Meine Tochter hat auf den Stegen in der Breitachklamm zehn Minuten lang kein Wort gesagt. Sie war sieben, von oben tropfte es, unter uns schoss das Wasser durch die Felsspalte, und sie hielt das Geländer mit beiden Händen. Am Ausgang kam dann der Satz, auf den Eltern warten: nochmal. So läuft das im Allgäu, wenn man Kinder an die richtigen Stellen bringt statt auf den nächstbesten Gipfel.
Ins Flugzeug musst du dafür nicht. Das Allgäu liegt im Süden Bayerns, über die A7 kommst du bis kurz vor Oberstdorf, über die A96 Richtung Bodensee ins Westallgäu. Mit der Bahn erreichst du Oberstdorf, Sonthofen, Immenstadt und Füssen direkt, von den Bahnhöfen fahren Busse in die Seitentäler. Wer ohne Auto anreist, schaut vorher in den Herbstfahrplan, weil einige Linien nach der Sommersaison ausdünnen.

Warum der Herbst mit Kindern die bessere Wandersaison ist
Im August stehst du an der Talstation in der Schlange und suchst auf dem Wanderparkplatz eine halbe Stunde nach einer Lücke. Im Oktober ist beides entspannter. Dazu kommt Wetter, das Kindern das Laufen leichter macht: kühle Luft, die nicht nach zwanzig Minuten in Quengeln umschlägt, und Buchenwälder, die auf tausend Metern anfangen sich zu färben.
Der Preis dafür ist das Licht. Um halb sechs wird es dämmrig, und im Wald früher. Wir starten im Herbst deshalb spätestens um neun, planen die Rückkehr auf den frühen Nachmittag und haben trotzdem für jeden eine kleine Stirnlampe im Rucksack. Zweimal hat sie uns die letzte halbe Stunde gerettet.
Der zweite Punkt ist die Nässe. Nach kühlen Nächten trocknet nichts mehr richtig ab, Wurzeln und Wegplatten bleiben glitschig, und Laub versteckt jede Unebenheit. Turnschuhe reichen dafür nicht. Feste Schuhe mit Profil, eine Regenjacke und für jedes Kind ein trockenes Oberteil im Rucksack sind das Minimum. Handschuhe brauchst du auf den Bergbahnen ab Ende Oktober fast immer, oben weht es anders als im Tal.
Breitachklamm bei Oberstdorf
Die Breitachklamm liegt bei Tiefenbach kurz vor Oberstdorf und ist der eine Ort im Allgäu, an dem selbst laufmüde Kinder von allein weitergehen. Der Weg führt auf Stegen und in den Fels gehauenen Galerien durch eine enge Schlucht, unten tost das Wasser, oben steht der Himmel als schmaler Streifen zwischen den Wänden. Nach Regen ist es lauter und spritziger, was Kinder besser finden als Erwachsene mit Brille.
Machbar ist das ab etwa vier Jahren, wenn die Kinder ein Stück selbst laufen. Kinderwagen bleibt im Auto: Es geht über Stufen, die Stege sind schmal, und für Gegenverkehr braucht man Platz. Eine Tragehilfe funktioniert. Rechne mit gut zwei Stunden für kleine Beine, wenn ihr den Rückweg oben über den Wald nehmt statt durch die Klamm zurück. Die Klamm kann bei Hochwasser oder Steinschlaggefahr gesperrt sein, ein Blick auf die aktuelle Info vor der Fahrt spart euch den Umweg.

Starzlachklamm bei Sonthofen
Die kleine Schwester der Breitachklamm liegt bei Burgberg im Oberallgäu und ist deutlich wilder. Weniger Geländer, weniger Ausbau, dafür Stellen, an denen du über nasse Felsplatten steigst und dich an einem Drahtseil festhältst. Wasserfälle und Gumpen liegen direkt am Weg, im Sommer stehen dort Kinder bis zu den Knien im Wasser.
