Am ersten Morgen stand unsere Tochter am Rand des Kinderlands und weigerte sich, die Skier anzuziehen. Zwanzig Minuten lang, mit verschränkten Armen. Der Skilehrer hat sie einfach stehen lassen, ist mit den anderen Kindern eine Runde um den Zauberteppich gefahren, und irgendwann ist sie von selbst hinterher. Am dritten Tag kam sie die blaue Abfahrt am Buffaure herunter und wollte sofort wieder hoch. So läuft das im Fassatal, wenn man den Kindern die Zeit lässt, die sie brauchen.
Das Val di Fassa liegt im Trentino, nicht in Südtirol. Diese Verwechslung passiert ständig, weil die Dolomiten über die Provinzgrenze hinweg weitergehen und die Nachbartäler Gröden und Alta Badia tatsächlich südtirolerisch sind. Die Grenze verläuft oben auf den Pässen: am Sellajoch, am Karerpass. Unten im Tal bist du im Trentino, und du merkst es an Kleinigkeiten, an der Beschilderung, an den Speisekarten, an der Sprache in den Läden.

Warum das Tal für Familien funktioniert
Das Fassatal ist ein langgezogenes Tal mit mehreren Orten an der Talstraße und mehreren getrennten Skibergen links und rechts davon. Für Familien ist das ein Vorteil, den man erst nach ein paar Tagen richtig schätzt: Ihr müsst euch nicht auf ein Gebiet festlegen. Wenn die Kinder am Anfang stehen, fahrt ihr zu einem der kleineren Berge und habt dort einen kompletten Tag Programm. Wenn sie sicherer werden, hängt ihr euch an die großen Runden dran.
Der zweite Punkt ist die Höhe. Canazei am Talschluss liegt auf gut 1400 Metern, die Pisten darüber deutlich höher. Für die Weihnachts- und Faschingsferien ist das eine solide Ausgangslage, ohne dass ich hier Schneegarantien verteilen will, die niemand geben kann.
Welcher Ort im Tal passt zu euch
Canazei liegt ganz hinten, direkt am Fuß der Passstraßen, und ist der Ort mit dem meisten Betrieb. Von hier geht die Bahn Richtung Belvedere hoch, also mitten in die große Runde hinein. Wenn ihr Kinder habt, die schon fahren können, ist das praktisch.
Campitello ist der kleinere Nachbar mit der Bahn zum Col Rodella. Pozza di Fassa und Vigo di Fassa liegen weiter unten im Tal, gehören heute zur Gemeinde San Giovanni di Fassa und sind die ruhigeren Adressen mit direktem Zugang zu Buffaure und Ciampedie. Moena ganz am Taleingang ist ein hübscher, lebendiger Ort und liegt tiefer, dafür seid ihr von dort schneller wieder auf der Rückfahrt.
Wir haben in Pozza gewohnt und es nie bereut. Abends fünf Minuten zu Fuß zur Pizzeria, morgens der Skibus oder ein kurzes Stück mit dem Auto zur Bahn.
Buffaure, Ciampac und Ciampedie: die familientauglichen Ecken
Buffaure oberhalb von Pozza ist unser Standardberg für Tage mit gemischtem Können geworden. Breite blaue Abfahrten, überschaubare Wege, und man verliert sich nicht. Ciampac auf der anderen Talseite, erreichbar von Alba bei Canazei, hängt mit Buffaure zusammen und gibt euch etwas mehr Auslauf.
Ciampedie über Vigo di Fassa ist die Terrasse zum Rosengarten hin, auf Italienisch Catinaccio. Hier oben sitzen Familien auf den Hüttenterrassen, während die Kinder auf dem flachen Stück davor herumkurven. Das ist kein sportliches Gebiet, aber genau deshalb geht dort ein entspannter Tag.

