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🌍 Herbst Ratgeber

Herbstmärkte mit Kindern: Erntedankfeste, Kürbisfelder und Volksfeste

☀️ Redaktion Familien-Urlaub.eu Aktualisiert am 4. August 2026 📖 8 Min. Lesezeit
Herbstmärkte mit Kindern: Erntedankfeste, Kürbisfelder und Volksfeste
Symbolbild: Eftodii Aurelia, pexels

Unser Sohn hat auf einem Hoffest im Rheinland zum ersten Mal verstanden, dass Kartoffeln aus der Erde kommen. Er stand knietief in einer aufgerissenen Furche, hatte Dreck unter den Fingernägeln bis zum Ellenbogen, und wir mussten ihn mit dem Versprechen auf ein Stück Zwiebelkuchen zum Auto locken. Solche Nachmittage kosten fast nichts, dauern drei Stunden und bleiben länger hängen als der teure Freizeitpark im Sommer.

Herbstmärkte mit Kindern sind für mich die unterschätzteste Form von Familienausflug in Deutschland. Sie liegen meist vor der Haustür, sie sind wetterfest genug, und sie laufen über Wochen, sodass man selten weit fahren muss.

Kinder sammeln bei einem Erntefest Kartoffeln vom Feld
Symbolbild: Wolfgang Weiser, pexels

Was Erntefeste für Familien anders macht

Auf einem Weihnachtsmarkt schaut man. Auf einem Erntedank- oder Herbstfest darf man meistens anfassen. Es gibt Tiere, Traktoren, offene Feuer, Handwerker, die etwas vorführen, und fast immer irgendeine Station, an der Kinder selbst etwas machen: Äpfel pressen, Butter schütteln, Getreide mahlen, Kürbisse aussuchen, Strohballen erklimmen.

Dazu kommt ein Punkt, den ich mit den Jahren schätzen gelernt habe: Diese Feste haben keinen Zwang zum vollen Programm. Man kommt, bleibt zwei Stunden, isst etwas und geht wieder. Niemand hat vorher fünfzig Euro Eintritt bezahlt, den man abarbeiten muss. Genau das nimmt den Druck raus, der Familienausflüge sonst so oft kaputt macht.

Der Zeitraum ist breiter, als viele denken. Er beginnt in manchen Regionen schon Ende August mit den ersten Volksfesten und zieht sich über Erntedank Anfang Oktober bis in den November hinein, wenn die Martinsmärkte anfangen. Konkrete Termine wechseln jedes Jahr, weil sie an Wochenenden, Kirchenfesten und der tatsächlichen Ernte hängen. Verlasst euch auf die Seite der jeweiligen Gemeinde und nicht auf eine Liste vom Vorjahr.

Erntedankumzüge im Dorf

Die schlichteste Variante ist auch die günstigste. In vielen Dörfern in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen ziehen in den Wochen um Erntedank Umzüge durch den Ort: geschmückte Traktoren, Wagen der Landjugend, Feuerwehr, Blaskapelle und vorneweg eine geflochtene Erntekrone, die anschließend in der Kirche aufgehängt wird. Danach gibt es Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus oder ein Fest auf dem Dorfplatz.

Für Kinder zwischen drei und zehn ist das oft interessanter als jede große Veranstaltung, weil sie nah an die Maschinen kommen und nicht in einer Menge stehen. Solche Termine stehen selten in überregionalen Kalendern. Schaut in das Mitteilungsblatt der Gemeinde, auf die Seite der Kirchengemeinde oder auf den Aushang am Rathaus, wenn ihr in der Region unterwegs seid.

Erntedank in Freilichtmuseen

Wenn ihr nur eine Sache aus diesem Text mitnehmt, dann diese: Freilichtmuseen machen im Herbst die besten Familienveranstaltungen. Das LWL-Freilichtmuseum Detmold in Nordrhein-Westfalen, der Hessenpark im Taunus, das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim und das Museumsdorf Cloppenburg in Niedersachsen richten alle Erntedank- oder Herbsttage aus, mit historischen Maschinen, alten Nutztierrassen, Backhäusern und Werkstätten.

Der Vorteil gegenüber einem reinen Marktplatzfest liegt auf der Hand: Es gibt viel Platz, Wiesen zum Herumlaufen, überdachte Gebäude für Regenschauer und meistens ordentliche Toiletten. In Berlin übernimmt die Domäne Dahlem eine ähnliche Rolle, dort gibt es im Herbst ein großes Fest mit Tieren, Traktoren und Marktständen mitten in der Stadt.

Kürbisfeste und Kürbisausstellungen

Kürbisse sind in den vergangenen zwanzig Jahren zur zuverlässigsten Herbstattraktion für Kinder geworden. Die größte Ausstellung findet im Blühenden Barock in Ludwigsburg statt, wo im Schlossgarten hunderttausende Kürbisse zu wechselnden Themen aufgebaut werden, dazu gehört traditionell ein Wettbewerb um den schwersten Kürbis. Der Park hat ein eigenes Märchengelände und einen großen Spielbereich, das reicht locker für einen ganzen Tag.

