Es war ein Dienstagmorgen Anfang Oktober, und wir standen um kurz nach acht am Straßenrand in Bad Hindelang, weil unsere Tochter unbedingt die Kühe sehen wollte. Erst hörten wir nur die Glocken, ein dumpfes, ungleichmäßiges Scheppern irgendwo oben am Hang. Dann kamen sie: geschmückt mit Kränzen aus Tannenzweigen und Papierblumen, dazwischen Hirten in Tracht, Zuschauer mit Kaffeebechern, ein Blasorchester, das noch nicht ganz wach klang. Unser Sohn, damals sechs, hat drei Tage später noch von den Kuhglocken geredet. Genau dafür lohnt sich ein Herbsturlaub im Allgäu mit Kindern.
Ich fahre seit Jahren im Oktober lieber ins Allgäu als im Hochsommer. Nicht aus Prinzip, sondern weil es für uns als Familie schlicht besser funktioniert. Die Luft ist klar, die Wanderwege sind trocken statt staubig, und in den Bergbahnen muss man nicht dreißig Minuten anstehen, während das jüngste Kind schon quengelt.

Warum der Herbst im Allgäu für Familien passt
Der September und der frühe Oktober bringen im Allgäu oft die stabilsten Wetterlagen des ganzen Jahres. Hochdruck über den Alpen bedeutet: morgens kühl, mittags angenehm warm, abends wieder Jacke. Das ist Wanderwetter für Kinderbeine, die im Juli nach zwanzig Minuten überhitzen. Nebelfelder im Tal lösen sich meist im Lauf des Vormittags auf, und oben auf den Bergen ist es dann klar.
Der zweite Punkt ist banal, macht aber viel aus: Nach den bayerischen Sommerferien wird es deutlich ruhiger. Parkplätze an den Talstationen sind vormittags noch frei, Restaurants nehmen einen ohne Reservierung, und die Übernachtungspreise liegen in den Wochen zwischen den Sommer- und den Herbstferien spürbar unter dem Sommerniveau. Wer flexibel ist und nicht an die Ferientermine gebunden, bekommt hier für dasselbe Budget deutlich mehr.
Was man einplanen muss: Die Tage werden kürzer. Wer um 16 Uhr noch oben am Berg steht, hat im Oktober kein üppiges Zeitpolster mehr. Wir starten deshalb früher als im Sommer und sind meist vor dem Abendessen zurück in der Unterkunft.
Almabtrieb und Viehscheid: das Herbstereignis der Region
Im Allgäu heißt der Almabtrieb Viehscheid. Die Termine liegen üblicherweise im September, jeder Ort hat seinen eigenen Tag, und die bekanntesten Veranstaltungen sind die in Bad Hindelang, Obermaiselstein, Thalkirchdorf und Schöllang. Die Rinder kommen von den Alpen ins Tal, werden auf dem Scheidplatz an ihre Besitzer verteilt, drumherum entsteht ein Volksfest mit Buden, Musik und sehr vielen Menschen.
Mein praktischer Rat aus Erfahrung: Kommt früh, parkt weit außerhalb und rechnet mit Gedränge. Kleine Kinder sehen zwischen Erwachsenenbeinen gar nichts, eine Trage oder ein sicherer Platz an einer Absperrung lohnt sich. Und der Scheidplatz selbst ist für Familien mit sehr kleinen Kindern oft zu voll, der Zug durchs Dorf davor ist der schönere Teil. Die genauen Termine wechseln jedes Jahr, die Tourismusbüros der Orte veröffentlichen sie im Spätsommer.
Nebelhorn: mit der Bahn über die Baumgrenze
Die Nebelhornbahn in Oberstdorf bringt einen in mehreren Sektionen bis knapp unter den Gipfel. Für Kinder ist allein die Fahrt schon das Erlebnis, besonders der Wechsel in der Mittelstation. Oben angekommen liegt man deutlich über der Baumgrenze, im Oktober kann dort schon Schnee liegen, während man unten im Tal im T-Shirt losgelaufen ist.