Sellaronda: erst ab einem gewissen Können
Die Sellaronda ist die Umrundung des Sellastocks über vier Pässe, und sie führt durch drei Provinzen: Trentino, Südtirol und Venetien. Von Canazei oder Campitello aus steigt ihr direkt ein. Das ist ein großartiger Tag, aber eben auch ein langer, mit vielen Liften, Anschlussfahrten und dem Druck, rechtzeitig wieder zurück zu sein.
Mein Rat aus eigener Erfahrung: nicht zu früh. Kinder sollten sicher auf roten Pisten fahren und ein paar Stunden am Stück durchhalten, sonst wird das ein Marsch statt eines Skitags. Wir haben die Runde erst im dritten Winter gemacht, in der Gegenrichtung ohne Zeitdruck, und sind mittags lange sitzen geblieben. Wenn ihr unsicher seid, fahrt eine Teilstrecke bis zum Pordoijoch und dieselbe Strecke wieder zurück.
Der Skipass und was ihr vorher klären solltet
Das Fassatal gehört zu Dolomiti Superski, dem großen Verbund im Dolomitenraum. Es gibt daneben Pässe nur für das Tal, was für Familien mit Anfängern oft die vernünftigere Wahl ist. Kinderregelungen, Altersgrenzen und Familientarife ändern sich von Saison zu Saison, und ich nenne hier bewusst keine Zahlen. Schaut vor der Buchung auf die aktuelle Preisliste und rechnet ehrlich durch, wie viele Tage ihr wirklich das ganze Gebiet braucht.
Mittagessen: das unterschätzte Argument
Die Hütten sind einer der Gründe, warum wir in Italien hängen geblieben sind. Es gibt richtige Küche statt Selbstbedienungstheke, oft mit Nudeln, die auch ein müdes Kind noch isst, und die Rechnung fällt in der Regel freundlicher aus als in Österreich oder der Schweiz. Der Kaffee an der Theke kostet ohnehin fast nichts.
Zwei Dinge haben wir gelernt: früh essen, also gegen zwölf, sonst steht ihr in der Schlange. Und in der Hauptsaison lohnt es sich, auf gefragten Terrassen kurz vorher anzurufen oder morgens im Vorbeifahren einen Tisch zu reservieren.

Ladinisch, die dritte Sprache
Im Fassatal wird Ladinisch gesprochen, eine eigene romanische Sprache, die es hier seit sehr langer Zeit gibt. Das Tal heißt auf Ladinisch Val de Fascia, viele Ortsschilder sind dreisprachig, und in den Schulen wird die Sprache unterrichtet. Für Kinder ist das ein guter Aufhänger, weil es sofort verständlich ist: Hier sprechen die Leute eine Sprache, die es sonst fast nirgends gibt.
Im Museum zur ladinischen Kultur in San Giovanni di Fassa lässt sich das an einem Schlechtwettertag vertiefen. Dazu kommen die Sagen um den Rosengarten und König Laurin, die im Tal überall auftauchen. Unsere Kinder haben die Geschichte schneller behalten als jede Pistenkarte.
Anreise über den Brenner
Aus Deutschland fährt man in aller Regel über den Brenner. Danach gibt es zwei gängige Wege ins Tal: über das Eggental und den Karerpass nach Vigo di Fassa, oder weiter südlich über das Fleimstal nach Moena. Beide Varianten führen über Bergstraßen, die im Winter geräumt sind, aber Serpentinen bleiben Serpentinen.
Winterreifen sind in Italien auf vielen Strecken saisonal vorgeschrieben, Schneeketten gehören trotzdem in den Kofferraum. Für die Brennerautobahn braucht ihr Mautgeld oder eine Karte, und in den Ferienwochen sind Samstag und Sonntag die schlechtesten Reisetage. Wir starten inzwischen mitten in der Nacht und sind vor dem großen Andrang durch.
Tage ohne Ski
Nicht jedes Kind will sieben Tage am Stück auf die Piste, und nicht jedes Wetter lädt dazu ein. Rodeln geht im Tal an mehreren Stellen, teils mit Aufstiegshilfe, teils zu Fuß den Hang hoch, was die Kinder erstaunlich lange beschäftigt. Fragt in der Unterkunft nach, welche Bahn gerade präpariert ist, das wechselt mit der Schneelage.
Winterwandern ist die zweite Möglichkeit. Die Talwege sind flach, gut geräumt und funktionieren auch mit Kinderwagen mit dicken Rädern. Oben an den Bergstationen gibt es kürzere Runden mit Blick auf die Wände, für die keine Skier nötig sind.
Dazu kommen ein Schwimmbad im Tal, Eislaufen und Pferdeschlittenfahrten, die in mehreren Orten angeboten werden. Bei uns war die Schlittenfahrt der Punkt, den die Kinder zu Hause zuerst erzählt haben, nicht die Piste. Öffnungszeiten und Angebote schwanken je nach Saison, deshalb lieber vor Ort nachfragen als vorher fest einplanen.

