Im nachgebauten Bergwerk unter dem Deutschen Museum hat sich mein Sohn geweigert weiterzugehen. Nicht aus Angst, sondern weil er die Grubenlampe an der Stollenwand noch einmal anschauen wollte, und dann noch einmal. Hinter uns staute sich eine Schulklasse. Wir haben zwischen diesen Schächten und Förderkörben am Ende fast eine Stunde verbracht, und das war ein Bruchteil eines Hauses, das wir an dem Tag nicht ansatzweise geschafft haben.
Wenn du in den Herbstferien mit Kindern wegfahren willst und keine Lust auf Flughafen hast, ist München eine der naheliegendsten Antworten. Die Stadt ist mit der Bahn aus fast jeder Richtung erreichbar, der Hauptbahnhof liegt mitten im Zentrum, und von dort kommst du mit U-Bahn und Tram überall hin. Ein Auto brauchst du in München nicht. In der Innenstadt ist es eher ein Problem als eine Hilfe, und wer trotzdem fährt, sollte vorher klären, wo das Auto die Woche über steht. Bei den meisten Hotels kostet der Stellplatz extra.
Der zweite Grund für den Herbst: München hat sehr viel Innen. Museen, Hallen, ein Aquarium, überdachte Märkte. An einem Tag mit Dauerregen ist das der Unterschied zwischen einem funktionierenden Familienurlaub und vier Leuten, die sich im Hotelzimmer anschweigen.

Deutsches Museum: plane mehr Zeit ein, als du denkst
Das Deutsche Museum auf der Museumsinsel ist der Klassiker, und es ist tatsächlich so groß, wie alle sagen. Für Kinder funktionieren vor allem die Bereiche, in denen etwas passiert: das Bergwerk, die Schifffahrt mit den begehbaren Modellen, Luftfahrt und die Vorführungen, bei denen jemand mit Hochspannung hantiert und es laut knallt. Diese Blitzvorführung ist für viele Kinder der Moment, an den sie sich Jahre später noch erinnern.
Ehrlich zur Altersfrage: unter vier wird es zäh, weil vieles hinter Glas steht und nicht angefasst werden darf. Ab etwa sechs geht es los, ab acht oder neun wird es richtig gut. Für kleinere Kinder gibt es einen eigenen Bereich, der aber begrenzt ist und schnell voll wird. Teile des Hauses werden seit Jahren umgebaut, es kann also passieren, dass ausgerechnet die Abteilung geschlossen ist, auf die sich dein Kind gefreut hat. Ein Blick auf die Museumsseite vor der Abfahrt spart Diskussionen am Eingang.
Tierpark Hellabrunn im Süden der Stadt
Hellabrunn liegt an der Isar und ist als Geo-Zoo angelegt, die Tiere sind also nach Kontinenten sortiert. Für Familien ist das praktisch, weil man sich eine Runde vornehmen kann, statt kreuz und quer zu laufen. Es gibt große Freianlagen, ein Elefantenhaus und mehrere Innenbereiche, die auch bei Regen funktionieren.
Der Zoo hat ganzjährig offen, im Herbst sind viele Tiere aktiver als in der Sommerhitze. Rechne mit vier bis fünf Stunden, mit kleinen Kindern eher mit weniger und dafür einer längeren Pause auf einem der Spielplätze. Der Kinderwagen kommt überall durch, die Hauptwege sind breit und befestigt. Wer mit der U-Bahn anreist, hat einen kurzen Fußweg bis zum Eingang.
Olympiapark: hoch hinauf und wieder runter
Der Olympiapark ist im Kern ein großer künstlicher Hügel mit Sportanlagen drumherum, und genau dieser Hügel ist für Kinder das Beste daran. Von oben siehst du bei klarem Wetter bis zu den Alpen, an normalen Herbsttagen immerhin über die halbe Stadt. Rauf und runter rennen kostet nichts und baut den Bewegungsdrang ab, der sich im Museum aufgestaut hat. Rund um den See gibt es eine Runde, die auch mit Laufrad oder Roller gut geht.
