Am ersten Morgen stand meine Tochter mit den Skiern in der Hand auf dem Balkon und schaute nach unten. Da unten lief die Piste vorbei, keine dreißig Meter entfernt, und darauf rutschten schon die ersten Kinder in Reihe hinter einem Skilehrer her. Sie hat mich angesehen, als wollte sie fragen, ob wir wirklich nichts weiter tun müssen als die Treppe runterzugehen. Mussten wir nicht. Genau deshalb sind wir mit zwei Kindern in Les Menuires gelandet und nicht in einem der bekannteren Nachbarorte.
Les Menuires liegt im Vallée des Belleville in Savoyen, auf rund 1850 Metern, und ist Teil der Drei Täler. Das heißt: Du wohnst in einem Ort, der sich preislich noch halbwegs im Rahmen bewegt, und hängst trotzdem an einem der größten zusammenhängenden Skigebiete der Alpen. Für Familien ist das eine brauchbare Kombination, auch wenn der Ort selbst nicht jeden auf Anhieb überzeugt. Dazu später mehr.

Warum der Ort mit Kindern funktioniert
Der wichtigste Punkt ist banal und trotzdem entscheidend: Ein großer Teil der Apartmenthäuser liegt direkt an oder sehr nah an der Piste. Wer schon einmal mit einem Fünfjährigen, zwei Paar Skiern und einem Rucksack voller Ersatzhandschuhe zwanzig Minuten durch einen Ort gestapft ist, weiß, was dieser kurze Weg wert ist. Man geht mittags nochmal hoch, wenn jemand friert, ohne den halben Tag zu verlieren.
Dazu kommt die Geländeform. Les Menuires liegt in einer breiten, offenen Mulde mit weiten, wenig steilen Hängen. Es gibt genug übersichtliches Terrain, auf dem Anfänger nicht ständig das Gefühl haben, gleich abzustürzen. Wenn die Kinder irgendwann mehr wollen, fährst du mit denselben Skipässen weiter Richtung Méribel oder Val Thorens.
Der Preisunterschied zu Courchevel und Méribel ist real. Les Menuires gilt als der zugänglichere Teil der Drei Täler, bei den Unterkünften wie bei dem, was man abends im Ort ausgibt. Konkrete Zahlen schwanken je nach Woche stark, prüf sie für deinen Zeitraum selbst.
Die Ortsteile: Wo du mit Kindern besser wohnst
Les Menuires ist kein gewachsenes Dorf, sondern eine Ansammlung von Ortsteilen, die sich über mehrere Höhenlagen am Hang verteilen. La Croisette ist das Zentrum mit den meisten Geschäften und dem größten Teil der Infrastruktur. Les Bruyères ist der zweite große Kern, etwas neuer, mit eigenem Ladenangebot. Dazu kommen Reberty, Preyerand und Le Bettex, die sich darunter und darüber verteilen.
Für Familien ist Les Bruyères oft die entspanntere Wahl, weil dort der Anfängerbereich, die Läden und die Wohnhäuser nah beieinander liegen und weniger Durchgangsverkehr herrscht als in La Croisette. Wer maximale Nähe zu Supermarkt, Skischulbüro und Bushaltestelle will, ist in La Croisette richtig, muss dafür aber mit mehr Betrieb leben. Reberty und Preyerand sind ruhiger und teils neuer gebaut, dort lohnt sich ein genauer Blick auf die Karte: Manche Häuser liegen tatsächlich an der Piste, andere brauchen einen kurzen Fußweg oder den Skibus.
Die Ortsteile sind untereinander mit einem kostenlosen Skibus verbunden, teils auch mit Liften und Aufzügen, die den Höhenunterschied überbrücken. Das funktioniert, kostet aber Zeit und Nerven, wenn man es jeden Morgen mit müden Kindern macht. Frag beim Buchen konkret nach dem Weg zum nächsten Lift, in Gehminuten mit Ausrüstung, nicht in Metern Luftlinie.

