Meine Tochter war sechs, als sie zum ersten Mal am Ufer stand und fragte, ob das schon das Meer sei. Der Chiemsee lag flach und weit vor uns, dahinter die Berge, und der Wind roch nach Wasser und warmem Schilf. Ich habe nicht widersprochen. Wer als Kind zum ersten Mal an diesem Ufer steht, glaubt sofort, dass Bayern ein Meer hat.
Wir kommen aus dem Münchner Umland und fahren seit Jahren immer wieder her, mal für einen Tag, mal für ein ganzes Wochenende. Der Chiemsee ist einer der Orte, an dem ich mit den Kindern nie das Gefühl habe, ich müsste sie bespaßen. Sie beschäftigen sich hier von allein, mit Steinen, Booten, Enten und Eis.
In diesem Artikel erzähle ich dir, wie ein Urlaub am Chiemsee mit Kindern wirklich abläuft, welche Ausflüge sich gelohnt haben und wo wir am liebsten baden gehen.
Warum der Chiemsee perfekt für Familien ist
Nach mehreren Besuchen mit Kindern zwischen drei und zwölf Jahren würde ich sagen, das sind die Gründe, warum wir immer wiederkommen.
- Das Ufer fällt an vielen Badeplätzen flach ab, kleine Kinder können lange planschen, ohne dass mir das Herz stehen bleibt.
- Die Schifffahrt auf dem See ist selbst ein Ausflug, kein bloßes Transportmittel, und Kinder lieben das An- und Ablegen an den Inseln.
- Rund um den See gibt es flache Radwege, auf denen auch Grundschulkinder gut mitfahren können.
- Berge und Wasser liegen so nah beieinander, dass man vormittags baden und nachmittags mit der Seilbahn hochfahren kann.
- Viele Wege sind kinderwagentauglich, was mit dem Kleinsten im Buggy einen echten Unterschied macht.
- Von München aus bist du mit Auto oder Bahn schnell da, das spart Nerven bei quengeligen Mitfahrern.
Die schönsten Ausflüge und Aktivitäten mit Kindern
Mit dem Schiff zu den Inseln
Die Chiemsee-Schifffahrt ist bei uns Pflicht bei jedem Besuch. Die Dampfer tuckern gemächlich über den See und halten an der Herren- und der Fraueninsel. Meine Kinder sitzen am liebsten ganz vorn oder oben an Deck und zählen die Möwen, die den Booten hinterherfliegen.
Praktisch ist, dass du zwischendurch aussteigen, eine Insel erkunden und mit einem späteren Schiff weiterfahren kannst. So wird aus der Fahrt ein ganzer Tag, ohne dass jemand Langeweile schiebt. Wir nehmen meistens gleich am Morgen das erste Schiff, das noch halb leer ist, dann haben die Kinder Platz am Geländer und ich einen Kaffee in Ruhe.

Schloss Herrenchiemsee
Auf der Herreninsel steht das Schloss, das König Ludwig II. nach dem Vorbild von Versailles bauen ließ. Vom Anleger läuft man ein Stück durch den Wald, was für Kinder eher Abenteuer als Fußmarsch ist. Wer nicht laufen mag, nimmt die Pferdekutsche, die es dort gibt.
Die Prunkräume beeindrucken auch die Kleinen, vor allem die riesige Spiegelgalerie. Meine Große war danach tagelang überzeugt, dass Könige nichts anderes zu tun hatten, als Gold an die Wände zu kleben. Der Schlosspark mit seinen Brunnen ist zum Herumtoben mindestens genauso gut wie das Gebäude selbst. Rechne mit einem halben Tag, wenn ihr Anreise, Schloss und Park in Ruhe verbinden wollt, und plant eine Pause zum Essen ein, denn hungrige Kinder verlieren im schönsten Prunksaal schnell die Geduld.
