Es war der dritte Morgen in Ellmau, und zum ersten Mal musste ich niemanden anziehen. Die Große stand um Viertel nach acht fertig in der Tür, Helm auf, und wollte wissen, ob wir heute wieder über die lange Piste ins Dorf zurückfahren. Genau das ist der Moment, auf den man als Eltern in einer Skiwoche wartet, und in der SkiWelt kommt er oft früher als erwartet, weil das Gelände hier selten einschüchtert.
Die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental liegt in Tirol, zwischen der Felswand des Wilden Kaisers im Norden und den runden Grasbergen der Kitzbüheler Alpen im Süden. Neun Orte teilen sich das Gebiet, darunter Ellmau, Going, Scheffau, Söll, Hopfgarten, Itter und Brixen im Thale. Zusammen ergibt das rund 270 Pistenkilometer, die tatsächlich zusammenhängen: Man kann morgens in Ellmau starten und nachmittags in Söll ankommen, ohne einmal die Ski abzuschnallen.

Ein großes Gebiet, das sich klein anfühlt
Der übliche Nachteil großer Skigebiete ist, dass Familien sich verzetteln. In der SkiWelt passiert das seltener, weil die Berge niedrig und rund sind. Es gibt keine Gletscherkante, keine Felsrinnen, kaum Stellen, an denen ein Achtjähriger stehen bleibt und nicht mehr weiterwill. Der höchste Punkt ist die Hohe Salve mit 1.829 Metern, oben steht ein kleines Kirchlein, und der Blick reicht über das ganze Inntal.
Dazu kommt, dass jeder Ort seinen eigenen Berg hat. Ellmau hat den Hartkaiser, Scheffau den Brandstadl, Söll den Hochsöll mit der Verbindung zur Hohen Salve, Going und Ellmau teilen sich den kleinen Astberg. Familien können also im eigenen Ort bleiben und trotzdem jeden Tag woanders fahren.
Die Höhenlage ehrlich betrachtet
Wer hier bucht, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Die Talorte liegen um 600 bis 800 Meter, die Pisten großteils zwischen 800 und 1.800 Metern. Das ist niedrig für ein Skigebiet dieser Größe. In milden Wintern hängt viel an der Beschneiung, und die ist hier sehr weit ausgebaut, sonst wäre das Gebiet in dieser Form nicht zu betreiben. Trotzdem gilt: Im Januar ist die Lage entspannter als Mitte März, und die Talabfahrten sind die ersten Pisten, die im Frühjahr weich werden.
Für Familien bedeutet das zwei Dinge. Wer Anfang Januar reist, hat die besseren Karten. Und wer erst Ende März kann, plant besser Vormittage am Berg ein und nimmt nachmittags die Gondel nach unten, statt eine matschige Talabfahrt mit müden Kindern zu erzwingen.
Der Astberg, der Anfängerberg über Going
Der Astberg zwischen Going und Ellmau ist der Grund, warum viele Familien hier zum ersten Mal buchen. Er ist niedrig, er ist klein, er ist vom Rest des Gebiets abgetrennt, und genau das macht ihn wertvoll. Die Hänge sind breit und flach, es fährt kaum jemand mit Tempo durch, und Kinder verlieren die Eltern nicht aus den Augen.
Vom Astberg führt außerdem eine Rodelbahn hinunter, was den Nachmittag rettet, wenn die Beine nicht mehr wollen. Wir haben mehrere Tage am Stück hier verbracht und sind erst danach ins große Gebiet gewechselt. Diese Reihenfolge funktioniert besser als der umgekehrte Weg.

Hartkaiser, Brandstadl und die Runde dazwischen
Die Hartkaiserbahn bringt Familien direkt aus Ellmau hinauf. Oben liegt ein weites, offenes Gelände, und die Abfahrt zurück ins Dorf ist lang genug, um sich etwas darauf einzubilden, ohne steil zu werden. Für die erste richtige Talabfahrt eines Kindes ist das eine gute Wahl.
Von Scheffau führt die Brandstadlbahn in einen ähnlich gutmütigen Bereich. Zwischen Hartkaiser und Brandstadl lässt sich eine Runde fahren, für die man mit Kindern einen halben Tag braucht und bei der man mehrfach an Hütten vorbeikommt. Wer weiter will, hängt Hochsöll und die Hohe Salve an, sollte dann aber die Rückfahrt im Blick behalten: Die letzten Lifte schließen früher, als man denkt, und ein Taxi zurück nach Ellmau kostet Nerven.
Söll, Hopfgarten und Brixen im Thale
Söll ist der Ort mit dem meisten Betrieb und dem direktesten Zugang zur Hohen Salve. An bestimmten Abenden wird auf einer Flutlichtpiste gefahren, was bei größeren Kindern gut ankommt, bei Sechsjährigen dagegen meist nur zu einem frühen Zusammenbruch führt.
Hopfgarten und Brixen im Thale liegen auf der Brixental-Seite und sind ruhiger. Von Brixen aus erreicht man Westendorf, das seit einigen Jahren mit einer Bahn angebunden ist. Wer ein Appartement sucht und weniger Wert auf Après-Ski legt, findet auf dieser Seite oft die günstigeren Betten.
Winterwandern, Loipen und ein zugefrorener See
Unterhalb der Kaiserwand ziehen sich geräumte Winterwanderwege durch die Wiesen zwischen Going, Ellmau und Scheffau. Sie sind flach, breit und mit einem Schlitten im Schlepptau gut zu bewältigen, was mit Kindern der entscheidende Punkt ist. Über Scheffau liegt der Hintersteiner See, der im Winter still und meist zugefroren dasteht. Die Zufahrt ist je nach Schneelage gesperrt, dann geht man zu Fuß hinauf, und der Weg dorthin ist selbst schon der Ausflug.
Langlaufloipen gibt es in den Talböden aller Orte, allerdings tief gelegen und damit abhängig vom Wetter. Wer mit Kindern das erste Mal auf schmale Ski will, fragt vor Ort nach dem aktuellen Zustand, statt sich auf die Karte im Prospekt zu verlassen. In mehreren Orten werden zusätzlich Pferdeschlittenfahrten angeboten, was für kleinere Kinder oft der Nachmittag ist, an den sie sich später erinnern.

