Bei uns landet einmal im Jahr die große Deutschlandkarte auf dem Küchentisch, und dann geht der Streit los. Der Große will Berge, die Kleine will Wasser, und ich will nicht länger als vier Stunden fahren. Am Ende einigen wir uns meistens irgendwo in der Mitte, und meistens ist es besser, als alle vorher dachten.
Deutschland ist als Urlaubsland mit Kindern unterschätzt, vermutlich weil es so naheliegend ist. Dabei liegt der größte Vorteil genau darin: Du kommst überall mit dem Auto oder der Bahn hin, du brauchst keinen Flug, kein Umsteigen, keinen Kindersitz im Mietwagen. Wenn etwas schiefgeht, bist du am selben Tag wieder zu Hause. Hier kommen die Regionen, die mit Kindern zuverlässig funktionieren, ehrlich sortiert.

Zwei Fragen vor der Auswahl
Die erste Frage ist die Anreise. Aus dem Ruhrgebiet an die Ostsee sind es gut fünf bis sechs Stunden, ins Sauerland unter zwei. Aus München an die Nordsee wird es ein ganzer Tag, an den Bodensee eher ein Vormittag. Je jünger die Kinder, desto stärker sollte die Fahrtzeit die Auswahl bestimmen, nicht die Landschaft. Bei Bahnanreise dreht sich die Rechnung teilweise um: Küstenorte und Mittelgebirgsstädtchen mit eigenem Bahnhof sind dann plötzlich einfacher als das abgelegene Ferienhaus.
Die zweite Frage betrifft den Herbst. In den Herbstferien liegt die Wahrscheinlichkeit für drei Tage Dauerregen bei jeder deutschen Region über null. Sucht euch deshalb ein Ziel, das ein zweites Programm hat: Höhle, Bergwerk, Therme, Schwimmbad, Museum. Regionen, die im Sommer wegen ihrer Badeseen funktionieren, fallen sonst im Oktober komplett aus.
An der Küste: Wind, Watt und Strandkorb
Nordsee
Das Wattenmeer ist der beste Spielplatz, den Deutschland zu bieten hat, und er kostet nichts. Kinder ab etwa vier verstehen sofort, was Ebbe und Flut bedeuten, wenn sie einmal barfuß im Schlick gestanden haben. St. Peter-Ording in Schleswig-Holstein hat den breitesten Strand, Cuxhaven in Niedersachsen die kürzesten Wege, und die ostfriesischen Inseln sind autofrei, was mit kleinen Kindern viel entspannter ist, als es klingt.
Im Herbst weht es hier ordentlich, und das ist die Hauptsache: Drachen, Wellen, Sturmspaziergänge. Rechnet mit mindestens einem Tag, an dem ihr nicht rauskommt, und bucht in einem Ort mit Schwimmbad. Ab Hamburg oder Bremen ist die Anreise kurz, ab Süddeutschland wird daraus ein voller Reisetag.
Ostsee
Flacher, ruhiger, wärmer im Wasser: Die Ostsee ist die einfachere Küste für Familien mit Kleinkindern. Fehmarn und die Lübecker Bucht liegen in Schleswig-Holstein, Rügen, Usedom und das Fischland in Mecklenburg-Vorpommern. Die Bahnverbindungen an die Ostsee sind besser als ihr Ruf, Binz auf Rügen und Heringsdorf auf Usedom erreicht ihr ohne Auto.
Preislich ist die Ostsee in den Ferien anspruchsvoll, vor allem auf Rügen. Wer flexibel ist, findet im Hinterland Ferienwohnungen zu deutlich anderen Preisen und fährt zwanzig Minuten an den Strand.

