Linz ist klein, und genau das hilft
Linz hat rund 210.000 Einwohner und eine Innenstadt, die man in zwanzig Minuten durchquert. Wer aus Wien oder Salzburg kommt, findet die Stadt unspektakulär. Es gibt keine Altstadtkulisse, für die man Eintritt zahlt, und die wichtigsten Ziele liegen an der Donau statt hinter Stadtmauern. Mit Kindern ist das ein Vorteil, weil das Programm nicht aus Anschauen besteht, sondern aus Anfassen und Fahren.
Der Hauptplatz gehört zu den größten Österreichs, und von dort ist alles zu Fuß erreichbar: die Donaubrücke, das Ars Electronica Center am gegenüberliegenden Ufer, die Talstation der Pöstlingbergbahn. Man braucht kein Auto und kaum Nahverkehr, und mit müden Kindern rechnet sich das schnell.

Ars Electronica Center: der Grund, warum man fährt
Wenn eine einzige Adresse eine Städtereise trägt, dann diese. Das Ars Electronica Center steht direkt an der Donau gegenüber der Altstadt und nennt sich Museum der Zukunft, was hier nicht übertrieben ist. Es geht um künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie und digitale Kunst, und der größte Teil davon ist zum Ausprobieren gebaut. Kinder steuern Roboterarme oder zeichnen mit Algorithmen.
Das Herzstück ist der Deep Space: ein Raum mit 16 mal 9 Meter großer Wandprojektion und einer ebenso großen Bodenprojektion, in dem mehrmals täglich Vorführungen laufen, etwa Satellitenbilder oder begehbare Gemälde. Kinder legen sich dabei einfach auf den Boden. Der Raum funktioniert für Vierjährige genauso wie für Vierzehnjährige, weil man nichts verstehen muss.
Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr, montags bleibt das Haus zu. An diesem Detail ist schon manches Herbstferienwochenende gescheitert. Erwachsene zahlen 14 Euro, Kinder ab sechs Jahren sechs Euro, jüngere kommen kostenlos mit (Stand Herbst 2026). Das Kinderforschungslabor ist auf Vier- bis Achtjährige zugeschnitten. Drei Stunden sind das Minimum, ein halber Tag realistisch.
Pöstlingberg: Bergbahn, Zwerge und der Blick
Vom Hauptplatz fährt zu jeder halben Stunde eine Straßenbahn den Pöstlingberg hinauf, die steilste Adhäsionsbahn Europas. Auf den letzten Metern spürt man das deutlich. Oben stehen eine Wallfahrtskirche mit zwei Türmen und ein Aussichtspunkt über Linz und das Donautal. Der eigentliche Grund für die Fahrt mit kleineren Kindern ist aber die Grottenbahn.
Die Grottenbahn fährt in einem alten Festungsturm, gezogen von einem hölzernen Drachen, durch nachgebaute Märchenszenen. Anschließend geht man durch eine unterirdische Zwergenstadt, in der Grimms Märchen als Figurengruppen nachgestellt sind. Das ist charmant altmodisch und trifft Kinder zwischen drei und acht ziemlich genau. Zwölfjährige finden es albern, und das darf man vorher wissen.
Für die Herbstferien wichtig: Die Grottenbahn ist von Anfang September bis zum 1. November täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, danach beginnt die Winterpause mit wenigen Ausnahmen im Advent. Erwachsene zahlen 6,40 Euro, Kinder von zwei bis fünfzehn 3,80 Euro, das Familienticket für zwei Erwachsene und zwei Kinder kostet 17,20 Euro (Stand 2026). Die letzte Drachenfahrt startet eine halbe Stunde vor Betriebsschluss. Wer erst am Nachmittag hochfährt, sollte das im Kopf haben.
Auf demselben Berg liegt der Zoo Linz, ein kleiner Tiergarten mit rund sechshundert Tieren aus etwa hundert Arten auf knapp vier Hektar. Das ist keine Anlage, in der man einen ganzen Tag verbringt, eher zwei Stunden, dafür mit Spielplatz und Blick über die Stadt. Von April bis Ende Oktober ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, ab November schließt der Zoo schon um 16 Uhr, und Kinder bis fünf Jahre kommen kostenlos hinein. Für Familien, die den Vormittag im Ars Electronica Center verbracht haben, ist der Berg damit ein runder Nachmittag: Bahn hoch, Grottenbahn, Tiere, Aussicht, Bahn runter.
Die Donau, wenn das Wetter mitspielt
Linz liegt am Fluss, und der Fluss ist im Herbst der beste Teil der Stadt. Vom Anleger unterhalb des Hauptplatzes starten Rundfahrten und längere Strecken flussaufwärts Richtung Wachau. Eine kurze Runde dauert etwa anderthalb Stunden und zeigt Linz von einer Seite, die man zu Fuß nicht sieht, mit Industriehäfen und dem Stahlwerk am Ufer.
An beiden Ufern verlaufen Rad- und Fußwege ohne Autoverkehr, der Donauradweg führt mitten hindurch. Wer Räder leiht, ist in gut einer Stunde in Ottensheim und kommt mit der Rollfähre zurück. Für Kinder ab etwa acht ist das ein guter halber Tag, für kleinere reicht der Uferweg bis zum nächsten Spielplatz.
Zu Fuß, mit Kinderwagen und im Nahverkehr
Linz ist entlang der Donau flach, und das merkt man sofort. Vom Hauptplatz zum Ars Electronica Center läuft man über die Brücke fünf Minuten, in die Landstraße mit den Geschäften ebenfalls. Die einzige spürbare Steigung im Programm ist der Pöstlingberg, und dafür gibt es die Bahn. Ein Kinderwagen ist hier deutlich weniger Last als in Prag oder Brügge, weil die Innenstadt asphaltiert und in weiten Teilen verkehrsberuhigt ist.
Die Straßenbahnen sind niederflurig, die Linien 1, 2 und 3 verbinden Hauptbahnhof, Hauptplatz und die nördlichen Stadtteile. Für zwei oder drei Tage reicht meistens ein Streifen Einzelfahrten, ein Tagesticket lohnt sich erst, wenn man den Zoo und den Berg an einem Tag mitnimmt. Wer mit dem Auto anreist, stellt es in einer der Innenstadtgaragen ab und braucht es bis zur Abfahrt nicht wieder.
Die Wege sind kurz genug, dass sich ein Programm mit Pausen ausgeht. Ein Vormittag im Museum, Mittagessen am Hauptplatz, eine Stunde zurück ins Hotel, nachmittags der Berg. Das ist mit Kindern unter sechs die Struktur, die eine Städtereise erst erträglich macht, und Linz erlaubt sie ohne lange Fahrzeiten dazwischen.
Wenn es regnet, und das tut es im Oktober
Linz ist eine der wenigen Städte, in denen ein Regentag kein Problem darstellt, weil das Hauptziel ohnehin drinnen liegt. Fällt das Ars Electronica Center wegen des Montags aus, gibt es Ausweichmöglichkeiten in Gehweite.
Das Lentos an der Donau ist ein Kunstmuseum mit eigenem Kinderprogramm, und der Bau selbst, ein Glasriegel, der abends farbig leuchtet, beeindruckt Kinder oft mehr als die Bilder darin. Das Schlossmuseum oben über der Stadt mischt Stadtgeschichte mit einer großen naturkundlichen Sammlung und technischen Objekten und ist ab etwa acht Jahren die ergiebigere Adresse. Der Wissensturm neben dem Hauptbahnhof beherbergt die Stadtbibliothek mit einem großen Kinderbereich, in dem man ohne Eintritt und ohne Zeitdruck sitzen kann.

