Die Altstadt ist an einem Tag erledigt
Damit sollte man ehrlich anfangen, weil sonst die halbe Planung schiefgeht: Colmars historischer Kern misst gut zweieinhalb Kilometer, wenn man ihn in einer Schleife abläuft, und die reine Gehzeit liegt bei etwa einer halben Stunde. Mit Fotostopps, Eisdiele und zwei Kindern, die alles anfassen, werden zwei bis drei Stunden daraus. Danach hat man Colmar gesehen.
Das ist kein Mangel, sondern der eigentliche Vorteil gegenüber Straßburg oder Freiburg. Es gibt keine Strecke, die man mit müden Kindern durchhalten muss. Das Pflaster ist glatt und gepflegt, auf dem üblichen Rundweg liegt keine einzige Treppe, und ein Kinderwagen rollt hier besser als in fast jeder anderen französischen Altstadt. Wer mittags im Hotel eine Pause macht, verpasst nichts, weil abends dieselben Gassen noch da sind, nur leerer.
La Petite Venise, das Viertel am Kanal mit den bunten Fachwerkhäusern, ist der Teil, den alle fotografieren. Zwischen elf und sechzehn Uhr steht dort im Herbst eine dichte Traube auf der kleinen Brücke. Die Rundfahrt in den flachen Kähnen dauert 25 Minuten, kostet für Erwachsene um die 10 Euro und weniger für Kinder, Kleinkinder unter drei fahren frei. Ablegestelle ist der Pont Saint-Pierre. Für Vier- bis Achtjährige ist das die beste Viertelstunde des Tages, weil sie am Wasser sitzen und nicht laufen.

Zwei Museen, ein klarer Fall
Das Musée du Jouet in der Rue Vauban ist die unaufgeregte Empfehlung. Spielzeug aus zwei Jahrhunderten, Automaten, alte Spielkonsolen und im obersten Stock eine Modelleisenbahnanlage, die über die gesamte Etage läuft. Erwachsene zahlen 6,50 Euro, Kinder unter acht kommen kostenlos hinein, für Acht- bis Achtzehnjährige sind es 5 Euro. Eineinhalb Stunden gehen dort vorbei, ohne dass jemand quengelt.
Das Musée Unterlinden ist die andere Hausnummer. Es zeigt den Isenheimer Altar, und das ist ein Weltrang-Werk, aber eben ein Retabel mit einem gemarterten Christus, gemalt um 1515, und Sechsjährige finden das entweder gruselig oder egal. Unter zwölf ist der Eintritt frei, Erwachsene zahlen 14 Euro ohne Audioguide, dienstags ist geschlossen. Wer hingeht, plant eine Stunde ein und nicht drei. Mit Kindern ab etwa zehn, denen jemand die Bildergeschichte erklärt, kann das ein Volltreffer werden. Darunter ist es Wartezeit.
Ein Detail, das Kindern besser im Gedächtnis bleibt als beide Museen zusammen: Der Bildhauer der Freiheitsstatue, Auguste Bartholdi, wurde 1834 in Colmar geboren. Am nördlichen Ortsrand steht deshalb seit 2004 auf einem Kreisverkehr eine mehrere Meter hohe Kopie seiner Statue. Man fährt daran vorbei, wenn man von Norden in die Stadt kommt, und die Frage, warum ausgerechnet hier eine kleine Freiheitsstatue steht, trägt zehn Minuten Erklärung.
Womit man den zweiten Tag füllt
Rund 25 Kilometer südlich von Colmar liegt bei Ungersheim das Écomusée d’Alsace, ein Freilichtmuseum aus über siebzig umgesetzten Originalgebäuden. Es ist kein Museum zum Anschauen, sondern ein nachgebautes Dorf zum Durchlaufen: Schmiede, Bäckerei, Schule, Ställe mit Tieren, Karussell, Bootsfahrt auf dem Weiher, Storchennester auf den Dächern. Erwachsene zahlen 16,50 Euro, Kinder von vier bis siebzehn 11 Euro, ein Familienpass für zwei Erwachsene und zwei Kinder liegt bei 50 Euro.
Wichtig für die Herbstplanung: Die Saison endet Anfang November. Im Oktober ist das Gelände täglich in den Ferien der französischen Zone B geöffnet, sonst von Freitag bis Sonntag, in der ersten Monatshälfte bis 17 Uhr, danach bis 18 Uhr. Vier bis fünf Stunden sind realistisch, ein halber Tag wird knapp. Ohne Auto kommt man mit dem Zug bis Bollwiller und braucht von dort einen Anschluss, das ist die Variante für Geduldige.
Affen und Greifvögel bei Kintzheim
Eine halbe Autostunde nördlich, bei Kintzheim, leben auf 24 Hektar Waldhang über zweihundert Berberaffen frei zwischen den Besuchern. Man geht einen Rundweg, bekommt am Eingang Popcorn für die Tiere und darf sie damit füttern, für viele Kinder das erste Mal, dass ein Wildtier ihnen aus der Hand frisst. Die Saison endet Mitte November, im Oktober ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Direkt daneben, in der Burgruine, zeigt die Volerie des Aigles Greifvögel im freien Flug: Geier, Adler und Eulen ziehen tief über die Zuschauerränge. Die Vorführung dauert etwa eine Stunde, Sitzplätze sind nicht überdacht, und der Betrieb ruht von Mitte November bis Ende März. Wer beides an einem Tag macht, hat einen vollen Ausflug und braucht abends nichts mehr.
Die Dörfer: hübsch, aber nicht alle
Eguisheim, Riquewihr und Kaysersberg stehen auf jeder Elsass-Liste, und sie sehen aus wie Colmar in klein. Genau darin liegt das Problem: Wer schon zwei Tage zwischen Fachwerk gelaufen ist, bekommt von einem dritten Ort mit Fachwerk nichts Neues. Für Kinder gilt das doppelt.
Ein Dorf reicht, und dann eher wegen der Umgebung als wegen der Gassen. Kaysersberg hat eine Burgruine über dem Ort, zu der man in zwanzig Minuten hochsteigt, mit einem Turm und echtem Blick über die Weinberge. Eguisheim liegt am Fuß der Drei Exen und hat Wanderwege durch die Reben, die auch mit kurzen Beinen funktionieren. Riquewihr ist der hübscheste und der vollste der drei; an Wochenenden im Oktober ist die Hauptgasse eine Prozession.