Mecklenburgische Seenplatte
Wenn ihr Wasser wollt, aber keine Brandung, ist die Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern die entspannteste Wahl in ganz Deutschland. Die Müritz ist der größte See innerhalb der Landesgrenzen, drumherum liegen Hunderte kleinere. Waren und Plau am See sind gute Ausgangspunkte, der Müritz-Nationalpark beginnt praktisch vor der Haustür.
Kanufahren ab acht Jahren, Fahrradfahren fast überall flach, im Herbst der Kranichzug, den auch Kinder ohne Fernglas mitbekommen. Was ihr hier nicht bekommt: Trubel, viel Innenprogramm und kurze Wege ohne Auto. Ab Berlin seid ihr in ungefähr zwei Stunden da, aus dem Westen dauert es deutlich länger.
Lüneburger Heide
Die Heide in Niedersachsen wird im Spätsommer gefeiert und im Herbst vergessen, dabei ist sie dann fast leer. Der Wilseder Berg lässt sich mit Grundschulkindern gut erwandern, Kutschfahrten gibt es reichlich, und mit dem Heide-Park Soltau liegt einer der großen Freizeitparks direkt in der Region.
Für Familien aus Hamburg, Bremen oder Hannover ist die Heide ein Ziel für ein langes Wochenende. Die Landschaft ist flach, die Radwege sind gut, und die Preise liegen unter denen der Küste.
Die Mitte: drei Mittelgebirge mit unterschiedlichem Charakter
Harz
Der Harz verteilt sich auf Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und einen Zipfel Thüringen und ist die beste deutsche Bergregion für Familien ohne Auto. Die Harzer Schmalspurbahnen fahren mit Dampf bis auf den Brocken, Wernigerode und Goslar haben Bahnhöfe mitten im Ort. Dazu Bergwerke, Tropfsteinhöhlen und Burgen für Regentage.
Im Herbst ist es hier oft neblig und deutlich kühler als im Flachland. Wer damit rechnet, bekommt bunte Wälder und leere Wege. Preislich gehört der Harz zu den günstigeren Regionen.
Sauerland
Nordrhein-Westfalens Wochenendgebiet: Talsperren, Wald, Sommerrodelbahnen, die Atta-Höhle in Attendorn. Ab dem Ruhrgebiet oder Köln seid ihr in ein bis zwei Stunden dort, was das Sauerland zur naheliegenden Wahl für kurze Aufenthalte macht.
Mit Grundschulkindern passt das gut, Teenager brauchen ein konkretes Ziel, sonst wird es zäh. Für zwei Wochen Urlaub gibt die Region im Herbst nicht genug her, für vier bis fünf Tage schon.
Eifel
Die Eifel liegt in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz und ist die stillste der drei. Der Nationalpark auf der nordrhein-westfälischen Seite hat einen barrierearmen Wanderweg, der auch mit Kinderwagen geht. In der Vulkaneifel liegen die Maare, runde Kraterseen, in denen man im Sommer schwimmen kann und die im Herbst gut für eine kurze Umrundung taugen.
Nachts ist es hier so dunkel wie fast nirgends sonst in Westdeutschland, Sternegucken lohnt sich. Die Anreise ab Köln oder Aachen ist kurz, ab Frankfurt überschaubar.

Sächsische Schweiz
Die Sächsische Schweiz gehört zu Sachsen und liegt östlich von Dresden an der Elbe. Sandsteinfelsen, Leitern, Schluchten, dazu die Bastei mit ihrer Brücke, die auf jedem zweiten Foto der Region zu sehen ist. Kinder ab sechs finden das großartig, mit Kleinkindern wird es an vielen Stellen anstrengend, weil Treppen und Stufen dazugehören.
Die Anreise klappt mit der Bahn gut: Dresden anfahren, dann mit der S-Bahn ins Elbtal nach Rathen oder Bad Schandau. Im Herbst ist es an den bekannten Aussichtspunkten am Wochenende voll, unter der Woche deutlich ruhiger. Bad Schandau hat eine Therme für den Regentag.

