Vor ein paar Jahren standen wir an einem Herbstsamstag an der Bastei und kamen zwanzig Minuten lang keinen Schritt vorwärts. Schöne Aussicht, mit Kind auf den Schultern und Menschentraube ringsherum eher anstrengend. Auf der Rückfahrt sind wir zufällig im Vogtland gelandet, weil ich mich verfahren hatte. Zwei Wochen später waren wir freiwillig noch einmal dort.
Seitdem suche ich anders. Nicht das Ziel mit den meisten Bildern, sondern das mit dem zweitbesten Ruf und der Hälfte der Besucher. In Deutschland gibt es davon mehr, als der Reiseteil vermuten lässt, und du erreichst alle mit dem Auto oder der Bahn. Hier sind elf Regionen, die mit Kindern funktionieren und trotzdem nicht überlaufen sind.

Warum die ruhigeren Ziele mit Kindern oft besser passen
Ein Ziel ohne Andrang bringt handfeste Vorteile. Ihr bekommt kurzfristig noch eine Unterkunft, ihr zahlt weniger, ihr steht nicht in Schlangen, und Kinder dürfen sich mehr bewegen, ohne dass jemand schaut. Der Preis dafür: weniger Infrastruktur, weniger Auswahl beim Essen, manchmal keine Bahnanbindung bis vor die Tür.
Im Herbst kommt dazu, dass viele kleinere Betriebe früher schließen. Prüft vor der Buchung, was in eurem Zeitraum wirklich geöffnet hat, gerade bei Höhlen, Bergbahnen und Freibädern. Und legt euch pro Tag eine Möglichkeit zurecht, die drinnen stattfindet.
Spreewald
Der Spreewald in Brandenburg ist ein Netz aus Hunderten kleiner Wasserläufe zwischen Wiesen und Erlen. Vom Kahn aus sieht die Welt für Kinder anders aus, und der Fährmann stakt so ruhig, dass selbst Dreijährige eine Stunde durchhalten. Lübbenau und Burg sind die bekanntesten Einstiege, Lübben ist etwas ruhiger.
Ab Berlin fahrt ihr gut eine Stunde, mit dem Regionalzug erreicht ihr Lübbenau direkt. Im Herbst laufen weniger Kahnfahrten, dafür könnt ihr die Wege mit dem Rad abfahren, es ist durchgehend flach. Preislich gehört der Spreewald zu den freundlicheren Regionen.
Was ihr wissen solltet: Die Orte sind klein, das Abendprogramm überschaubar, und wer Wasser sucht, in dem man schwimmen kann, ist hier falsch. Dafür gibt es Kürbisse, Gurken und Höfe, auf denen Kinder Tiere sehen, ohne dass daraus eine Attraktion mit Kasse geworden ist.
Altmühltal
Im Naturpark Altmühltal in Bayern dürfen Kinder in Steinbrüchen bei Solnhofen selbst nach Fossilien klopfen und behalten, was sie finden. Ich kenne wenige Aktivitäten, die bei Sieben- bis Zwölfjährigen so verlässlich zünden. Eichstätt hat dazu ein Museum, in dem die großen Funde liegen, und eine Burg über der Stadt.
Die Altmühl selbst ist ein langsamer Fluss, gut für erste Kanutouren mit Kindern. Ab Nürnberg, München oder Ingolstadt ist die Anreise kurz, Eichstätt und Kelheim erreicht ihr auch mit der Bahn samt Anschlussbus.

