Es gibt einen Moment im Harz, den ich jedem Kind gönne: Man steht am Bahnsteig, hört erst nichts, dann ein Pfeifen, und dann kommt eine schwarze Dampflok um die Kurve und zieht eine Wolke über den ganzen Bahnsteig. Unser Sohn war fünf und wollte danach eine Woche lang nur noch Zug fahren. Gewandert sind wir trotzdem, weil im Harz beides zusammengeht.
Der Harz liegt in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, mitten in Deutschland, und ist damit von fast überall im Land in einem halben Tag mit dem Auto erreichbar. Über die A7 kommst du an den Westharz mit Goslar und Bad Harzburg, über die A36 an den Ostharz Richtung Wernigerode und Thale. Mit der Bahn geht es ebenfalls: Bad Harzburg, Goslar, Wernigerode und Thale haben Bahnhöfe, und ab dort übernehmen die Schmalspurbahnen.

Warum der Harz im Herbst besser funktioniert als im Hochsommer
Der Harz ist ein Mittelgebirge mit viel Wald, und Wald sieht im Oktober besser aus als im August. Buchen färben sich, das Licht kommt flacher durch die Stämme, und auf den Wiesen unterhalb des Brockens steht morgens Nebel. Dazu ist weniger los. Die Wanderwege rund um Thale und Bad Harzburg sind an Sommerwochenenden voll, im Herbst begegnest du außerhalb der Ferienwoche deutlich weniger Leuten.
Zwei Dinge musst du einplanen. Erstens die frühe Dunkelheit, die im Wald noch früher kommt als auf offener Fläche. Wir sind im Bodetal einmal in die Dämmerung geraten und mussten die letzten Meter mit dem Handy leuchten, seitdem liegt in jedem Rucksack eine Stirnlampe. Zweitens die Nässe. Auf den Steinstufen im Bodetal und den Wurzeln der Waldwege wird es glitschig, sobald das Laub liegt. Schuhe mit Profil sind hier keine Übervorsicht, sondern der Unterschied zwischen Wandern und Rutschen.
Auf dem Brocken gilt eigenes Wetter. Dort oben ist es fast immer kälter und windiger als im Tal, und Nebel ist eher Regel als Ausnahme. Mütze und Handschuhe für die Kinder gehören ab dem Herbst mit hoch, auch wenn ihr unten im T-Shirt losgeht.
Bodetal bei Thale: die Tour mit dem größten Effekt
Das Bodetal zwischen Thale und Treseburg ist die wildeste Wanderung im Ostharz. Der Weg führt am Fluss entlang durch eine enge Schlucht, über Brücken, an Felswänden vorbei und über Steinstufen. Es rauscht durchgehend, und Kinder finden hier ständig etwas: Strudel, Steine, Stellen zum Klettern.
Das ist nichts für Kinderwagen, keinen Meter. Es geht über Stufen und Wurzelwerk, und an einigen Stellen ist der Weg schmal und felsig. Ab Grundschulalter passt es gut, jüngere Kinder gehören auf den Rücken. Die komplette Strecke bis Treseburg ist für Familien meist zu lang, wir laufen ein Stück ins Tal hinein und drehen um, sobald die ersten Beine schwer werden.
Seilbahn und Sessellift über dem Tal
Oberhalb von Thale liegen Hexentanzplatz und Rosstrappe, verbunden mit dem Tal durch eine Seilbahn und einen Sessellift. Für Familien ist das die entscheidende Abkürzung: Ihr fahrt hoch, lauft oben auf breiten Wegen und nehmt die Bahn zurück, statt den Aufstieg zweimal zu verhandeln. Oben gibt es Spielmöglichkeiten und einen Tierpark, was den Tag auch für kleinere Geschwister rettet.

Brocken: mit der Bahn statt zu Fuß
Der Brocken ist der höchste Berg im Harz und für Kinder zu Fuß eine harte Nummer. Der Aufstieg zieht sich, die letzten Kilometer sind offen und windig, und oben wartet selten Belohnung in Form von Sicht. Deshalb machen es Familien anders: Die Brockenbahn fährt mit Dampf von Wernigerode über Drei Annen Hohne bis zum Gipfel.
Der Trick, der bei uns funktioniert hat: hoch mit der Bahn, ein Stück oben herumlaufen, und dann zu Fuß bergab bis Schierke oder Drei Annen Hohne, wo ihr wieder in den Zug steigt. Bergab laufen Kinder deutlich länger mit als bergauf. Der Weg über den Brockenrundweg oben ist breit und befestigt, ein robuster Kinderwagen kommt dort zurecht, für die Abstiege gilt das nicht. Im Herbst lohnt ein Blick auf den Fahrplan, die Takte sind dünner als im Sommer, und der letzte Zug bergab ist keine Verhandlungssache.
Oberharzer Wasserregal rund um Clausthal-Zellerfeld
Das Oberharzer Wasserwirtschaftssystem ist die Sorte Attraktion, die auf dem Papier langweilig klingt und vor Ort funktioniert. Bergleute haben über Jahrhunderte Teiche, Gräben und Wasserläufe angelegt, um Energie für die Gruben zu gewinnen. Übrig geblieben ist ein Netz aus stillen Teichen im Wald, verbunden durch schmale Wassergräben, an denen entlang man laufen kann.
Für Kinder ist das eine Wanderung mit eingebautem Handlungsstrang: Das Wasser läuft immer neben dir her, es gibt kleine Wehre, Holzstege und Stellen, an denen man Blätter schwimmen lässt. Die Wege am Graben sind eben und schmal, die Rundwege um die Teiche sind meist gut befestigt. Ein schmaler Buggy kommt auf den Hauptwegen mit, auf den eigentlichen Grabenwegen wird es eng. Weil die Runden hier kurz sind, passt das schon ab Kindergartenalter.

