Ein Viertel pro Tag, mehr nicht
Der Plan, mit dem die meisten Familien nach Paris fahren, sieht ungefähr so aus: vormittags Eiffelturm, mittags Louvre, nachmittags Montmartre. Am Abend des ersten Tages sind alle fertig, am zweiten will niemand mehr aus dem Hotel. Die Stadt ist zu groß, um sie abzuhaken, und mit Kindern ist der Versuch die sicherste Methode, ein verlängertes Wochenende zu ruinieren.
Es gibt eine Alternative, die weniger nach Verzicht klingt, als sie sich anfühlt: Man nimmt sich ein Viertel und bleibt darin. Rund um den Jardin des Plantes im fünften Arrondissement liegen ein botanischer Garten, ein Naturkundemuseum, ein kleiner Zoo und Straßen voller Bäckereien so dicht beieinander, dass man den ganzen Tag keine Metro braucht. La Villette im Nordosten ist der zweite Block dieser Art: Wissenschaftsmuseum, Kanal, große Rasenflächen, Spielplätze. Wer beides an einem Tag unterbringen will, verbringt vierzig Minuten unter der Erde und kommt an beiden Orten schlecht gelaunt an.

Metro mit Kinderwagen: die unangenehme Wahrheit
Paris hat über dreihundert Metrostationen. Einen Aufzug hat davon etwa jede zehnte. Vollständig stufenlos ist genau eine Linie, die 14, die 1998 als fahrerlose Strecke gebaut und 2024 in beide Richtungen verlängert wurde; dort ist auch der Spalt zwischen Bahnsteig und Wagen so klein, dass Kinderräder nicht hineingeraten. Alle anderen Linien stammen aus einer Zeit, in der niemand an Buggys oder Rollstühle dachte. Eine einzige Umsteigefahrt bedeutet dann drei oder vier Treppen, oft ohne Rolltreppe, in engen Gängen und mit Gegenverkehr.
Wer ein Kind unter zwei Jahren dabeihat, fährt mit einer Trage deutlich besser. Für größere Kinder lohnt sich der Bus: Er ist langsamer, aber ebenerdig, und man sieht etwas. Die Linien 69 und 72 fahren quer durch das Zentrum und ersetzen zwei bis drei Sehenswürdigkeiten-Stopps durch eine halbe Stunde Sitzen mit Aussicht.
Beim Ticket hat sich einiges geändert. Den alten Papierstreifen im Zehnerbündel gibt es nicht mehr; seit 2025 läuft alles über die Chipkarte Navigo Easy für zwei Euro oder über die Handy-App. Eine Einzelfahrt mit Metro und RER kostet seit Januar 2026 2,55 Euro, Kinder von vier bis neun zahlen 1,30 Euro, unter Vierjährige fahren frei. Für eine vierköpfige Familie summiert sich das schnell, noch ein Argument dafür, weniger Strecke zu machen.
Was Kinder in Paris nichts kostet
Die staatlichen Museen Frankreichs sind für alle unter 18 kostenlos, und zwar unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Für EU-Bürger gilt das sogar bis einschließlich 25. Im Louvre zahlen die Eltern 22 Euro, die Kinder nichts. In der Grande Galerie de l’Évolution am Jardin des Plantes, dem Saal mit der langen Prozession ausgestopfter Tiere durch drei Stockwerke, kostet der Erwachsenentarif 13 Euro und der Nachwuchs ist frei drin. Dienstags ist dort geschlossen.
Diese Regel verändert die Rechnung eines Städtetrips erheblich. Zwei Erwachsene mit zwei Kindern zahlen für ein Museum so viel wie ein Paar ohne Kinder. Umgekehrt heißt das: Die teuren Programmpunkte in Paris sind nicht die Museen, sondern die privaten Attraktionen und der Turm.
Der Eiffelturm und ob er sich lohnt
Ehrliche Einordnung: Kinder unter etwa sechs Jahren finden den Eiffelturm von unten interessanter als von oben. Oben ist es windig, die Aussicht ist ein Muster aus grauen Dächern, und der Weg dahin besteht aus Sicherheitskontrolle, Warteschlange und Aufzug. Wer ohne Ticket kommt, steht in der Hauptsaison ein bis zweieinhalb Stunden an den Kassen.
Es gibt einen Weg, der mit Kindern ab ungefähr acht Jahren besser funktioniert: die Treppe. Über sechshundert Stufen führen in die zweite Etage, man braucht gut eine Viertelstunde, das Ticket kostet 14,80 Euro für Erwachsene und ab 3,70 Euro für Kinder zwischen vier und elf. Diese Tickets werden ausschließlich vor Ort verkauft, dafür ist die Schlange dort meist kürzer. Für viele Kinder ist das Treppensteigen im Eisengerüst ohnehin der spannendere Teil.
Der Louvre ist ein Sonderfall. Mit einem Kind unter zehn hat er nur Sinn, wenn man sich auf eine Handvoll Räume beschränkt, die ägyptische Abteilung mit Sarkophagen und Mumien funktioniert fast immer, die Mona Lisa ist eine Menschentraube um ein kleines Bild hinter Glas. Zwei Stunden sind das Maximum, und man geht mit Zeitfenster hinein, nicht auf Verdacht.
Jardin d’Acclimatation: der Nachmittag, der immer klappt
Am Rand des Bois de Boulogne liegt ein Vergnügungsgarten aus dem 19. Jahrhundert, der seit dem Umbau 2018 wieder ordentlich in Schuss ist. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5, unter 80 Zentimeter Körpergröße frei. Die Fahrgeschäfte werden einzeln bezahlt, ein Ticket liegt bei 4,50 Euro, wer alles fahren will, nimmt einen Pass.
Das Entscheidende steht im Namen: Es ist zuerst ein Garten. Man kann einen ganzen Nachmittag dort verbringen, ohne ein einziges Karussellticket zu kaufen, zwischen Spielplätzen, Wasserläufen und einem kleinen Bauernhof. Für Drei- bis Achtjährige ist das der Programmpunkt, an den sie sich später erinnern, und nicht die Kathedrale vom Vormittag.