Fränkische Schweiz
Zwischen Bamberg, Bayreuth und Nürnberg liegt in Oberfranken eine Landschaft aus Felstürmen, Burgen und Höhlen. Pottenstein hat die Teufelshöhle, eine Sommerrodelbahn und einen Erlebnisfelsen, das reicht für zwei volle Tage. Kletterer kennen die Region längst, Familien seltener.
Höhlen sind ganzjährig ungefähr gleich kühl, was sie zum idealen Programm für einen verregneten Herbsttag macht. Zieht Jacken an, auch wenn draußen die Sonne scheint. Übernachtungen in den Dörfern sind spürbar günstiger als im Allgäu oder am Bodensee.
Vogtland
Das Vogtland liegt größtenteils in Sachsen und reicht nach Thüringen und Bayern hinein. Die Göltzschtalbrücke ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt, und man kann darunter stehen, was Kinder deutlich mehr abholt als jede Erklärung. In Markneukirchen werden seit Jahrhunderten Musikinstrumente gebaut, das dortige Museum ist für Grundschulkinder überraschend gut.
Bad Elster hat eine Therme für den Regentag, an der Talsperre Pöhl gibt es Wasser und Wald. Die Region ist günstig, ruhig und aus Leipzig oder Nürnberg in überschaubarer Zeit erreichbar.
Was hier fehlt, ist der große Trubel, und genau deswegen bekommt ihr auch in den Ferien noch Ferienwohnungen zu vernünftigen Preisen. Wer Kinder hat, die viel Abwechslung brauchen, sollte trotzdem vorher schauen, ob genug zusammenkommt. Das Vogtland lebt von kleinen Zielen, nicht von einem großen.
Thüringer Wald
Der Rennsteig zieht sich quer durch Thüringen, und ihr müsst ihn nicht komplett laufen, um etwas davon zu haben. Für Kinder lohnen die Drachenschlucht bei Eisenach, eine enge Felsspalte mit Holzstegen, und die Wartburg darüber. Die Marienglashöhle bei Friedrichroda funktioniert bei jedem Wetter.
Oberhof ist auf Wintersport ausgelegt und hat eine große Therme, die auch im Herbst offen ist. Die Bahnanbindung nach Eisenach ist gut, im Wald selbst braucht ihr ein Auto oder viel Geduld mit dem Bus.
Für Familien aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ist Thüringen näher, als die meisten denken, und die Übernachtungspreise liegen klar unter denen der bekannten Wanderregionen im Süden. Rechnet im Herbst mit kühlen Nächten, viele Häuser hier oben liegen auf mehreren hundert Metern.

Zwei Ziele vor der Haustür des Rheinlands
Westerwald
Der Westerwald verteilt sich vor allem auf Rheinland-Pfalz und reicht nach Hessen und Nordrhein-Westfalen. Im Kannenbäckerland um Höhr-Grenzhausen wird seit Jahrhunderten Ton verarbeitet, und in einigen Werkstätten dürfen Kinder selbst töpfern. Der Stöffel-Park bei Enspel ist ein alter Basaltsteinbruch, in dem Maschinen stehen, die man anfassen darf.
Ab Köln oder Frankfurt seid ihr in gut einer Stunde bis anderthalb Stunden dort. Die Region ist waldig, hügelig und im Herbst still. Restaurants schließen abends früher als in Touristenorten, plant das mit ein.
Bergisches Land
Direkt hinter Köln und Wuppertal beginnt eine Hügellandschaft mit Talsperren, Wäldern und viel Regen, den die Region ehrlich zugibt. Der Baumwipfelpfad bei Waldbröl mit seinen Baumhäusern ist für Familien gemacht, dazu gibt es Wildparks und Wanderwege in jeder Länge.
Für Familien aus dem Rheinland ist das Bergische Land der Kurzurlaub, an den niemand denkt. Die Bahn bringt euch bis in die größeren Orte, für die Talsperren braucht ihr ein Auto.

