Der erste Skitag unserer Tochter fand nicht in einem der großen Gebiete statt, sondern oben am Kristberg. Wir waren mit der kleinen Bahn aus Silbertal hochgefahren, oben lag ein sonniges Plateau, und statt Liftschlangen gab es eine Wiese mit einem Zauberteppich und drei anderen Familien. Sie ist an dem Vormittag vielleicht zwanzig Mal denselben Hang runtergerutscht. Am Nachmittag wollte sie nicht ins Tal, weil sie noch einmal wollte.
Genau das ist der Grund, warum ich das Montafon Familien empfehle, die zum ersten oder zweiten Mal Skiurlaub machen. Das Tal hat vier sehr unterschiedliche Skigebiete auf engem Raum, und ihr müsst euch nicht am ersten Tag entscheiden, ob ihr das große oder das kleine wollt. Ihr könnt beides haben, in derselben Woche, mit demselben Skipass.
Wo das Montafon liegt und wie das Tal aufgebaut ist
Das Montafon ist ein Seitental in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs. Es beginnt bei Bludenz und zieht sich rund vierzig Kilometer nach Südosten bis nach Partenen. Die Orte reihen sich der Reihe nach am Talboden auf: Vandans, Tschagguns, Schruns, St. Gallenkirch, Gaschurn, Partenen, dazu Silbertal als Seitenast und Gargellen als eigenes kleines Hochtal.
Für Familien ist die Struktur praktisch. Der Talboden liegt bei Schruns auf gut 700 Metern, ihr wohnt also nicht auf einem Hochplateau, sondern in echten Dörfern mit Bäckerei, Supermarkt und Bushaltestelle. Die Skigebiete liegen darüber und werden über Bahnen aus dem Tal erschlossen. Das bedeutet: kurze Wege am Morgen, aber trotzdem Höhe unter den Skiern.
Die vier Gebiete werden gemeinsam vermarktet, es gibt also einen Skipass, der im ganzen Tal gilt, und Skibusse, die die Talstationen verbinden. Praktisch heißt das: Ihr könnt morgens beim Frühstück nach Wetterbericht entscheiden, ob es heute der kleine sonnige Berg wird oder das große Gebiet. Fragt bei der Buchung nach, ab wann die Kinderpreise greifen und ab welchem Alter ein eigener Pass nötig ist, das unterscheidet sich zwischen den Bergbahnen im Land.

Kristberg: der Berg für den ersten Skitag
Der Kristberg über Silbertal ist das kleinste der vier Gebiete und für den Anfang das beste. Ihr fahrt mit der Kristbergbahn hoch und steht auf einem Sonnenplateau auf gut 1.400 Metern. Es gibt wenige Lifte, breite, ruhige Hänge und kaum Durchgangsverkehr von schnellen Fahrern, die von oben angerauscht kommen. Wer schon einmal versucht hat, einem Fünfjährigen den Schneepflug beizubringen, während neben ihm Snowboarder vorbeifegen, weiß, wie viel das wert ist.
Oben steht die Knappenkapelle St. Agatha, ein Rest aus der Bergbaugeschichte des Tals. Für Kinder ist das nach dem dritten Skitag ein guter Grund für eine Pause, für Erwachsene eine kleine Geschichte, die man erzählen kann. Der Kristberg eignet sich auch als Rückzugsort an Tagen, an denen die großen Gebiete voll sind, also in den Ferienwochen um Neujahr und im Februar.
Golm: das Gebiet, in das Familien hineinwachsen
Der Golm über Vandans ist das, was ich das Sowohl-als-auch-Gebiet nenne. Die Golmerbahn bringt euch aus dem Tal hoch, oben gibt es Übungsgelände mit Zauberteppich, aber eben auch lange rote Abfahrten bis über 2.000 Meter hinauf, an denen ein zwölfjähriges Kind nicht das Gefühl bekommt, im Kindergarten zu fahren.
Der Blick vom Golm geht direkt in den Rätikon hinüber, auf die Drei Türme und die Zimba, diesen spitzen Zacken, den hier alle kennen. Vom Golm führt eine Rodelbahn von Matschwitz hinunter nach Latschau. Die fahren wir meist am späten Nachmittag, wenn die Skischule vorbei ist und die Kinder noch Energie haben, die irgendwohin muss.