Anreise: näher, als der Fahrplan glauben macht
Von Freiburg sind es rund fünfzig Straßenkilometer und etwa 45 Minuten mit dem Auto, über den Rhein bei Breisach. Das ist die kürzeste Städtereise ins Ausland, die viele Familien aus dem Südwesten haben können, Frühstück zu Hause, mittags Klein-Venedig.
Mit dem Zug wird es umständlicher, als die Landkarte vermuten lässt. Die alte Bahnstrecke Freiburg-Breisach-Colmar ist seit dem Zweiten Weltkrieg unterbrochen, die Rheinbrücke wurde nie wieder aufgebaut. Wer ohne Auto fährt, geht über Basel oder Mulhouse und ist knapp zwei Stunden unterwegs. Umgekehrt braucht man in Colmar selbst kein Fahrzeug: Vom Bahnhof zur Altstadt sind es rund zehn Gehminuten, alles Weitere liegt im Umkreis von einem Kilometer.
Auf dem Weg liegt außerdem ein Zwischenstopp, der sich mit Kindern lohnt: Neuf-Brisach, achtzehn Kilometer östlich von Colmar, ist eine komplette Festungsstadt von Vauban in Form eines Achtecks, angelegt ab 1698 und heute Welterbe. Von den Wällen aus sieht man den Grundriss, den man sonst nur aus der Luft erkennt, und für Kinder ist eine Stadt, die aussieht wie ein Stern, deutlich greifbarer als ein Altarbild.
Wer mit dem Auto kommt, stellt es in einem der Parkhäuser am Rand des Zentrums ab und lässt es dort. Die Gassen sind für Anwohner reserviert oder Fußgängerzone, und die Parkplatzsuche im Kreis kostet mehr Nerven als die Gebühr.

Essen, Wetter und wie viele Nächte
Elsässische Küche ist mit Kindern erstaunlich unkompliziert. Flammkuchen kommt schnell, ist dünn und wird geteilt, Spätzle und Schnitzel stehen fast überall auf der Karte, und die Portionen sind eher zu groß als zu klein. Voll wird es zwischen 19 und 20.30 Uhr, wobei viele Küchen in Colmar früher schließen als in Deutschland, nach 21 Uhr wird die Auswahl dünn. Wer zwischen 18 und 18.30 Uhr kommt, sitzt ohne Reservierung.

Im Oktober liegen die Temperaturen tagsüber meist im niedrigen zweistelligen Bereich, und es kann tagelang nieseln. Ein Regentag ist in Colmar unangenehmer als in einer großen Stadt, weil das Angebot an Innenräumen begrenzt ist: Spielzeugmuseum, Unterlinden, ein Kino, danach wird es dünn. Dann lohnt sich die Fahrt ins Écomusée trotzdem, weil dort viele Häuser begehbar sind, oder gleich der Sprung zurück über den Rhein.
Zwei Nächte sind das richtige Maß. Ein Tag Stadt, ein Tag Umland, dazwischen ein ruhiger Abend. Drei Nächte funktionieren nur, wenn man das Auto dabeihat und bereit ist, jeden Tag zwanzig bis vierzig Kilometer zu fahren. Vier Nächte in Colmar mit Kindern werden langweilig, und das ist keine Kritik an der Stadt, sondern eine Frage ihrer Größe.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Für die Altstadt einen halben Tag ansetzen, nicht zwei, sie misst nur gut zweieinhalb Kilometer.
- Kinder unter acht kommen im Spielzeugmuseum kostenlos hinein, unter zwölf ins Unterlinden.
- Das Écomusée d'Alsace schließt Anfang November, im Oktober vorher die Öffnungstage prüfen.
- Montagne des Singes und Volerie des Aigles bei Kintzheim lassen sich an einem Tag verbinden.
- Ein Elsässer Dorf reicht, drei sehen für Kinder gleich aus.
- Küchenschluss ist früher als in Deutschland, ab 21 Uhr wird die Auswahl dünn.
Häufige Fragen
Wie lange braucht man für Colmar mit Kindern?
Ist Colmar mit Kinderwagen gut zu machen?
Was macht man in Colmar bei Regen?
Wie kommt man von Deutschland nach Colmar?
Beliebte Ziele für den Herbsturlaub
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