Als wir Mitte Oktober in Torbole waren, saßen wir nachmittags in kurzen Ärmeln an der Uferpromenade, während zu Hause die Heizung lief. Die Kinder haben ihre Füße ins Wasser gehalten und nach zehn Sekunden gequietscht, weil der See eben doch schon kalt war. Aber die Bank war frei, das Eis kostete keine Schlange und auf der Straße hinter uns hupte niemand. Genau dafür fahre ich inzwischen lieber im Herbst als im August an den Gardasee.

Was der Herbst am Gardasee besser macht
Der See wirkt wie eine Wärmflasche. Er speichert die Sommerwärme und gibt sie langsam ab, deshalb bleiben die Nachmittage im September und oft bis weit in den Oktober mild. Am Nordufer rund um Riva und Torbole ist es wegen der Berge kühler und windiger, im Süden bei Sirmione und Peschiera liegen die Temperaturen meist höher.
Der praktische Unterschied ist der Verkehr. Die Uferstraße zwischen Limone und Riva ist im Hochsommer eine einzige Blechkolonne, im Oktober fährt man sie entspannt. Parkplätze in Malcesine oder Sirmione, die im August aussichtslos sind, findet man plötzlich. Unterkünfte kosten weniger, und in den Restaurants bekommt man ohne Reservierung einen Tisch.
Der Haken: Ab Ende Oktober beginnt die Saison sich zu leeren. Manche Hotels, Strandbars und Bootsverleiher schließen für den Winter, Fährverbindungen werden ausgedünnt. Wer in den Herbstferien Anfang Oktober fährt, merkt davon wenig. Wer in der letzten Oktoberwoche kommt, sollte bei den wichtigsten Zielen vorher nachsehen, ob sie noch geöffnet sind.
Malcesine und die Seilbahn auf den Monte Baldo
Malcesine hat für Familien zwei Dinge auf einmal. Unten steht die Scaligerburg direkt über dem Wasser, mit Türmen, engen Treppen und einer Aussicht, für die Kinder gern nach oben klettern. Oben am Ortsrand startet die Seilbahn auf den Monte Baldo, deren Kabinen sich während der Fahrt drehen.
Auf knapp 1800 Metern ist es deutlich kühler als unten am See, im Oktober kann der Unterschied fünfzehn Grad betragen. Jacken einpacken, auch wenn ihr unten in T-Shirts losfahrt. Oben gibt es einfache Wege entlang des Grats, ihr müsst also keine anspruchsvolle Tour gehen, um etwas davon zu haben. Die Bahn hat im Herbst eine Revisionspause, deren Termin jedes Jahr wechselt, das ist der eine Punkt, den ihr vor der Buchung klären solltet.
Gardaland
Der größte Freizeitpark Italiens liegt bei Castelnuovo del Garda am Südostufer und läuft im Herbst weiter, meist mit einem Halloween-Thema, das im Oktober das gesamte Gelände prägt. Für kleinere Kinder kann das zu viel sein, weil Dekoration und Kostüme stellenweise deutlich gruselig ausfallen. Fragt am Eingang nach, welche Bereiche betroffen sind.
Auf demselben Gelände liegt das Gardaland Sea Life Aquarium mit einem Tunnel, durch den man unter den Becken hindurchgeht. Das ist der bessere Plan, wenn Regen angesagt ist. Im Herbst hat der Park oft verkürzte Öffnungszeiten und nicht an allen Wochentagen geöffnet, prüft das für euer konkretes Datum.
Riva del Garda und die Bastione
Riva liegt am Nordende in einem Kessel aus senkrechten Felswänden. Die Altstadt ist kompakt, mit einem Hafenbecken, dem Turm Torre Apponale und der Rocca, in der ein Museum untergebracht ist. Für einen Bummel mit Kindern ist das angenehm, weil alles fußläufig zusammenliegt und es überall Eis gibt.
Über der Stadt steht die Bastione, ein alter venezianischer Wehrturm am Hang. Man kann zu Fuß hinaufsteigen, der Weg ist steil, oder den kurzen Lift nehmen, der von der Altstadt aus hinauffährt. Von oben sieht man den Nordteil des Sees und die Windsurfer bei Torbole.

Der Wasserfall von Varone
Wenige Kilometer außerhalb von Riva stürzt der Bach aus dem Ledrotal in eine enge Schlucht, den Parco Grotta Cascata Varone. Über Stege und Galerien kommt man dem Wasser sehr nah, es ist laut, feucht und dunkel. Rechnet damit, nass zu werden, das gehört dazu und ist für Kinder der halbe Spaß. Rutschfeste Schuhe sind hier wichtig, die Stufen sind ständig feucht.
Ledrosee und die Pfahlbauten
Vom Nordufer aus führt eine kurvige Straße hinauf ins Valle di Ledro. Der Ledrosee ist kleiner, ruhiger und liegt höher, entsprechend kühler ist es dort. Am Ufer steht das Pfahlbaumuseum, in dem eine bronzezeitliche Siedlung rekonstruiert wurde, samt Häusern auf Pfählen im Wasser. Für Schulkinder ist das ein guter Kontrast zum Trubel unten am großen See, und die Fahrt dorthin dauert nur etwa eine halbe Stunde.
Sirmione im Süden
Sirmione liegt auf einer schmalen Halbinsel, die weit in den See hineinragt. Am Eingang der Altstadt steht die Rocca Scaligera, eine Wasserburg mit Zugbrücke und begehbaren Mauern, das ist der Klassiker für Kinder. An der Spitze der Halbinsel liegen die Grotte di Catullo, die Reste einer römischen Villa auf einem Olivenhang.
Der Fußweg dorthin ist länger, als er auf der Karte aussieht, mit müden Kindern lohnt sich das kleine Bähnchen, das durch den Ort fährt. Im Sommer ist Sirmione überfüllt, im Oktober kann man dort tatsächlich spazieren gehen. Am Rand der Halbinsel gibt es Stellen mit warmem Thermalwasser, das aus dem Seegrund aufsteigt.