Der Nordwandsteig am Nebelhorn ist ein gesicherter Rundweg mit Blick in die Steilwand, gut gemacht und auch für ältere Kinder machbar, aber nichts für Kinderwagen. Wer es einfacher will, geht ein Stück Richtung Gipfelkreuz und kehrt dann um. Packt für oben eine Schicht mehr ein, als ihr für nötig haltet. Der Wind macht aus zehn Grad gefühlte vier.

Alpsee mit Kindern: Rundweg, Boote und der Bergwelt-Erlebnispark
Der Große Alpsee bei Immenstadt ist der größte Natursee im Allgäu und für Familien einer der entspanntesten Orte der Region. Der Uferweg lässt sich in Abschnitten gehen, mit Kinderwagen kommt man auf weiten Teilen gut durch, und es gibt genug Stellen zum Steinewerfen. Im Oktober ist das Wasser zu kalt zum Baden, aber die Kinder ziehen trotzdem Schuhe und Socken aus, das ist ein Naturgesetz.
Direkt am Alpsee liegt der Alpsee Bergwelt in Immenstadt-Ratholz mit Sesselbahn, einer langen Sommerrodelbahn und einem Erlebnisberg für Kinder. Die Sommerrodelbahn läuft üblicherweise bis in den Herbst hinein, hängt aber am Wetter, bei Nässe steht sie still. Ein Blick auf die Betriebszeiten vor der Anfahrt spart Enttäuschung.
Füssen, Neuschwanstein und der Lechfall
Füssen liegt am Nordrand der Allgäuer Alpen, und selbst wenn ihr die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau auslasst, lohnt sich die Ecke. Der Lechfall am Ortsrand von Füssen ist in fünf Minuten vom Parkplatz erreicht: eine Felsstufe, über die der Lech in eine enge Klamm stürzt, dazu eine Brücke direkt darüber. Kurz, laut und bei Kindern zuverlässig ein Treffer.
Wer zum Schloss will, sollte die Tickets im Voraus über das offizielle Ticketzentrum sichern und die Zeitfenster ernst nehmen. Der Aufstieg vom Ort zum Schloss dauert gut eine halbe Stunde bergauf. Mit müden Kindern ist die Marienbrücke gegenüber dem Schloss oft der lohnendere Programmpunkt als die Führung selbst, sie kann allerdings wegen Bauarbeiten oder Wetter gesperrt sein.
Breitachklamm bei Oberstdorf
Die Breitachklamm westlich von Oberstdorf ist eine der tiefsten Felsenschluchten Mitteleuropas, und im Herbst hat sie ihren besten Auftritt, weil weniger Menschen auf den schmalen Stegen unterwegs sind. Der Weg führt an der Wand entlang, unten toste das Wasser, oben tropft es einem in den Kragen. Regenjacke einpacken, auch bei Sonne.
Der Weg ist für Kinder gut machbar, aber nicht kinderwagentauglich, eine Kraxe ist die bessere Wahl. Nach starken Regenfällen kann die Klamm kurzfristig gesperrt werden, das steht dann auf der Seite der Betreiber. Wer den ganzen Rundweg über die Walserschanze macht, sollte etwa zweieinhalb bis drei Stunden einplanen.

Kempten und ein Stück Römergeschichte
Kempten ist die größte Stadt im Allgäu und wird von Urlaubern oft übersehen, weil man auf dem Weg in die Berge daran vorbeifährt. Für einen halben Regentag ist die Stadt aber brauchbar. Die Römerstadt Cambodunum am Stadtrand zeigt Grundmauern, einen rekonstruierten Tempelbezirk und ein Museum dazu. Kinder, die in der Schule gerade Römer durchnehmen, sind dort gut aufgehoben, jüngeren fehlt dafür oft die Geduld.
In der Altstadt lässt sich das gut mit einem Bummel und einer Pause verbinden. Wir sind danach an der Iller entlanggelaufen, das reichte den Kindern völlig als Programm.