Für Kinder ab sechs kommt die voestalpine Stahlwelt dazu, eine Ausstellung über Stahl mit anschließender Busfahrt durch ein arbeitendes Hüttenwerk. Unter sechs Jahren ist die Werkstour nicht zugelassen, und das ist keine Formalität: Es ist laut und heiß, und die Anlage nimmt auf Besucher wenig Rücksicht.

Essen, Betten und wie viele Tage
Die Linzer Torte gilt als älteste namentlich überlieferte Torte der Welt und schmeckt nach Nüssen und Johannisbeere. Kinder mögen sie erfahrungsgemäß entweder sofort oder gar nicht. Verlässlicher sind die Gasthäuser rund um den Hauptplatz und in den Gassen dahinter, wo Schnitzel und Knödel in Kinderportionen auf der Karte stehen. Voll wird es dort ab halb sieben.

Übernachtet wird am sinnvollsten zwischen Hauptplatz und Landstraße. Dort ist man mitten drin und trotzdem ruhiger als an der Donaulände, wo abends die Lokalmeile liegt. Der Hauptbahnhof ist gut angebunden, die Ecke selbst hat wenig zu bieten.
Zwei Nächte reichen für Ars Electronica, Pöstlingberg und einen halben Tag am Fluss. Mit drei Nächten lohnt sich ein Ausflug: Nach Steyr ist es eine gute halbe Stunde mit der Bahn, in die Wachau etwas länger. Die Anreise selbst bleibt überschaubar. Aus Passau fährt der Zug in gut einer Stunde, aus München in unter drei, und mit dem Auto ist Linz ab Passau in gut einer Stunde erreicht.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Ars Electronica Center ist montags geschlossen, das Wochenende entsprechend planen.
- Im Deep Space die Vorführungszeiten am Eingang abfragen, sie sind im Ticket enthalten.
- Grottenbahn nur bis 1. November täglich geöffnet, danach beginnt die Winterpause.
- Pöstlingbergbahn ab Hauptplatz nehmen, sie fährt zu jeder halben Stunde.
- Die voestalpine Stahlwelt lässt zur Werkstour erst Kinder ab sechs Jahren zu.
- Zwischen Hauptplatz und Landstraße übernachten, an der Donaulände wird es abends laut.
Häufige Fragen
Reichen zwei Tage für Linz mit Kindern?
Ab welchem Alter lohnt sich das Ars Electronica Center?
Was macht man in Linz bei Regen?
Wie kommt man ohne Flug nach Linz?
Beliebte Ziele für den Herbsturlaub
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