Der Bus nach Kaprun kam an diesem Morgen nicht durch. Vor uns zog eine Herde Kühe die Dorfstraße entlang, jede mit einem breiten Blumenkranz zwischen den Hörnern, dazu Glocken in einer Lautstärke, die unsere Jüngste erst erschreckt und dann restlos begeistert hat. Almabtrieb, mitten in unserem Urlaubstag. Wir hatten das nicht geplant, wir wollten eigentlich nur zur Klamm. Am Ende standen wir eine Stunde am Straßenrand, aßen Bauernkrapfen aus einem Pappteller und kamen erst gegen Mittag los. Der Tag war trotzdem einer der besten von der ganzen Woche.
Genau das ist für mich der Kern von Herbstferien in Österreich mit Kindern: Die Berge stehen noch, aber der Betrieb ist raus. Man kommt an, ohne sich durch Menschenmassen zu schieben, und stolpert dafür in Dinge hinein, die im August gar nicht stattfinden.

Warum der Herbst in Österreich für Familien passt
Zwischen Mitte September und Ende Oktober wird das Wetter in den Ostalpen oft stabiler als im Hochsommer. Die Nachmittagsgewitter, die im Juli jede Wanderung zur Zitterpartie machen, fallen weitgehend weg. Dafür braucht ihr Mütze und Handschuhe im Rucksack, morgens liegt in den Tälern Nebel, und über 1500 Metern kann es der erste Schnee sein statt Regen.
Preislich ist der Unterschied deutlich. In Zell am See, im Zillertal oder am Millstätter See liegt zwischen Ende der Sommersaison und Beginn der Skisaison eine Lücke, in der Ferienwohnungen und Familienhotels spürbar günstiger sind. Viele Bergbahnen fahren bis Ende Oktober weiter, danach machen sie Revisionspause. Wer eine bestimmte Seilbahn fest eingeplant hat, sollte vor der Buchung auf der Seite der Bahn nachsehen, ob sie in eurem Reisezeitraum überhaupt läuft. Das ist der eine Punkt, an dem der Herbst tückisch ist.
Zell am See und Kaprun: viel Programm auf kurzen Wegen
Die Region ist für Familien praktisch, weil man fast alles ohne lange Autofahrten erreicht. Der Zeller See hat einen durchgehenden Uferweg, der mit Laufrad und Kinderwagen funktioniert und an mehreren Spielplätzen vorbeiführt. Auf der anderen Seite geht die Schmittenhöhebahn hinauf, oben liegt ein Rundweg mit Blick über den See und die Hohen Tauern, und im Oktober ist man dort deutlich allein unterwegs.
In Kaprun führt die Sigmund-Thun-Klamm durch eine enge Schlucht auf Holzstegen über dem Wasser. Für Kinder ab etwa vier ist das gut machbar, für die Kraxe eher nicht, weil die Stege an einigen Stellen niedrig sind. Wichtig: Die Klamm ist eine Sommer- und Herbsteinrichtung und schließt im Spätherbst. Wer im Oktober kommt, sollte den Besuch nicht auf die letzten Urlaubstage schieben.
Die Krimmler Wasserfälle im Pinzgau
Etwa eine Stunde von Zell am See entfernt liegen die Krimmler Wasserfälle. Der Wasserfallweg steigt in Serpentinen an mehreren Kanzeln vorbei, von denen aus man dem Wasser praktisch ins Gesicht schaut. Ihr müsst nicht bis ganz nach oben. Schon die ersten zwei Aussichtspunkte liefern das, wofür Kinder den Weg mitgehen, nämlich Gischt und Lärm. Regenjacke anziehen, auch wenn es trocken ist, die Nässe kommt von unten und von der Seite.
Wer noch weiter fahren will: Die Großglockner Hochalpenstraße startet nicht weit entfernt bei Fusch und ist im Herbst eine ruhige Strecke. Sie ist mautpflichtig und wird im Spätherbst wegen Schnee gesperrt, das kann sehr kurzfristig passieren. Am Anfang der Straße liegt der Wildpark Ferleiten mit Murmeltieren, Wölfen und Steinböcken, ein guter Halt für kurze Beine.

