Wir sind an einem Samstag angekommen, wie fast alle, und haben die letzte Stunde vor dem Ort im Schritttempo verbracht. Auf dem Rücksitz waren zwei Kinder, die seit dem Frühstück im Auto saßen, und in meinem Kopf lief die Rechnung, ob wir die Schlüsselübergabe noch schaffen. Wir haben sie geschafft, mit einer knappen Stunde Puffer, und die erste Erkenntnis der Woche stand schon fest: Der Anreisetag in einem französischen Skiort ist ein eigenes Kapitel und keine Randnotiz.
Les Gets liegt in der Haute-Savoie, ein Stück oberhalb von Morzine, und gehört zu den Portes du Soleil. Dieser Skiraum reicht über die Grenze in die Schweiz hinein, mit Orten wie Champéry und Les Crosets auf der anderen Seite. Für Familien ist wichtiger, was direkt vor der Haustür liegt: ein gewachsenes Dorf mit Holzhäusern, Kirche und Bäckerei, kein Betonort auf 1800 Metern, und ein Hausberg, der für Kinder gebaut zu sein scheint.
Ein Dorf, kein Retortenort
Der Unterschied fällt am zweiten Tag auf, wenn ihr abends kurz Brot holen wollt. In Les Gets gibt es einen Ortskern mit Läden, in dem sich Einheimische und Gäste mischen, und die Wege zwischen Unterkunft, Skibus und Piste sind kurz. Wer schon einmal in einer der großen französischen Höhenstationen aus den siebziger Jahren gewohnt hat, kennt den Gegenentwurf.
Für Kinder hat das praktische Folgen. Der Ort ist überschaubar genug, dass ein Zehnjähriger allein zur Bäckerei laufen kann, und die Ortsbusse verbinden die Ortsteile mit den Talstationen. Ihr steht seltener im Auto als in Gebieten, die sich über mehrere Täler verteilen.
Die Höhenlage hat zwei Seiten. Les Gets liegt tiefer als die großen französischen Höhenstationen, das macht das Klima im Ort milder und die Abende angenehmer. In milden Wintern kann die Schneelage im Tal dafür dünner ausfallen als weiter oben, weshalb ein Blick auf den aktuellen Bericht des Gebiets vor der Buchung der Skischule sinnvoll ist.

Zwei Seiten: Chavannes und Mont Chéry
Das Skigebiet des Ortes teilt sich auf zwei Hänge, die sich gegenüberliegen. Die Chavannes-Seite ist die sonnige, breite und leichte: Hier liegen die Anfängerbereiche, hier sind die Skikurse unterwegs, und hier geht es weiter Richtung Morzine. An Ferientagen ist das auch die vollere Seite.
Gegenüber liegt der Mont Chéry, der von der Ortsmitte aus erschlossen ist und deutlich ruhiger bleibt. Dort findet ihr an vollen Tagen Platz, und für Kinder, die schon sicher fahren, sind die Abfahrten eine gute Abwechslung. Mit blutigen Anfängern bleibt ihr besser auf der Chavannes-Seite, wo die Wege kürzer und die Hänge flacher sind.
Die Verbindung nach Morzine ist der erste größere Ausflug, den ein Kind schaffen kann, das eine Woche Skikurs hinter sich hat. Rechnet trotzdem mit einem halben Tag, nehmt die Karte des Gebiets mit und verabredet einen Treffpunkt für den Fall, dass sich die Gruppe an einer Liftstation verliert. Der Rückweg über den Berg schließt am Nachmittag, das ist der Zeitpunkt, den ihr im Blick behalten müsst.
Skischule: ESF, Piou-Piou und der Schneegarten
Die französische Skischule ESF ist in Les Gets vertreten und nimmt Kinder ab etwa drei Jahren im Club Piou-Piou auf, dem abgetrennten Übungsgelände mit Förderbändern und Figuren im Schnee. Ältere Kinder werden in Gruppen nach Können eingeteilt, in der Regel vormittags über sechs Tage, mit Prüfung und Abzeichen am Ende der Woche.
