Der Nahverkehr kostet nichts, im ganzen Land
Seit dem 1. März 2020 fährt man in Luxemburg gratis. Nicht ermäßigt, nicht auf einer Sonderlinie, sondern überall: Busse, die Tram in der Hauptstadt und die Züge im gesamten Staatsgebiet sind kostenlos, für Einheimische wie für Besucher. Man braucht kein Ticket, keine App und keine Registrierung, man steigt ein. Die einzige Ausnahme ist die 1. Klasse im Zug, die weiterhin bezahlt wird.
Für Familien verschiebt das die ganze Planung. Ein Ausflug ins Land kostet plötzlich nur Zeit, kein Geld. Wenn ein Kind auf halber Strecke nicht mehr laufen will, nimmt man den nächsten Bus, ohne vorher zu überlegen, ob sich das für drei Haltestellen lohnt. Und wer außerhalb der Stadt günstiger wohnt, zahlt die Ersparnis nicht in Fahrtkosten zurück.
Das ist der stärkste praktische Grund, warum Luxemburg mit Kindern besser funktioniert, als es die Reiseführer vermuten lassen. Die Stadt selbst ist klein, aber alles, was um sie herum liegt, ist ohne Zusatzkosten erreichbar.

Näher als die Nordsee
Aus Trier ist man in etwa 43 Minuten mit dem Zug am Hauptbahnhof, aus Köln in rund drei Stunden und zehn Minuten. Aus dem Saarland und der Eifel ist es mit dem Auto eine gute Stunde. Für Familien im Westen Deutschlands ist Luxemburg damit näher als jedes deutsche Meer, und die Fahrzeit liegt in dem Bereich, in dem ein Wochenende noch Sinn ergibt.
Weil das Land klein ist, muss man in der Stadt kein Auto haben. Wer trotzdem mit dem Wagen kommt, stellt ihn am besten auf einem Park-and-Ride am Stadtrand ab und fährt mit Bus oder Tram hinein, die Fahrt kostet ja nichts, und die Parkhäuser in der Oberstadt sind eng und teuer.
Die Stadt ist eine Schlucht, und es gibt Aufzüge
Luxemburg-Stadt sitzt auf einem Felsplateau, unter dem sich das Tal der Alzette einschneidet. Oben liegen Altstadt, Bahnhofsviertel und die Fußgängerzonen, unten die Viertel Grund, Pfaffenthal und Clausen mit dem Fluss, alten Brücken und Wiesen. Zwischen oben und unten liegen siebzig Höhenmeter, und genau daran scheitern Familienpläne, wenn man es nicht weiß.
Zwei Aufzüge lösen das Problem, und beide kosten nichts. Der Panorama-Aufzug Pfaffenthal fährt in einer Glaskabine bis zu siebzig Meter zwischen dem Pescatore-Park in der Oberstadt und dem Pfaffenthal, täglich von 5.45 Uhr bis ein Uhr nachts. An jedem ersten Montag im Monat steht er wegen Wartung still, ein Detail, das eine Familie sonst überraschend viele Treppen kostet. Der zweite Lift verbindet das Plateau du Saint-Esprit mit dem Grund und bringt einen ohne Umweg direkt ans Wasser.
Der Chemin de la Corniche läuft oben an der alten Stadtmauer entlang und schaut auf das Tal hinunter. Der Weg ist eben, gepflastert und kinderwagentauglich, und er dauert zu Fuß keine zwanzig Minuten. Für Kinder ist er interessanter als jede Kirche, weil man von dort direkt in die Tiefe sieht, auf Dächer, Brücken und Felsen.

Kasematten: das eine, was nicht für alle passt
Unter dem Bockfelsen liegt ein Gangsystem aus dem 17. Jahrhundert, angelegt unter spanischer Herrschaft und später zweimal erweitert. Von den ursprünglich kilometerlangen Kasematten ist ein Teil begehbar, und dieser Teil ist genau das, was Kinder ab etwa sechs an einer Festung erwarten: enge Gänge, Schießscharten, Treppen, Kanonenkammern und ein Fels, in dem man sich sofort verlaufen würde, wenn der Weg nicht markiert wäre.
Es ist aber auch das, was mit sehr kleinen Kindern nicht gut geht. Die Stufen sind steil und unregelmäßig, es ist kühl und feucht, an einigen Stellen muss man den Kopf einziehen, und ein Kinderwagen ist vollkommen ausgeschlossen, eine Trage ebenfalls nur bedingt, weil die Decken niedrig sind. Wer ein Kleinkind dabeihat, teilt sich am besten auf und geht nacheinander.
Die Bock-Kasematten sind von Mitte Februar bis Mitte November täglich geöffnet, mit verkürzten Zeiten im Herbst und Frühjahr; in der Regel ab zehn Uhr. Erwachsene zahlen einen einstelligen Eurobetrag, Kinder weniger, unter sechs Jahren ist der Eintritt frei. Die Petruss-Kasematten auf der anderen Talseite kann man nur mit Führung zu festen Uhrzeiten besuchen, dafür ist die Führung anschaulicher.
Wenn es den ganzen Tag regnet
Die zuverlässigste Adresse liegt unten im Grund: das Natur Musée, Luxemburgs Nationalmuseum für Naturgeschichte, in einem umgebauten Kloster an der Alzette. Es zeigt Tiere, Gesteine, Fossilien und das Weltall, ist überschaubar groß und lässt sich in zwei Stunden gut mit Kindern durchgehen, ohne dass jemand quengelt. Vom Plateau du Saint-Esprit ist es mit dem Lift ein paar Minuten.
Auf dem Kirchberg-Plateau steht das Musée Dräi Eechelen in einem Festungsfort, das die Militärgeschichte der Stadt erzählt und mit älteren Kindern gut zusammenpasst, Jüngere sind dort nach einer halben Stunde durch. Wer wirklich nur einen warmen, trockenen Nachmittag braucht, geht schwimmen; die Stadt hat mehrere Hallenbäder, das nächste zur Altstadt liegt in der ehemaligen Badanstalt in der Oberstadt.