Regentag in La Villette
Im Oktober regnet es in Paris an rund einem Drittel der Tage, und dann entscheidet sich, ob die Reise trägt. Die Cité des Sciences et de l’Industrie im Nordosten ist dafür gebaut. Der Teil, der Familien interessiert, heißt Cité des enfants und ist in zwei Altersbereiche geteilt, einen für Zwei- bis Sechsjährige und einen für die Älteren. Man bucht ein festes Zeitfenster, der Besuch dauert etwa anderthalb Stunden, danach kann man in die übrigen Ausstellungen wechseln. Erwachsene zahlen rund 15 Euro, Kinder etwa 12. Montags ist geschlossen, ein Detail, an dem schon viele Regentage gescheitert sind.
Eine Warnung zu einem Klassiker, der in älteren Reiseführern noch steht: Das Palais de la Découverte im Grand Palais ist seit 2021 wegen Sanierung dicht und soll erst Anfang 2027 wieder öffnen. Wer dort mit Kindern vor der Tür steht, hat einen Vormittag verloren.

Schlafen, essen, und was zwei Tage schaffen
Beim Viertel gilt dieselbe Logik wie beim Programm. Das Quartier Latin und die Gegend um den Jardin des Plantes sind zentral genug, um zu Fuß loszulaufen, aber ruhiger als der Marais, in dem abends laut gefeiert wird. Das siebte Arrondissement rund um den Eiffelturm ist ausgesprochen still und ausgesprochen teuer. Wer eher rechnet, schaut sich im vierzehnten oder im elften um; von dort ist man mit einer Metrofahrt im Zentrum und zahlt spürbar weniger.
Beim Essen ist Paris mit Kindern einfacher als sein Ruf. Die Küche in den Bistros öffnet meist erst gegen 19 Uhr, davor bekommt man in Brasserien und Cafés durchgehend etwas. Croque Monsieur, Omelett, Steak Frites, das läuft. Wer um halb sieben isst, sitzt in einem halbleeren Raum, wer um halb neun kommt, steht an. Und die Bäckereien sind das eigentliche Netz: Ein Pain au Chocolat kostet gut einen Euro und rettet die halbe Stunde vor dem Mittagessen.
Zwei volle Tage reichen für zwei Viertel und einen Regentag im Museum. Wer den Turm besteigen und den Jardin d’Acclimatation sehen will, braucht drei. Mit Kindern unter fünf würde ich den Vormittag verplanen und den Nachmittag frei lassen, notfalls für zwei Stunden Hotelzimmer. Für Zehnjährige öffnet sich dagegen ein anderes Paris: Katakomben, Métro-Karte selbst lesen, ein Nachmittag im Marais mit Falafel und Comicläden. Dasselbe Alter, das eine Bootsfahrt auf der Seine für Kleinkinderprogramm hält, findet dort plötzlich seinen eigenen Zugang zur Stadt.
Was man streichen kann: die Aussichtsplattform des Tour Montparnasse, wenn man ohnehin auf den Eiffelturm geht. Die Champs-Élysées, die aus Autolärm und Kettenläden bestehen. Und Montmartre an einem Samstagnachmittag, wenn die Treppen vor Sacré-Cœur so voll sind, dass man ein Kind an der Hand nicht sicher führen kann. Morgens vor zehn ist das Viertel ein anderes.

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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Ein Viertel pro Tag planen, nicht drei Sehenswürdigkeiten quer durch die Stadt.
- Kinder und Jugendliche unter 18 zahlen in den staatlichen Museen nichts, EU-Bürger bis 25 auch nicht.
- Nur die Metrolinie 14 ist durchgehend stufenlos, sonst hilft mit Buggy oft der Bus.
- Treppentickets für den Eiffelturm gibt es nur vor Ort, dafür ist die Schlange kürzer.
- Für die Cité des enfants ein Zeitfenster buchen und den Montag meiden, da ist geschlossen.
- Um 18.30 Uhr essen gehen statt um 20.30 Uhr, dann bekommt man ohne Reservierung einen Tisch.
Häufige Fragen
Reichen zwei Tage für Paris mit Kindern?
Wie gut kommt man in Paris mit Kinderwagen zurecht?
Was macht man in Paris mit Kindern bei Regen?
Was kostet Paris mit zwei Kindern?
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