Unsere erste Nacht auf dem Campingplatz habe ich vergessen zu erwähnen, dass die Luftmatratze ein Loch hatte. Um drei Uhr morgens lag ich mit dem Rücken auf dem nackten Zeltboden, mein Sohn quer über meinen Beinen, und draußen fing es an zu regnen. Ich dachte kurz, wir fahren morgen wieder heim.
Wir sind nicht heimgefahren. Am nächsten Morgen kroch die Sonne über die Zeltplane, mein Sohn rannte im Schlafanzug barfuß zum Nachbarzelt, wo schon zwei andere Kinder ein Loch in den Sandboden gruben, und ich saß mit einem Becher Kaffee davor und verstand, warum so viele Familien Jahr für Jahr wiederkommen.
Seitdem waren wir jeden Sommer unterwegs. Camping mit Kindern ist nicht immer bequem, aber es ist die Art von Urlaub, an die sich die Kleinen später wirklich erinnern. Hier kommt alles, was ich mir damals gewünscht hätte zu wissen.
Warum Camping mit Kindern so gut funktioniert
- Kinder finden auf dem Platz innerhalb von Minuten andere Kinder. Es braucht keine Verabredung, keine App und kein Eltern-Zutun, die Bande bilden sich von selbst zwischen den Stellplätzen.
- Der Radius ist überschaubar. Ein Vierjähriger darf allein zum Spielplatz laufen, weil kein Verkehr dazwischen liegt, und du behältst trotzdem den Überblick.
- Ihr seid draußen, den ganzen Tag. Kein Streit ums Tablet, weil Sandgraben, Fahrrad und Wasser einfach spannender sind.
- Der Tagesrhythmus wird ehrlicher. Die Kinder werden mit der Sonne müde und wachen mit den Vögeln auf, und das kostet euch abends deutlich weniger Nerven.
- Es kostet wenig. Ein Stellplatz mit Familie liegt meist weit unter dem, was ein Hotelzimmer verschlingt, und ihr kocht selbst.
- Ihr lernt eure Kinder anders kennen. Wer gemeinsam ein Zelt aufbaut und im Regen Karten spielt, redet mehr miteinander als in zwei Wochen Alltag.
Die schönsten Campingregionen für Familien
Gardasee
Der Gardasee ist für viele deutsche Familien der Einstieg ins Camping im Süden, und das aus gutem Grund. Die Fahrt über den Brenner ist mit Kindern gut machbar, das Wasser ist im Sommer warm genug für stundenlanges Planschen, und die großen Plätze rund um Peschiera und Bardolino sind auf Familien eingestellt, mit flachen Uferzonen und Pools.
Wenn ihr einen Regentag habt oder die Kinder mal etwas anderes brauchen als Schwimmen, liegt der Freizeitpark Gardaland direkt in Reichweite. Wir haben dort einen kompletten Tag verbracht, und selbst die Große, die Achterbahnen sonst meidet, wollte am Ende nicht mehr weg.
Nordsee und Ostsee
Wer nicht acht Stunden im Auto sitzen will, findet an der deutschen Küste einige der entspanntesten Familienplätze überhaupt. An der Nordsee bestimmt das Wattenmeer den Rhythmus, bei Ebbe könnt ihr mit den Kindern rausgehen und nach Krebsen und Muscheln suchen, das ist stundenlanger Zeitvertreib ganz ohne Eintritt.
Die Ostsee ist die weichere Variante, flach abfallende Strände, oft windgeschützter, und die Plätze auf Fehmarn oder an der Lübecker Bucht liegen häufig direkt hinter der Düne. In Norddeich lohnt sich ein Besuch der Seehundstation, wo die Kinder sehen, wie verwaiste Heuler aufgepäppelt werden.
Alpen und Allgäu
Camping mit Kindern in den Bergen unterschätzen viele, weil sie an anstrengende Wanderungen denken. In Wahrheit sind die Plätze im Allgäu oder in Tirol ideal für kleine Kinder, kühle Nächte zum Schlafen, klare Bäche zum Stauen, und Kühe hinter dem Zaun, die morgens muhen.
Von den meisten Plätzen aus erreicht ihr Bergbahnen, die euch ohne Schweiß nach oben bringen. Oben warten dann Themenwege mit Stationen zum Anfassen, sodass auch die Kurzbeinigen mitlaufen, ohne nach zehn Minuten getragen werden zu wollen.

Kärntner Seen
Die Kärntner Seen sind mein persönlicher Favorit für Camping mit Kindern. Der Faaker See und der Millstätter See gehören zu den wärmsten Badeseen der Alpen, das Wasser hat im Hochsommer Temperaturen, bei denen selbst frostige Eltern ohne Zögern reingehen. Die Plätze liegen oft direkt am Ufer mit eigenem Steg.
Rundherum ist die Gegend flach genug für Radausflüge mit dem Anhänger und trotzdem umgeben von Bergen. Für einen Ausflugstag bietet sich der Tierpark Rosegg an, wo die Kinder auf einem Rundweg durch den Wald an Luchsen und Wölfen vorbeikommen.
Kroatien und Istrien mit dem Auto
Kroatien klingt nach weiter Reise, aber mit dem Auto ist Istrien von Süddeutschland aus an einem langen Tag erreichbar. Die Halbinsel ist voll von großen, gut organisierten Campingplätzen, viele davon in Pinienwäldern direkt am Meer, mit Schatten am Nachmittag und flachem Einstieg ins klare Wasser.