Langlauf im Talboden
Durch das Tal ziehen Loipen im flachen Gelände, und der Einstieg ist niedrig. Wenn ihr Kinder habt, die vom Skifahren genug haben, sind zwei Stunden auf schmalen Brettern eine gute Abwechslung. Durch das Fassatal führt außerdem die Strecke der Marcialonga, eines der bekannten Volkslangläufe, der Ende Januar durch das Tal und weiter ins Fleimstal geht. An diesem Wochenende ist im Tal einiges los, das solltet ihr bei der Terminwahl im Kopf haben.
Praktisches, das uns Nerven gespart hat
Der Skibus verbindet die Orte und die Talstationen, und er nimmt euch das Parkplatzsuchen ab. In der Hochsaison sind die Busse morgens voll, mit kleinen Kindern und Ausrüstung ist eine Fahrt eine Viertelstunde früher deutlich angenehmer.
Materialverleih vor Ort statt Schleppen von zu Hause: Bei Kindern, die jedes Jahr aus allem herauswachsen, rechnet sich das schnell, und ihr müsst euch nicht mit Skiträgern auf der Passstraße herumärgern. Meldet die Skischule früh an, in den deutschen Ferienwochen sind die Kurse schnell voll.
Und ein letzter Punkt, den ich am Anfang unterschätzt habe: Plant den Anreisetag nicht als Skitag. Wir kommen inzwischen am Nachmittag an, holen das Material, kaufen ein und gehen früh essen. Der erste richtige Tag am Berg beginnt dann ausgeschlafen.
Die Marmolada, der höchste Berg der Dolomiten, liegt in Sichtweite am Ende des Tals und ist von Canazei aus ein naheliegender Ausflug. Für kleinere Kinder ist die Höhe oben allerdings gewöhnungsbedürftig, und windig ist es dort fast immer.

Beliebte Familien-Aktivitäten in Val di Fassa
🏡 Familienunterkünfte in Val di Fassa
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Für Anfänger die kleineren Berge Buffaure, Ciampac und Ciampedie nutzen, statt gleich in die große Runde einzusteigen.
- Die Sellaronda erst fahren, wenn die Kinder sicher auf roten Pisten unterwegs sind und einen langen Tag durchhalten.
- Mittagessen gegen zwölf einplanen und auf gefragten Hüttenterrassen vorher einen Tisch reservieren.
- Vor der Buchung prüfen, ob der Talskipass reicht oder Dolomiti Superski wirklich gebraucht wird.
- Anreise über den Brenner nicht auf Samstag legen und Schneeketten trotz Winterreifen mitnehmen.
Häufige Fragen
Liegt Val di Fassa in Südtirol?
Ab welchem Alter lohnt sich das Fassatal für Kinder?
Braucht man für einen Familienurlaub den Dolomiti Superski Pass?
Wie kommt man aus Deutschland ins Val di Fassa?
Was macht man im Fassatal an einem Tag ohne Ski?
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