An der Westseite des Bremer Rathauses steht eine Bronzeplastik, die kein Kind unbeachtet lässt: Esel, Hund, Katze und Hahn, einer auf dem anderen. Der Brauch will, dass man die Vorderbeine des Esels mit beiden Händen umfasst. Entsprechend blank poliert sind sie. Unsere Kinder haben das dreimal an drei Tagen gemacht, und beim dritten Mal wussten sie das Märchen auswendig, ohne dass wir es je vorgelesen hätten.
Bremen hat gegenüber Berlin und Hamburg einen Vorteil, den Familien mit kleinen Kindern schnell zu schätzen wissen: Die Stadt ist überschaubar. Altstadt, Weserufer und Bahnhof liegen so nah beieinander, dass ihr die meisten Wege zu Fuß macht. Kein Umsteigen, kein Kartenstudium, keine halbe Stunde Fahrt zwischen zwei Zielen. Das klingt unspektakulär und ist mit einem Vierjährigen im Schlepptau der halbe Erfolg.

Warum Bremen im Herbst gut passt
Der Norden ist im Herbst nass, das lässt sich nicht schönreden. In einem Ferienhaus an der Küste heißt das drei Tage Brettspiel. In Bremen heißt es, dass ihr vormittags ins Universum geht, mittags durch die Gassen des Schnoor lauft, wo man auch bei Nieselregen halbwegs im Trockenen bleibt, und nachmittags in der Botanika unter Palmen steht. Die Stadt hat für ihre Größe erstaunlich viele überdachte Ziele.
Anreisen solltet ihr mit der Bahn. Der Hauptbahnhof liegt am Rand der Innenstadt, von dort sind es wenige Minuten bis zum Markt, und vor der Halle fährt die Straßenbahn in alle Richtungen. Ein Auto braucht ihr in Bremen für nichts, außer ihr wollt ins Umland. Selbst der Tagesausflug nach Bremerhaven funktioniert im Regionalzug besser als über die Autobahn, weil ihr dort ebenfalls direkt in der Stadt ankommt statt auf einem Parkdeck.
Universum Bremen: anfassen, drücken, ausprobieren
Das Universum liegt bei der Universität im Norden der Stadt und ist von außen kaum zu verwechseln: ein silbrig geschupptes Gebäude, das wie eine gestrandete Muschel aussieht. Innen ist es ein Mitmachmuseum. Es gibt Stationen zu Technik, zum menschlichen Körper und zur Natur, und fast alles darf man bedienen. Man dreht, kurbelt, legt sich hin, schaut durch Röhren.
Das ist das beste Ziel der Stadt für Kinder zwischen etwa sechs und zwölf. Sie brauchen weder Erklärungen noch Aufsicht, sie arbeiten sich selbst durch. Kleinere Kinder ab drei kommen an einzelnen Stationen gut zurecht, verstehen aber wenig vom Rest und werden im Gedränge schnell müde. Jugendliche wiederum finden manche Bereiche zu simpel, halten sich dafür an den Stationen zu Wahrnehmung und Physik erstaunlich lange auf.
Plant mindestens einen halben Tag ein und kauft Tickets in den Ferien besser vorab. An verregneten Nachmittagen ist das Haus die erste Adresse jeder Bremer Familie, entsprechend voll wird es.

