Münster ist die einzige Stadt in dieser Größenordnung, in der man ein Familienwochenende ohne Auto und ohne Nahverkehrsticket planen kann. Vom Hauptbahnhof bis zum Prinzipalmarkt sind es zehn Minuten zu Fuß, vom Prinzipalmarkt zum Aasee zwanzig, und alles dazwischen liegt im gleichen Radius. Wer aus einer Großstadt kommt, merkt den Unterschied am Abend, niemand ist von den Wegen kaputt.
Ein Wochenende auf zwei Rädern
In Münster fahren mehr Räder als Autos, und die Stadt ist darauf gebaut. Um die Altstadt läuft die Promenade, ein rund 4,5 Kilometer langer, autofreier Ring auf der alten Wallanlage, gesäumt von etwa 2.000 Linden. Man kann sie in einer knappen halben Stunde umrunden und kommt dabei an fast allem vorbei, was in der Innenstadt zählt.
Räder gibt es an der Radstation am Hauptbahnhof: 10 Euro pro Kalendertag für ein normales Rad, 16 Euro für 24 Stunden, dazu Kindersitze für 3 Euro und Kinderanhänger für 10 Euro am Tag. Kinder- und Jugendräder stehen ebenfalls bereit. Geöffnet ist werktags ab 5:30 Uhr, am Wochenende ab 7 Uhr, jeweils bis 23 Uhr, man muss also nicht am Vormittag antanzen.

Eine Warnung dazu: Für Kinder, die noch unsicher fahren, ist die Innenstadt zur Rushhour nichts. Auf den Radwegen wird zügig gefahren, überholt und geklingelt, und Studierende auf dem Weg zur Vorlesung nehmen wenig Rücksicht. Die Promenade und der Weg um den Aasee sind entspannt, die Achsen dorthin nicht immer.
Der Allwetterzoo und warum der Name im Oktober zählt
Der Zoo heißt so, weil ein großer Teil der Wege überdacht ist. Das klingt nach einem Marketingeinfall aus den Siebzigern, ist aber genau das, was ein Familienwochenende im Herbst rettet: Man kommt trocken von Gehege zu Gehege, statt zwischen zwei Regenschauern durch den Matsch zu rennen.
Bis zum 25. Oktober ist täglich von 9 bis 18:30 Uhr geöffnet, danach bis 17 Uhr. Einlass ist bis eine Stunde vor Schluss, die Tierhäuser machen dreißig Minuten früher zu. Online kostet die Tageskarte für Erwachsene 23,90 Euro, für Kinder von 3 bis 14 Jahren 15,90 Euro, unter drei Jahren zahlt man nichts. Die große Familienkarte für zwei Erwachsene und ein Kind liegt bei 60,40 Euro. Das ist kein günstiger Zoo, aber ein voller Tag.
Wer nur einen halben Tag hat, nimmt den Abendtarif: Zwei Stunden vor Schließung kostet der Eintritt für Erwachsene 15,90 Euro und für Kinder 10,40 Euro. Im Oktober heißt das ab 16:30 Uhr, was mit müden Kindern nach einem langen Vormittag manchmal die klügere Variante ist.
Der Aasee, das gemütliche Gegenstück
Der Aasee liegt direkt am Rand der Altstadt und ist mit dem Rad in zehn Minuten erreicht. Rundherum führt ein flacher Weg, es gibt Wiesen, Spielplätze und einen Bootsverleih. Tretboote laufen von Mitte März bis Ende Oktober, im September und Oktober montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr, am Wochenende ab 10 Uhr. Bei Wind und Regen bleibt der Verleih geschlossen, ein Blick auf die Wetterlage lohnt sich.
Am Südufer liegen zwei Ziele nebeneinander, die man gut kombinieren kann. Das Mühlenhof-Freilichtmuseum zeigt ein westfälisches Dorf mit Windmühle, Backhaus und Bauernhaus zum Durchlaufen. Erwachsene zahlen 8 Euro, Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren 4 Euro, unter sechs ist es kostenlos. Von April bis Oktober ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ab Oktober endet der Einlass um 16 Uhr.

