Am dritten Abend saß ich mit dem Pistenplan am Küchentisch, während die Kinder draußen vor dem Haus im Dämmerlicht rodelten und alle zehn Minuten gegen die Scheibe klopften. Ich habe versucht herauszufinden, wie wir am nächsten Tag zur Seilbahn nach Les Arcs kommen, ohne dass am Rückweg jemand weint. Das ist die eigentliche Rechenaufgabe in La Plagne: Das Gebiet ist groß, deine Kinder sind es nicht.
La Plagne liegt in Savoie im Tarentaise-Tal und besteht aus mehreren Orten in unterschiedlicher Höhe. Oben am Hang liegen Plagne Centre, Plagne Bellecôte, Belle Plagne und Aime la Plagne, unten im Wald die gewachsenen Dörfer Montchavin, Les Coches und Champagny. Über die Seilbahn Vanoise Express hängt das Ganze mit Les Arcs zusammen und heißt dann Paradiski. Für Familien ist die erste Entscheidung nicht, ob La Plagne, sondern welches.

Oben oder unten, das entscheidet die Woche
Die Höhenorte direkt an der Piste
Plagne Centre, Bellecôte, Belle Plagne und Aime la Plagne sind Retortenorte aus der Zeit, als man Skiorte am Reißbrett geplant hat. Charme im Sinne von alten Bauernhäusern gibt es dort nicht, dafür stehst du morgens in Skischuhen vor der Haustür und bist in zwei Minuten am Lift. Mit einem Kindergartenkind, das nach dem Mittagessen umkippt, ist das durch nichts zu ersetzen. Belle Plagne ist von den vieren der Ort, der optisch am ehesten nach Dorf aussieht, weil er in Holz und mit Bögen gebaut wurde.
Die Dörfer im Tal
Montchavin, Les Coches und Champagny liegen tiefer, zwischen Bäumen, mit Kirche, Bäckerei und Nachbarn, die dort wohnen. Die Pisten sind waldiger, was bei schlechter Sicht ein echter Vorteil ist, weil du überhaupt etwas siehst. Der Preis dafür: Du bist morgens länger unterwegs, bis du im großen Gebiet bist, und musst nachmittags rechtzeitig zurück. Wir haben beides ausprobiert und würden mit einem Vierjährigen wieder oben buchen, mit Schulkindern eher unten.
Paradiski ist ein Angebot, keine Pflicht
Die Vanoise Express fährt in zwei Etagen über das Tal hinüber nach Les Arcs. Das ist für Kinder ein Erlebnis für sich, allein die Fahrt lohnt den Vormittag. Nur solltest du dir vorher überlegen, wie ihr zurückkommt, wenn die Bahn wegen Wind steht oder ein Kind mittags fertig ist. Wir hatten für diesen Fall die Nummer eines Taxis im Handy, das ist beruhigender als jeder Plan B auf der Karte.
Realistisch nutzt eine Familie mit Anfängern einen Bruchteil des Verbunds. Das ist kein Verlust. Die Skipass-Variante nur für La Plagne reicht in vielen Wochen völlig, und du kannst meist tageweise auf Paradiski aufstocken, wenn ihr die große Runde wirklich fahren wollt. Frag danach an der Kasse, statt vorab die teuerste Karte zu kaufen.
Für ältere Kinder, die sicher fahren, hat das Gebiet ein Ziel, das sich als Tagesprojekt anbietet: den Gletscher an der Bellecôte, den höchsten Punkt über La Plagne. Der Weg dorthin führt über mehrere Lifte, oben ist es deutlich kälter und windiger als unten im Ort, und die Abfahrt zurück ist lang. Als Familie planst du dafür einen ganzen Vormittag ein und keinen schnellen Abstecher zwischendurch.

Kinderbereiche und die Frage nach dem Skikurs
In jedem der Orte gibt es abgetrennte Anfängerbereiche mit flachem Gelände und Zauberteppichen, meist in Sichtweite der ersten Häuser. Die ESF ist auch hier die verbreitete Skischule und unterrichtet in eigenen Gruppen für die Kleinsten. Buch den Kurs, sobald die Unterkunft steht. In den Ferienwochen sind die Vormittagskurse als Erstes weg, und was übrig bleibt, sind Zeiten, die deinen Tagesablauf zerlegen.
Zwei Dinge, die bei uns den Unterschied gemacht haben: Wir haben nach der ersten Kursstunde die Leihausrüstung getauscht, weil die Schuhe zu groß waren, und wir haben den Kurs auf fünf statt sechs Tage gelegt. Der freie Tag in der Wochenmitte hat mehr gebracht als die zusätzliche Stunde am Hang.
Die Bobbahn von 1992
In La Plagne steht die olympische Bobbahn der Spiele von Albertville, und sie ist bis heute in Betrieb. Man kann dort in verschiedenen Varianten mitfahren, vom gebremsten Schlitten bis zur schnellen Fahrt mit Pilot. Für Mindestalter und Größe gelten feste Regeln, und die solltest du vor der Reise nachlesen, bevor am Familientisch Erwartungen entstehen, die sich nicht einlösen lassen.
Unser Großer war zu jung für die schnelle Variante und durfte trotzdem am Zielhang stehen, als die Bobs vorbeikamen. Das Geräusch, wenn so ein Ding durch die Kurve schiebt, hat ihm für den Rest der Woche gereicht.

