Unser erster Skitag am Arber begann mit einem Streit über Handschuhe. Der Kleine wollte die dünnen anziehen, weil die anderen kratzen, und ich stand um kurz nach acht am Parkplatz und rechnete im Kopf durch, wie lange das jetzt dauert. Zwei Stunden später saß er auf dem Übungslift, grinste unter der Mütze hervor und hatte die kratzigen Handschuhe längst vergessen. So läuft das im Bayerischen Wald: unspektakulär, kurze Wege, und am Ende funktioniert es doch.
Ich fahre seit Jahren mit den Kindern in diese Ecke, nicht weil die Berge besonders hoch wären, sondern genau deshalb. Der Große Arber kommt auf knapp 1450 Meter, der Rest bleibt darunter. Für Familien mit Anfängern ist das kein Nachteil. Die Hänge sind breit, die Liftschlangen kurz, und niemand rast euch von hinten in die Kniekehlen, weil er noch drei Tiefschneehänge abarbeiten muss.
Warum das Mittelgebirge für Skianfänger besser funktioniert als die Alpen
In den großen Alpenskigebieten ist der Anfängerbereich oft ein Anhängsel. Man zahlt den vollen Tagespass, nutzt aber nur zwei Lifte, und der Rest der Familie wartet unten. Im Bayerischen Wald ist das Verhältnis umgekehrt: Die Gebiete sind so überschaubar, dass ihr sie an einem Tag komplett kennt, und der Preisunterschied bei den Tageskarten ist erheblich. Wer mit zwei Kindern eine Woche fährt, merkt das deutlich im Budget.
Dazu kommt die Anreise. Von München, Nürnberg oder Regensburg aus seid ihr in zwei bis drei Stunden da, aus Tschechien und Oberösterreich noch schneller. Keine Mautvignette für Österreich, keine Alpenpässe im Schneetreiben, kein Stau am Brenner. Das klingt banal, aber wer schon mal mit zwei quengelnden Kindern sechs Stunden auf der Inntalautobahn gestanden hat, weiß, wie viel Urlaub das rettet.
Die Schneelage ist ehrlicherweise der wackelige Punkt. Die Kammlagen um den Arber halten den Schnee gut, tiefer gelegene Hänge nicht immer. Die größeren Gebiete beschneien inzwischen, trotzdem plane ich hier nie zu weit im Voraus, sondern schaue in den Tagen vor der Abreise auf die Webcams und Schneeberichte der Lifte.

Großer Arber: das Zugpferd der Region
Der Arber ist das größte Skigebiet im Bayerischen Wald und der einzige Berg, bei dem man von richtigen Abfahrten sprechen kann. Es gibt eine Gondelbahn auf den Gipfel, mehrere Sessel- und Schlepplifte und ein abgetrenntes Übungsgelände am Sonnenhang, wo die Skischulen ihre Zwerge einsammeln. Oben ist es windig und kalt, das gehört zum Arber dazu, unten am Talbereich ist es deutlich milder.
Praktisch für Familien: Ihr könnt euch aufteilen. Ein Elternteil begleitet das Anfängerkind am Übungslift, der andere fährt mit dem größeren Kind die längeren Abfahrten und ihr trefft euch an der Bergstation. Am Arbersee unten lässt sich der Nachmittag verlängern, wenn die Skier schon im Auto liegen, ein Spaziergang um den See ist auch mit müden Beinen machbar.
Der Gipfel selbst ist ein Naturschutzgebiet mit Latschenkiefern und der markanten Radarkuppel, die die Kinder verlässlich beschäftigt, weil sie aussieht wie ein Golfball. Wer nicht Ski fährt, kann mit der Gondel hochfahren und oben spazieren gehen.
Bodenmais als Standort mit Schlechtwetter-Plan
Bodenmais liegt am Fuß des Arber und ist der Ort, in dem wir am häufigsten übernachtet haben. Nicht weil er besonders hübsch wäre, sondern weil hier alles zusammenkommt, was man mit Kindern im Winter braucht: Unterkünfte in allen Preislagen, Skiverleih, Supermärkte und vor allem ein Plan B für den Tag, an dem es waagerecht regnet.