Zwei Hinweise aus Erfahrung: Bucht die Kurse deutlich vor der Reise, in französischen Ferienwochen sind die Gruppen schnell voll. Und fragt beim Buchen nach der Sprache. Unterrichtet wird auf Französisch und Englisch, deutschsprachige Lehrer gibt es, sie sind aber nicht selbstverständlich.

Famille Plus: was das Siegel bedeutet
Les Gets trägt das französische Label Famille Plus, das Orte auszeichnet, die sich verpflichten, auf Familien einzugehen. Dahinter stehen Kriterien wie Betreuungsangebote, Ermäßigungen für Kinder, geeignete Aktivitäten für verschiedene Altersgruppen und Ansprechpartner vor Ort. Das Siegel wird regelmäßig überprüft und nicht einmalig vergeben.
Was es nicht bedeutet: dass alles automatisch günstig oder einfach ist. Es sagt etwas über die Haltung des Ortes aus, nicht über die Qualität einer einzelnen Unterkunft. Nehmt es als Vorauswahl und schaut trotzdem im Detail nach, was eure Résidence oder euer Chalet tatsächlich anbietet.
Portes du Soleil mit Kindern: realistisch bleiben
Der Verbund ist riesig und reicht über die Grenze in die Schweiz. Das klingt verlockend und ist mit kleinen Kindern trotzdem keine gute Idee. Um auf die Schweizer Seite zu kommen, müsst ihr über Morzine und Avoriaz weiterfahren, und der Rückweg hängt an Liftschlusszeiten. Wer sich verschätzt, steht abends im falschen Land und braucht ein Taxi.
Prüft deshalb vor der Buchung, welcher Skipass zu euch passt. Für Familien mit Anfängern reicht der kleinere Pass für Les Gets und Morzine meist die ganze Woche. Den vollen Verbundpass lohnt sich erst, wenn alle sicher fahren und ihr wirklich Strecke machen wollt. Ausweise oder Reisepässe gehören dann in den Rucksack, weil ihr eine Staatsgrenze überquert.
Apartment statt Hotel: was auf euch zukommt
In Frankreich wohnen Familien überwiegend in Apartmentanlagen, den Résidences, oder in gemieteten Chalets. Hotels gibt es, sie sind aber nicht der Normalfall. Gekocht wird selbst, eingekauft im Supermarkt im Ort, und die Apartments sind kompakter geschnitten, als deutsche Gäste erwarten. Ein Vierbettapartment ist wirklich für vier Personen gedacht.
Rechnet mit Zusatzposten, die im Preis oft nicht enthalten sind: Bettwäsche und Handtücher, die Endreinigung, manchmal eine Kurtaxe. Das steht im Kleingedruckten der Buchung und überrascht bei der Schlüsselübergabe regelmäßig jemanden. Fragt vorher nach, ob ein Trockenraum oder wenigstens ein Skiraum mit Heizung vorhanden ist.
Die Selbstverpflegung ist gleichzeitig der Hebel beim Budget. Mittagessen auf der Piste kostet in französischen Skiorten spürbar, deshalb machen es viele Familien wie die Franzosen: morgens Baguette und Käse einpacken, mittags irgendwo in der Sonne auspacken, und der warme Teller kommt abends in der Wohnung auf den Tisch. Zwei Restaurantabende in der Woche bleiben davon unberührt.

Samstag ist Wechseltag
Die Vermietung läuft in französischen Skiorten fast durchgängig von Samstag zu Samstag. Das heißt: An diesem Tag sind alle gleichzeitig unterwegs, auf den Zufahrtsstraßen im Tal ebenso wie an den Schlüsselausgaben. In den französischen Winterferien wird daraus ein zäher Tag, den ihr besser einplant statt ihn zu verdrängen.
