Am dritten Tag hat es in Oberstdorf durchgeregnet, von morgens um sieben bis in den Abend. Unsere Jacken hingen über zwei Stuhllehnen und der Heizung, im Flur standen vier Paar Schuhe, die einfach nicht trocken wurden, und am Küchentisch lief eine Partie Uno, die sich über gut zwei Stunden zog. Nebenbei kochte Nudelwasser. Klingt nach einem verlorenen Urlaubstag. War aber keiner, weil niemand irgendwann rausmusste.
Genau da liegt der Unterschied zwischen Ferienwohnung und Hotel, wenn du mit Kindern ins Allgäu fährst. Im Hotel hängt der Tag am Frühstücksende und an der Essenszeit am Abend. In einer Wohnung hängt er an nichts. Das ist mit einem Zweijährigen, der um halb zwölf ins Bett fällt, mehr wert als jedes Buffet.

Das Allgäu liegt im Süden Bayerns, zwischen Bodensee und Lech, und ist von den meisten Ecken Deutschlands ohne Flug erreichbar. Autobahn A7 bis ganz nach unten, oder Bahn über Kempten. Für Familien aus Baden-Württemberg, Hessen und dem Rheinland ist das eine Tagesanreise mit Pausen, für viele sogar weniger. Ferienwohnungen gibt es hier in großer Zahl, vom umgebauten Bauernhaus bis zum Neubau am Ortsrand. Der Unterschied zwischen einer, die für Familien funktioniert, und einer, die es nicht tut, steht selten in der Überschrift des Inserats.
Getrennte Schlafzimmer sind der eigentliche Punkt
Viele Ferienwohnungen im Allgäu sind als Zwei-Personen-Wohnung gebaut und werden mit Schlafcouch als Vierbettwohnung vermietet. Das geht für ein Wochenende. Für eine Woche mit Kindern zwischen zwei und zehn geht es schlecht, weil die Erwachsenen dann ab acht Uhr abends im Dunkeln flüstern. Ein zweites Schlafzimmer mit Tür ist der Unterschied zwischen Urlaub und Schichtdienst.
Achte in der Beschreibung auf die Formulierung. Steht dort „Schlafzimmer und Wohnraum mit Schlafgelegenheit“, ist es eine Ein-Zimmer-Wohnung mit Sofa. Steht „zwei separate Schlafzimmer“, ist es das, was du suchst. Bei größeren Kindern ab ungefähr acht wird ein Schlafzimmer mit Etagenbett interessant, weil sie sich dann nicht mehr mit den Eltern arrangieren müssen. Und wenn ein Babybett gebraucht wird: nachfragen, ob es fest in der Wohnung steht oder aus dem Keller geholt wird, und wo es dann eigentlich hinpasst.

Küche, Waschmaschine, Trockenraum
Die Küche ist der Grund, warum Familien überhaupt eine Wohnung buchen. Sie muss nichts können außer: vier Herdplatten, Backofen, ein Topf, in den anderthalb Kilo Nudeln passen, und genug Geschirr für alle gleichzeitig. Kaffeemaschine mit Kapseln ohne Kapseln im Haus ist ein Klassiker, ein Wasserkocher deckt das ab. Im Zweifel eine kurze Nachricht an die Vermieterin, das kostet zwei Minuten.
Die Waschmaschine unterschätzen viele beim Buchen und vermissen sie ab Tag drei. Mit Kindern, die durch nassen Wald laufen, ist eine Maschine pro Tag realistisch. Genauso wichtig im Herbst und Winter: ein Raum, in dem Schuhe und Jacken über Nacht trocknen. In vielen Allgäuer Häusern ist das der Skikeller mit Schuhwärmer, den es auch im Oktober gibt. Frag danach, wenn es in der Beschreibung nur nebenbei auftaucht.
- Vier Herdplatten und ein großer Topf, nicht der Zwei-Personen-Haushalt
- Waschmaschine in der Wohnung oder im Haus, nicht im Nachbargebäude
- Trockenraum oder Skikeller, im Herbst genauso nötig wie im Winter
- Hochstuhl und Treppenschutzgitter, falls Kleinkinder mitkommen
Die Lage zählt mehr als die Ausstattung
Eine schöne Wohnung sieben Kilometer außerhalb bedeutet, dass du für jedes Brötchen ins Auto steigst. Mit Kindern summiert sich das zu einer Menge Anschnallen. Die brauchbare Faustregel: Bäcker und Supermarkt zu Fuß erreichbar, und eine Bushaltestelle in Sichtweite oder eine Talstation, zu der man laufen kann.
Das ist im Allgäu leichter zu bekommen, als es klingt, weil die Bergbahnen meist direkt am Ortsrand starten. In Oberstdorf gilt das für Nebelhorn und Söllereck, in Immenstadt für die Mittagbahn, in Nesselwang für die Alpspitzbahn, in Pfronten für die Breitenbergbahn. Wenn du mit der Bahn anreist und aufs Auto verzichten willst, ist die Ortsmitte der einzige sinnvolle Standort. Oberstdorf, Immenstadt, Oberstaufen, Nesselwang, Pfronten und Füssen haben eigene Bahnhöfe. Bad Hindelang hat keinen, dorthin geht es ab Sonthofen mit dem Bus.

