Nizza im Oktober ist eine andere Stadt als Nizza im August. Die Tagestemperaturen liegen meistens zwischen 16 und 24 Grad, die Promenade des Anglais ist wieder begehbar statt umkämpft, und in den Restaurants der Altstadt bekommt man abends einen Tisch, ohne vorher anzurufen. Für Familien, die in den Herbstferien ans Mittelmeer wollen, ist das der eigentliche Grund, hier zu landen, nicht das Baden.
Was man vorher wissen sollte: Der Strand ist keiner im Sinne, in dem Kinder das Wort verstehen.
Kiesel, keine Burgen
Der gesamte Strand entlang der Promenade des Anglais besteht aus Kieseln. Nicht aus grobem Sand, sondern aus faustgroßen und kleineren runden Steinen, die beim Laufen unter den Füßen wegrutschen und ordentlich drücken. Kinder merken das in den ersten dreißig Sekunden. Sandburgen fallen aus, Buddeln fällt aus, und eine Decke reicht als Unterlage nicht, dafür braucht es eine Matte oder gleich zwei Handtücher übereinander.
Badeschuhe lösen das Problem zu drei Vierteln und werden in Nizza in jedem zweiten Laden verkauft. Wer sie hat, geht ohne Zickzack ins Wasser. Ein Kleinkind, das am Strand beschäftigt sein soll, braucht trotzdem etwas anderes: Ein paar Bahnminuten östlich liegt Villefranche-sur-Mer mit einer geschützten Bucht und feinerem Untergrund, deutlich besser geeignet für alle unter sechs. Die Fahrt dorthin ist kurz und gehört zu den einfacheren Ausflügen an dieser Küste.

Baden im Oktober: möglich, aber ohne Aufsicht
Das Wasser vor Nizza hat im Oktober im Mittel um die 19 bis 20 Grad und schwankt je nach Jahr und Zeitpunkt zwischen knapp 17 und gut 22 Grad. Anfang Oktober geht Schwimmen also durchaus, Ende Oktober wird es für die meisten Kinder zu kalt, und niemand bleibt lange drin.
Wichtiger als die Temperatur ist etwas anderes: Die bewachte Badesaison endet in Nizza Mitte September, einzelne Strände werden bis Ende September betreut. Im Oktober ist der Strand unbewacht. Das Mittelmeer sieht harmlos aus, hat vor der Kiesküste aber teils steil abfallenden Grund und bei auflandigem Wind eine kräftige Rückströmung. Wer mit Kindern ins Wasser geht, geht mit ins Wasser. Das ist im Herbst keine Empfehlung, sondern die Bedingung.
Der Schlossberg: hoch ohne Streit
Über der Altstadt liegt die Colline du Château, ein bewaldeter Hügel mit den Resten der alten Festung, einem künstlichen Wasserfall, einem Spielplatz und dem Blick über die gesamte Bucht. Das Schloss selbst gibt es seit Jahrhunderten nicht mehr, der Name blieb.
Der entscheidende Punkt für Familien ist der Aufzug am Fuß des Bergs, an der Tour Bellanda in der Montée Lesage. Er fährt kostenlos nach oben, ebenso wie der Eintritt in den Park nichts kostet. Damit entfällt die Diskussion über Treppen, die man mit müden Kindern sonst am Nachmittag führt. Verlassen sollte man sich nicht blind darauf: Der Aufzug ist gelegentlich außer Betrieb, und dann bleibt nur der Aufstieg über die Stufen von der Altstadt aus, gut zehn Minuten bergauf mit Pausen.
Oben ist Platz. Kinder rennen, Erwachsene sitzen, und von den Terrassen sieht man die roten Dächer der Altstadt, den Hafen auf der anderen Seite und die Flugzeuge, die weit draußen über dem Wasser anfliegen. Für einen späten Nachmittag ist das der beste Ort der Stadt.

Die Promenade du Paillon ist der eigentliche Familienort
Zwischen Neustadt und Altstadt zieht sich seit 2013 ein zwölf Hektar großer Grünstreifen auf dem überbauten Flussbett des Paillon. Am Place Masséna beginnt er mit dem Miroir d’Eau, einer etwa 3000 Quadratmeter großen Steinfläche, aus der Wasserfontänen schießen. Im Hochsommer stehen dort ständig Kinder in Badehose. Im Herbst ist die Anlage oft abgeschaltet, das gehört zur Wahrheit dazu.
Der Rest funktioniert das ganze Jahr: ein langer Spielbereich mit hölzernen Meerestieren zum Klettern, Wiesen, Wasserläufe und der Plateau des Brumes, eine Fläche, aus der in Abständen Nebel aufsteigt. Wer in Nizza mit Kindern unterwegs ist, wird hier zwangsläufig zweimal am Tag vorbeikommen, weil der Streifen genau zwischen allem liegt. Das ist die Stelle, an der man Pausen einbaut, statt sie zu erkämpfen.