Silvretta Montafon: wenn die Kinder schneller werden als ihr
Das größte Gebiet im Tal entstand aus dem Zusammenschluss der Hänge um Hochjoch bei Schruns und Nova bei St. Gallenkirch und Gaschurn. Einstiege gibt es mehrere: die Zamangbahn und die Hochjochbahn in Schruns, die Valiserabahn in St. Gallenkirch, die Versettlabahn in Gaschurn. Von Schruns aus geht es bis auf über 2.300 Meter hinauf.
Hier fahrt ihr hin, wenn eure Kinder die Anfängerphase hinter sich haben. Für Jugendliche ist der Snowpark ein eigenes Argument, meist wichtiger als jede Piste. Für Eltern gibt es lange Talabfahrten, die tatsächlich bis ins Dorf führen, was den Nachmittag entzerrt: Wer noch will, fährt oben weiter, wer nicht mehr mag, rutscht runter und wartet unten.
Ein ehrlicher Hinweis: Silvretta Montafon ist an Ferienwochenenden gut besucht, besonders an den Zubringerbahnen zwischen neun und zehn Uhr. Wenn ihr mit kleinen Kindern unterwegs seid, startet entweder früher oder nehmt an solchen Tagen den Kristberg oder Gargellen.

Gargellen: das Seitental für ruhige Tage
Gargellen liegt in einem eigenen Hochtal, das von St. Gallenkirch abzweigt, und der Ort selbst liegt auf rund 1.400 Metern. Das ist der Grund, warum hier oft noch Schnee liegt, wenn es unten im Tal grau und feucht ist. Das Gebiet ist überschaubar, die Hänge sind breit, und es fühlt sich an wie ein Skigebiet aus den Achtzigern, im guten Sinn.
Die Straße nach Gargellen ist eng und windet sich hinauf. Bei Neuschnee braucht ihr Winterreifen, die diesen Namen verdienen, und im Zweifel Ketten im Kofferraum. Wer sich das nicht antun will, nimmt den Bus. Belohnt werdet ihr mit einem Tag ohne Gedränge, was mit zwei Kindern und Skiern unter dem Arm mehr wert sein kann als zwanzig zusätzliche Pistenkilometer.
Tage ohne Ski: Rodeln, Winterwandern, Museen
Es gibt in jedem Skiurlaub den Tag, an dem einer krank ist, das Wetter kippt oder schlicht die Lust fehlt. Das Montafon hält dafür genug bereit, um nicht in der Wohnung zu sitzen.
Winterwandern funktioniert hier besser als in vielen anderen Tälern, weil es Sonnenterrassen gibt, die den ganzen Winter geräumt sind. Bartholomäberg über Schruns ist so ein Weg, mit Blick über das ganze Tal. Ins Gauertal hinein geht ein weiterer, der auch mit Kindern machbar ist, wenn ihr nach der Hälfte umdreht. Zieht Schuhe mit Profil an und rechnet damit, dass die Wege am Nachmittag hart gefroren sein können.
Für Regen- und Nebeltage gibt es die Montafoner Museen, verteilt auf mehrere Orte, unter anderem das Heimatmuseum in Schruns und das Bergbaumuseum in Silbertal. Das Bergbaumuseum funktioniert bei Kindern ab etwa acht Jahren gut, weil es um Stollen, Werkzeug und harte Arbeit geht, nicht um Vitrinen mit Trachten. Wer ins Wasser will, fährt nach Bludenz, wo es ein größeres Hallenbad mit Rutschen gibt. Das ist von Schruns aus eine überschaubare Fahrt und rettet einen verregneten Nachmittag.
Schruns selbst ist an einem freien Nachmittag ein netter Ort zum Bummeln, mit einem Kern, der über die Jahre nicht kaputtsaniert wurde. Ernest Hemingway hat hier in den Zwanzigerjahren mehrere Winter verbracht und später darüber geschrieben, was im Ort bis heute gern erzählt wird. Für Kinder ist das erst mal egal, für einen Kaffee zwischendurch reicht es.
