Am zweiten Tag stand ich mit der Karte in der Hand an der Talstation und habe gerechnet. Fünf Skigebiete, alle getrennt, keins direkt mit dem anderen verbunden. Unser Sohn wollte da hoch, wo die Sprungschanzen sind, unsere Tochter war fünf und wollte am liebsten wieder in dieses Iglu mit der Rutsche. Das ging beides, aber nicht am selben Berg. Wer nach Davos Klosters fährt, sollte das vorher wissen: Man plant hier pro Tag ein Gebiet, nicht ein großes Ganzes.
Klingt nach Aufwand, ist aber in der Praxis kein Problem, weil Busse und Bahn zwischen den Talstationen fahren und im Skipass meist Fahrten enthalten sind. Und es hat einen Vorteil, den man erst nach ein paar Tagen merkt: Jedes Gebiet hat einen eigenen Charakter, und du kannst den Tag danach aussuchen, wie die Familie drauf ist. Ein schlechter Tag im Parsenn ist ein guter Tag auf der Madrisa.

Davos und Klosters sind zwei verschiedene Urlaube
Davos ist eine Stadt, und das ist gemeint, nicht nett gemeint. Es gibt eine lange Hauptstraße mit Verkehr, Hotelblöcke, ein Kongresszentrum, Supermärkte, eine Eishalle. Wenn du Wintersportidylle im Kopf hast, ist der erste Eindruck ernüchternd. Der Vorteil zeigt sich später: Du hast Infrastruktur. Apotheke, Arzt, Schwimmbad, Läden mit vernünftigen Preisen, alles zu Fuß erreichbar. Mit kleinen Kindern ist das mehr wert als eine hübsche Fassade.
Klosters liegt ein Stück talauswärts und ist deutlich dörflicher. Holzhäuser, weniger Verkehr, kürzere Wege. Viele Familien, die schon mehrfach da waren, wohnen in Klosters und fahren für alles, was es dort nicht gibt, mit der Bahn nach Davos. Die Verbindung ist gut getaktet, die Fahrt dauert nicht lang. Beide Orte liegen im Kanton Graubünden, im Prättigau beziehungsweise am Landwassertal, und teilen sich denselben Skipass.
Madrisa: das Gebiet für die Kleinen
Wenn du nur ein Gebiet aus dem Verbund merken willst, dann dieses. Die Madrisa liegt oberhalb von Klosters, du fährst mit der Bahn von Klosters Dorf hoch, und oben angekommen bist du auf einer offenen, sonnigen Hochfläche mit breiten, gutmütigen Hängen. Das Madrisa-Land ist ein eigenes Kinderareal mit Übungsliften, Figuren, Tunneln und Bereichen, in denen Kinder herumkurven, ohne dass jemand von hinten angerauscht kommt.
Was die Madrisa für uns ausgemacht hat, war die Übersichtlichkeit. Du siehst dein Kind von der Sonnenterrasse aus. Du musst nicht drei Lifte fahren, um zurück zum Treffpunkt zu kommen. Und wenn ein Kind genug hat, ist der Weg zur Bahn kurz. Für erfahrene Skifahrer ist das Gebiet klein, und wer nur schnelle Kilometer sammeln will, langweilt sich. Für Familien mit Kindern unter etwa acht Jahren ist es der beste Ort im ganzen Verbund.
Parsenn: das große Gebiet
Das Parsenn ist der Grund, warum Davos Klosters in jeder Liste großer Skigebiete auftaucht. Von Davos fährst du mit der Parsennbahn hoch, von Klosters kommst du über die Gotschnabahn dazu, und oben ist beides verbunden. Die langen Abfahrten Richtung Küblis oder Serneus sind der Klassiker, das sind Talabfahrten über etliche Höhenmeter, an deren Ende du mit der Bahn zurückfährst.
Mit Kindern ist das Parsenn erst interessant, wenn sie ausdauernd fahren. Diese langen Abfahrten sind nichts, was du mit einem Sechsjährigen anfängst, der nach der dritten Kurve fragt, wann es Kakao gibt. Wenn deine Kinder aber schon einen halben Tag durchhalten und rote Pisten fahren, ist das die Erfahrung, die sie mit nach Hause nehmen: einmal von ganz oben bis ins Tal, mit Pausen, und am Ende Bahnfahrt statt Liftschlange.