Der nächste größere Flughafen ist Genf, von dort geht es mit Mietwagen oder Transfer weiter. Wer mit dem eigenen Auto kommt, sollte Schneeketten dabeihaben, auch wenn die Straße nach Les Gets in der Regel geräumt ist. Und plant den Wocheneinkauf nicht direkt nach der Ankunft, sondern am Sonntagvormittag, wenn sich die Lage im Ort beruhigt hat.
Das Museum für mechanische Musik
Für den Tag, an dem es waagerecht schneit, hat Les Gets etwas, das in Skiorten selten ist: eine richtige Sehenswürdigkeit im Ort. Das Musée de la Musique Mécanique sammelt Spieldosen, Drehorgeln und selbstspielende Instrumente, und die Sammlung wird vorgeführt statt nur ausgestellt. Kinder ab etwa sechs Jahren finden das erstaunlich spannend, weil sich alles bewegt und Krach macht.
Die Führungen finden zu festen Zeiten statt und sind der eigentliche Grund hinzugehen, ein stiller Rundgang lohnt weniger. Schaut die aktuellen Zeiten vorab auf der Seite des Museums nach, im Winter unterscheiden sie sich von der Sommersaison.
Tage ohne Ski
Rodeln funktioniert im Ort, Schneeschuhwanderungen werden geführt angeboten, und im Nachbarort Morzine gibt es ein Sportzentrum mit Eisbahn, das sich für einen Nachmittag anbietet. Prüft die Öffnungszeiten vorher, sie ändern sich zwischen Haupt- und Nebensaison.

Für einen ganzen Ausflugstag kommt Chamonix in Frage, das mit dem Auto erreichbar ist. Die Seilbahn auf die Aiguille du Midi ist ein eigenes Erlebnis, allerdings nichts für Kinder, die auf Höhe empfindlich reagieren, und bei schlechter Sicht lohnt sie nicht. Entscheidet das am Morgen nach Wetterlage und nicht Wochen vorher.
Wenn ihr im Sommer wiederkommt
Les Gets ist außerhalb des Winters ein bekannter Ort für Mountainbiker, mit Strecken am Berg und Lifttransport für Räder. Für Familien mit Jugendlichen, die auf zwei Rädern unterwegs sind, ist das ein eigenes Reiseziel. Kleinere Kinder finden im Sommer den See am Ortsrand und die Wanderwege am Hang.
Wer die Woche im Winter gut fand, kommt oft im Juli oder August wieder, weil derselbe Ort dann ein völlig anderes Programm hat und die Unterkünfte deutlich günstiger sind als in den Ferienwochen der Skisaison.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Les Gets
🏡 Familienunterkünfte in Les Gets
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Skikurs bei der ESF lange vor der Reise buchen und dabei nach der Unterrichtssprache fragen, deutschsprachige Lehrer sind nicht garantiert.
- Mit Anfängern reicht der kleinere Skipass für Les Gets und Morzine. Der volle Verbundpass lohnt erst, wenn alle sicher fahren.
- Den Samstag als Anreisetag einplanen, nicht verdrängen. Wechseltag heißt volle Zufahrtsstraßen und Warteschlangen bei der Schlüsselübergabe.
- Vor der Buchung nach Bettwäsche, Endreinigung und Kurtaxe fragen, diese Posten sind im Apartmentpreis oft nicht enthalten.
- Mittags Baguette und Käse selbst mitnehmen. Essen auf der Piste ist in französischen Skiorten der teuerste Posten des Tages.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter nimmt die Skischule in Les Gets Kinder auf?
Kann man mit Kindern von Les Gets auf die Schweizer Seite fahren?
Was unterscheidet Les Gets von den großen französischen Höhenstationen?
Welche Seite des Skigebiets passt zu Anfängern?
Was macht man in Les Gets an einem Tag ohne Ski?
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