Wenn es regnet: Naturkundemuseum und Planetarium
Direkt daneben steht das LWL-Museum für Naturkunde, und für Familien ist es die beste Nachricht der Stadt: Kinder und Jugendliche zahlen keinen Eintritt in die Ausstellung, Erwachsene 9 Euro. Geöffnet ist dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 9 bis 18 Uhr, montags geschlossen.
Das Planetarium im selben Haus kostet extra-10 Euro für Erwachsene, 4 Euro für Kinder und Jugendliche, das Kombiticket mit Ausstellung 17 Euro für Erwachsene. Zwei Regeln sollte man kennen: Kinder unter vier Jahren kommen nicht hinein, und unter 14 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen. Die Vorführungen wechseln, ein Blick in den Spielplan vorher spart Enttäuschung, weil die Kinderprogramme nur zu bestimmten Zeiten laufen.
Bleibt ein dritter Regentag oder ein Nachmittag, an dem kein Kind mehr ein Museum sehen will, gibt es am Stadtrand Hallen zum Toben, unter anderem einen Trampolinpark mit angeschlossenem Motorikbereich für jüngere Kinder. Diese Adressen liegen außerhalb der Innenstadt, hier braucht man dann doch Bus oder Auto, und in den Herbstferien sind sie an Regentagen voll. Wer damit plant, bucht besser vorher ein Zeitfenster.
Die zweite Regenlösung ist überraschend simpel: die Arkaden am Prinzipalmarkt. Die Bogengänge ziehen sich fast über die gesamte Länge der Straße, man kommt trocken von Laden zu Laden, und die Kinder haben unter den Bögen mehr Platz als auf jedem normalen Gehweg. Für einen halben Nachmittag reicht das, für einen ganzen Regentag nicht.
Zwei Stellen in der Altstadt, die Kinder wirklich interessieren
Der St.-Paulus-Dom hat im Querhaus eine astronomische Uhr aus dem 16. Jahrhundert, deren Kalender bis ins Jahr 2071 reicht und deren Sonnenzeiger gegen den Uhrzeigersinn läuft. Einmal am Tag ziehen die Heiligen Drei Könige mit zwei hölzernen Dienern an der Marienfigur vorbei, montags bis samstags um 12 Uhr, sonntags und an Feiertagen um 12:30 Uhr. Vorher hinstellen lohnt sich, danach ist es vorbei.
Ein paar hundert Meter weiter hängen an der Lambertikirche drei eiserne Körbe am Turm. In ihnen wurden 1536 die Leichen der hingerichteten Wiedertäufer zur Schau gestellt. Mit Kindern ab etwa neun Jahren ist das ein Gesprächsstoff, der länger hält als jede Kirchenführung. Bei Jüngeren würde ich die Geschichte weglassen und einfach weitergehen.
Mit kleinen Kindern: was gut geht, was nicht
Münster ist für Familien mit Vorschulkindern eine der einfacheren Städte. Die Wege sind kurz, es gibt kaum Steigungen, und man muss keine U-Bahn-Treppen mit Buggy erklimmen, weil es keine U-Bahn gibt.
Zwei Einschränkungen gibt es trotzdem. Der Prinzipalmarkt und die Gassen ringsum sind gepflastert, und zwar mit grobem Stein, mit einem leichten Buggy rumpelt man ordentlich. Und der Domplatz verwandelt sich mittwochs und samstags in einen großen Wochenmarkt. Das ist sehenswert, aber am Samstagvormittag so voll, dass ein Kinderwagen kaum durchkommt. Wer den Markt mitnehmen will, kommt kurz nach acht.
Essen und Übernachten
Rund um den Prinzipalmarkt und den Kiepenkerl liegen die klassischen westfälischen Häuser, mittags bekommt man dort meist ohne Reservierung einen Tisch. Am Hafen östlich des Bahnhofs hat sich in alten Speichergebäuden eine zweite Ecke mit Restaurants entwickelt, entspannter und mit mehr Platz, dafür ohne Altstadtkulisse. Am Samstagabend ist in beiden Vierteln Reservierung sinnvoll.
Beim Hotel spielt es kaum eine Rolle, wo man landet, solange es innerhalb oder direkt an der Promenade liegt, von dort ist alles zu Fuß erreichbar. Die Gegend um den Hafen ist ruhiger und oft günstiger, der Weg in die Altstadt dauert eine Viertelstunde.

Reicht ein Wochenende?
Für Münster reichen zwei Tage, und sie füllen sich ohne Hetze. Tag eins gehört dem Allwetterzoo, danach ein Spaziergang am Aasee. Tag zwei: vormittags Naturkundemuseum oder Mühlenhof, mittags in der Altstadt essen, nachmittags mit dem Rad die Promenade und den Dom.
Mit Kindern unter sechs würde ich das Planetarium streichen und stattdessen mehr Zeit am Aasee und im Mühlenhof einplanen. Ab etwa acht Jahren wird das Naturkundemuseum zum Höhepunkt, ab zehn kommen Radtouren ins Umland in Frage, etwa entlang der Werse oder zu einem der Wasserschlösser im Münsterland. Für drei Tage braucht man diese Umgebung allerdings, in der Stadt selbst ist am dritten Tag die Luft raus.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Ohne Auto planen: Vom Hauptbahnhof zum Prinzipalmarkt sind es zehn Minuten zu Fuß.
- Leihrad an der Radstation am Bahnhof: 10 Euro am Tag, Kinderanhänger 10 Euro, Kindersitz 3 Euro.
- Der Allwetterzoo hat überdachte Wege, das rettet einen Regentag im Oktober.
- Abendtarif im Zoo zwei Stunden vor Schluss spart deutlich, wenn nur ein halber Tag bleibt.
- Im LWL-Naturkundemuseum zahlen Kinder und Jugendliche keinen Eintritt.
- Domplatz samstags: Wochenmarkt, mit Kinderwagen am besten kurz nach acht Uhr.
Häufige Fragen
Kommt man in Münster ohne Auto zurecht?
Was kostet der Allwetterzoo Münster für eine Familie?
Was macht man in Münster mit Kindern bei Regen?
Ist Münster mit kleinen Kindern und Kinderwagen geeignet?
Reichen zwei Tage für Münster mit Kindern?
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