Der Olympiaturm hat eine Aussichtsplattform mit Rundumblick. Kinder, die Höhe mögen, finden allein den Aufzug aufregend genug. Wenn es an eurem Tag grau in grau ist, lohnt sich der Turm allerdings kaum, dann siehst du oben vor allem Wolken. Das ist eine der wenigen Attraktionen in München, bei denen ich wirklich vorher aufs Wetter schauen würde.
Sea Life gleich nebenan
Am Rand des Olympiaparks liegt ein Sea Life mit Tunnelbecken. Es ist kleiner, als viele erwarten, und in gemütlichem Tempo in ein bis zwei Stunden zu schaffen. Für Kinder zwischen etwa drei und acht ist es trotzdem ein Treffer, weil alles auf Augenhöhe liegt und die Rochen im Tunnel über einem hinwegziehen. Ältere Kinder, die schon größere Aquarien kennen, sind schneller wieder draußen.

Englischer Garten und die Welle im Eisbach
Der Englische Garten ist riesig, und im Herbst mit dem Laub am Boden ist er angenehmer als im Hochsommer, wenn jede Wiese belegt ist. Für Familien reicht meistens der südliche Teil: Wiesen zum Rennen, der Bach, der Chinesische Turm, ein paar Spielplätze. Die Biergartenfrage ist im Herbst allerdings oft geklärt, viele Betriebe schließen oder haben verkürzt offen. Nimm lieber etwas zu essen mit, als darauf zu bauen.
Am Südrand, neben dem Haus der Kunst, steht die stehende Welle im Eisbach. Dort surfen Leute bei jedem Wetter, auch im Oktober, auch bei fünf Grad. Für Kinder ist das oft der überraschendste Moment des ganzen Städtetrips, weil es überhaupt nicht in ihr Bild von einer Stadt passt. Man stellt sich auf die Brücke, schaut zwanzig Minuten zu, und es kostet nichts. Der Bach ist schnell und kalt, also kleine Kinder an der Hand behalten.
BMW Welt für die Auto-Fraktion
Direkt beim Olympiapark liegt die BMW Welt, eine große Halle mit Autos und Motorrädern, von denen ein Teil bestiegen werden darf. Der Zugang zur Halle selbst kostet nichts, das benachbarte Museum ist kostenpflichtig. Für Kinder ist die Welt oft ergiebiger als das Museum, weil sie sich dort tatsächlich hinter ein Lenkrad setzen können, statt Vitrinen zu betrachten.
Das zieht ab etwa vier und hört nie richtig auf. Wenn dein Kind mit Autos nichts anfangen kann, kannst du es guten Gewissens streichen. In Kombination mit dem Olympiapark ergibt sich ein brauchbarer Wechsel aus Innen und Außen an einem Tag, je nachdem, was der Himmel macht.
Kindermuseum am Hauptbahnhof
Neben dem Hauptbahnhof gibt es ein kleines Kindermuseum mit wechselnden Mitmach-Ausstellungen. Es ist auf Kinder etwa zwischen drei und zehn zugeschnitten, fast alles darf angefasst werden, und es ist überschaubar genug, dass niemand überfordert wird. Wenn ihr am Anreise- oder Abreisetag noch zwei Stunden zu füllen habt, ist die Lage kaum zu schlagen, weil das Gepäck vorher im Bahnhof bleiben kann.
Für Kinder ab elf ist es zu klein. Die schickst du in der Zeit eher ins Verkehrszentrum des Deutschen Museums auf der Theresienhöhe. Das ist eine eigene Abteilung mit Lokomotiven, Straßenbahnwagen und alten Autos in drei historischen Messehallen, und sie wird von Städtetrip-Familien regelmäßig übersehen.

Nymphenburg: Kutschen schlagen Schloss
Schloss Nymphenburg liegt im Westen und ist mit der Tram gut zu erreichen. Das Schloss selbst reißt Kinder selten vom Hocker, der Marstall mit den historischen Kutschen und Schlitten dagegen schon. Vergoldete Prunkkutschen sind für viele Kinder näher an einem Märchen als an Geschichtsunterricht, und der Raum ist klein genug, dass man ihn in einer halben Stunde durch hat.