Das Silberbergwerk am Ortsrand ist so ein Plan B. Man fährt mit einer Grubenbahn in den Berg, drinnen sind es konstant um die acht Grad, und für Kinder ab etwa fünf Jahren ist die Fahrt in den dunklen Stollen deutlich aufregender als jede Skiabfahrt. Warme Jacken mitnehmen, auch wenn draußen die Sonne scheint. Wer mehr Zeit hat, kombiniert das mit dem Erlebnisbad im Ort.
Sankt Englmar für die ganz Kleinen
Wenn eure Kinder noch nie auf Skiern standen oder unter sechs sind, ist Sankt Englmar oft die bessere Wahl als der Arber. Der Ort liegt im vorderen Bayerischen Wald, die Hänge sind sanft, die Skischulen arbeiten routiniert mit Kindergartenkindern, und die Wege zwischen Parkplatz, Lift und Hütte sind kurz genug, dass ihr nicht die halbe Ausrüstung durch den Ort schleppt.
Der Ort hat sich stark auf Familien ausgerichtet. Es gibt einen Waldwipfelweg, einen Wildpark und im Winter mehrere präparierte Rodelhänge. Für die Kombination aus einem halben Skitag und einem halben Rodeltag ist das ideal, weil kleine Kinder nach drei Stunden Skifahren ohnehin durch sind.

Mitterdorf bei Philippsreut: viele Lifte, wenig Trubel
Ganz im Osten, kurz vor der tschechischen Grenze, liegt das Skizentrum Mitterdorf bei Philippsreut. Das Gebiet ist größer, als man von außen denkt, mit mehreren Liften und einem eigenen Kinderbereich. Weil es abseits der bekannten Namen liegt, ist hier auch in den Ferien meist weniger los als am Arber.
Die Höhenlage direkt am Kamm sorgt dafür, dass hier oft noch Schnee liegt, wenn weiter unten schon Wiesen zu sehen sind. Wir sind hier zweimal an Tagen gefahren, an denen ich den Skitag eigentlich schon abgeschrieben hatte.
Zwiesel und das Glas: der Tag ohne Skier
Zwiesel ist die größere Stadt in der Region und für Glas bekannt. In mehreren Glashütten und Werkstätten kann man den Handwerkern beim Arbeiten zusehen, teilweise dürfen Kinder selbst etwas gestalten. Das ist kein Ganztagsprogramm, aber ein guter Anlaufpunkt, wenn ihr sowieso einkaufen fahrt und noch zwei Stunden füllen wollt.
Von Zwiesel aus erreicht ihr auch das Haus zur Wildnis bei Ludwigsthal, eines der beiden Besucherzentren des Nationalparks Bayerischer Wald. Rund um das Gebäude liegen große Freigehege, in denen Wölfe, Luchse und Urrinder leben. Im Winter sind die Tiere oft besser zu sehen als im Sommer, weil das Laub fehlt. Der Rundweg lässt sich auch mit Kinderwagen bewältigen, wenn geräumt ist.
Das zweite Nationalpark-Zentrum liegt bei Neuschönau und hat den Baumwipfelpfad mit dem hölzernen Turm am Ende. Der ist im Winter geöffnet, allerdings deutlich zugiger als im Sommer. Wenn ihr da hoch wollt, packt die dicksten Sachen ein, die ihr habt.

Langlauf statt Lift
Der Bayerische Wald ist eine der besten Langlaufregionen Deutschlands, und das wird von Familien oft übersehen. Rund um Bodenmais, Bayerisch Eisenstein und im Bereich Sankt Oswald gibt es großzügige Loipennetze, die auch Einsteiger nicht überfordern.
Für Kinder ab etwa acht funktioniert Langlauf überraschend gut, wenn man es nicht als Sport verkauft, sondern als Wanderung mit Brettern. Die Ausrüstung ist im Verleih deutlich günstiger als alpines Material, und ihr braucht keinen Liftpass. Wir machen das meistens am dritten oder vierten Tag, wenn die Skibeine müde sind und trotzdem alle raus wollen.
Bayerisch Eisenstein und die Grenze
Bayerisch Eisenstein liegt direkt an der tschechischen Grenze, und das historische Bahnhofsgebäude ist eine Kuriosität: Die Grenze verläuft mitten durch das Haus. Auf der deutschen Seite gibt es ein Eisenbahnmuseum, auf der tschechischen Seite geht es nach Železná Ruda weiter.