Okertal und die Felsen über dem Stausee
Zwischen Goslar und Altenau schneidet die Oker ein Tal in den Granit, und das Ergebnis ist eine der abwechslungsreichsten Ecken im Westharz. Am Ufer liegen große Blöcke, in denen Kinder klettern, oberhalb stehen Felsen mit Namen wie Kästeklippen oder Adlerklippen, die sich über kurze Anstiege erreichen lassen.
Wir haben hier gute Erfahrungen mit dem Prinzip kurz und intensiv gemacht: eine knappe Stunde hoch zu einer Klippe, oben Pause auf dem Fels, wieder runter. Das ist ab etwa fünf Jahren machbar, wenn die Kinder sich an den Kanten an die Regeln halten. Kinderwagentauglich ist keiner dieser Anstiege. Der Weg an der Okertalsperre entlang dagegen schon, dort lässt sich ein Nachmittag ohne Steigung verbringen.
Rabenklippe bei Bad Harzburg
Von Bad Harzburg führt ein Waldweg zur Rabenklippe, einem Felsvorsprung mit Blick auf den Brocken. Das ist die Tour, die ich Familien empfehle, die zum ersten Mal im Harz sind: forstwegbreit, gleichmäßig ansteigend, ohne Kletterstellen. Rechne mit gut zwei Stunden für kleine Beine, hin und zurück.
Der eigentliche Grund für Kinder ist das Luchsgehege direkt an der Klippe. Luchse sind faul und gut getarnt, deshalb sitzt man manchmal eine Weile, bevor man einen sieht. Es gibt feste Zeiten für Schaufütterungen, zu denen die Chancen deutlich besser stehen, die aktuellen Termine hängen vor Ort aus. Mit einem geländegängigen Kinderwagen kommt man den Forstweg hoch, mit einem Stadtbuggy wird es zäh.
Wurmberg bei Braunlage
Der Wurmberg über Braunlage ist der höchste Berg in Niedersachsen und der zweite Bergbahn-Kandidat im Harz. Eine Kabinenbahn bringt euch hinauf, oben führen breite Wege über die Kuppe, und an klaren Tagen liegt der Brocken direkt gegenüber. Für Familien ist das ein halber Tag ohne große Anstrengung.
Wer laufen will, geht von oben bergab nach Braunlage zurück, der Weg ist breit und eindeutig. Kleine Kinder schaffen das, wenn sie unterwegs Pausen bekommen. Prüfe die Betriebszeiten der Bahn im Herbst, zwischen Sommer- und Wintersaison gibt es Pausen, in denen nichts fährt.
Baumwipfelpfad Bad Harzburg
Am Fuß des Burgbergs in Bad Harzburg führt ein Baumwipfelpfad auf Stelzen durch den Kronenbereich des Waldes. Der Weg ist breit, hat ein Geländer und steigt sanft an, sodass Kinderwagen und müde Kinder gleichermaßen mitkommen. Unterwegs stehen Stationen zum Anfassen und Ausprobieren, und ein paar Abschnitte wackeln absichtlich.
Das ist der Plan B, wenn es seit zwei Tagen regnet und niemand mehr Lust auf Waldboden hat. Trocken wird man dort zwar auch nicht, aber der Pfad braucht keine Kondition, und mit Regenjacke ist er bei Nässe genauso gut wie bei Sonne. Direkt daneben bringt eine Seilbahn Besucher auf den Burgberg, was sich gut anhängen lässt.

Selketal: wandern und Bahnfahren im Wechsel
Wenn ihr länger bleibt, lohnt sich der Ostharz jenseits von Thale. Im Selketal fährt die Selketalbahn als Teil der Harzer Schmalspurbahnen durch ein ruhiges Tal, in dem sich Bahnfahren und Wandern beliebig kombinieren lassen. Ihr steigt an einem Haltepunkt aus, lauft am Fluss entlang zum nächsten und fahrt zurück. Für Familien ohne Auto ist das die entspannteste Art, im Harz zu wandern.
Ein letzter praktischer Punkt zur Ausrüstung: Im Harz regnet es häufiger als in vielen anderen deutschen Mittelgebirgen, und im Herbst hält sich die Feuchtigkeit den ganzen Tag. Wasserdichte Schuhe sind wichtiger als eine dicke Jacke, und ein Satz trockener Sachen im Auto erspart euch die Diskussion, ob man mit nassen Hosen noch essen gehen kann.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Harz
🏡 Familienunterkünfte in Harz
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Auf den Brocken mit der Schmalspurbahn hoch und zu Fuß nach Schierke oder Drei Annen Hohne absteigen, bergab laufen Kinder deutlich länger mit.
- Auf dem Brocken herrscht eigenes Wetter: Mütze und Handschuhe mitnehmen, auch wenn es im Tal mild ist.
- Im Herbst die dünneren Fahrpläne der Schmalspurbahnen prüfen, der letzte Zug talwärts lässt nicht mit sich reden.
- Steinstufen im Bodetal und Wurzelwege werden mit nassem Laub rutschig, Schuhe mit Profil sind hier Pflicht.
- Stirnlampe pro Person einpacken, im Wald wird es früher dunkel als auf offener Fläche.
Häufige Fragen
Welche Harz-Wanderung passt mit Kinderwagen?
Muss man mit Kindern zu Fuß auf den Brocken?
Ab welchem Alter ist das Bodetal machbar?
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