Marktplatz, Rathaus und Böttcherstraße
Der Marktplatz ist der Ort, an dem Bremen sich selbst erklärt. Auf einer Seite das Rathaus mit der Renaissancefassade, davor die Rolandstatue, gegenüber der Dom. Rathaus und Roland gehören zum Weltkulturerbe. Kindern sagt das genau nichts, aber der Roland ist über fünf Meter hoch und hat ein Schwert, und das reicht als Einstieg. Die Stadtmusikanten stehen um die Ecke an der Westseite des Rathauses.
Böttcherstraße
Vom Markt führt die Böttcherstraße hinunter zur Weser, eine schmale Gasse aus Backstein mit ungewöhnlichen Fassaden, Werkstätten und kleinen Läden. Über einer Passage hängt ein Glockenspiel aus Porzellanglocken, das zu bestimmten Zeiten spielt, während sich daneben Holztafeln drehen. Wann genau, ändert sich je nach Jahreszeit, das solltet ihr vor Ort erfragen. Für Kinder ist es ein Fünfminutenstopp, der sich einprägt, weil er unerwartet kommt.
Schnoorviertel
Der Schnoor ist das älteste Viertel der Stadt, ein Gewirr aus schmalen Gassen mit kleinen Häusern, in denen heute Läden, Werkstätten und Cafés sitzen. Manche Gassen sind so eng, dass zwei Erwachsene nicht nebeneinander gehen. Genau das finden Kinder gut, weil sie vorauslaufen und um Ecken verschwinden können, ohne dass jemand Angst haben muss.
Für Kinderwagen ist das Viertel mühsam. Das Pflaster ist grob, die Gassen sind eng, und bei Andrang steht ihr im Weg. Mit Buggy geht es, mit einem großen Wagen wird es eine Übung in Geduld. Bei Nieselregen ist der Schnoor trotzdem eine gute Wahl, weil ihr euch von Schaufenster zu Schaufenster hangeln könnt und die Häuser den Wind abhalten.

Schlachte an der Weser
Die Schlachte ist die Uferpromenade direkt an der Weser, nur ein paar Schritte von der Altstadt entfernt. Historische Schiffe liegen am Kai, Ausflugsboote legen ab, und der Weg ist breit genug für Roller und Laufräder. Für den Nachmittag zwischen zwei Innenzielen ist das die naheliegende Strecke.
Von hier starten auch Rundfahrten auf der Weser. Im Herbst fahren nicht mehr alle Angebote, und die Fahrpläne dünnen aus, deshalb prüft ihr das am besten am selben Tag. Wenn ihr an Deck sitzt, zieht die Kinder wärmer an, als es an Land nötig wäre. Auf dem Wasser weht immer etwas.

Botanika im Rhododendronpark
Die Botanika liegt im Rhododendronpark im Osten der Stadt und ist im Grunde ein begehbares Gewächshaus mit Themenlandschaften. Ihr geht durch nachgebaute Regionen Asiens, es ist warm, feucht, es riecht nach Erde, und in einem Bereich fliegen Schmetterlinge frei herum. Für Kinder, die im Nieselregen langsam die Lust verlieren, ist dieser Wechsel ins Warme der Rettungsanker des Tages.
Ab etwa vier funktioniert das gut, weil es um Schauen und Riechen geht und nicht um Texttafeln. Der Park drumherum lohnt sich im Herbst ebenfalls, auch wenn die Rhododendren dann längst verblüht sind. Er ist groß, ruhig und hat feste Wege, auf denen ein Kinderwagen problemlos rollt.