Ein Tag außerhalb, weil die Fahrt nichts kostet
Vianden liegt eine gute Stunde nördlich und ist der Ausflug, der bei Kindern jeden Alters funktioniert. Über dem Ort steht eine der größten Burganlagen zwischen Rhein und Maas, wiederaufgebaut und komplett begehbar, und ein Sessellift bringt einen den Hang hinauf zu einem Aussichtspunkt über dem Tal. Der Weg dorthin führt mit Zug und Bus, und beides ist gratis.
Näher an der Stadt, in Bettemburg und mit dem Zug in etwa einer Viertelstunde erreichbar, liegt der Parc Merveilleux: ein Wildpark mit knapp zweihundert Tierarten, Spielplätzen, Minigolf, Ponyranch, einer kleinen Eisenbahn und Märchenszenen, die von außen betrachtet altmodisch wirken und Fünfjährige trotzdem verlässlich beschäftigen. Wichtig für die Herbstferien: Der Park ist saisonal geöffnet, von Ostern bis Anfang Oktober. Wer in den späten Herbstferien kommt, steht vor geschlossenen Toren.
Wo man schläft, wo man isst, und wie viel Zeit reicht
Die günstigen Hotels stehen fast alle im Bahnhofsviertel südlich der Passerelle. Tagsüber ist das unauffällig, abends sind einige Straßen dort deutlich rauer als der Rest der Stadt; mit Kindern wählt man besser die Seite zur Avenue de la Liberté hin. Wer mehr ausgeben kann, wohnt in der Oberstadt und läuft überall hin, oder im Grund direkt am Wasser, wo es abends ruhig ist und morgens ein bisschen feucht.
Essen ist teuer, ungefähr auf dem Niveau einer westdeutschen Großstadt plus Aufschlag. Der Grund und Clausen haben mehrere Lokale mit Terrassen am Fluss, die Fußgängerzone oben eher Ketten. Portugiesische Restaurants gibt es in Luxemburg auffällig viele, sie sind meist günstiger als der Durchschnitt, und gegrilltes Hühnchen mit Pommes hat noch kein Kind abgelehnt.
Für die Stadt selbst reicht ein voller Tag, ehrlich gesagt sogar knapp anderthalb: Oberstadt, Corniche, ein Aufzug nach unten, Kasematten, Grund. Der zweite Tag gehört dem Land. Wer drei Nächte bleibt, hat Zeit für Vianden und noch einen Regentag im Museum, ohne irgendetwas hetzen zu müssen.
Nach Alter sortiert fällt die Reise sehr unterschiedlich aus. Drei- bis Fünfjährige tragen die Aufzüge, die Wiesen im Pfaffenthal und der Parc Merveilleux; Kasematten und Museen sind für sie Wartezeit oder schlicht zu eng. Zwischen sechs und zehn kippt es: Dann sind die Gänge im Felsen genau das Richtige, das Natur Musée funktioniert, und Vianden mit Sessellift ist ein ganzer Tag ohne Murren. Ab etwa elf lässt sich zum ersten Mal erklären, warum eine so kleine Stadt derart befestigt wurde, und die Militärgeschichte im Dräi Eechelen bekommt einen Zusammenhang.
Was man sich sparen kann: Die Place d’Armes und die Fußgängerzone drumherum sind nach zehn Minuten gesehen, und die Stadtrundfahrten mit dem kleinen Touristenzug kosten Geld für eine Strecke, die man mit den kostenlosen Bussen ohnehin fährt.

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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Bus, Tram und Zug sind im ganzen Land kostenlos, nur die 1. Klasse im Zug kostet. Einsteigen genügt, kein Ticket nötig.
- Der Panorama-Aufzug Pfaffenthal ist gratis und spart siebzig Höhenmeter, steht aber an jedem ersten Montag im Monat wegen Wartung still.
- Die Bock-Kasematten sind nur von Mitte Februar bis Mitte November geöffnet und mit Kinderwagen nicht zu schaffen.
- Der Parc Merveilleux in Bettemburg hat nur von Ostern bis Anfang Oktober offen, für späte Herbstferien zu spät.
- Mit dem Auto anreisen und am Park-and-Ride am Stadtrand stehen lassen: Die Weiterfahrt kostet nichts, Parkhäuser in der Oberstadt schon.
- Portugiesische Lokale sind in Luxemburg zahlreich und meist günstiger als der Stadtdurchschnitt.
Häufige Fragen
Ist der Nahverkehr in Luxemburg wirklich für alle kostenlos?
Sind die Kasematten für kleine Kinder geeignet?
Wie lange braucht man für Luxemburg-Stadt mit Kindern?
Wie kommt man ohne Flug nach Luxemburg?
Geht Luxemburg mit Kinderwagen?
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