Oben auf dem Kronplatz steht man auf einer Kuppe ohne einen einzigen Baum. Der Gipfel ist 2.275 Meter hoch, flach wie ein umgedrehter Teller, und von dort laufen die Pisten wie Speichen nach allen Seiten hinunter. Unser Sohn hat auf dieser Fläche zum ersten Mal begriffen, dass man sich beim Skifahren auch etwas aussuchen kann. Er ist zweimal im Kreis gefahren, hat dann nach Süden gezeigt und gesagt, da wolle er runter.
Genau das ist der Trick dieses Berges. Der Kronplatz, auf Italienisch Plan de Corones, liegt im Südtiroler Pustertal über Bruneck und ist kein verwinkeltes Talsystem, sondern ein einzelner Berg mit einem breiten Plateau obendrauf. Wer dort ankommt, hat den Überblick, und Kinder verlieren die Orientierung deutlich seltener als in großen Skischaukeln.

Ein Berg, fünf Zugänge
Von unten führen mehrere Bahnen auf den Gipfel, und welche ihr nehmt, entscheidet sich über den Urlaubsort. Aus Reischach bei Bruneck geht es mit den Bahnen Kronplatz 2000 und Ruis hinauf. Aus Olang starten die Olang-Bahnen. Aus Percha fährt eine Gondel praktisch vom Bahnhof weg, und aus Bruneck selbst gibt es eine Bahn, die vom Ortsrand aus in wenigen Minuten oben ist. Auf der anderen Seite steigt man in St. Vigil in Enneberg ein.
Für Familien ist das entspannend, weil alle Wege am selben Punkt enden. Man kann sich morgens trennen, weil einer noch etwas im Ort erledigen muss, und trifft sich trotzdem ohne Absprache an der Bergstation. Und wer nachmittags zu müde für die Talabfahrt ist, fährt einfach mit der Gondel zurück, was hier niemand als Niederlage betrachtet.
Warum die Pisten für Kinder passen
Der Kronplatz ist unbewaldet und wurde entsprechend großzügig angelegt. Die blauen und leichten roten Abfahrten sind breit, gleichmäßig geneigt und haben wenige der engen Stellen, an denen Kinder in Panik geraten. Dazu kommt der Höhenunterschied: Vom Gipfel bis nach Reischach hinunter sind es über tausend Meter, was für ein Kind, das gerade parallel fahren gelernt hat, eine echte Etappe ist.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist der Berg an Feiertagen und in den italienischen Ferienwochen voll, vor allem an den Bergstationen. Zweitens gibt es hier auch die andere Seite: Die schwarzen Abfahrten am Kronplatz, unter dem Namen Black Five zusammengefasst, sind steil und gehören nicht zu den Pisten, auf die man ein Kind zum Ausprobieren schickt. Die Piste Sylvester und die Herrnegg sind sehr direkt angelegt. Wer sie mit einem unsicheren Kind versehentlich erwischt, verbringt eine unangenehme halbe Stunde.
Kinderland und Skischule
Die Skischulen betreiben oben am Berg und an den Talstationen abgetrennte Kinderbereiche mit Zauberteppichen, Figuren und beheizten Hütten. Der Vorteil eines Kinderlands in Gipfelnähe: Die Kleinen sind da, wo die Familie ohnehin fährt, und die Übergabe nach dem Kurs kostet keine zwei Gondelfahrten.
In Südtirol ist es üblich, dass Skikurse in mehreren Sprachen laufen. Deutsch ist im Pustertal die Alltagssprache, damit kommen deutschsprachige Kinder problemlos zurecht. Wichtiger ist die Gruppengröße: Fragt bei der Buchung nach, wie viele Kinder pro Lehrer eingeteilt werden. Alles über acht ist mit Anfängern zäh.

Reischach, Olang oder Bruneck
Reischach liegt direkt an den Bahnen und ist der kürzeste Weg auf den Berg. Wer morgens nicht mit Kindern durch die Gegend fahren will, wohnt hier richtig, zahlt dafür aber meist mehr. Olang auf der Ostseite ist ruhiger, hat eigene Bahnen und liegt näher an den Ausflugszielen im hinteren Pustertal. Bruneck selbst ist eine kleine Stadt mit Geschäften, Bäckereien und Abendleben, was mit Jugendlichen besser funktioniert als ein reiner Skiweiler.
Percha ist die unauffällige Variante: ein kleiner Ort mit Bahnhof und eigener Gondel, günstiger als Reischach und trotzdem ohne Autofahrt am Morgen. St. Vigil auf der anderen Bergseite gehört bereits zu den ladinischen Tälern und ist ein Ziel für sich, allerdings weiter weg von den Bädern und Museen im Haupttal.

Der Gipfel als Ausflugsziel
Auf dem Kronplatz stehen zwei Museen, und beide funktionieren auch für Familien, die an dem Tag gar nicht Ski fahren. Das Messner Mountain Museum Corones steckt als Betonbau im Gipfelhang und ist von außen kaum zu sehen. Das LUMEN im ehemaligen Bahngebäude zeigt Bergfotografie und hat Bereiche, die Kinder ohne Erklärung verstehen. Dazu kommt die große Glocke am Gipfel, an der ohnehin jeder stehen bleibt.
Praktisch heißt das: Ein Elternteil kann mit dem größeren Kind fahren, während das kleinere mit dem anderen Elternteil mit der Gondel hochfährt, sich ein Museum ansieht und oben auf einer Hütte wartet. Das ist eine der wenigen Konstellationen, in denen ein Skitag für alle gleichzeitig funktioniert.
Rodeln, Langlauf und Biathlon
Im Pustertal gibt es mehrere Naturrodelbahnen, die je nach Schneelage präpariert werden. Welche gerade offen ist, sagen die Tourismusbüros in Bruneck und Olang tagesaktuell, und darauf sollte man sich verlassen statt auf die Prospektkarte vom Vorjahr. Rodeln lassen sich fast überall vor Ort leihen.
Wer Kinder hat, die auf schmalen Ski lieber geradeaus laufen als bergab, fährt ins Antholzertal. Dort liegt die Biathlon-Arena, in der regelmäßig Weltcup-Rennen stattfinden, und drum herum ein weites Loipennetz in einem schmalen, ruhigen Seitental. Für einen Tag ohne Lift und ohne Anstellen ist das eine der besten Adressen der Umgebung.