Almabtrieb und Bauernherbst mitnehmen
Im September und Anfang Oktober kommen in Tirol und im Salzburger Land die Tiere von den Almen zurück ins Tal. In vielen Orten wird daraus ein Fest mit Musik, Ständen und Handwerk. Im Salzburger Land läuft das unter dem Namen Bauernherbst, in Tirol heißt es je nach Ort Almabtrieb oder Alpabtrieb. Die Termine hängen am Wetter und werden oft erst kurzfristig festgelegt, deshalb lohnt vor Ort ein Blick ins Aushangkasterl der Tourismusinfo statt monatelanger Planung.
Für kleinere Kinder ist das anstrengender, als es klingt: viel Gedränge, laute Glocken, wenig Sitzgelegenheit. Wir haben es uns angewöhnt, früh da zu sein, einen Platz an der Ecke zu suchen und nach einer Stunde wieder zu verschwinden, bevor die Stimmung kippt.
Kärnten: Aussichtsturm, Affen und Modellstadt
Kärnten hat im Herbst oft mildere Nachmittage als der Norden Österreichs. Am Wörthersee steht der Pyramidenkogel, ein Aussichtsturm aus Holz mit einer geschlossenen Rutsche, über die man einen großen Teil der Höhe wieder nach unten kommt. Das ist für schulpflichtige Kinder meist der Höhepunkt des Tages, es gibt eine Mindestgröße, die ihr vorher prüfen solltet.
Ganz in der Nähe liegt der Affenberg Landskron, wo Japanmakaken in einem großen Waldgehege leben und man sie in Führungen begleitet. Ebenfalls in Klagenfurt: Minimundus mit Modellen bekannter Bauwerke im Maßstab 1 zu 25. Beide Ziele schließen für die Wintersaison, im Oktober muss man auf die Öffnungszeiten schauen. Burg Hochosterwitz nördlich von Klagenfurt ist der Klassiker für Kinder, die Ritter mögen, der Aufstieg führt durch vierzehn Tore.

Zillertal und Achensee
Wenn ihr eher nach Tirol tendiert, ist das Zillertal im Herbst eine ruhige Basis. Von Jenbach fährt die Zillertalbahn talaufwärts nach Mayrhofen, an einzelnen Tagen mit einer Dampflok, und schon die Fahrt selbst reicht vielen Kindern als Programmpunkt. Oben im Tal gibt es mehrere Bergbahnen, die bis in den Oktober laufen, dazu die mautpflichtige Zillertaler Höhenstraße, von der aus kurze Wege zu Almen abgehen.
Der Achensee liegt nur wenige Kilometer von Jenbach entfernt und ist im Oktober klar und kalt. Baden ist kein Thema mehr, dafür fahren je nach Saisonende noch Schiffe über den See, und rund um Pertisau gibt es flache Uferwege, die mit Buggy funktionieren. Das Rofan- und Karwendelgebiet dahinter ist schroff genug, dass Kinder staunen, ohne dass ihr eine schwierige Tour gehen müsst.
Innsbruck als Stadttag zwischendurch
Ein Tag in Innsbruck bricht eine Woche in den Bergen gut auf. Der Alpenzoo liegt am Hang über der Stadt und zeigt nur Tiere des Alpenraums, also Bartgeier, Wölfe, Fischotter, Steinböcke. Von der Altstadt aus fährt die Hungerburgbahn hinauf, von dort geht es mit den Nordkettenbahnen weiter Richtung Seegrube. An klaren Oktobertagen sieht man von oben, wie der Nebel unten in der Stadt liegt, während man selbst in der Sonne sitzt.
Wenn es regnet: Thermen in der Steiermark
Der steirische Thermenraum im Südosten ist ein eigenes Reiseziel und kein bloßes Notprogramm. Die Therme Loipersdorf hat einen großen Familienbereich mit Rutschen, in Bad Waltersdorf gibt es die Heiltherme und daneben ein Haus mit deutlich kinderorientiertem Wasserbereich, in Bad Radkersburg liegt die Parktherme. Rogner Bad Blumau ist die architektonisch auffällige Variante mit den Hundertwasser-Bauten, dort geht es ruhiger zu.
Rechnet damit, dass alle diese Häuser an Regentagen in den Herbstferien voll sind. Wer früh nach der Öffnung kommt, hat zwei entspannte Stunden, bevor der Andrang einsetzt. Auch im Westen gibt es Alternativen, etwa die Tauern Spa in Kaprun oder die Alpentherme in Bad Hofgastein, beide im Salzburger Land.
Weitere Schlechtwetter-Ziele
In Wattens bei Innsbruck liegen die Swarovski Kristallwelten mit Wunderkammern, einem großen Spielturm und einem Außenbereich, der auch bei Nieselregen funktioniert. Bei Hallein im Salzburger Land führen die Salzwelten in ein Bergwerk, inklusive Holzrutschen und Fahrt auf der Grubenbahn, dort ist es ganzjährig kühl, also lange Hose und Pullover mitnehmen. In der Stadt Salzburg ist das Haus der Natur ein verlässlicher Regentag mit Aquarium, Sauriersaal und einem Bereich zum Ausprobieren.