Ellmau, der Bergdoktor und andere Nicht-Ski-Themen
Ellmau ist seit Jahren Drehort der Fernsehserie Der Bergdoktor, und man merkt es im Ort an den Hinweisen und geführten Spaziergängen zu den Schauplätzen. Für Kinder ist das kein Thema, für mitreisende Großeltern manchmal schon.
Interessanter für Familien sind die Schlechtwettertage. Ellmau hat ein Freizeitbad im Ort, und in Wörgl liegt eine größere Wasserwelt, die man in gut zwanzig Minuten erreicht. Auch die Festung Kufstein ist im Winter geöffnet und lässt sich mit einem Stadtbummel verbinden, wenn der Schneefall zwei Tage lang nicht aufhört.

Skikurs, Verleih und die ersten Tage
Jeder der Orte hat eine oder mehrere Skischulen mit Kinderland direkt an den Übungshängen. In den deutschen und niederländischen Ferienwochen sind die Gruppen früh voll, deshalb gehört der Kurs in dieselbe Buchung wie die Unterkunft. Sinnvoll ist eine Woche mit fünf Kurstagen und einem freien Tag in der Mitte, an dem die Familie zusammen fährt oder gar nichts tut.
Beim Verleih lohnt es sich, eine Station im eigenen Ort zu wählen und nicht die günstigste im Nachbardorf. Man geht mit Kinderausrüstung öfter zurück, als man plant, weil ein Schuh drückt oder eine Bindung zu fest eingestellt ist. Helme sind fast überall im Kinderpaket enthalten, Skibrillen dagegen selten. Die bringt man besser selbst mit, denn eine schlechte Brille verdirbt Kindern einen ganzen Tag.
Mittagessen und Pausen
Die Hütten in der SkiWelt sind zahlreich und liegen dicht, was mit Kindern der größte praktische Vorteil des Gebiets ist. Man muss keine Route um ein bestimmtes Restaurant herum planen, sondern hält an, wo gerade jemand friert. Zwischen zwölf und halb zwei ist überall Andrang. Wer um elf isst, bekommt einen Tisch und hat den Nachmittag frei.
Eine Sache, die wir uns angewöhnt haben: mittags nicht drinnen sitzen bleiben, bis alle ausgekühlt sind. Zwanzig Minuten essen, dann raus, sonst startet der Nachmittag mit Frieren und schlechter Laune.

Anreise und Skibus
Die Anreise mit dem Auto führt über die Inntalautobahn. Für Söll, Scheffau, Ellmau und Going nimmt man die Ausfahrt Kufstein Süd, für Hopfgarten, Brixen und Westendorf eher Wörgl Ost. Die letzten Kilometer sind normale Landstraßen ohne lange Passstrecken, was die SkiWelt für Anreisen mit kleinen Kindern angenehmer macht als viele hochgelegene Gebiete.
Ohne Auto geht es ebenfalls: Wörgl und Kufstein liegen an der Hauptstrecke durchs Inntal und werden von Fernzügen bedient, von dort fahren Busse in die Orte. Innerhalb des Gebiets verkehren Skibusse zwischen den Talstationen, sodass man auch ohne Auto jeden Tag an einem anderen Berg starten kann. Die Fahrpläne hängen an den Haltestellen aus, und in der Hochsaison lohnt es sich, den Bus vor neun Uhr zu nehmen statt kurz danach.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Ellmau
🏡 Familienunterkünfte in Ellmau
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Mit Skianfängern die ersten Tage am Astberg zwischen Going und Ellmau verbringen und erst danach ins große Gebiet wechseln.
- Im März lieber vormittags am Berg fahren und nachmittags die Gondel ins Tal nehmen, die Talabfahrten werden früh weich.
- Skibrille selbst mitbringen, im Kinder-Verleihpaket ist meist nur der Helm enthalten.
- Am Nachmittag die Schließzeiten der Verbindungslifte prüfen, sonst endet der Tag mit einer teuren Taxifahrt zurück in den eigenen Ort.
- Um elf Uhr auf der Hütte essen statt um halb eins, danach ist der Nachmittag frei und ihr bekommt ohne Warten einen Tisch.
Häufige Fragen
Welcher Ort in der SkiWelt eignet sich am besten für Familien?
Ist die SkiWelt schneesicher?
Kann man ohne Auto anreisen?
Was macht man in der SkiWelt bei schlechtem Wetter?
Lohnt sich der große Skipass mit kleinen Kindern?
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