Für Grundschulkinder mit etwas Trittsicherheit ist das ein Erlebnis, für Dreijährige im Kinderwagen ist hier definitiv Schluss. Bei Dauerregen würde ich sie im Herbst auslassen, die Platten werden dann rutschig und die Schlucht kann gesperrt werden. Wer sicher gehen will, geht bei trockenem Wetter und packt Wechselsocken ein, weil Kinder unterwegs zuverlässig in eine Pfütze finden.
Rund um den Großen Alpsee bei Immenstadt
Wenn kleinere Geschwister dabei sind, ist der Große Alpsee bei Immenstadt und Bühl unsere Rückfallebene. Um den See führt ein Rundweg, der auf weiten Abschnitten breit und geschottert ist, mit Bänken, Stegen und Stellen zum Steinewerfen. Ein Teil ist gut mit Kinderwagen zu schieben, ein Teil führt schmaler am Ufer entlang, dort wird es mit großen Rädern unbequem.
Die ganze Runde ist für Vierjährige zu lang. Wir laufen ein Stück am Ufer, kehren an einer Bank um und hängen den Rest an einem anderen Tag an. Über dem See liegt ein Berg mit Sesselbahn, Sommerrodelbahn und Kletterwald, für den es sich lohnt zu prüfen, ob im Herbst noch gefahren wird. Falls ja, hast du die Kombination, die bei Kindern immer funktioniert: hoch mit der Bahn, runter zu Fuß, und unten wartet der See.
Fellhorn und Kanzelwand: oben anfangen statt unten
Der ehrlichste Trick beim Wandern mit Kindern im Allgäu heißt Bergbahn. Die Fellhornbahn startet bei Oberstdorf, die Kanzelwandbahn auf der anderen Seite im Kleinwalsertal, und beide Berge hängen oben zusammen. Du fährst hoch, gehst den Höhenweg zwischen den Bergstationen und sparst dir den Aufstieg, der bei Kindern die Laune frisst.
Der Weg auf dem Rücken ist breit, aber alpin: keine Bäume, Wind von der Seite, an einzelnen Stellen geht es neben dem Weg steil weg. Ab etwa acht Jahren und mit Kindern, die nicht rennen, ist das gut zu machen. Kinderwagen ist keine Option, eine Kraxe für die Kleinen schon, solange oben nicht der Nebel steht. Prüfe die Betriebszeiten, mehrere Allgäuer Bahnen legen im Spätherbst eine Revisionspause ein.
Nebelhorn, wenn der Nebel im Tal liegt
Der Herbst hat im Allgäu eine Eigenheit, für die es sich lohnt, das Frühstück vorzuziehen. An Inversionstagen liegt im Tal grauer Hochnebel, und zweihundert Höhenmeter darüber steht die Sonne. Die Nebelhornbahn ab Oberstdorf fährt in mehreren Abschnitten so weit hinauf, dass ihr über der Suppe herauskommt. Kinder finden die Vorstellung großartig, aus einer Wolke oben herauszufahren.
An der mittleren Station reicht ein kurzer Bummel auf breitem Weg, das geht auch mit Kleinkindern. Alles, was am Gipfel Richtung Grat führt, ist ausgesetzt und nichts für Kinder ohne Bergerfahrung. Nimm oben eine Schicht mehr mit, als du im Tal für nötig hältst.

Hündle über Oberstaufen
Das Hündle bei Oberstaufen ist der Berg für den Tag, an dem niemand richtig Lust hat. Ein Sessellift bringt euch hoch, oben führen Wege über offene Weiden zum Hündlekopf, und der Rückweg ins Tal geht auf breiten Almwegen. Von oben schaut man weit über das Voralpenland, ohne dass jemand geklettert wäre.