Wenn es zwei Tage schneit
In Reischach liegt das Cron4, ein Erlebnisbad mit Rutschen und Kinderbereich, direkt unterhalb des Skibergs. Das ist der offensichtliche Plan für einen Schlechtwettertag, entsprechend voll wird es dort auch. Wer früh am Nachmittag kommt, hat es leichter.
Bruneck selbst ist für einen halben Tag gut: Die Stadtgasse ist eine überschaubare Fußgängerzone, oben auf dem Hügel steht das Schloss mit einem weiteren Messner-Museum. Nördlich davon liegt Sand in Taufers mit der Burg Taufers, die im Winter Führungen anbietet und Kindern besser gefällt als jedes Bergmuseum, weil es dort Rüstungen und dunkle Gänge gibt.
Der zweite Klassiker ist der Pragser Wildsee im benachbarten Seitental. Im Winter liegt er unter Eis und Schnee, es ist still, und der Weg um den See herum ist mit Kindern in gut einer Stunde zu schaffen. Prüft vorher, ob die Straße geräumt ist und wo man parken darf, das ändert sich von Jahr zu Jahr.
Mittagessen am Berg
Auf dem Kronplatz und an den Pistenrändern stehen viele Hütten, die Auswahl ist größer als in kleineren Gebieten. Südtiroler Küche heißt hier: Knödel in mehreren Varianten, Gulasch, Kaiserschmarrn, dazu meist eine anständige Nudelkarte, die auch wählerische Kinder überzeugt.
Am Gipfel gibt es neben den normalen Selbstbedienungsrestaurants auch ein Lokal, das gehobene Küche macht und beim LUMEN untergebracht ist. Mit hungrigen Kindern in Skischuhen ist das der falsche Ort. Merkt es euch für einen Abend ohne Kinder oder für einen Tag, an dem die Großeltern übernehmen.
Ausrüstung und der erste Tag
Kinderski und Kinderschuhe leiht man vor Ort, weil Füße zwischen Buchung und Anreise gerne noch wachsen. Sinnvoll ist eine Station in Talstationsnähe, denn im Lauf der Woche geht man mit Kinderausrüstung öfter zurück als geplant. Fragt ausdrücklich, ob ein Tausch während der Woche eingeschlossen ist, das ist nicht überall selbstverständlich.
Der Anreisetag ist Samstag, und samstags ist am Berg vergleichsweise wenig los. Wer früh ankommt, kann den Nachmittag noch für den Verleih und eine erste Fahrt nutzen, statt am Sonntagmorgen gemeinsam mit allen anderen in der Schlange zu stehen. Für den Skikurs bedeutet das einen entspannteren Start, weil die Kinder das Material schon einmal an den Füßen hatten.
Anreise und Skipass
Mit dem Auto kommt man aus Norden über den Brenner und die Autobahn bis zur Ausfahrt Brixen-Pustertal, danach führt die Pustertaler Straße nach Osten Richtung Bruneck. Aus Österreich fährt man alternativ über Osttirol und Lienz ins Pustertal hinein. Große Pässe muss man in keiner der beiden Varianten überqueren, was die Anreise mit kleinen Kindern berechenbar macht.
Ohne Auto klappt es hier besser als in den meisten Alpenregionen. Die Pustertalbahn hält unter anderem in Percha, Bruneck und Olang, und in Percha steht die Gondel praktisch neben dem Bahnsteig. Innerhalb der Region fahrt ihr mit dem Skipass oder der Gästekarte oft kostenlos Bus und Bahn, das solltet ihr bei der Buchung der Unterkunft abfragen.
Der Kronplatz gehört zum Verbund Dolomiti Superski. Mit kleinen Kindern lohnt sich der große Verbundpass in der ersten Woche selten, weil ihr den Berg ohnehin nicht verlasst. Startet mit Tageskarten, und wechselt erst, wenn die Kinder mehrere Talabfahrten pro Tag schaffen.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Kronplatz
🏡 Familienunterkünfte in Kronplatz
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Wohnt in Percha oder Reischach, dann startet ihr morgens ohne Autofahrt direkt an einer Gondel.
- Die schwarzen Abfahrten der Black Five, darunter Sylvester und Herrnegg, mit unsicheren Kindern konsequent meiden.
- Bei der Skischule nach der Gruppengröße fragen, mehr als acht Anfänger pro Lehrer werden zäh.
- Für den Schlechtwettertag das Cron4 in Reischach früh am Nachmittag ansteuern, später wird es dort eng.
- Startet mit Tageskarten statt sofort mit dem großen Dolomiti-Superski-Pass, den Berg verlasst ihr mit kleinen Kindern ohnehin nicht.
Häufige Fragen
Ist der Kronplatz für Skianfänger geeignet?
Kann man mit der Bahn zum Kronplatz anreisen?
Welcher Ort am Kronplatz passt für Familien?
Was kann man am Kronplatz ohne Ski machen?
Wird am Kronplatz Deutsch gesprochen?
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