Anfängerbereiche und die ersten Schwünge
Für die ganz Kleinen gibt es abgetrennte Übungszonen mit Förderbändern, sogenannten Zauberteppichen, auf denen niemand einen Schlepplift bedienen muss. Der Sektor Les Bruyères hat mehrere leichte Abfahrten, die sich gut zum Üben eignen, weil sie breit und nicht überfüllt sind. Meine Kinder haben dort zwei Tage lang dieselbe Abfahrt zwanzigmal gemacht und waren zufrieden damit.
Der nächste Schritt ist meist die Piste Boulevard Cumin, eine lange, sanfte Abfahrt, die auch Anfänger nach ein paar Tagen schaffen. Sie ist deshalb beliebt, weil sie das Gefühl vermittelt, endlich eine richtige Abfahrt zu fahren, ohne dass es steil wird. Rechne damit, dass es zu Stoßzeiten voll wird, gerade am Nachmittag, wenn alle zurück ins Tal wollen.
Wenn es ins große Gebiet gehen soll
Sobald die Kinder blaue Pisten sicher fahren, öffnet sich das eigentliche Argument für Les Menuires: Von hier kommst du über die Höhenrücken nach Méribel und weiter Richtung Courchevel, in die andere Richtung hinauf nach Val Thorens. Das ist kein Halbtagesausflug, sondern ein Tagesprojekt.
Meine Faustregel: Erst wenn ein Kind einen ganzen Vormittag ohne Zusammenbruch durchfährt und beim Liftfahren selbstständig ist, lohnt sich der Ausflug ins Nachbartal. Vorher wird es Stress, weil der Rückweg zeitlich fix ist. Die letzten Verbindungslifte schließen am Nachmittag, und wer sie verpasst, fährt Taxi durchs Tal. Die Schlusszeiten hängen an jeder Station, schau morgens einmal drauf und plane mit Puffer.
Saint-Martin-de-Belleville als ruhige Alternative
Ein paar Kilometer talwärts liegt Saint-Martin-de-Belleville, ein altes Dorf mit Steinhäusern, Kirche und deutlich mehr Charakter als die Retortenbauten weiter oben. Es hängt über einen Sessellift ebenfalls am Skigebiet, liegt aber tiefer und ist damit erst ab Hochwinter zuverlässig schneesicher.
Wer Wert auf Dorfatmosphäre legt und in Kauf nimmt, dass die Kinder morgens erst mit dem Lift hochmüssen, ist dort gut aufgehoben. Für die erste Skiwoche mit Anfängern würde ich trotzdem oben wohnen, weil der direkte Pistenzugang mehr wert ist als hübsche Fassaden. Als Nachmittagsausflug mit Bummel und Einkehr ist Saint-Martin eine gute Abwechslung.

Skischule, Betreuung und die Sache mit dem Buchen
Die ESF, die Ecole du Ski Français, ist die dominierende Skischule und in beiden großen Ortsteilen vertreten. Für die Kleinsten gibt es den Club Piou-Piou, eine eigene Gruppe für Kinder ab etwa drei Jahren mit eigenem, abgezäuntem Gelände. Die Gruppen sind nach Können gestaffelt, und am Ende der Woche gibt es die klassischen Abzeichen, auf die Kinder erstaunlich stolz sind.
Das Wichtigste in einem Satz: Buch die Kurse früh. In den französischen und deutschen Ferienwochen sind die Kindergruppen regelmäßig ausgebucht, teils Monate vorher. Dasselbe gilt für die Kinderbetreuung für Kinder, die noch nicht auf Ski stehen, sowie für Skiverleih mit Kinderausrüstung. Wer erst am Anreisesamstag ins Büro geht, bekommt oft nur noch Randzeiten oder gar nichts.
Verständigung läuft in den Kursen meist auf Französisch, teils Englisch. Es gibt Skilehrer, die Deutsch sprechen, garantiert ist das nicht. Frag bei der Buchung ausdrücklich danach. Bei kleinen Kindern ist die Sprache erfahrungsgemäß weniger ein Problem als bei Zehnjährigen, die Erklärungen verstehen wollen.
Rodeln und Programm abseits der Piste
Les Menuires hat eine ausgeschilderte Rodelbahn, die man mit dem Lift erreicht, dazu Winterwanderwege und je nach Saison ein Angebot an Schneeschuhtouren. Rodeln war bei uns der Notnagel für den Nachmittag, an dem niemand mehr Ski fahren wollte. Ob eine Bahn geöffnet ist, hängt von der Schneelage ab, das erfährst du im Tourismusbüro vor Ort.
Der Ort betreibt ein Sport- und Freizeitzentrum mit Schwimmbad, was an Schlechtwettertagen Gold wert ist. Öffnungszeiten und Eintritt ändern sich saisonal, das prüfst du besser vor Ort. Manche Apartmentanlagen haben eigene kleine Wellnessbereiche, das steht meist in der Objektbeschreibung.