Das Meer hier ist salzig und glasklar, ideal zum Schnorcheln schon für Anfänger, weil man auch in Ufernähe Fische sieht. Ein Ausflug in die alte Küstenstadt Rovinj lohnt sich, die Gassen, der Hafen und die Fischerboote sind für Kinder ein Abenteuer, und danach gibt es Eis am Wasser.

Zelt, Wohnwagen oder Mobilheim: was passt zu eurer Familie
Diese Frage entscheidet mehr über euren Urlaub als das Reiseziel. Das Zelt ist der günstigste Einstieg und bringt euch am nächsten an das Gefühl, das die meisten mit Camping verbinden. Ihr braucht wenig, ihr seid flexibel, und für kleines Geld habt ihr eine komplette Ausrüstung. Der Preis dafür ist Aufwand, jeder Regenguss ist eine Prüfung, der Aufbau nach acht Stunden Autofahrt zerrt an den Nerven, und dünne Isomatten machen den Rücken über zwei Wochen nicht glücklich. Für einen ersten Test empfehle ich trotzdem das Zelt, weil ihr so herausfindet, ob euch diese Art zu reisen überhaupt liegt, bevor ihr Geld in mehr steckt.
Der Wohnwagen ist der Schritt für Familien, die gemerkt haben, dass sie dabeibleiben. Ihr habt feste Betten, einen trockenen Rückzugsort bei Regen und eine kleine Küche. Ihr müsst aber ein Zugfahrzeug haben, das Rangieren will geübt sein, und auf dem Platz seid ihr weniger beweglich, weil das Abbauen jedes Mal Arbeit ist. Wer einmal im Jahr an denselben See fährt, ist damit bestens bedient.
Das Mobilheim ist der bequemste Weg und der beste Einstieg für alle, die das Campinggefühl mögen, aber nicht auf festen Betten und einem eigenen Bad verzichten wollen. Ihr mietet es fertig auf dem Platz, es steht schon da, ihr packt eure Sachen aus und seid angekommen. Es ist teurer als Zelt und Wohnwagen, aber immer noch günstiger als die meisten Hotels, und für den allerersten Sommer mit kleinen Kindern nimmt es viel Druck raus. Wir haben so angefangen und sind erst später aufs Zelt umgestiegen, als die Kinder größer waren.
Packliste und praktische Tipps fürs Familiencamping
- Dicke Isomatten oder selbstaufblasende Matten für alle. An dieser Stelle zu sparen rächt sich in der ersten Nacht, wie ich schmerzhaft gelernt habe.
- Eine Stirnlampe pro Kind. Der Weg zum Sanitärhaus im Dunkeln wird damit vom Drama zum Abenteuer, und die Kinder lieben es, ein eigenes Licht zu haben.
- Gummistiefel und Regenjacken, auch wenn die Vorhersage strahlend ist. Ein nasser Vormittag lässt sich mit trockenen Füßen aussitzen.
- Eine Wäscheleine und Klammern. Nasse Badesachen und sandige Handtücher sammeln sich schneller an, als ihr denkt.
- Kartenspiele, ein Buch, ein Malblock. Für den Regennachmittag und die Zeit, in der ihr das Abendessen kocht.
- Ein kleines Erste-Hilfe-Set mit Pflastern, Zeckenzange und Mitteln gegen Sonnenbrand und Insektenstiche. Aufgeschürfte Knie gehören zum Programm.
- Trinkflaschen und eine Kühltasche. Kinder brauchen ständig Nachschub, und der nächste Kiosk ist nicht immer gleich um die Ecke.
- Reserviert eure Stellplätze in der Hauptsaison früh. Die guten Familienplätze an See und Meer sind Monate im Voraus ausgebucht.
Wenn ihr bis hierher gelesen habt und noch zögert, dann bucht einfach ein verlängertes Wochenende auf einem Platz in der Nähe, bevor ihr die große Reise plant. Ihr merkt schnell, ob es euer Ding ist, und die Kinder werden ohnehin am ersten Abend nicht mehr wegwollen. Camping mit Kindern verzeiht Anfängerfehler, die Luftmatratze mit dem Loch inklusive, und schenkt euch dafür Sommer, über die ihr noch Jahre später redet.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Nordsee
🏡 Familienunterkünfte in Nordsee
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Testet Zelt und Ausrüstung einmal im Garten oder auf einem Platz in der Nähe, bevor ihr weit fahrt. So kennt ihr den Aufbau und findet Löcher in der Luftmatratze rechtzeitig.
- Reserviert Familienplätze an See und Meer in der Hauptsaison mehrere Monate im Voraus, sonst sind die guten Uferstellplätze ausgebucht.
- Packt für jedes Kind eine eigene Stirnlampe. Der nächtliche Weg zum Sanitärhaus wird damit zum Abenteuer statt zum Drama.
- Plant pro Regentag eine Beschäftigung ein, Kartenspiele, ein Malblock oder ein naher Ausflug wie ein Freizeitpark oder Tierpark retten die Stimmung.
- Wählt für den ersten Familienurlaub eine Region mit kurzer Anfahrt wie Nord- oder Ostsee oder die Kärntner Seen, damit die Reise selbst nicht zur Belastung wird.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann man mit Kindern zelten?
Welche Campingregion eignet sich am besten für den ersten Familienurlaub?
Was kostet Camping mit Kindern ungefähr?
Braucht man für Camping mit Kindern viel Ausrüstung?
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