Der beste Kurzurlaub, den wir im Süden hatten, dauerte drei Nächte und bestand zur Hälfte aus einem Salzbergwerk. Draußen regnete es seit dem Frühstück, wir fuhren auf Holzbänken in einen Berg hinein, rutschten eine Holzrutsche hinunter, und mein Sohn erzählt heute noch davon. Von der Aussicht auf die Berge, wegen der ich gebucht hatte, haben wir in drei Tagen ungefähr zwanzig Minuten gesehen.
Süddeutschland ist für einen Kurzurlaub mit Kindern gut geeignet, wenn du eine Sache akzeptierst: Im Herbst entscheidet nicht die Landschaft, sondern das Programm bei Regen. Die Ziele hier liegen alle in Bayern oder Baden-Württemberg, du erreichst sie mit dem Auto oder der Bahn, und keines davon braucht einen Flug.

Wie weit ist zu weit
Ab München, Stuttgart oder Nürnberg liegt fast ganz Süddeutschland in zwei bis drei Stunden Reichweite, für zwei Nächte reicht das locker. Ab Frankfurt wird es beim Chiemgau und Berchtesgaden schon knapp, ab dem Ruhrgebiet oder Hamburg sind das eher Ziele für vier bis fünf Nächte, sonst sitzt ihr die halbe Zeit im Auto.
Die Bahn ist hier oft die bessere Wahl, als man denkt. Freiburg, Konstanz, Berchtesgaden, Immenstadt und Eichstätt haben Bahnhöfe im Ort, und die Anschlussbusse in den Ferienregionen fahren im Herbst meist noch. In den Tälern ist ein Auto trotzdem praktischer, sobald ihr mehrere Ausflüge in verschiedene Richtungen plant.
Herbstwetter in den Bergen richtig einschätzen
Im Herbst kann es im Tal noch mild sein, während oben schon Schnee liegt. Bergbahnen fahren zwischen den Saisons teilweise nach verkürztem Fahrplan oder machen ein paar Wochen komplett zu, das betrifft besonders Oktober und November. Prüft das vor der Buchung auf der Seite der jeweiligen Bahn, sonst plant ihr eine Wanderung, die von oben nach unten führen soll, und steht unten vor einer geschlossenen Talstation.
Mein zweiter Grundsatz für den Süden im Herbst: pro Reisetag eine Sache, die drinnen stattfindet. Höhle, Bergwerk, Therme, Museum, Hallenbad. Wenn ihr sie nicht braucht, umso besser. Wenn doch, habt ihr nicht drei Stunden im Ferienhaus verbracht, während alle langsam gereizt werden. Das klingt banal, macht aber bei drei Tagen den Unterschied zwischen einem guten und einem verlorenen Kurzurlaub.
Bodensee
Der Bodensee in Baden-Württemberg ist die mildeste Ecke Süddeutschlands und im Herbst oft noch für Nachmittage draußen gut. Für Familien liegt hier vieles dicht beieinander: der Affenberg in Salem, die Pfahlbauten in Unteruhldingen, die Schiffe zwischen Konstanz, Meersburg und Lindau. Lindau am Ostufer gehört zu Bayern, alles andere zu Baden-Württemberg.
Die Uferradwege sind flach, damit funktionieren Radtouren schon mit Grundschulkindern. Konstanz und Friedrichshafen erreicht ihr mit der Bahn, ab Stuttgart oder München fahrt ihr rund zweieinhalb Stunden. Günstig ist die Region nicht, im Hinterland liegen die Preise für Ferienwohnungen aber spürbar niedriger.
Allgäu
Das Allgäu gehört größtenteils zu Bayern und ist die Bergregion, in der auch kurze Beine weit kommen. Bergbahnen nehmen euch den Aufstieg ab, es gibt Klammwanderungen mit Geländern und Wasserrauschen, und in Füssen liegt Schloss Neuschwanstein, wenn alle einmal etwas Berühmtes sehen wollen.
Oberstdorf und Füssen sind die teuersten Ecken, drumherum wird es deutlich günstiger. Beide Orte haben einen Bahnanschluss. Für zwei Nächte reicht das Allgäu ab München oder Stuttgart, aus weiterer Entfernung plant lieber vier.

Schwarzwald
Der Schwarzwald in Baden-Württemberg hat zwei Seiten. Rund um Titisee und Schluchsee ist es voller und touristischer, im Norden und in den Seitentälern ruhiger. Für Kinder gibt es die Wasserfälle in Triberg, Baumwipfelpfade, Sommerrodelbahnen und viele Höfe mit Ferienwohnungen, auf denen Tiere im Stall stehen.
Über Freiburg und Offenburg kommt ihr mit der Bahn gut in die Region. In vielen Orten gehört zur Übernachtung eine Gästekarte, mit der Busse und Bahnen im Umkreis kostenlos sind. Danach zu fragen lohnt sich, weil das bei drei Tagen mit vier Personen schnell etwas ausmacht.
Im Herbst hängt in den Tälern morgens oft lange Nebel, während oben auf den Höhen die Sonne steht. Wenn ihr das wisst, plant ihr den Vormittag nach unten und den Nachmittag nach oben, statt euch über das Wetter zu ärgern.
Chiemgau
Der Chiemsee in Oberbayern ist groß genug, dass Kinder ihn für ein Meer halten, und die Schifffahrt zur Herreninsel ist ein Ausflug, der auch bei bedecktem Himmel funktioniert. Das Schloss dort oben ist für Erwachsene interessant, für Kinder ist der Park drumherum meist der bessere Teil.
Ruhpolding und Inzell sind gute Standorte für Familien, die wandern wollen, ohne gleich hochalpin zu werden. Ab München seid ihr in gut einer Stunde da, Prien am Chiemsee liegt an der Bahnstrecke nach Salzburg und ist damit auch ohne Auto erreichbar.
Für Regentage hat der Chiemgau Thermen in Bad Endorf und in den Kurorten ringsum. Wer mit Kindern unter fünf reist, kommt hier gut zurecht, weil die Wege am See flach sind und ihr nicht ins Gebirge müsst, um etwas zu sehen.