Essen, Einkaufen, Selbstversorgung
Die typische Unterkunft in Les Menuires ist ein Apartment in einer Residenz, mit Küchenzeile und ohne Verpflegung. Wer Halbpension gewohnt ist, sollte sich darauf einstellen: Kochen gehört dazu. Es gibt Supermärkte in La Croisette und Les Bruyères, das Sortiment reicht für eine Woche aus, ist im Skiort aber erwartbar teurer als im Tal. Viele Familien erledigen den Großeinkauf auf der Anfahrt in Moûtiers und holen vor Ort nur Frisches nach.
Bei den Apartments gibt es zwei Punkte, die immer wieder für Ärger sorgen. Erstens die Größe: Französische Skiapartments sind oft sehr effizient geschnitten, ein Vier-Personen-Apartment kann kleiner sein, als die Angabe vermuten lässt, mit Schlafnischen statt Schlafzimmern. Zweitens die Nebenkosten. Bettwäsche, Handtücher, Endreinigung und manchmal auch der Kurtaxenanteil werden häufig separat berechnet und teils erst vor Ort fällig. Lies das Kleingedruckte vor der Buchung, sonst wird die günstige Woche im Nachhinein weniger günstig.
Anreise, Wechseltag und Schneeketten
Die Zufahrt führt über Moûtiers und dann die Serpentinenstraße hinauf ins Belleville-Tal. Samstag ist in den französischen Skiorten der klassische Wechseltag, an dem praktisch alle Apartments gleichzeitig frei werden und neu belegt werden. Das bedeutet: dichter Verkehr im Tal, Staus an den Engstellen und volle Parkhäuser. Wer kann, fährt früh los oder legt die Anreise auf einen anderen Wochentag, sofern die Unterkunft das zulässt.
Schneeketten gehören ins Auto, auch wenn die Straße geräumt ist. In Frankreich gilt in Berggebieten eine saisonale Ausrüstungspflicht, und bei starkem Schneefall wird die Auffahrt kontrolliert. Winterreifen allein reichen je nach Lage und Beschilderung nicht immer aus. Prüf die aktuelle Regelung für dein Fahrzeug vor der Abreise, die Details ändern sich gelegentlich.
Was du über die Optik wissen solltest
Jetzt der Teil, den Prospekte gern auslassen. Les Menuires ist in den Siebzigerjahren als funktionale Skistation aus dem Boden gestampft worden, und das sieht man. Vor allem in La Croisette stehen lange Betonriegel am Hang, die mit dem Bild vom gemütlichen Alpendorf nichts zu tun haben. Wer aus Tirol oder Südtirol kommt, wird beim ersten Blick möglicherweise schlucken.
Der Ort hat darauf reagiert. Die neueren Ortsteile, etwa Teile von Reberty und Preyerand, sind ansehnlicher gebaut, mit Holz und Stein statt Sichtbeton, und auch im Zentrum wurde saniert. Trotzdem bleibt Les Menuires ein Zweckbau am Berg. Für uns war das am zweiten Tag kein Thema mehr, weil die Kinder auf der Piste standen statt auf Fassaden zu schauen. Ist dir das Ortsbild wichtig, schau dir Saint-Martin-de-Belleville an oder buch bewusst in einem der neueren Teile.
Der Ort trägt das Label Famille Plus, ein französisches Gütesiegel für Gemeinden, die festgelegte Kriterien für Familienfreundlichkeit erfüllen: Angebote für Kinder, Betreuung, ausgewiesene Bereiche, Preisgestaltung für Familien. Kein Versprechen für einen perfekten Urlaub, aber ein Hinweis darauf, wo der Ort seinen Schwerpunkt sieht.

Wenn du zum ersten Mal buchst, würde ich in dieser Reihenfolge vorgehen: erst die Lage des Apartments zur Piste klären, dann die Skischulplätze für die Kinder sichern, dann den Rest. Alles andere lässt sich vor Ort noch regeln, diese beiden Dinge nicht.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Les Menuires
🏡 Familienunterkünfte in Les Menuires
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Beim Apartment nicht nur den Ortsteil, sondern den Weg zum nächsten Lift in Gehminuten mit Ausrüstung erfragen. Luftlinie sagt am Hang wenig aus.
- Skikurse für Kinder und die Betreuung im Club Piou-Piou in den Ferienwochen Monate vorher buchen, sonst bleiben nur Randzeiten übrig.
- Bettwäsche, Handtücher und Endreinigung sind bei französischen Apartments oft Zusatzposten. Vor der Buchung im Kleingedruckten nachrechnen.
- Schneeketten gehören ins Auto, auch bei Winterreifen. In den Bergdepartements gilt eine saisonale Ausrüstungspflicht, die Auffahrt wird bei Schneefall kontrolliert.
- Samstag ist Wechseltag mit viel Verkehr über Moûtiers. Früh losfahren oder, wenn die Unterkunft es zulässt, auf einen anderen Tag ausweichen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter lohnt sich Les Menuires für Kinder?
Welcher Ortsteil ist mit Kindern am praktischsten?
Kommen wir von Les Menuires aus in die anderen Täler?
Ist Les Menuires wirklich günstiger als Courchevel oder Méribel?
Was machen wir bei schlechtem Wetter oder ohne Ski?
Diese Ziele kannst du direkt ansehen
Wetter, Unterkünfte und Ausflugsziele je Region, aus unserer Buchungssuche.
Bereit für den nächsten Familienurlaub?
Finde Familienhotels mit Spielplatz, Supermarkt und Eisdiele in der Nähe — mit dem Umkreis-Check.
Jetzt Familienhotels finden →