Münsterland
Nordrhein-Westfalens flacher Nordwesten ist die vielleicht beste Radregion Deutschlands für Familien. Die Wege sind eben, gut ausgeschildert und führen von einem Wasserschloss zum nächsten. Burg Vischering bei Lüdinghausen ist eine echte Wasserburg mit Graben und Zugbrücke, und sie kommt bei Kindern besser an als jedes Freilichtmuseum.
Mit Kindern ab sechs, die sicher Rad fahren, sind Tagestouren von zwanzig bis dreißig Kilometern kein Problem. Im Herbst ist es hier oft neblig und nass, ein Regentag lässt sich in Münster gut abfangen.
Ostfriesland
Alle fahren an die Nordsee, aber die wenigsten bleiben im ostfriesischen Hinterland. Dabei sind Greetsiel mit seinem Hafen, die Deiche der Krummhörn und der Pilsumer Leuchtturm ruhiger und günstiger als jeder Inselort. Schafe auf dem Deich, Windmühlen, Ebbe und Flut, dazu Tee mit Kluntjes, den Kinder erstaunlich spannend finden.
Die Anreise ab dem Ruhrgebiet dauert gut zweieinhalb bis drei Stunden, Emden und Leer erreicht ihr mit der Bahn. Im Herbst weht es kräftig, ohne Regenkleidung wird das nichts.
Ein Tagesausflug auf eine der ostfriesischen Inseln lässt sich vom Festland aus gut machen, ihr müsst nur die Fährzeiten nach der Tide planen. Für Schlechtwetter gibt es Schwimmbäder in den größeren Orten und ein paar kleine Museen, die mehr hergeben, als der Name vermuten lässt.
Rhön
Die Rhön teilen sich Bayern, Hessen und Thüringen. Die Wasserkuppe auf hessischer Seite ist der höchste Berg der Region, oben starten Segelflieger, es gibt eine Sommerrodelbahn und viel Wind. Das Schwarze Moor auf bayerischer Seite hat einen Bohlenweg, der auch mit Kinderwagen funktioniert.
Die Rhön ist als Sternenpark ausgewiesen, nachts sieht man hier tatsächlich mehr als anderswo. Ab Frankfurt oder Würzburg ist die Anreise kurz, ein Auto braucht ihr vor Ort. In den Kurorten am Rand gibt es Thermen für Schlechtwettertage.
Odenwald
Der Odenwald liegt in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg und wird von den meisten auf der Autobahn durchquert, ohne dass jemand anhält. Dabei liegt bei Lautertal das Felsenmeer, ein Hang voller riesiger Steinblöcke, über die Kinder stundenlang klettern. Für Fünf- bis Zwölfjährige ist das der beste Nachmittag, den die Region zu bieten hat.
Michelstadt und Erbach haben Fachwerkaltstädte, in Buchen gibt es eine Tropfsteinhöhle. Ab Frankfurt, Mannheim oder Heidelberg seid ihr schnell da, und die Preise liegen weit unter denen des Schwarzwalds.

Beliebte Familien-Aktivitäten in Deutschland
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- In ruhigen Regionen vor der Buchung prüfen, was im gewählten Zeitraum wirklich offen hat, gerade bei Höhlen und Bergbahnen.
- Höhlen sind das ganze Jahr über kühl und deshalb das beste Programm für einen Regentag, Jacken auch bei Sonnenschein einpacken.
- Im Münsterland und im Spreewald ist alles flach, dort funktionieren Radtouren schon mit Kindern ab sechs Jahren.
- Fossiliensuche im Altmühltal und Klettern im Felsenmeer im Odenwald kosten wenig und beschäftigen Kinder einen ganzen Nachmittag.
- In kleinen Orten schließen Restaurants früher als in Touristenzentren, plant das Abendessen entsprechend oder kocht selbst.
Häufige Fragen
Was macht ein Ziel zum Geheimtipp für Familien?
Welche ruhigen Regionen eignen sich für Familien ohne Auto?
Lohnen sich diese Ziele auch im Herbst?
Für welches Alter passen diese Regionen?
Familienunterkünfte in beliebten Familienzielen
Echte Häuser aus unserer Buchungssuche. Dieser Ratgeber gilt überregional, das sind die gefragtesten Ziele dazu.
- Hwest Hotel Hall (Hall In Tirol)
- Luxury All Inclusive Resort Schwarzbrunn - 4 Stars Superior (Stans)
- Thermal-Badhotel Kirchler (Tux)
- AvenidA Panorama Suites (Kaprun)
- Elements Resort Zell am See (Zell am See)
- AvenidA Mountain Lodges Kaprun (Kaprun)
- B&B Hotel Kempten (Kempten)
- Villa Fantasia Budget Boutique Hotel (Füssen)
- Hotel Ruchti - Zeit für mich (Füssen)
Bereit für den nächsten Familienurlaub?
Finde Familienhotels mit Spielplatz, Supermarkt und Eisdiele in der Nähe — mit dem Umkreis-Check.
Jetzt Familienhotels finden →