Berchtesgadener Land
Der Königssee zwischen steilen Wänden ist eines der bekanntesten Motive Bayerns, und die Fahrt mit dem Elektroboot gehört zu den wenigen Bootstouren, bei denen Kinder wirklich still werden. Das Salzbergwerk in Berchtesgaden ist unser bewährtes Programm für Regentage: Grubenbahn, Rutschen, Schutzkleidung, und niemand fragt nach dem Wetter.
Berchtesgaden hat einen Bahnhof, die Anreise ab München oder Salzburg klappt ohne Auto. Im Herbst kann in den höheren Lagen schon Winter herrschen, während unten im Tal noch Herbst ist. Zwei Nächte sind hier zu wenig, wenn ihr von weiter weg kommt.

Fränkische Schweiz
Zwischen Bamberg, Bayreuth und Nürnberg liegt in Oberfranken eine Landschaft aus Felsen, Burgen und Höhlen. Pottenstein bündelt für Familien besonders viel: die Teufelshöhle, eine Sommerrodelbahn und einen Erlebnisfelsen mit Klettergerüsten im Wald. Für Kinder von fünf bis zwölf trägt das zwei volle Tage.
Ab Nürnberg fahrt ihr weniger als eine Stunde, ab Frankfurt gut zwei bis drei. Höhlen sind das ganze Jahr über kühl, im Herbst also unverändert nutzbar, während draußen alles nass ist. Die Übernachtungspreise in den Dörfern liegen klar unter denen der Alpenorte.
Altmühltal
Im Naturpark Altmühltal in Bayern dürfen Kinder bei Solnhofen in Steinbrüchen selbst nach Fossilien suchen und mitnehmen, was sie finden. Das ist einfach, günstig und beschäftigt Sieben- bis Zwölfjährige länger als jede Ausstellung. In Eichstätt liegen die großen Funde im Museum, und über der Stadt steht eine Burg.
Die Altmühl fließt langsam genug für erste Kanufahrten mit Kindern, allerdings ist das im Herbst eine kalte Angelegenheit. Ab Nürnberg, Ingolstadt oder München ist die Anreise kurz, Eichstätt und Kelheim sind mit Bahn und Anschlussbus erreichbar.
Schwäbische Alb
Die Alb in Baden-Württemberg ist ein Kalksteinplateau voller Höhlen, und das ist mit Kindern ihr größter Vorteil im Herbst. Die Bärenhöhle und die Nebelhöhle bei Sonnenbühl lassen sich beide an einem Tag machen, der Blautopf in Blaubeuren ist eine leuchtend blaue Quelle, an der ihr keine Viertelstunde braucht und die trotzdem hängen bleibt.
Dazu Burg Hohenzollern und Schloss Lichtenstein, beide gut sichtbar auf Felsen gebaut, was bei Kindern besser ankommt als jede Führung. Ab Stuttgart oder Ulm ist die Anreise kurz, die Preise sind moderat, und die Alb ist auch am Wochenende selten überfüllt.
Zwei Nächte reichen hier aus, weil die Ziele eng beieinanderliegen und ihr zwischen Höhle, Burg und Ortskern selten länger als eine halbe Stunde fahrt. Mit dem Zug kommt ihr bis Reutlingen, Tübingen oder Blaubeuren, für die Höhlen braucht ihr dann ein Auto oder einen Bus, der im Herbst seltener fährt.
Rund um den Europa-Park
Rust liegt in Baden-Württemberg zwischen Freiburg und Offenburg, dicht an der französischen Grenze. Der Europa-Park ist der größte Freizeitpark Deutschlands, im Herbst ist er thematisch dekoriert und an Wochenenden entsprechend voll. Ein Wochentag ist mit Kindern deutlich angenehmer, und ein zweiter Tag lohnt sich, weil ihr an einem einzigen nur einen Teil schafft.
Ohne Auto klappt das über den Bahnhof Ringsheim mit Anschlussbus. Wenn das Wetter kippt, gibt es in Rust eine überdachte Wasserwelt, und die Ortenau ringsherum hat mit Ausläufern des Schwarzwalds genug für einen ruhigen dritten Tag.

Beliebte Familien-Aktivitäten in Süddeutschland
🏡 Familienunterkünfte in Süddeutschland
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Vor der Buchung prüfen, ob die Bergbahnen in eurem Zeitraum fahren. Zwischen den Saisons haben viele verkürzte Fahrpläne oder schließen ganz.
- Pro Reisetag eine Aktivität einplanen, die drinnen stattfindet: Höhle, Bergwerk, Therme, Museum oder Hallenbad.
- Höhlen auf der Schwäbischen Alb und in der Fränkischen Schweiz sind ganzjährig kühl, deshalb Jacken auch bei Sonne einpacken.
- In vielen Orten im Schwarzwald und im Allgäu gehört eine Gästekarte für Bus und Bahn zur Übernachtung, danach fragen lohnt sich.
- Den Europa-Park lieber an einem Wochentag besuchen, an Herbstwochenenden wird es dort deutlich voller.
Häufige Fragen
Welche Ziele in Süddeutschland eignen sich für zwei bis drei Nächte?
Was kann man in Süddeutschland mit Kindern bei Regen unternehmen?
Geht ein Kurzurlaub in Süddeutschland auch ohne Auto?
Welche Region in Süddeutschland ist am günstigsten für Familien?
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