Kleine Bergbahnen für kurze Beine
Nicht jede Familie will aufs Nebelhorn. Für kleinere Kinder sind die kleineren Berge oft die besseren. Der Söllereck bei Oberstdorf hat eine Bahn und oben einen Spielbereich, der Hündle bei Oberstaufen ist ähnlich unaufgeregt, und die Hörnerbahn in Bolsterlang bringt einen auf ein sanftes Wiesenplateau, auf dem man ohne Absturzgefahr herumlaufen kann.
Achtet auf die Betriebszeiten: Viele Bahnen im Allgäu machen zwischen Herbst- und Winterbetrieb eine Revisionspause, meist im November. Wer in dieser Zeit kommt, sollte vorher prüfen, was läuft.

Wenn es regnet: Bäder, Museen und ein Baumhaus
Im Allgäu regnet es auch im Oktober, manchmal zwei Tage am Stück. Die Alpspitz-Bade-Center und Thermen der Region sind dann die naheliegende Antwort, in Oberstdorf gibt es das Freibergsee-Umfeld und mit dem Wonnemar in Sonthofen ein Erlebnisbad mit Rutschen, das einen Nachmittag füllt.
Ein anderer Regentipp: das Allgäuer Bergbauernmuseum in Diepolz bei Immenstadt. Es ist kein klassisches Vitrinenmuseum, sondern ein Hof mit Tieren, Werkstätten und viel zum Anfassen. Für Kinder zwischen etwa vier und zehn Jahren ist das ein guter Vormittag. In Ofterschwang und Umgebung gibt es zudem mehrere Hallenbäder in Hotels, die auch externe Gäste einlassen, das lohnt eine Nachfrage in der Unterkunft.
Anreise und Ausrüstung
Mit dem Auto kommt man über die A7 bis Füssen oder über die A980 Richtung Kempten und Sonthofen ins Allgäu. Aus Norddeutschland ist das eine lange Fahrt, wir teilen sie mit kleinen Kindern gern auf. Mit der Bahn geht es bis Oberstdorf, Immenstadt oder Füssen, von dort fahren Busse in die Täler. Viele Unterkünfte geben die Allgäu-Walser-Card aus, mit der Busfahrten und einzelne Eintritte vergünstigt oder frei sind, was das Auto tatsächlich überflüssig machen kann.
Zur Ausrüstung: feste Schuhe mit Profil, weil die Wege im Herbst rutschig werden, eine Regenjacke pro Person, Mütze und Handschuhe für die Bergbahnfahrt, und für jedes Kind ein zweites Paar Socken im Rucksack. Wir haben außerdem immer eine Thermoskanne dabei, weil die Hütten im Oktober teils schon geschlossen haben. Wer im Herbst eine Hüttenrast einplant, sollte vorher anrufen: Viele Alpen und Berghütten schließen nach dem Viehscheid, andere haben nur noch am Wochenende geöffnet.
Und noch etwas, das ich unterschätzt hatte: Die Sonne steht im Oktober flach. Auf Nordhängen wird es früh am Nachmittag kalt und schattig, während gegenüber noch alles in der Sonne liegt. Wer die Route grob so plant, dass der Rückweg auf der Sonnenseite verläuft, spart sich viel Gejammer auf den letzten Kilometern.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Allgäu
🏡 Familienunterkünfte in Allgäu
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Viehscheid-Termine der Orte im Spätsommer beim Tourismusbüro nachschauen, sie wechseln jedes Jahr.
- Bei Bergbahnen vorher die Betriebszeiten prüfen, viele machen im November Revisionspause.
- Für die Fahrt aufs Nebelhorn eine Schicht mehr einpacken als im Tal nötig scheint.
- Die Breitachklamm mit Kraxe statt Kinderwagen gehen und Regenjacke auch bei Sonne mitnehmen.
- Nach der Allgäu-Walser-Card in der Unterkunft fragen, sie deckt Busfahrten und einzelne Eintritte ab.
Häufige Fragen
Wann findet der Almabtrieb im Allgäu statt?
Laufen die Bergbahnen im Allgäu auch im Herbst?
Was macht man im Allgäu mit Kindern bei Regen?
Ist die Breitachklamm für kleine Kinder geeignet?
Wie ist das Wetter im Allgäu im Oktober?
Beliebte Ziele für den Herbsturlaub
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