Der Kronplatz ist ein einzelner Berg, und das ändert die Planung
Anders als in den meisten Skigebieten der Alpen fährt man am Kronplatz nicht ein Tal entlang, sondern auf einen freistehenden Berg hinauf. Das Gipfelplateau liegt auf 2.275 Metern, und von mehreren Seiten führen Bahnen dorthin: aus Reischach bei Bruneck, aus Percha, aus Olang und aus St. Vigil in Enneberg. Das Skigebiet umfasst rund 120 Pistenkilometer zwischen etwa 930 und 2.275 Metern und gut dreißig Liftanlagen.
Für Familien hat diese Bauweise einen konkreten Vorteil: Man kann sich morgens an jeder beliebigen Talstation einklinken und trifft sich mittags oben am Gipfel wieder, ohne dass jemand quer durch ein Tal fahren muss. Wenn ein Kind im Kurs oben am Plateau ist und die Eltern von einer anderen Seite auffahren, funktioniert die Übergabe trotzdem.
Der Nachteil ist derselbe Punkt von hinten betrachtet. Alles läuft über den Gipfel, und alles läuft dort auch zusammen. Zur Mittagszeit und am späten Nachmittag ist es auf dem Plateau voll, an den Gipfelbahnen bilden sich Schlangen, und die Abfahrten ins Tal sind breit, aber gut besucht. Die Pisten am Kronplatz sind allerdings tatsächlich breit, für Kinder, die noch weite Bögen brauchen, ist das angenehmer als eine enge Talabfahrt.

Kinderland und Skischulen: wo die Kleinen wirklich stehen
Die Übungsflächen liegen am Kronplatz oben, nicht unten. Auf dem Gipfelplateau befinden sich der Cimo Park und die Kron Erlebniswelt, wo Kinder das Skifahren lernen und auf Wunsch stundenweise von ausgebildetem Personal betreut werden. Im Kinderrestaurant Kroni werden Kinder ab 18 Monaten betreut, das ist für Eltern mit einem Kleinkind und einem Schulkind der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Gebieten.
Wer sein Kind lieber im Ort statt am Berg abgibt, findet in St. Vigil in Enneberg ein Kinderland mitten im Ortszentrum, betrieben von der örtlichen Ski- und Snowboardschule, mit angeschlossener Betreuung. Für die allerersten Versuche mit einem Vierjährigen ist das oft die bessere Lösung, weil die morgendliche Bergfahrt entfällt.

Skischulen gibt es am Kronplatz reichlich: die Kronschool, die Skischule Kronplatz, die Cimaschool, Top Ski Piculin, die Skischule Bruneck und die Ski- und Snowboardschule St. Vigil in Enneberg. Am Berg arbeiten über 200 Skilehrer. Kinder werden üblicherweise ab vier Jahren aufgenommen. Gruppenkurse laufen meist über sechs Tage mit Start am Sonntag oder Montag; die Preise unterscheiden sich zwischen den Schulen spürbar, ein Vergleich vor der Buchung lohnt sich.
Deutschsprachiger Unterricht ist im Pustertal kein Problem, Südtirol ist zweisprachig, und die Skilehrer wechseln zwischen Deutsch und Italienisch, ohne dass man danach fragen muss.
Was in Italien anders ist: Helmpflicht und Versicherungsnachweis
Zwei Regeln unterscheiden einen Skitag in Südtirol von einem in Österreich oder Bayern, und beide werden unterschätzt.
Helmpflicht. Alle Minderjährigen unter 18 Jahren müssen auf italienischen Pisten beim Ski- und Snowboardfahren einen Helm tragen. Der Helm muss CE-zertifiziert sein. Betroffen sind damit auch Jugendliche, der sechzehnjährige Snowboarder, der zu Hause ohne Helm fährt, braucht in Südtirol einen.
Haftpflichtversicherung. Seit dem 1. Januar 2022 muss jeder Skifahrer auf italienischen Pisten eine gültige Haftpflichtversicherung haben, die Schäden gegenüber Dritten abdeckt. Wer keine nachweisen kann, riskiert ein Bußgeld von bis zu 150 Euro und den Entzug des Skipasses. In der Praxis reicht meist die private Haftpflichtversicherung, die man ohnehin hat; der deutsche Versicherungsverband GDV hat dafür ein standardisiertes Musterformular auf Deutsch und Italienisch entwickelt, das man sich vom eigenen Versicherer ausstellen lassen kann. Dieses Blatt gehört ausgedruckt ins Handschuhfach oder als Foto aufs Handy, nachträglich beschaffen lässt es sich am Liftdrehkreuz nicht.
Dazu kommt eine Promillegrenze von 0,5 auf der Piste; ab 0,8 Promille wird daraus in Italien eine Straftat. Der Glühwein auf der Hütte ist damit nicht verboten, aber die Rechnung für den fahrenden Elternteil geht anders auf als in mancher Tiroler Hütte.

