An den Triberger Wasserfällen haben wir eine Familie überholt, deren Sohn im Regencape stand und sich weigerte weiterzugehen. Nicht aus Angst, sondern weil er unbedingt sehen wollte, wo das Wasser die nächste Stufe hinunterfällt. Zwanzig Minuten später kam er an uns vorbei, komplett nass und bester Laune. Das ist ungefähr die Stimmung, die man im Schwarzwald mit Kindern hinbekommt, wenn man auf die richtigen Wege geht.
Der Schwarzwald liegt in Baden-Württemberg zwischen Rheintal und Schwäbischer Alb, und du kommst mit dem Auto über die A5 an die Westseite oder über die A81 an die Ostseite. Die Schwarzwaldbahn zwischen Offenburg, Triberg, Villingen und Konstanz fährt mitten hindurch, und viele Ferienorte haben eigene Bahnhöfe. In den meisten Gemeinden bekommst du mit der Übernachtung eine Gästekarte, mit der Busse und Bahnen in der Region frei nutzbar sind. Für Familien ohne Auto ist der Schwarzwald damit eines der einfachsten Wanderziele in Deutschland.

Herbst im Schwarzwald: was das für die Planung bedeutet
Der Schwarzwald ist im Oktober ein anderer Wald als im Juli. Die Buchen und Ahorne in den unteren Lagen färben sich, während oben um den Feldberg herum schon Raureif liegen kann. Das Wetter arbeitet gegen die Bequemen: morgens Nebel in den Tälern, mittags klare Luft, abends früh dunkel.
Wir planen im Herbst deshalb anders. Start am Vormittag, die Hauptstrecke vor dem Mittag, und ab drei Uhr keine neuen Ideen mehr. Eine Stirnlampe pro Person liegt trotzdem im Rucksack, weil sich Wege mit Kindern zuverlässig länger ziehen als gedacht. Nasses Laub auf Wurzeln ist die zweite Sache, die man ernst nehmen sollte, gerade an Schluchtwegen mit Stufen. Wasserdichte Schuhe mit ordentlichem Profil und trockene Wechselsachen im Auto lösen die meisten Herbstprobleme, bevor sie welche werden.
Triberger Wasserfälle
Die Wasserfälle in Triberg stürzen in mehreren Stufen durch eine bewaldete Schlucht, und ein ausgebauter Weg mit Geländern und Brücken führt daran entlang nach oben. Das ist der Klassiker im mittleren Schwarzwald, und er funktioniert bei Kindern jeden Alters, weil sich hinter jeder Kurve eine neue Stufe zeigt.
Es geht bergauf und über viele Stufen, ein Kinderwagen kommt nicht mit. Für Kleinkinder brauchst du eine Trage. Ab etwa vier Jahren laufen Kinder das gut selbst, wenn ihr euch Zeit lasst. Der Weg ist gebührenpflichtig, es gibt mehrere Eingänge auf unterschiedlichen Höhen, und wer eine kürzere Variante will, startet oben und geht bergab. Im Herbst ist der Wasserstand nach Regen höher als im Spätsommer, dann wird es entsprechend lauter und nasser.

Wutachschlucht im Südschwarzwald
Die Wutachschlucht zwischen Bonndorf und Blumberg ist die anspruchsvollste Wanderung in diesem Text, und ich sage das bewusst deutlich. Der Weg führt kilometerlang durch eine wilde Schlucht mit Holzstegen, Furten, Geröll und Abschnitten, die nach Hochwasser umgelegt oder gesperrt werden. Es gibt unterwegs kaum Möglichkeiten abzukürzen.
Mit Kindern unter etwa acht Jahren würde ich die klassischen Etappen nicht angehen. Für ältere Kinder, die schon längere Touren gelaufen sind, ist es dagegen ein echtes Erlebnis, weil sich hier wirklich etwas nach Wildnis anfühlt. Wichtig: Nimm eine der kurzen Varianten mit Ein- und Ausstieg an einem Parkplatz oder einer Bushaltestelle, informiere dich vorher über Sperrungen, und geh im Herbst nicht bei angekündigtem Dauerregen. Kinderwagen ist ausgeschlossen. Wanderbusse verbinden in der Saison mehrere Einstiege, das erspart euch den Rückweg zum Auto.
Feldberg in Teilstücken
Der Feldberg ist der höchste Berg im Schwarzwald, und der Feldbergsteig führt einmal um die Kuppe herum. Als Ganzes ist er für Familien mit kleineren Kindern zu lang, in Teilstücken funktioniert er gut. Vom Feldberger Hof oder von der Passhöhe aus lässt sich ein Abschnitt herausschneiden und als Hin- und Rückweg laufen.
Oben ist es offen, es weht fast immer, und im Herbst kann dort oben schon Winter herrschen, während unten am Titisee noch Sonne steht. Eine Sesselbahn nimmt euch die ersten Höhenmeter ab, wenn sie in Betrieb ist. Prüfe das vorher, zwischen den Saisons gibt es Pausen. Die Hauptwege sind breit und griffig, ein geländegängiger Wagen kommt auf den Abschnitten nahe der Bergstation zurecht, der eigentliche Steig ist dafür zu steinig. Im Naturschutzgebiet gilt Wegegebot, das solltest du den Kindern vorher erklären, bevor sie querfeldein losziehen.
Mummelsee an der Schwarzwaldhochstraße
Der Mummelsee liegt direkt an der Schwarzwaldhochstraße unterhalb der Hornisgrinde, und um ihn herum führt ein kurzer, weitgehend ebener Rundweg. Das ist eine der wenigen Runden im Schwarzwald, die auch mit Buggy und mit Dreijährigen problemlos klappen. Für zwischendurch reicht das völlig.
Wer mehr will, hängt den Aufstieg zur Hornisgrinde an, dem höchsten Berg im Nordschwarzwald. Der Weg dorthin ist eindeutig markiert und für Grundschulkinder zu schaffen, oben führt ein Bohlenweg über das Hochmoor. Das Moor ist im Herbst rostrot, und weil man auf Holz läuft, bleiben die Füße trocken. Der Parkplatz am See ist an Wochenenden schnell voll, früh da sein hilft.

