann wir wiederkommen. Ich glaube, das ist die ehrlichste Empfehlung, die ich für einen Urlaub am Bodensee mit Kindern geben kann. Und die halbe Liste an Ideen liegt ja noch bereit.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Bodensee
🏡 Familienunterkünfte in Bodensee
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Kommt früh in die Freizeitparks, am späten Vormittag füllen sie sich spürbar und die Wartezeiten steigen.
- Packt die Badesachen auch an Museumstagen ein, die Gelegenheit für einen Sprung ins Wasser ergibt sich oft spontan.
- Nutzt die Fähren nicht nur zum Übersetzen, sondern als eigenen Ausflug, das spart Autofahrt und begeistert die Kinder.
- Fragt in der Unterkunft nach einer Gästekarte, damit gibt es mancherorts Vergünstigungen für Bus oder Eintritte.
- Schließt Rucksäcke und Taschen am Affenberg gut, die neugierigen Tiere sind schnell und geschickt.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter lohnt sich der Bodensee mit Kindern?
Wie viele Tage sollte man für den Bodensee mit Kindern einplanen?
Braucht man am Bodensee mit Kindern ein Auto?
Was kann man am Bodensee mit Kindern bei Regen machen?
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