Die Fraueninsel entdecken
Die Fraueninsel ist kleiner und autofrei, ein winziges Dorf mit Kloster, Fischräuchereien und schmalen Gassen. Man umrundet die ganze Insel in einer knappen halben Stunde zu Fuß, mit Kindern dauert es länger, weil es überall etwas zu gucken gibt.
Wir kaufen dort meistens geräucherten Fisch am Stand und essen ihn am Ufer, während die Kinder Steine ins Wasser werfen. Für einen ruhigen Nachmittag ist die Insel ideal. Meine Kinder finden es jedes Mal spannend, den Fischern zuzusehen, und der Geruch aus den Räucheröfen zieht über die ganze Insel. Wer mag, kann in einem der kleinen Läden nach Keramik und selbst gemachten Sachen stöbern, die Künstler hier verkaufen.
Mit der Kampenwand-Seilbahn nach oben
Wenn das Wetter mitspielt, fahren wir von Aschau mit der Kampenwand-Seilbahn den Berg hinauf. Oben öffnet sich der Blick über den ganzen Chiemsee, und an klaren Tagen sieht man weit ins Land. Für Kinder ist schon die Gondelfahrt ein kleines Ereignis.
Von der Bergstation gibt es Wege, die auch mit Familien machbar sind, von der gemütlichen Runde bis zur längeren Wanderung. Wir bleiben meist bei der kurzen Variante und kehren in einer Hütte ein. Die Kinder bekommen dort ihre Brotzeit, ich meine Ruhe und den Blick auf die Felsen, und danach geht es entspannt wieder mit der Gondel hinunter. Zieh den Kindern feste Schuhe an, oben ist der Boden steiniger als am See.

Baden am See
Zum Baden fahren wir am liebsten an die Plätze bei Prien und Übersee. Das Wasser wird im Hochsommer angenehm warm, und an den flachen Stellen können auch kleine Kinder ohne Sorge ins Wasser. Nimm für den Nachwuchs Badeschuhe mit, an manchen Stellen liegen Steine im flachen Bereich.
Wenn der See mal zu voll oder das Wetter durchwachsen ist, weichen wir aufs Prientalbad aus. Ein Freibad in Seenähe ist mit müden, quengeligen Kindern manchmal die entspanntere Wahl, weil es Becken für jedes Alter gibt und die Wege kurz sind. An einem heißen Nachmittag haben wir dort schon Stunden verbracht, ohne dass jemand meckern wollte.
Rund um den See: die schönsten Orte für Familien
Prien ist für uns der beste Ausgangspunkt. Vom Ort fährt die historische Chiemsee-Bahn, eine kleine Dampf-Straßenbahn, hinunter zum Schiffsanleger in Stock. Diese kurze Fahrt ist für Kinder oft das Highlight des Tages, lauter als jede Modelleisenbahn und echt zum Anfassen. In Prien selbst findest du Läden, Eisdielen und einen guten Badeplatz.
Übersee liegt am Südufer und hat weitläufige Liegewiesen am Wasser. Hier ist es meist etwas ruhiger, gut für einen entspannten Badetag mit kleineren Kindern.
Die Fraueninsel erreichst du nur per Schiff, dafür bist du dort völlig autofrei unterwegs. Das Klosterdorf mit seinen Gärten lädt zum Bummeln ein, und die Kinder können frei laufen.
Die Herreninsel ist die größere der beiden Inseln, bekannt vor allem für das Schloss Herrenchiemsee. Zwischen Anleger und Schloss liegt viel Grün, in dem sich gut ein Picknick machen lässt.
Wo ihr am Chiemsee mit Kindern am besten wohnt
Wir haben schon auf verschiedene Arten am See übernachtet, und jede hat ihre Berechtigung. Ein Familienhotel ist praktisch, wenn du wenig planen und dich um nichts kümmern willst. Viele Häuser in der Region sind auf Familien eingestellt, mit Spielbereich und Frühstück, das auch wählerische Kinder satt macht.