Eine Anmerkung zur Silvretta-Hochalpenstraße, weil danach oft gefragt wird: Sie ist im Winter gesperrt. Der Weg über die Bielerhöhe nach Tirol ist erst im späten Frühjahr wieder offen, plant also nicht damit.


Skikurs, Leihmaterial, Mittagessen
In jedem größeren Ort gibt es Skischulen, und in den Ferienwochen sind die Kinderkurse voll. Bucht den Kurs, sobald die Unterkunft steht, nicht erst bei der Ankunft. Für die ganz Kleinen lohnt der Blick darauf, ob die Skischule ein eigenes Kinderland mit Betreuung über Mittag anbietet, sonst steht ihr um zwölf Uhr mit einem müden Kind ohne Plan da.
Leihausrüstung nehmt ihr am besten im Ort, in dem ihr wohnt, und nicht an der Talstation eines Gebiets, das ihr nur einmal besucht. Kinderski und Schuhe sind bei den meisten Verleihern ohnehin günstiger als Erwachsenenmaterial, und wenn der Schuh am zweiten Tag drückt, geht ihr zu Fuß hin und lasst tauschen. Helm gehört bei Kindern dazu, in Vorarlberg ist er für Minderjährige beim Skifahren vorgeschrieben.
Zum Mittagessen: Die Hütten in den Gebieten füllen sich zwischen halb zwölf und eins. Wer mit Kindern nicht anstehen will, isst um elf oder um halb zwei. Wir packen inzwischen immer zwei Brote und Wasser ein und essen die Hüttenmahlzeit bewusst an zwei Tagen der Woche, das spart erstaunlich viel und macht es zum Ereignis statt zur Pflicht.
Anreise und Bewegung im Tal
Mit dem Auto kommt ihr über die Rheintal- und Walgauautobahn bis Bludenz und fahrt von dort ins Tal hinein. Die Talstraße ist gut ausgebaut und auch bei Schneefall meist zügig geräumt, die Zufahrten nach Gargellen und Silbertal sind der anspruchsvollere Teil.
Mit der Bahn geht es bis Bludenz und von dort mit der Montafonerbahn weiter nach Schruns. Das ist einer der wenigen Alpenurlaube, bei denen die autofreie Anreise mit Kindern und Gepäck wirklich funktioniert, weil die Umsteigezeiten kurz sind und die Skibusse im Tal die Gebiete anfahren. Fragt bei der Unterkunft nach der Gästekarte und danach, welche Busse damit abgedeckt sind.

Wenn ihr euch nicht entscheiden könnt, wo im Tal ihr wohnen sollt: Schruns und Tschagguns liegen zentral, von dort erreicht ihr alle vier Gebiete in vertretbarer Zeit. Gaschurn und St. Gallenkirch sind näher am großen Gebiet, dafür weiter weg vom Rest. Vandans ist die Wahl, wenn der Golm euer Hauptberg wird.
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🏡 Familienunterkünfte in Montafon
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Für die ersten Skitage den Kristberg über Silbertal wählen, kleines Plateau, wenige Lifte, kaum Durchgangsverkehr auf den Übungshängen.
- Kinderskikurs direkt nach der Unterkunft buchen, in den Ferienwochen sind die Gruppen früh voll.
- Leihmaterial im eigenen Ort holen statt an einer Talstation, dann könnt ihr drückende Schuhe am nächsten Tag zu Fuß tauschen.
- An vollen Ferienwochenenden auf Gargellen oder Kristberg ausweichen, statt zwischen neun und zehn Uhr an den großen Zubringerbahnen zu stehen.
- Für die Straße nach Gargellen echte Winterreifen und im Zweifel Ketten einpacken, oder gleich den Skibus nehmen.
Häufige Fragen
Welches Skigebiet im Montafon ist für Anfänger am besten?
Wie kommen wir ohne Auto ins Montafon?
Was macht man im Montafon an einem Tag ohne Ski?
Ist die Silvretta-Hochalpenstraße im Winter befahrbar?
Brauchen Kinder im Montafon einen Skihelm?
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