Kleiner, aber oft schöner sind die Kürbishöfe. Fast jede Region hat inzwischen mindestens einen Betrieb, der im Herbst Felder öffnet, Strohlabyrinthe aufbaut und Kürbisse zum Selbstschneiden anbietet. Im Rheinland und in der Eifel ist das verbreitet, ebenso rund um die großen Städte in Bayern und Niedersachsen. Sucht nach Kürbishof oder Kürbisfeld in Verbindung mit eurem Landkreis, das führt schneller zum Ziel als jede überregionale Suche.

Kinder zwischen bunten Kürbissen bei einer Kürbisausstellung

Zwiebel, Apfel, Kartoffel: die Marktklassiker

Der Weimarer Zwiebelmarkt in Thüringen ist das bekannteste dieser Feste und einer der ältesten Märkte Deutschlands. Er füllt die ganze Innenstadt, es gibt geflochtene Zwiebelzöpfe, Musik auf mehreren Bühnen und ein Fahrgeschäftsangebot für Kinder. Mit kleinen Kindern ist er allerdings anstrengend, weil abends sehr viel los ist. Wir waren mit unseren am frühen Nachmittag da und das war genau richtig.

Rund um Hamburg lohnt sich im Herbst das Alte Land, das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas. Zur Apfelernte gibt es Hoffeste, Apfelsortenschauen und Höfe, auf denen Kinder selbst pflücken dürfen. Ähnliche Apfelfeste findet ihr am Bodensee, in der Pfalz und rund um die Streuobstwiesen in Baden-Württemberg und Hessen, dort oft verbunden mit Mostereien, wo aus mitgebrachten Äpfeln direkt Saft gepresst wird.

Weinfeste mit Federweißer

In den Weinregionen an Rhein, Mosel, Nahe und in Franken beginnt im Spätsommer die Zeit der Winzerfeste, die bis in den Oktober läuft. Für Erwachsene geht es um Federweißer und Zwiebelkuchen, für Kinder gibt es meistens Traubensaft, Karussells und viel zu viel Zuckerwatte.

Der Bad Dürkheimer Wurstmarkt in der Pfalz ist trotz des Namens ein Weinfest und dazu ein großer Rummel mit Riesenrad und Fahrgeschäften. Wer mit Kindern hinwill, sollte die frühen Stunden nutzen, abends ist es voll und laut. In vielen kleineren Weinorten gibt es dieselbe Mischung eine Nummer kleiner und dadurch familientauglicher.

Geschmückter Traktor bei einem Erntedankumzug im Dorf
Symbolbild: Keith Cassill, pexels

Große Volksfeste im Herbst

Mehrere der größten deutschen Volksfeste liegen genau in der Herbstsaison. Das Cannstatter Volksfest in Stuttgart auf dem Wasen, der Bremer Freimarkt, der Kramermarkt in Oldenburg, das Herbstfest in Rosenheim und die Michaelis-Kirchweih in Fürth ziehen jeweils über zwei bis drei Wochen. Fast alle haben Familientage mit reduzierten Preisen an den Fahrgeschäften, meist unter der Woche.

Für kleinere Kinder gilt hier das Gleiche wie überall: früh kommen, ein klares Budget vorher besprechen und einen Treffpunkt ausmachen, falls jemand verloren geht. Ein Zettel mit eurer Handynummer in der Jackentasche des Kindes ist auf Volksfesten der einfachste Sicherheitsgriff, den es gibt.

Herbstliches Volksfest mit Riesenrad und Fahrgeschäften
Symbolbild: Adam Stuart, pexels

Viehscheid und Almabtrieb im Allgäu

Im südlichen Bayern heißt der Almabtrieb Viehscheid. In Orten wie Bad Hindelang, Pfronten, Gunzesried oder rund um Oberstdorf kommen die Tiere von den Alpen ins Tal zurück, meist in der zweiten Septemberhälfte. Die geschmückte Leitkuh vorneweg, Hunderte Zuschauer am Straßenrand, danach Festzelt und Markt.

Das ist ein starkes Erlebnis und laut zugleich. Rechnet mit Gedränge, Glockenlärm und wenig Sitzgelegenheiten. Mit Kindern unter drei würde ich einen Platz am Rand suchen, wo man notfalls schnell weg kann, und lieber früher gehen, als sich die Stimmung verderben zu lassen.

Bauern- und Handwerkermärkte am Wochenende

Zwischen den großen Terminen liegen die kleinen Märkte, die kaum beworben werden: Töpfermärkte auf Burghöfen, Bauernmärkte auf Klostergeländen, Herbstmärkte in Schlossparks, Wollmärkte mit Schafschur. Sie dauern oft nur einen Nachmittag und kosten selten Eintritt.