Bayerischer Wald
Der Bayerische Wald ist die günstigste Bergregion Deutschlands und für Familien einer der besten Kompromisse. Der Nationalpark hat ein Tierfreigelände mit Luchsen, Wölfen und Bären, dazu einen Baumwipfelpfad, der auch mit müden Kindern noch funktioniert. Der Große Arber lässt sich mit der Seilbahn erreichen, ohne dass jemand quengelt.
Ab München oder Nürnberg ist die Anreise machbar, aus dem Norden weit. Wer sparen will, findet hier Ferienwohnungen zu Preisen, die es an der Küste nicht mehr gibt. Im Herbst wird es früh kalt, Schnee auf den Bergen ist keine Überraschung.
Schwarzwald
Baden-Württembergs großer Wald hat zwei Gesichter. Der Süden um Titisee und Schluchsee ist voller und touristischer, der Norden ruhiger. Für Kinder gibt es Wasserfälle in Triberg, Baumwipfelpfade, Sommerrodelbahnen und viele Bauernhöfe mit Ferienwohnungen.
Mit der Bahn kommt ihr über Freiburg oder Offenburg gut hinein, vor Ort ist ein Auto trotzdem praktisch. In vielen Orten bekommt ihr mit der Übernachtung eine Gästekarte, die Busse und Bahnen der Region einschließt. Fragt danach, das spart mehr als es klingt.
Allgäu
Das Allgäu liegt größtenteils in Bayern und ist die Region, in der Berge auch mit kurzen Beinen gehen. Es gibt Bergbahnen, die euch die ersten tausend Höhenmeter abnehmen, Klammwanderungen mit Geländer und Wasserrauschen, dazu Schloss Neuschwanstein bei Füssen für den Tag, an dem alle etwas Sehenswertes wollen.
Das Allgäu ist nicht billig, vor allem rund um Oberstdorf und Füssen. Im Herbst sind die Wege leerer als im Sommer, aber die Bergbahnen fahren teilweise nach verkürztem Plan. Prüft das vor Ort, bevor ihr eine Wanderung von oben nach unten plant.
Bodensee
Der Bodensee ist Baden-Württembergs mildeste Ecke und für Familien fast schon zu bequem. Flache Radwege am Ufer, Schiffe, die als Verkehrsmittel funktionieren, dazu der Affenberg in Salem, die Pfahlbauten in Unteruhldingen und ein großer Freizeitpark bei Meckenbeuren. Lindau am Ostufer gehört zu Bayern.
Im Herbst bleibt es hier länger warm als in den meisten anderen Regionen, was den See zu einem guten Ziel für die Herbstferien macht. Ab Stuttgart oder München fahrt ihr rund zweieinhalb Stunden, aus Norddeutschland ist der Bodensee eine echte Tagesreise.

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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Erst die Fahrtzeit festlegen, dann die Region suchen. Mit kleinen Kindern schlägt eine kurze Anreise jede schönere Landschaft.
- Nur Regionen buchen, die ein Innenprogramm haben: Höhle, Bergwerk, Therme, Schwimmbad oder Museum in erreichbarer Nähe.
- Harz, Sächsische Schweiz und die Ostseebäder lassen sich gut mit der Bahn ansteuern, dort braucht ihr vor Ort kein Auto.
- Im Hinterland der Küste liegen die Preise deutlich niedriger, zwanzig Minuten Fahrt zum Strand sind ein guter Tausch.
- In vielen Ferienorten gibt es zur Übernachtung eine Gästekarte für Busse und Bahnen der Region, danach fragen lohnt sich.
Häufige Fragen
Welche Region in Deutschland eignet sich am besten für Urlaub mit kleinen Kindern?
Wohin in Deutschland mit Kindern, wenn das Wetter im Herbst unsicher ist?
Welche deutschen Urlaubsregionen sind für Familien vergleichsweise günstig?
Kann man Familienurlaub in Deutschland ohne Auto machen?
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