Skipass: wo Kinder frei fahren und wo nicht
Hier steckt eine Regel, die viele Familien übersehen. Beim Kronplatz-Skipass fahren Kinder unter acht Jahren in Kombination mit dem Kauf eines Erwachsenenskipasses kostenlos. Beim übergreifenden Dolomiti Superski-Pass, der eine ganze Reihe von Dolomiten-Skigebieten zusammenfasst, gilt diese Gratisregel für Kinder unter acht so nicht.
Wer also mit einem Sechsjährigen anreist und ohnehin nur am Kronplatz fahren wird, sollte den Kronplatz-Skipass nehmen und nicht reflexhaft den größeren Verbundpass kaufen. Der Verbundpass lohnt sich erst, wenn man tatsächlich vorhat, mit dem Auto in andere Dolomitengebiete zu fahren, und das ist mit Kindern unter zehn selten realistisch, weil die Fahrzeiten den halben Skitag fressen.
Wo man wohnt: Bruneck, Reischach, Olang, Percha oder St. Vigil
Die Orte rund um den Berg sind unterschiedlicher, als es die gemeinsame Skigebietsbezeichnung vermuten lässt.
Bruneck ist eine kleine Stadt mit Altstadtgasse, Geschäften und Restaurants, die auch abends geöffnet haben. Für Familien, die nicht sieben Abende im Hotelrestaurant sitzen wollen, ist das die praktischste Basis; zur Talstation in Reischach fährt man wenige Minuten.
Reischach liegt direkt an der Talstation und ist ein reiner Ferienort, kurze Wege zum Lift, wenig Leben abseits davon. Percha ist noch kleiner und hat den Vorteil, dass die Umlaufbahn Ried mit beheizten Ledersitzen direkt am Bahnhof startet. Olang liegt auf der anderen Bergseite, ruhiger und etwas familiärer.
St. Vigil in Enneberg ist ladinisch geprägt, liegt abseits des Pustertals in einem eigenen Tal und wirkt weniger auf Durchreiseverkehr gebaut als die Orte an der Hauptachse. Mit dem Kinderland im Ortszentrum ist es für Familien mit Skianfängern die naheliegende Wahl.

Anreise über den Brenner und mit der Bahn
Mit dem Auto führt der Weg aus dem Norden über die Brennerautobahn. Dafür braucht es die österreichische Vignette und zusätzlich die Streckenmaut für die A13, die zuletzt bei 12,50 Euro je Einzelfahrt für einen Pkw lag. Ins Pustertal fährt man bei Brixen ab und weiter auf der Landstraße Richtung Bruneck. Auf der österreichischen Seite ist wegen der Bauarbeiten an der Luegbrücke zwischen Gries am Brenner und dem Brennerpass mit Verzögerungen zu rechnen; die Arbeiten sollen voraussichtlich bis Ende 2027 dauern. An Samstagen in der Hochsaison sollte man dort eine bis zwei Stunden Puffer einplanen.
Die Bahn ist die entspanntere Variante: Über die Pustertalbahn erreicht man Percha und Bruneck direkt, und in Percha startet die Umlaufbahn Ried unmittelbar am Bahnhof. Wer nur am Kronplatz fahren will, braucht vor Ort tatsächlich kein Auto.
Tage ohne Ski
Am Fuß des Kronplatz in Reischach liegt die Croniworld, ein Indoor-Angebot für Kinder mit Trampolin, Kletterwand, Spielfläche und einer Indoor-Skipiste. Für einen Schlechtwettertag oder einen Tag, an dem ein Kind einfach nicht mehr auf Ski will, ist das die praktikabelste Lösung im Umkreis.
Auf dem Gipfelplateau selbst stehen zwei Museen, die auch ohne Ski erreichbar sind, weil man mit der Bahn hinauf- und wieder hinunterfahren kann. Das Messner Mountain Museum Corones widmet sich dem traditionellen Alpinismus in einem Gebäude von Zaha Hadid.
Wenige Schritte entfernt zeigt das LUMEN, das Museum der Bergfotografie, historische und aktuelle Aufnahmen aus den Bergen. Mit jüngeren Kindern hält die Aufmerksamkeit dort eher kurz; mit Zehnjährigen und älter lohnt sich der Weg.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Kronplatz
🏡 Familienunterkünfte in Kronplatz
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Nachweis der privaten Haftpflichtversicherung ausdrucken oder abfotografieren, in Italien ist er auf der Piste Pflicht.
- Helm für alle unter 18 einpacken, auch für Jugendliche, die zu Hause ohne fahren.
- Bei nur einem Skigebiet den Kronplatz-Skipass nehmen: Dort fahren Kinder unter acht mit einem Erwachsenenpass frei.
- Für den allerersten Skitag das Kinderland im Ortszentrum von St. Vigil wählen, dann entfällt die Bergfahrt am Morgen.
- Gipfelplateau zur Mittagszeit meiden, dort läuft alles zusammen.
- Samstags in der Hochsaison ein bis zwei Stunden Puffer für die Brennerstrecke einplanen.
Häufige Fragen
Braucht man in Italien wirklich einen Versicherungsnachweis zum Skifahren?
Ab welchem Alter gilt am Kronplatz die Helmpflicht?
Wo lernen kleine Kinder am Kronplatz Skifahren?
Welcher Skipass lohnt sich für eine Familie mit kleinen Kindern?
Welcher Ort am Kronplatz passt zu welcher Familie?
Kommt man mit der Bahn zum Kronplatz?
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