Anreise und Ausrüstung
Für die Autobahnen in Österreich braucht ihr eine Vignette, digital oder als Klebevariante, dazu kommen auf einzelnen Strecken Sondermauten, etwa im Tauerntunnel oder auf der Großglockner Hochalpenstraße. Ab Mitte Oktober besteht in Österreich die situative Winterreifenpflicht, das heißt, bei Schnee, Matsch oder Eis müsst ihr entsprechend bereift sein. Das trifft im Herbst regelmäßig zu, sobald man über einen Pass fährt.
Beim Packen hat sich bei uns eine simple Regel bewährt: pro Kind ein kompletter Wechselsatz im Auto, weil an Bächen, in Klammen und bei Pfützen zuverlässig etwas nass wird. Dazu Zwiebellook statt einer dicken Jacke, weil der Unterschied zwischen Talstation im Nebel und Bergstation in der Sonne im Oktober zehn Grad und mehr betragen kann. Feste Schuhe mit Profil sind auf feuchtem Laub wichtiger als im Sommer, das gilt besonders für die Stufen in den Klammen.
Die Tage werden merklich kürzer. Wir planen im Herbst nur noch eine größere Sache pro Tag und lassen den Nachmittag offen. Meistens landet man dann sowieso wieder auf einem Spielplatz am See oder im Ort bei einem Fest, von dem vorher niemand etwas wusste.

Beliebte Familien-Aktivitäten in Österreich
🏡 Familienunterkünfte in Österreich
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Vor der Buchung prüfen, ob die gewünschte Bergbahn im Reisezeitraum noch fährt, viele stellen Ende Oktober auf Revision um.
- Klammen wie die Sigmund-Thun-Klamm früh in der Woche einplanen, sie schließen im Spätherbst.
- Digitale Vignette rechtzeitig kaufen und an Sondermauten für Tunnel und Alpenstraßen denken.
- Pro Kind einen kompletten Satz Wechselkleidung im Auto lassen, an Bächen und in Klammen wird zuverlässig etwas nass.
- An Regentagen direkt zur Öffnung in die Therme, danach füllen sich die Familienbereiche in den Ferien schnell.
Häufige Fragen
Wie warm ist es in Österreich in den Herbstferien?
Lohnt sich Österreich im Herbst mit kleinen Kindern?
Wann findet der Almabtrieb statt?
Brauche ich im Oktober schon Winterreifen?
Welche Region ist im Herbst die mildeste?
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