Der kurze Grenzübertritt ist mit Kindern ein netter Ausflug, weil sich auf der anderen Seite spürbar etwas ändert: andere Schilder, andere Läden, andere Preise. Wenn ihr das plant, denkt an gültige Ausweisdokumente für alle und an eine Auslandskrankenversicherung, falls beim Rodeln doch mal etwas passiert.
Wie ihr den Skiurlaub hier günstig haltet
Der größte Hebel ist die Unterkunft. Ferienwohnungen sind in dieser Region reichlich vorhanden und mit Küche fahrt ihr deutlich günstiger als mit Halbpension, weil das Frühstück und das Abendessen für vier Personen sonst schnell den größten Posten bilden. In den Skigebieten selbst nehmen wir Brotzeit mit, die Hüttenpreise sind zwar moderater als in den Alpen, summieren sich aber trotzdem.
Der zweite Hebel ist der Zeitpunkt. Die bayerischen Faschingsferien sind hier die Hochsaison, direkt danach fällt die Auslastung spürbar ab, während die Schneelage oft noch stabil ist. Wenn eure Kinder noch nicht schulpflichtig sind, fahrt ihr in den letzten Januarwochen und habt die Hänge halb für euch.
Beim Material lohnt der Verleih vor Ort statt zu Hause, solange die Kinder wachsen. Viele Verleiher haben Wochenpauschalen für Kinderausrüstung, die kaum ins Gewicht fallen. Und prüft vor der Buchung, ob eure Unterkunft eine Gästekarte ausgibt, mit der Bus, Schwimmbad oder einzelne Attraktionen vergünstigt oder inklusive sind. In mehreren Orten der Region gibt es solche Karten, sie werden aber selten von selbst angeboten.

Was ich beim ersten Mal falsch gemacht habe
Ich habe zu viel geplant. Fünf Tage, fünf Skigebiete, jeden Morgen Aufbruchstimmung um sieben. Am dritten Tag hat die Große sich geweigert, überhaupt aus dem Bett zu kommen, und sie hatte recht. Kinder brauchen im Skiurlaub Wiederholung, nicht Abwechslung. Derselbe Hang, dieselbe Hütte, derselbe Kakao danach, das gibt ihnen die Sicherheit, sich an die schwierigere Abfahrt zu trauen.
Seitdem buche ich einen Standort, wähle ein Hauptskigebiet und lasse zwei Tage frei für Rodeln, Schwimmbad oder Nichtstun. Das klingt nach weniger Urlaub, fühlt sich aber nach mehr an. Und die Handschuhdiskussion führen wir inzwischen am Vorabend, nicht auf dem Parkplatz.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Bayerischer Wald
🏡 Familienunterkünfte in Bayerischer Wald
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Schneelage erst wenige Tage vor der Abreise über die Webcams der Lifte prüfen, im Mittelgebirge schwankt sie stark.
- Für Skianfänger unter sechs Jahren Sankt Englmar dem Arber vorziehen, die Wege zwischen Parkplatz, Lift und Hütte sind kürzer.
- Ferienwohnung mit Küche statt Halbpension buchen, Verpflegung ist bei vier Personen der größte Einzelposten.
- Kinderausrüstung vor Ort leihen statt kaufen, viele Verleiher haben günstige Wochenpauschalen.
- Bei der Unterkunft nach einer Gästekarte fragen, sie wird oft nicht von selbst angeboten und deckt Bus oder Schwimmbad ab.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter lohnt sich ein Skiurlaub im Bayerischen Wald?
Wie sicher ist die Schneelage im Bayerischen Wald?
Was macht man an Regentagen mit Kindern?
Ist der Bayerische Wald wirklich günstiger als die Alpen?
Lohnt sich Langlauf mit Kindern in der Region?
Beliebte Ziele für den Winterurlaub
Wetter, Unterkünfte und Ausflugsziele je Region, aus unserer Buchungssuche.
Bereit für den nächsten Familienurlaub?
Finde Familienhotels mit Spielplatz, Supermarkt und Eisdiele in der Nähe — mit dem Umkreis-Check.
Jetzt Familienhotels finden →