Oberstdorf und Bad Hindelang: das hohe Allgäu
Oberstdorf ist der südlichste Ort Deutschlands und der bekannteste im Allgäu. Entsprechend groß ist das Angebot an Ferienwohnungen, entsprechend früh sind die guten weg. Für Familien spricht die Dichte: Bergbahnen, Freibad und Hallenbad, Eissporthalle, die Breitachklamm ein Stück weiter. Die Klamm ist mit Kindern ab etwa vier machbar, der Weg ist durchgehend gesichert, aber laut und nass, weshalb sehr kleine Kinder in die Trage gehören.
Bad Hindelang liegt eine Talstufe nördlich im Ostrachtal und ist ruhiger. Wer eine Wohnung mit Blick auf Wiesen statt auf die Nachbarhäuser sucht, findet sie hier eher. Die Hornbahn in Bad Hindelang bringt Familien ohne Aufstieg in die Höhe, oben beginnen mehrere flache Wege, die auch mit Kindergartenkindern funktionieren. Im September und Oktober kommt hier der Viehscheid dazu, wenn die Tiere von den Alpen zurück ins Tal getrieben werden. Für Kinder ist das ein sehr lauter, sehr voller Vormittag, den man mögen muss.
Oberstaufen und Immenstadt: Alpsee und sanfte Berge
Oberstaufen liegt im Westallgäu, die Berge sind hier runder und die Hänge weicher. Für Familien mit kleinen Kindern ist das ein Vorteil, weil die Wege weniger steil sind. Der Hündle und der Imberg haben Bahnen, die Kinderwagen mitnehmen, und beide Berge haben Rodelbahnen für den Sommer und Herbst, die ab ungefähr sechs Jahren allein gefahren werden dürfen.
Immenstadt liegt am Großen Alpsee, dem größten Natursee im Allgäu. Der Rundweg ist flach und in Etappen zu machen, mit einem Kinderwagen kommt man weit. An der Alpsee Bergwelt gibt es einen Erlebnisberg mit Rodelbahn und Spielbereichen, das ist die Adresse für Kinder zwischen vier und zwölf, wenn ein Tag zum Auspowern gebraucht wird. Ferienwohnungen sind in Immenstadt oft günstiger als in Oberstdorf, die Fahrzeit ins Oberallgäu beträgt trotzdem nur eine halbe Stunde.
Füssen, Nesselwang und Pfronten im Ostallgäu
Füssen liegt am Lech, direkt an der österreichischen Grenze, und ist der Ausgangspunkt für Neuschwanstein und Hohenschwangau. Mit Kindern unter sechs ist die Schlossführung selbst eher zäh, der Weg hinauf und die Marienbrücke dagegen sind für alle Altersgruppen ein Erlebnis. Der Forggensee, der Lechfall und die Altstadt geben genug für mehrere Tage her. Ferienwohnungen in Füssen und den Nachbarorten Schwangau und Hopfen am See sind reichlich vorhanden, in der Hauptsaison aber teuer.
Nesselwang und Pfronten sind die unaufgeregteren Nachbarn. Beide haben einen Hausberg mit Bahn, beide sind mit der Bahn erreichbar, und beide sind spürbar günstiger als Füssen. Von Pfronten aus lässt sich die Burgruine Falkenstein erwandern, die höchstgelegene Burgruine Deutschlands. Der Weg ist eine gute Herbsttour für Kinder ab etwa sieben, mit Aussicht als Belohnung und einem Ziel, das man von unten schon sieht.