Parco Natura Viva bei Bussolengo
Etwas landeinwärts vom Südufer liegt der Parco Natura Viva, ein Tierpark mit zwei Teilen. Den Safaribereich durchquert man mit dem eigenen Auto, im Fußbereich geht es dann zu Fuß weiter. Im Herbst ist das angenehm, weil die Tiere bei kühleren Temperaturen aktiver sind als in der Mittagshitze des Sommers.
Plant dafür einen halben bis ganzen Tag ein. Wenn es regnet, ist der Safariteil im Auto trotzdem machbar, das rettet einen sonst verlorenen Tag. Auch dieser Park hat eine Wintersaison mit verkürzten Zeiten, die Öffnungszeiten stehen auf der Parkseite.

Peschiera, Lazise und Bardolino
Am Südostufer liegen drei Orte, die sich für ruhige Nachmittage eignen. Peschiera del Garda hat eine sternförmige Festungsanlage aus venezianischer Zeit, durch die Kanäle laufen, das ist zum Herumlaufen gut geeignet. Lazise und Bardolino haben kleine Häfen, Uferpromenaden und im Herbst genug Platz auf den Wegen, dass ein Roller oder Laufrad Sinn ergibt.
Der Radweg bei Limone
Zwischen Limone sul Garda und der Grenze zum Trentino verläuft ein Abschnitt der Ciclopista del Garda auf einer Konstruktion, die direkt an der Felswand über dem Wasser hängt. Man geht oder fährt dort mit dem Rad ein Stück über den See hinaus, unten ist nichts als Wasser. Kinder finden das aufregend, das Geländer ist geschlossen und hoch genug.
In Limone selbst steht die Limonaia del Castèl, eine restaurierte historische Zitronengarten-Anlage mit den typischen hohen Steinpfeilern. Im Herbst hängen dort tatsächlich Früchte, was die Sache für Kinder erst greifbar macht.
Torbole und der Weg nach Busatte
Torbole ist das Surferdorf am Nordende. Auch wenn ihr nicht auf dem Wasser seid, ist es unterhaltsam, den Segeln und Kites zuzusehen, der Wind ist hier fast täglich verlässlich. Vom Ort führt der Weg Busatte Tempesta über eine Reihe von Metalltreppen an der Felskante entlang bis nach Tempesta.
Das sind mehrere hundert Stufen, die zum Teil frei über dem Hang hängen. Mit trittsicheren Kindern ab etwa acht ist das ein Höhepunkt, mit kleineren oder bei Höhenangst lasst ihr es besser. Für den Rückweg gibt es einen Bus entlang der Uferstraße.
Anreise und Praktisches
Aus Deutschland fährt man über den Brenner oder über die Schweiz. Für Österreich braucht ihr eine Vignette plus die Sondermaut am Brenner, in Italien wird an den Mautstellen abgerechnet. Die Rückreise am letzten Ferienwochenende steht meist im Stau, ein früher Start oder ein Zwischenstopp in Südtirol nimmt den Druck raus.
Zur Kleidung: Der Tag hat im Oktober zwei Gesichter. Nachmittags reicht oft ein T-Shirt, morgens und abends braucht ihr Pullover und lange Hosen, in den Bergen zusätzlich eine Jacke. Badesachen könnt ihr trotzdem einpacken, viele Hotels haben beheizte Pools, und Kinder gehen ohnehin ins Wasser, egal wie kalt es ist.
Der Wind am Nordufer heißt Ora und weht nachmittags von Süden, morgens kommt der Peler von Norden. Wenn ihr eine Bootsfahrt plant, ist der Vormittag ruhiger. Die Fähren von Navigazione Laghi verbinden Orte wie Riva, Limone, Malcesine und Torri del Benaco, im Herbst fahren sie seltener als im Sommer und teils nur noch auf einzelnen Strecken.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Gardasee
🏡 Familienunterkünfte in Gardasee
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Vor der Buchung prüfen, ob die Monte-Baldo-Seilbahn in eurem Zeitraum läuft, sie hat im Herbst eine Revisionspause.
- Gardaland fährt im Oktober oft nur an bestimmten Tagen und mit Halloween-Dekoration, für kleine Kinder vorher am Eingang nachfragen.
- Der Süden um Sirmione und Peschiera ist im Oktober meist wärmer als das Nordufer bei Riva und Torbole.
- Für den Wasserfall von Varone rutschfeste Schuhe anziehen und damit rechnen, nass zu werden.
- Bootsfahrten auf den Vormittag legen, nachmittags frischt der Südwind Ora auf.
Häufige Fragen
Wie warm ist es am Gardasee in den Herbstferien?
Kann man im Oktober noch im Gardasee baden?
Hat Gardaland in den Herbstferien geöffnet?
Schließen im Oktober viele Hotels und Restaurants?
Wie lange dauert die Anreise aus Deutschland?
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