Für längere Aufenthalte nehmen wir am liebsten eine Ferienwohnung. Eine eigene Küche macht mit Kindern vieles leichter, vom Frühstück im Schlafanzug bis zum späten Abendessen nach einem langen Badetag. Achte bei der Buchung darauf, wie weit es zum Wasser ist, das entscheidet mit müden Beinen über den ganzen Tag.
Camping ist am Chiemsee ein Erlebnis für sich. Es gibt Plätze direkt am Ufer, an denen die Kinder morgens aus dem Zelt klettern und schon fast im See stehen. Für Familien, die gern draußen sind, ist das schwer zu schlagen. Meine Kinder haben auf dem Campingplatz innerhalb einer Stunde neue Freunde gefunden, mit denen sie den halben Tag am Wasser verbracht haben, während ich einfach nur im Liegestuhl saß.
Anreise mit Auto und Bahn
Mit dem Auto bist du von München über die Autobahn Richtung Salzburg zügig am See, Prien und Übersee haben eigene Ausfahrten. An heißen Sommerwochenenden solltest du früh losfahren, die Parkplätze an den Badeplätzen füllen sich schnell.
Mit der Bahn geht es ebenfalls gut. Von München fahren regelmäßig Züge nach Prien, und vom Bahnhof läuft man in wenigen Minuten zur Chiemsee-Bahn, die dich zum Schiffsanleger bringt. Ohne Auto anzureisen und dann mit Bahn und Schiff weiter, das ist für Kinder oft die schönere Variante, weil jede Etappe schon Programm ist. Wir lassen das Auto inzwischen an manchen Tagen bewusst stehen.
Beste Reisezeit und Tipps
- Zum Baden lohnt sich der Hochsommer, dann ist das Wasser am wärmsten. Für Ausflüge und Wanderungen sind spätes Frühjahr und früher Herbst angenehmer, weil es weniger voll ist.
- Packe Badeschuhe ein, an einigen Uferstellen liegen im flachen Wasser Steine.
- Sonnenschutz nicht vergessen, am offenen See und auf dem Schiff brennt die Sonne stärker, als man denkt.
- Plane für die Inseln genug Zeit ein und schau vorher auf die Abfahrtszeiten der Schiffe, damit ihr nicht länger als geplant wartet.
- An Regentagen ist das Prientalbad oder ein Schlossbesuch die bessere Wahl als ein zugiger Badeplatz.
- Bring Bargeld für die Fischstände und kleinen Läden auf den Inseln mit, nicht überall kannst du mit Karte zahlen.
Am Ende ist es oft nicht das große Schloss, an das sich meine Kinder erinnern, sondern die Fahrt mit der kleinen Dampfbahn oder das Eis am Anleger, während das Schiff einläuft. Genau das macht den Chiemsee mit Kindern für uns aus. Man muss hier nicht viel unternehmen, damit der Tag gut wird, und trotzdem gibt es mehr zu erleben, als in ein Wochenende passt. Also kommen wir wieder, das steht bei uns schon fest.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Chiemsee
🏡 Familienunterkünfte in Chiemsee
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Früh anreisen an heißen Sommerwochenenden, die Parkplätze an den Badeplätzen füllen sich schnell.
- Badeschuhe für Kinder einpacken, im flachen Wasser liegen an manchen Stellen Steine.
- Abfahrtszeiten der Schiffe vorab checken und für die Inseln genug Zeit einplanen.
- Bargeld für Fischstände und kleine Läden auf den Inseln mitnehmen.
- An Regentagen aufs Prientalbad oder einen Schlossbesuch ausweichen statt an den zugigen See.
Häufige Fragen
Ist der Chiemsee mit kleinen Kindern zum Baden geeignet?
Wie kommt man mit Kindern am besten auf die Inseln?
Lohnt sich die Anreise mit der Bahn?
Was macht man am Chiemsee mit Kindern bei Regen?
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