Der Park dahinter ist der eigentliche Grund für den Ausflug. Kanäle, Enten, weite gerade Wege, im Herbst jede Menge Laub. Wer Lust hat, läuft bis zu einem der kleinen Parkschlösschen im hinteren Teil. Mit Kinderwagen ist der Hauptweg problemlos, die Nebenwege sind teilweise Kies und nach Regen matschig.
Viktualienmarkt und das Mittagessen-Problem
Mit Kindern in einer fremden Stadt essen zu gehen ist selten entspannt. Der Viktualienmarkt in der Innenstadt löst das halbwegs: Ihr kauft an verschiedenen Ständen zusammen, was jeder will, und setzt euch damit an einen der Tische. Niemand wartet zwanzig Minuten auf eine Karte, und wenn ein Kind nach fünf Minuten fertig ist, entsteht daraus kein Drama.
Im Herbst wird es dort früh kühl, und die Plätze im Freien sind bei Regen ungemütlich. Dann ist die Schrannenhalle nebenan eine Möglichkeit, oder ihr nehmt das Essen mit und esst es an einem trockenen Ort weiter. Am Rand des Marktes steht ein Kinderkarussell, das schon manche Verhandlung gerettet hat.
Ein Nachmittag an der Isar
Die Isar läuft mitten durch München, und südlich der Innenstadt ist sie kein Kanal, sondern ein Fluss mit Kiesbänken und Auwald an beiden Ufern. Zwischen Flaucher und Tierpark kannst du lange am Wasser entlanglaufen, Steine werfen und Staudämme bauen, die nach zehn Minuten wieder weg sind. Im Herbst ist das ohne Sonne weniger verlockend als im Juli, aber mit Gummistiefeln und einer Thermoskanne funktioniert es gut, und ihr habt die Kiesbänke fast für euch allein.
Ein Wort zur Sicherheit: Die Isar ist ein Gebirgsfluss, die Strömung ist stärker, als sie von oben aussieht, und nach Regen im Voralpenland kann der Pegel schnell steigen. Kleine Kinder gehören dort nur ans Wasser, wenn ein Erwachsener direkt danebensteht, nicht auf Zuruf von der Uferböschung. Hinkommen könnt ihr mit Bus oder U-Bahn bis in die Nähe und dann zu Fuß über eine der Brücken.

Beliebte Familien-Aktivitäten in München
🏡 Familienunterkünfte in München
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Kommt mit der Bahn. Der Hauptbahnhof liegt zentral, von dort erreicht ihr mit U-Bahn und Tram alle Ziele im Text, und ein Auto steht in München nur teuer herum.
- Prüft vor der Abfahrt auf der Museumsseite, welche Abteilungen des Deutschen Museums gerade geöffnet sind. Umbauten treffen regelmäßig einzelne Bereiche.
- Legt euch pro Tag ein Innen- und ein Außenziel zurecht und entscheidet morgens nach dem Wetter, was zuerst kommt. Olympiapark und BMW Welt liegen dafür ideal beieinander.
- Der Olympiaturm lohnt nur bei klarer Sicht. Bei tiefen Wolken steht ihr oben im Grau und habt trotzdem gezahlt.
- Für das Mittagessen mit Kindern ist der Viktualienmarkt entspannter als ein Restaurant, weil jeder sich selbst zusammenstellt und niemand auf Bedienung wartet.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man in München mit Kindern?
Lohnt sich München mit Kindern auch bei Regen?
Ab welchem Alter lohnt sich das Deutsche Museum?
Braucht man in München ein Auto?
Beliebte Ziele für den Herbsturlaub
Wetter, Unterkünfte und Ausflugsziele je Region, aus unserer Buchungssuche.
Bereit für den nächsten Familienurlaub?
Finde Familienhotels mit Spielplatz, Supermarkt und Eisdiele in der Nähe — mit dem Umkreis-Check.
Jetzt Familienhotels finden →