Die Unterkunft ist meist eine Ferienwohnung
Wie fast überall in den französischen Alpen buchst du hier in der Regel ein Apartment mit Selbstverpflegung, nicht ein Hotel mit Halbpension. Die Wohnungen sind knapp geschnitten, Vierbettwohnungen haben oft eine Schlafnische im Flur oder ein ausklappbares Sofa im Wohnraum. Wer mit zwei Kindern eine Woche darin lebt, sollte sich die Grundrisszeichnung vor der Buchung genau ansehen. Die Personenzahl im Titel sagt darüber wenig aus.
Bettwäsche, Handtücher, Endreinigung und manchmal auch die Kurtaxe kommen häufig obendrauf. Das ist kein Betrug, sondern in Frankreich üblich, aber es verschiebt den Preis spürbar. Rechne diese Posten vor dem Vergleich verschiedener Angebote dazu, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen. Ein Blick lohnt sich auch darauf, ob die Residenz einen Skiraum mit Schuhtrocknern hat. Sechs Paar nasse Innenschuhe in einer kleinen Wohnung riechen am Mittwoch nicht mehr charmant.
Anreise ins Tarentaise-Tal
Samstag ist der klassische Wechseltag, und das Tarentaise-Tal ist an diesem Tag eine der vollsten Straßen der Alpen. Wer kann, reist Freitagabend an oder plant den Samstag mit großzügigem Puffer. Von Aime oder Macôt geht es in Serpentinen hinauf zu den Höhenorten, nach Montchavin und Les Coches über eine eigene Zufahrt.
Schneeketten gehören ins Auto, auch wenn im Tal die Straße frei aussieht. In den französischen Bergregionen kann in der Wintersaison eine Ausrüstungspflicht gelten. Wer nicht selbst fahren will: Aime la Plagne und Bourg-Saint-Maurice haben Bahnhöfe, an denen im Winter Fernzüge halten, von dort geht es mit Bus oder Transfer hoch. Mit kleinen Kindern und viel Gepäck ist das eine ernsthafte Alternative zur Fahrt über den Alpenpass.
Der Anreisetag hat seine eigene Choreografie
Wenn ihr samstags oben ankommt, ist die Wohnung selten sofort frei, und gleichzeitig wollen alle das Gleiche: einchecken, Ausrüstung holen, einkaufen. Wir machen es seit ein paar Jahren in dieser Reihenfolge: erst zum Verleih, solange die Kinder noch wach und geduldig sind, dann Supermarkt, dann Schlüssel. Die Skischuhe werden im Laden anprobiert, bis das Kind einmal in die Knie geht und der Ferse dabei nicht wandert.
Der Supermarkt in einem Höhenort ist am Samstagabend kein schöner Ort. Wenn du auf dem Weg durch das Tal fährst, kauf unten im Supermarkt an der Durchgangsstraße das Grundsätzliche ein, also Milch, Nudeln, Frühstück, Wasser. Oben holst du dann nur noch Brot und Käse. Das spart am ersten Abend eine Dreiviertelstunde Warteschlange, und wer schon einmal mit zwei müden Kindern in einer solchen Schlange gestanden hat, weiß, was diese Dreiviertelstunde wert ist.

Tage ohne Skier
Es gibt Wochen, da will ein Kind am Donnerstag einfach nicht mehr. Dafür brauchst du einen Plan, der nicht Piste heißt. In den Orten von La Plagne findest du Rodelhänge, präparierte Winterwanderwege und Schwimmbäder, teils in den Sportzentren der Orte. Schlittenhundefahrten werden im Gebiet angeboten, und eine Schneeschuhrunde am Nachmittag funktioniert schon mit Grundschulkindern, wenn du die Strecke kurz hältst.
Champagny liegt am Rand des Nationalparks Vanoise und ist der ruhigste Ausgangspunkt für so einen Tag. Wir sind dort eine Stunde durch den Schnee gestapft, haben Spuren von Tieren gesucht und am Ende heiße Schokolade getrunken. Die Kinder haben davon länger erzählt als von manchem Skitag.

Was ich vorher gern gewusst hätte
- Der Ortsname allein sagt wenig, entscheidend ist die Lage der konkreten Residenz zum Anfängerhang und zum nächsten Lift.
- Das französische Gütesiegel Famille Plus tragen einzelne Orte, nicht ganze Skigebiete, ein Blick auf den jeweiligen Ort lohnt sich.
- Skipass, Skikurs und Leihausrüstung im Voraus buchen spart am Anreisetag zwei Stunden Schlangestehen.
- Ein Rucksack mit Riegeln und Wasser verhindert mehr Zusammenbrüche als jede Motivationsrede am Lift.
Und eine Sache, die banal klingt: Legt euch am ersten Tag einen festen Treffpunkt fest, eine Liftstation oder ein Restaurant mit auffälliger Fassade. In einem Gebiet dieser Größe mit mehreren Orten am selben Hang verliert man sich schneller, als man denkt, und Handyempfang ist am Berg nicht überall selbstverständlich.
Beliebte Familien-Aktivitäten in La Plagne
🏡 Familienunterkünfte in La Plagne
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Erst den Ort wählen, dann die Wohnung: Höhenorte liegen direkt an der Piste, Montchavin, Les Coches und Champagny bieten Wald und Dorfleben.
- Skipass zunächst nur für La Plagne nehmen und Paradiski bei Bedarf tageweise dazubuchen.
- ESF-Kurs sofort nach der Unterkunft buchen, Vormittagsplätze sind in den Ferienwochen zuerst weg.
- Für die Bobbahn vorher Mindestalter und Größe prüfen, bevor am Familientisch Erwartungen entstehen.
- Grundeinkauf unten im Tal erledigen, der Supermarkt im Höhenort ist am Anreisesamstag überfüllt.
Häufige Fragen
Welcher Ort in La Plagne passt am besten zu kleinen Kindern?
Brauchen wir den großen Paradiski-Skipass?
Dürfen Kinder auf der Olympia-Bobbahn mitfahren?
Wie kommen wir ohne Auto nach La Plagne?
Was kostet in der Ferienwohnung extra?
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