Jakobshorn für die Größeren
Das Jakobshorn liegt direkt gegenüber von Davos Platz und hat den Ruf, das junge Gebiet zu sein. Snowparks, Freestyle, viele Snowboarder. Wenn du einen Teenager dabei hast, der Ski oder Snowboard schon sicher fährt und keine Lust mehr auf Familienprogramm hat, ist das der Berg, auf dem er sich selbst beschäftigt. Für Anfänger und kleine Kinder ist es nicht die erste Wahl, weil das Gelände anspruchsvoller ist und die Stimmung sportlicher.
Praktisch ist die Lage: Du kommst vom Ortszentrum zu Fuß oder mit kurzem Bus zur Bahn. Wir haben das genutzt, um den Tag zu splitten. Ein Elternteil mit dem Großen aufs Jakobshorn, das andere mit der Kleinen ins Rinerhorn, mittags getrennt, abends alle wieder da. Das klingt nach Organisation, ist aber die entspannteste Variante, wenn die Kinder weit auseinander liegen im Können.
Rinerhorn und Pischa
Diese beiden Gebiete werden in den Prospekten selten groß beworben, und genau deshalb mag ich sie. Das Rinerhorn liegt talauswärts Richtung Glaris, ist kleiner, ruhiger und hat Pisten, auf denen du mit Kindern in Ruhe üben kannst, ohne dass alle drei Sekunden jemand vorbeischießt. An vollen Ferientagen ist das eine echte Alternative, wenn im Parsenn Schlangen stehen.
Die Pischa liegt oberhalb des Flüelatals und ist noch überschaubarer, mit Fokus auf Schneeschuhwandern und Freeride abseits der präparierten Pisten. Für einen klassischen Familienskitag ist sie nicht die naheliegende Wahl, aber wenn ihr einen Tag ohne Skier machen wollt und trotzdem hoch hinaus, lohnt sich der Blick.

Was die Schweiz kostet, und woran du sparen kannst
Ich halte es für unfair, einen Familienartikel über Davos zu schreiben und die Preise auszusparen. Die Schweiz ist teuer, deutlich teurer als Österreich oder Italien, und in Davos merkst du das an jeder Ecke. Skipass, Skischule, Skiverleih, Mittagessen auf der Hütte, Unterkunft. Eine Familie mit zwei Kindern, die eine Woche mit Skikursen und Halbpension plant, landet bei einer Summe, die viele erst mal schlucken lässt.
Was hilft: eine Ferienwohnung statt Hotel, Frühstück und Abendessen selbst machen, das Mittagessen aus dem Rucksack. Wir kaufen den Großteil noch in Deutschland ein und fahren mit vollen Kisten los. In Davos gibt es normale Supermärkte, das ist immer noch günstiger als jede Hütte, aber eben Schweizer Niveau. Halbtagespässe an Tagen, an denen die Kinder ohnehin nach dem Mittag durch sind, und die Nebensaison im Januar oder späten März machen den größten Unterschied. Was du bekommst, ist Schneesicherheit auf hohem Niveau, das muss man dagegenhalten.
Schneesportschule früh buchen
Die Skischulen heißen in der Schweiz meist Schweizer Schneesportschule und haben eigene Kinderclubs mit Betreuung, in Klosters unter anderem mit dem Programm auf der Madrisa. Buche früh, und zwar früher, als du denkst. In den deutschen Ferienwochen sind die Gruppen für die Vier- bis Sechsjährigen als Erstes voll, und was dann bleibt, ist eine große Gruppe oder Privatunterricht.
Frag beim Buchen konkret nach der Gruppengröße und danach, wo unterrichtet wird. Es macht einen Unterschied, ob der Kurs unten im Tal oder oben auf der Madrisa stattfindet, weil du morgens mit Kind und Ausrüstung dorthin musst. Und kläre, ob Mittagsbetreuung dabei ist. Ohne sie ist die Skiwoche für die Eltern ein ständiges Hin und Her.