Kurbeitrag, Gästekarte und was sie wirklich bringt
Im Allgäu zahlst du fast überall einen Kurbeitrag pro Person und Nacht, Kinder je nach Ort ab sechs oder ab sechzehn Jahren. Dafür bekommst du eine Gästekarte, und die ist nicht überall gleich viel wert. In manchen Orten ist sie vor allem ein Ausweis mit ein paar Rabatten. In anderen fährst du damit kostenlos Bus, was mit Kindern und ohne Parkplatzsuche ein echter Gewinn ist.
Einige Gemeinden gehen weiter und bündeln Bergbahnen, Bäder und Museen in einer Karte, die im Übernachtungspreis steckt. Oberstaufen und Bad Hindelang sind dafür die bekanntesten Beispiele. Rechne kurz nach, bevor du die Wohnung wählst: Wenn eine Familie an drei Tagen mit der Bergbahn hochfährt, macht das den Unterschied zwischen zwei Unterkünften schnell wett. Frag beim Buchen nach, welche Leistungen dabei sind, die Regeln unterscheiden sich von Ort zu Ort und ändern sich auch mal.
Nebenkosten, Kaution und Endreinigung
Der Übernachtungspreis in Ferienwohnungen ist selten der Endpreis. Dazu kommen Endreinigung, Bettwäsche und Handtücher, Kurbeitrag und manchmal Strom nach Zähler. Bei einer Woche fällt die Endreinigung kaum ins Gewicht, bei drei Nächten kann sie den Preis pro Nacht um ein Viertel heben. Wer kurz fährt, sollte deshalb Angebote mit hoher Reinigungspauschale gegenrechnen, statt nur auf den Nachtpreis zu schauen.
Bettwäsche und Handtücher werden oft pro Person und Wechsel berechnet. Bei vier Personen und zwei Wochen sind das schnell zwei Pauschalen. Mitbringen ist erlaubt, spart Geld und passt bei Anreise mit dem Auto problemlos in den Kofferraum. Was du außerdem klären solltest: ob die Endreinigung bedeutet, dass du gar nichts machen musst, oder ob Geschirrspüler ausräumen und Müll runterbringen erwartet wird. Das steht meist in der Hausordnung und nicht im Inserat.

Herbstwetter und der Plan für Regentage
Der Oktober im Allgäu liefert beides, oft in derselben Woche. Es gibt klare, kalte Morgen mit Nebel im Tal und Sonne auf den Gipfeln, und es gibt Tage, an denen die Wolken auf halber Höhe hängenbleiben und nichts mehr passiert. Auf über tausend Metern kann bereits Schnee liegen, während unten die Wiesen grün sind. Wer mit Kindern in die Bergbahn steigt, sollte deshalb Mütze und Handschuhe einpacken, auch wenn es im Ort mild ist.
Für die grauen Tage haben fast alle größeren Orte ein Hallenbad oder eine Therme. Oberstdorf, Sonthofen, Oberstaufen, Füssen und Pfronten sind hier gut ausgestattet. Dazu kommen kleinere Ziele, die einen halben Tag füllen: Museen zur Käseherstellung, Schaukäsereien mit Blick in die Produktion, Kletterhallen in den größeren Orten. Und dann bleibt der Küchentisch in der Ferienwohnung, an dem sich ein Regentag aussitzen lässt, ohne dass er sich nach Warten anfühlt.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Allgäu
🏡 Familienunterkünfte in Allgäu
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Achtet im Inserat auf die Formulierung zwei separate Schlafzimmer, Schlafgelegenheit im Wohnraum bedeutet meist Schlafcouch.
- Fragt nach Waschmaschine und Trockenraum oder Skikeller, beides braucht ihr im Herbst genauso wie im Winter.
- Wählt eine Wohnung, von der aus Bäcker, Supermarkt und Bushaltestelle zu Fuß erreichbar sind, das spart viele Autofahrten.
- Rechnet Endreinigung, Wäschepauschale und Kurbeitrag mit ein, bei kurzen Aufenthalten verschiebt das den Preis pro Nacht deutlich.
- Prüft, welche Leistungen die Gästekarte am Ort umfasst, in einigen Gemeinden sind Bus und Bergbahnen enthalten.
Häufige Fragen
Ferienwohnung oder Hotel im Allgäu, was passt besser zu Familien?
Welcher Ort im Allgäu eignet sich für den ersten Familienurlaub?
Welche Nebenkosten kommen bei einer Ferienwohnung dazu?
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