Wenn es regnet, und im Oktober regnet es
Der Herbst ist an der Côte d’Azur die niederschlagsreichste Zeit des Jahres. Es regnet nicht tagelang durch wie in Mitteleuropa, sondern kurz und heftig, oft nachmittags. Trotzdem sollte man zwei oder drei Innenräume in der Hinterhand haben.
Ein Teil der städtischen Museen in Nizza kostet keinen Eintritt, darunter das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst mit seiner Dachterrasse. Für Kinder erstaunlich gut geeignet ist das Nationale Sportmuseum im Fußballstadion am Stadtrand: Erwachsene zahlen acht Euro, unter achtzehn ist der Eintritt frei, und es gibt Mitmachstationen statt Vitrinenreihen. Das Chagall-Museum im Stadtteil Cimiez ist klein, hell und in einer Stunde durch, mit Kindern genau richtig dimensioniert.
Im Westen der Stadt liegt der Parc Phoenix, sieben Hektar Park mit einem der größten Gewächshäuser Europas. Darin sind sechs verschiedene tropische Klimazonen untergebracht, dazu kommen Tiere im Außenbereich. An einem Regentag ist das Gewächshaus die Rettung, weil man drinnen läuft, aber nicht in einem Museum steht.
Anreise, Tram und die kurzen Fahrten an der Küste
Ehrlich gesagt: Für ein verlängertes Wochenende ist Nizza mit dem Zug ab Deutschland kein realistisches Ziel. Die Fahrt dauert einen ganzen Tag und verlangt mindestens einen Umstieg. Wer die Anreise nicht fliegen will, sollte mindestens eine Woche einplanen, sonst verbringt die Familie die halbe Reisezeit im Zug.
In der Stadt selbst braucht man kein Auto. Drei Straßenbahnlinien decken das Zentrum ab, eine davon fährt bis zum Flughafen, und die Fahrzeuge sind ebenerdig zugänglich, was mit Kinderwagen zählt. Die Gassen der Altstadt dagegen sind eng, gepflastert und voller Stufen an Hauseingängen, dort schiebt man nicht gern.
Der größte praktische Vorteil von Nizza mit Kindern ist die Bahnlinie entlang der Küste. Villefranche, Monaco, Antibes und Menton liegen alle zwischen zehn und vierzig Minuten entfernt, die Züge fahren dicht getaktet, und man kann morgens entscheiden. In Monaco steht mit dem Ozeanografischen Museum ein großes Aquarium hoch über dem Wasser, das für Kinder ab drei funktioniert und einen kompletten Regenvormittag füllt.
Vieux Nice, Essen und für welches Alter das Ganze taugt
Die Altstadt zwischen Jardin Albert 1er und Schlossberg ist tagsüber ein Labyrinth aus schmalen Gassen und abends laut. Wer dort übernachtet, hört bis nach Mitternacht die Straße. Ruhiger wohnt man ein paar Straßen westlich Richtung Carré d’Or oder oben am Hafen, von wo man in einer Viertelstunde in der Altstadt ist.
Der Markt auf dem Cours Saleya ist eine Vormittagssache und mittags vorbei, montags steht dort ein Trödelmarkt. Für Kinder lohnt sich der Weg wegen der Stände mit Socca: dünne Fladen aus Kichererbsenmehl, in großen Pfannen gebacken, heiß in Papier gereicht und mit den Fingern gegessen. Dazu Pan Bagnat, ein rundes belegtes Brot, das man am Strand teilen kann. Beides ist billig und funktioniert auch bei Kindern, die in Restaurants schwierig sind.

Für welches Alter Nizza im Herbst passt, hängt am Anspruch. Mit Kindern unter fünf ist die Stadt anstrengend: Kieselstrand, viele Treppen, wenig zum Anfassen. Zwischen sechs und zehn geht die Rechnung auf, weil Schlossberg, Paillon, Aquarium und kurze Bahnfahrten zusammen einen Rhythmus ergeben. Ab zwölf kommen die Museen dazu, und dann werden aus drei Tagen leicht fünf.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Badeschuhe einpacken oder vor Ort kaufen, der Strand besteht komplett aus Kieseln.
- Ab Oktober sind die Strände unbewacht, mit Kindern also nur gemeinsam ins Wasser.
- Zum Schlossberg fährt an der Tour Bellanda ein kostenloser Aufzug, gelegentlich außer Betrieb.
- Für kleine Kinder lohnt der kurze Zug nach Villefranche-sur-Mer mit geschützter Bucht.
- Der Markt auf dem Cours Saleya ist mittags vorbei, montags steht dort ein Trödelmarkt.
- Nicht mitten in der Altstadt übernachten, dort ist es bis nach Mitternacht laut.
Häufige Fragen
Kann man im Oktober in Nizza noch baden?
Ist der Kieselstrand in Nizza für Kinder geeignet?
Was macht man in Nizza mit Kindern bei Regen?
Lohnt sich Nizza im Herbst überhaupt?
Wie kommt man ohne Flug nach Nizza?
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