Für Kinder ab Kindergartenalter ist das eine gute erste Bergwanderung, weil der Weg nirgends heikel wird. Mit Kinderwagen kommst du auf den Almwegen streckenweise durch, an den steileren Passagen wird es zäh. Die Sommerrodelbahn ist das Argument, mit dem sich der Abstieg verhandeln lässt, sie läuft allerdings nicht bei Nässe.
Buchenberg bei Buching im Ostallgäu
Im Ostallgäu, im Umfeld der Königsschlösser, liegt der Buchenberg. Auch hier gibt es einen Sessellift, und auch hier ist der Trick derselbe: hoch fahren, oben laufen, zu Fuß oder rodelnd zurück. Die Wege am Berg sind sanft, viel Wiese, wenig Fels, und der Blick geht Richtung Ammergauer Alpen.
Das ist die richtige Adresse für Familien mit sehr unterschiedlich alten Kindern, weil hier niemand überfordert wird. Wer die Schlösser sowieso auf dem Plan hat, hängt den Berg als Gegenprogramm an. Nach einem Vormittag in Warteschlangen tut eine Wiese mit nichts darauf allen gut.

Themenwege, die Kinder von allein weiterlaufen lassen
Ein Weg mit Stationen schlägt bei Kindern jede noch so lohnende Aussicht. Im Allgäu findest du an vielen Bergstationen Erlebniswege mit Klangspielen, Barfußstrecken, Tierstationen oder Wasserrädern. Sie sind kurz, die Runden bleiben meist unter einer Stunde, und genau das ist der Punkt: Ihr kommt an, lauft eine Runde, keiner heult.
Im Westallgäu bei Scheidegg führt der Skywalk Allgäu als Baumwipfelpfad über einem Wald entlang, mit Netzen und einem Turm am Ende. Das ist barrierearm angelegt, Kinderwagen kommen mit, und für einen regnerischen Nachmittag ist es besser als jedes Museum. Welche Erlebniswege im Herbst noch offen sind, steht an den Talstationen und in den örtlichen Wanderinfos, verlass dich lieber auf die Beschilderung vor Ort als auf eine alte Karte.
Was bei uns im Herbst im Rucksack liegt
Nach ein paar Herbsttouren hat sich eine kleine Liste eingespielt, die wir nicht mehr diskutieren. Für jedes Kind eine dünne Mütze, weil oben am Grat der Wind das eigentliche Thema ist. Eine Sitzunterlage, weil jede Bank nass ist. Und mehr zu essen, als vernünftig erscheint, weil Kinder in kühler Luft schneller hungrig werden.
- Stirnlampe pro Person, auch wenn ihr mittags zurück sein wollt
- Wasserdichte Schuhe mit Profil, keine Turnschuhe
- Ein komplettes Set trockene Sachen im Auto, nicht im Rucksack
Zur Anreise noch ein praktischer Hinweis: Viele Talstationen und Klammen haben nur begrenzte Parkflächen, an schönen Herbstwochenenden sind die bis zum Vormittag voll. Mit der Bahn nach Oberstdorf und dem Bus weiter kommst du an den meisten Wochenenden entspannter an als mit dem Auto, und der Rückweg lässt sich mit müden Kindern im Sitzen besser aushalten.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Im Herbst spätestens um neun starten und die Rückkehr auf den frühen Nachmittag legen, es wird schnell dämmrig.
- Für jede Person eine Stirnlampe einpacken, auch wenn die Tour kurz geplant ist.
- Wasserdichte Schuhe mit Profil statt Turnschuhe: Laub und nasse Wurzeln sind im Herbst die häufigste Rutschursache.
- Bergbahn hoch, zu Fuß runter spart Kindern den Aufstieg. Betriebszeiten vorher prüfen, viele Bahnen pausieren im Spätherbst.
- Ein komplettes Set trockene Sachen im Auto deponieren, dazu Wechselsocken in den Rucksack.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter ist die Breitachklamm mit Kindern machbar?
Welche Wanderung im Allgäu geht mit Kinderwagen?
Kommt man ohne Auto ins Allgäu?
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