Für Familien sind sie deshalb interessant, weil Kinder an den Ständen etwas zu tun bekommen. Ein Töpfer lässt drehen, ein Korbmacher lässt flechten, an der Schmiede darf gehämmert werden. Fragt einfach, die meisten Handwerker sind froh über Interesse. Solche Termine findet ihr über die Seiten von Landkreisen und Tourismusverbänden, oft unter dem Stichwort Veranstaltungskalender Herbst.

Praktisches für den Marktbesuch

Kinderwagen sind auf Hoffesten und in Freilichtmuseen meistens sinnvoll, auf innerstädtischen Märkten wie in Weimar dagegen eher hinderlich. Für unebene Wiesen und Feldwege braucht ihr große Räder, ein schmaler Buggy versinkt nach dem ersten Regen im Matsch. Eine Kraxe oder Trage ist auf Volksfesten oft die entspanntere Lösung.

Bargeld einstecken. Viele kleine Stände, Hofläden und Fahrgeschäfte nehmen weiterhin keine Karte, und der eine Geldautomat am Festplatz hat regelmäßig eine lange Schlange. Nehmt Kleingeld mit, damit Kinder selbst bezahlen können, das ist erfahrungsgemäß der halbe Spaß.

Beim Essen lohnt es sich, eine Kleinigkeit dabeizuhaben. Das Angebot ist zwar groß, aber selten schnell, und ein hungriges Kind wartet keine zwanzig Minuten in einer Schlange. Eine Trinkflasche spart außerdem einiges an Geld.

Zum Wetter: Herbstfeste finden fast immer statt, auch bei Regen. Gummistiefel und Regenjacke sind auf Hoffesten die richtige Wahl, denn Wiesen werden nach ein paar Stunden Betrieb zu Schlamm. Abends wird es früh dunkel und schnell kalt, eine zusätzliche Schicht im Rucksack rettet die letzte Stunde. Wer mit empfindlichen Ohren unterwegs ist, packt einen Gehörschutz ein, gerade bei Umzügen mit Blaskapelle und Kuhglocken.

Kinder beim Erntedankfest an einem Gehege mit Nutztieren
Symbolbild: Any Lane, pexels

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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub

  • Termine immer auf der Seite der Gemeinde oder des Veranstalters prüfen, sie wechseln jedes Jahr mit Wochenenden und Erntestand.
  • Auf Hoffesten Gummistiefel und Regenjacke einpacken, Wiesen werden nach wenigen Stunden Betrieb matschig.
  • Bargeld und Kleingeld mitnehmen, viele Stände und Fahrgeschäfte nehmen keine Karte.
  • Auf großen Volksfesten einen Treffpunkt vereinbaren und einen Zettel mit eurer Handynummer in die Kinderjacke stecken.
  • Mit kleinen Kindern früh am Nachmittag kommen und vor der Abendstimmung wieder gehen.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter lohnt sich ein Herbstmarkt mit Kind?
Hoffeste und Erntedankveranstaltungen funktionieren schon ab etwa zwei Jahren, weil es Tiere, Stroh und viel Platz gibt. Große Volksfeste sind für die Kleinsten oft zu laut und zu voll. Ab Kindergartenalter wird die Auswahl deutlich größer.
Wann ist Erntedank und wie lange läuft die Marktsaison?
Erntedank wird in den meisten Gemeinden Anfang Oktober gefeiert, teils schon im September. Die Saison der Herbstfeste beginnt aber früher und reicht bis in den November hinein, wenn die Martinsmärkte starten. Konkrete Termine hängen an Wochenenden und am Erntestand und wechseln daher jährlich.
Was kostet ein Besuch?
Dorffeste, Erntedankumzüge und viele Bauernmärkte kosten keinen Eintritt. Freilichtmuseen und Kürbisausstellungen verlangen einen normalen Museums- oder Parkeintritt, Kinder zahlen ermäßigt oder sind unter einem bestimmten Alter frei. Auf Volksfesten geht das meiste Geld für Fahrgeschäfte und Essen drauf, ein vorher besprochenes Budget hilft.
Findet ein Herbstmarkt auch bei Regen statt?
In aller Regel ja, abgesagt wird meist nur bei Sturm. Freilichtmuseen und Hoffeste haben überdachte Gebäude oder Zelte, in die man sich stellen kann. Passende Kleidung ist wichtiger als der Wetterbericht.
Wie finde ich Feste in meiner Nähe?
Am besten über den Veranstaltungskalender des Landkreises oder des regionalen Tourismusverbands, dazu über die Seiten von Freilichtmuseen und größeren Höfen. Kleine Dorffeste stehen oft nur im Mitteilungsblatt der Gemeinde oder am Aushang. Die Suche nach Kürbishof oder Hoffest plus Landkreis führt schneller zum Ziel als eine bundesweite Liste.

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