Eisbahn, Schlitteln und Schwimmbad
Davos hat eine große Eisfläche mitten im Ort, auf der Eishockey gespielt wird und auf der zu bestimmten Zeiten Publikumslauf ist. Für einen Nachmittag ohne Ski ist das unser Standardprogramm gewesen, und Schlittschuhe kann man mieten. Frag nach den aktuellen Laufzeiten, weil Training und Spiele Vorrang haben.
Zum Schlitteln, wie das Rodeln in der Schweiz heißt, gibt es mehrere Wege in der Region, unter anderem am Rinerhorn und im Bereich Madrisa. Schlitten kann man vor Ort leihen. Helm auflassen, auch wenn der Weg harmlos aussieht, und Wechselhandschuhe einpacken. Nasse Handschuhe beenden den Nachmittag zuverlässiger als jede Steigung.
Für richtig schlechtes Wetter gibt es in Davos ein Sport- und Freizeitzentrum mit Bad, und mehrere Hotels haben Bereiche, die auch Externe nutzen können. Die Öffnungszeiten wechseln je nach Saison, deshalb lohnt der Anruf statt der Fahrt auf Verdacht.

Anreise: Auto oder Bahn
Mit dem Auto brauchst du für die Schweizer Autobahn eine Vignette, die für das Kalenderjahr gilt und vor der ersten Autobahnfahrt vorhanden sein muss. Von der deutschen Grenze fährst du über Zürich und Landquart ins Prättigau. Winterausrüstung am Auto ist selbstverständlich, die letzten Kilometer gehen bergauf.
Die Bahn ist hier eine ernsthafte Alternative, keine Notlösung. Ab Landquart bringt dich die Rhätische Bahn nach Klosters und weiter nach Davos, und beide Orte haben Bahnhöfe mitten im Geschehen. Vor Ort brauchst du kein Auto, weil Busse zwischen den Talstationen pendeln. Wer mit Skisäcken und Kinderwagen reist, sollte sich den Gepäckversand der Schweizer Bahn ansehen, das erspart das Umsteigen mit Bergen von Zeug.
Wie ich die Woche aufteilen würde
Mit kleinen Kindern: die ersten Tage auf der Madrisa, damit die Kurse laufen und die Wege kurz bleiben. Dazwischen ein Tag Rinerhorn zum Abwechseln. Ein Nachmittag Eisbahn in Davos, ein Nachmittag Schlitteln. Und wenn zum Ende der Woche etwas sitzt, ein Tag Parsenn mit einer einzigen langen Abfahrt als Höhepunkt, nicht als Programm.
Mit größeren Kindern dreht sich das um. Dann ist das Parsenn der Standardberg, das Jakobshorn die Abwechslung, und die Madrisa wird zum Ruhetag, an dem alle zusammen fahren, ohne dass jemand jemanden abhängt. Was in beiden Fällen gilt: Plane weniger Skitage, als die Woche hergibt. Sieben Tage am Stück fährt kein Kind gern, und der freie Tag rettet oft die Stimmung für den Rest.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Klosters
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Pro Tag ein Gebiet planen: Parsenn, Jakobshorn, Madrisa, Rinerhorn und Pischa hängen nicht zusammen, Busse und Bahn verbinden die Talstationen.
- Mit kleinen Kindern die Madrisa oberhalb von Klosters zur Basis machen, dort sind die Wege kurz und das Kinderareal ist abgetrennt.
- Skischule und Mittagsbetreuung früh buchen und nachfragen, wo genau unterrichtet wird, im Tal oder oben am Berg.
- Ferienwohnung statt Hotel, Großeinkauf vor der Grenze und Rucksackverpflegung auf der Piste dämpfen die Schweizer Preise am stärksten.
- Einen skifreien Tag fest einplanen: Eisbahn in Davos, Schlitteln am Rinerhorn oder Schwimmbad retten die Stimmung für den Rest der Woche.
Häufige Fragen
Welches Skigebiet in Davos Klosters ist das familienfreundlichste?
Sind die Skigebiete miteinander verbunden?
Sollen wir in Davos oder in Klosters wohnen?
Wie teuer wird eine Skiwoche in Davos Klosters?
Kommt man ohne Auto nach Davos Klosters?
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