Bürgerpark
Direkt hinter dem Hauptbahnhof beginnt der Bürgerpark, und diese Lage ist der eigentliche Clou. Wer mit dem Zug ankommt oder auf einen Anschluss wartet, ist in wenigen Minuten in einem großen Landschaftspark mit Wiesen, Teichen, Spielplätzen und kleinen Tiergehegen.
Im Herbst ist der Park bunt und leer. Bootsverleih und einzelne Angebote laufen saisonal, das solltet ihr nicht fest einplanen. Die Spielplätze und die Tiergehege gibt es dagegen ganzjährig. Wir haben hier einmal eine Stunde zwischen Museum und Abendessen verbracht, und es war die entspannteste Stunde des ganzen Wochenendes.
Überseestadt
Westlich der Innenstadt liegt die Überseestadt, ein früheres Hafengebiet, das seit Jahren umgebaut wird. Alte Speicher stehen neben neuen Wohnhäusern, dazwischen liegen Kaikanten, Kräne und ein aufgeschütteter Sandstrand am Wasser. Für Kinder ist das ein guter Spielraum, für Eltern eine Gelegenheit, Bremen jenseits der Postkartenkulisse zu sehen.
Ein Hinweis dazu: Das Gebiet ist Baustelle und Quartier zugleich, und nicht jede Ecke ist gemütlich. Bei Wind an der Weser ist es hier ungeschützt, und die Kaikanten sind teils offen. Mit kleinen Kindern lohnt sich der Weg trotzdem, wenn ihr die Straßenbahn nehmt und euch auf den Uferbereich beschränkt.
Bremerhaven als Tagesausflug
Ein Missverständnis vorweg: Bremerhaven ist keine Ecke von Bremen, sondern eine eigene Stadt rund 60 Kilometer nordwestlich, an der Wesermündung. Beide gehören zum selben Bundesland, das erklärt die Verwechslung. Als Tagesausflug funktioniert die Fahrt gut, weil Regionalzüge die Strecke bedienen und ihr in Bremerhaven wieder mitten in der Stadt ankommt. Die aktuellen Verbindungen und Fahrzeiten schaut ihr am besten kurz vorher nach.
Das Klimahaus ist dort das Ziel für Familien. Ihr lauft entlang eines Längengrades einmal um die Erde und durchquert dabei nachgebaute Klimazonen, von der Hitze der Sahelzone bis in die Kälte der Antarktis. Es ist warm, kalt, laut und leise im Wechsel, und Kinder ab etwa sechs kommen begeistert wieder heraus. Für Kleinkinder sind einzelne Abschnitte zu dunkel und zu eng.
Das Deutsche Auswandererhaus daneben erzählt die Geschichte der Menschen, die von Bremerhaven aus über den Atlantik gefahren sind. Das ist eher etwas für Kinder ab zehn und für Jugendliche, weil man Biografien folgt und liest. Wer beide Häuser an einem Tag schaffen will, überschätzt die Kinder. Nehmt eines und lasst das andere für den nächsten Besuch.
Praktisches für Bremen mit Kindern
Zu den Wegen: In der Innenstadt braucht ihr kein Ticket, weil ohnehin fast alles zu Fuß erreichbar ist. Für Universum, Botanika und Überseestadt lohnt ein Tagesticket der Straßenbahn. Die Bahnen sind niederflurig, mit Kinderwagen kommt ihr also ohne Kletterei hinein.
Zum Pflaster: Altstadt und Schnoor sind Kopfsteinpflaster, und im Herbst ist es dauerhaft nass. Feste Schuhe mit Profil sind sinnvoller als schicke, und ein Buggy mit größeren Rädern erspart euch Ärger.
Zum Essen: Rund um den Schnoor und an der Schlachte findet ihr viele Lokale, mittags sind sie in den Ferien gut besucht. Wer mit Kindern isst, geht besser um zwölf als um halb zwei. Im Viertel östlich der Altstadt gibt es günstigere und entspanntere Adressen als direkt am Markt.
Zum Zuschnitt des Tages: Bremen erlaubt mehr als eine Großstadt, weil die Wege kurz sind. Zwei größere Ziele plus ein Spielplatz sind machbar. Was nicht funktioniert, ist Universum und Bremerhaven am selben Wochenende in unmittelbarer Folge, denn beides sind volle Tage mit viel Reizen.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Bremen ist kompakt: Bahnhof, Altstadt und Weserufer liegen so nah beieinander, dass ihr die meisten Wege zu Fuß schafft.
- Fürs Universum in den Ferien vorab buchen und einen halben Tag einplanen, an Regentagen ist es das volle Haus der Stadt.
- Der Bürgerpark beginnt direkt hinter dem Hauptbahnhof, ideal für die Wartezeit vor der Rückfahrt oder als Pause zwischen zwei Zielen.
- Im Schnoorviertel besser mit Buggy als mit großem Kinderwagen unterwegs sein, die Gassen sind eng und das Pflaster grob.
- Bremerhaven ist eine eigene Stadt rund 60 Kilometer nordwestlich. Als Tagesausflug mit dem Regionalzug planen und nur eines der großen Museen einpacken.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter lohnt sich das Universum Bremen?
Gehört Bremerhaven zu Bremen?
Was macht man in Bremen mit Kindern bei Regen?
Klimahaus oder Auswandererhaus in Bremerhaven?
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