Baumwipfelpfad Bad Wildbad
Über Bad Wildbad im Nordschwarzwald führt ein Baumwipfelpfad in den Kronenbereich eines Bergmischwaldes, mit einem Aussichtsturm am Ende, aus dem eine Rutsche nach unten führt. Die Rampe steigt gleichmäßig an, es gibt keine Stufen, Kinderwagen und Rollstühle kommen mit.
Für uns ist das die Schlechtwetter-Alternative im Norden, wenn im Wald alles trieft. Unterwegs liegen Balancierstationen und Netze, die Kinder aufhalten, und die Wartezeit an der Rutsche ist Teil des Programms. Eine Bergbahn fährt vom Ort auf die Höhe, das erspart den Anstieg. Wer noch Energie hat, läuft anschließend ein Stück auf den Wegen ringsum weiter, die Umgebung ist Nationalpark und entsprechend ruhig.
Wichtelpfad im Wald
Es gibt im Schwarzwald mehrere Themenwege, die auf Wichtel und Waldgeister setzen, unter anderem im Raum Bad Peterstal und Oppenau. Das Prinzip ist immer gleich: eine kurze Runde, unterwegs Figuren, Klappen und kleine Aufgaben. Für Kinder zwischen drei und acht ist das die beste Erfindung des Schwarzwalds, weil sie das Laufen komplett vergessen.
Die Runden sind meist unter einer Stunde und oft so angelegt, dass ein Buggy zumindest streckenweise mitkommt. Welche Pfade in der Nähe eurer Unterkunft liegen und wie sie im Herbst gepflegt sind, erfahrt ihr am besten in der örtlichen Tourist-Info. Auf alten Ausdrucken stehen manchmal Wege, die es so nicht mehr gibt, deshalb gilt vor Ort immer die Beschilderung.
Schluchsee und Titisee: Runden am Wasser
Rund um den Schluchsee führt ein Uferweg, der sich in Abschnitte zerlegen lässt. Große Teile davon sind breit und eben, gut für Kinderwagen und für Kinder, die noch nicht weit laufen. Der ganze See ist für Familien eine Tagesaufgabe, deshalb machen wir es andersherum: ein Stück am Ufer laufen, mit dem Schiff oder der Bahn zurück, fertig.
Am Titisee ist es voller und touristischer, der Rundweg dafür kurz und gut befestigt. Beide Seen liegen an der Dreiseenbahn beziehungsweise am Bahnnetz Richtung Freiburg, was Ausflüge ohne Auto einfach macht. Im Herbst liegt morgens oft Nebel über dem Wasser, der im Lauf des Vormittags aufreißt. Wer eine Stunde später losgeht, hat mehr Sicht und wärmere Finger.
Ravennaschlucht im Höllental
Ganz in der Nähe, zwischen Hinterzarten und Breitnau, führt ein Weg durch die Ravennaschlucht am Bach entlang nach oben. Es geht über Stufen und Holzbrücken, mehrfach wechselt der Weg die Seite, und über allem steht das steinerne Viadukt der Höllentalbahn. Wenn oben ein Zug darüberfährt, bleiben alle Kinder stehen.
Ab Grundschulalter ist das gut machbar, für kleinere Kinder ist die Trage die bessere Lösung. Kinderwagen geht nicht. Nach Regen sind die Stufen glitschig, also feste Schuhe. Praktisch ist, dass ihr mit der Bahn anreisen könnt und den Rückweg ins Tal nicht doppelt laufen müsst.

Was im Rucksack landet
Nach mehreren Herbsttagen im Schwarzwald hat sich bei uns ein festes Set eingespielt. Regenjacke für alle, auch wenn morgens die Sonne scheint, weil in den Tälern der Nebel jederzeit in Nieselregen kippt. Für jedes Kind eine Mütze, weil es oben am Feldberg und auf der Hochstraße spürbar kälter ist als im Tal. Und mehr Verpflegung, als vernünftig wirkt.
- Stirnlampe pro Person, unabhängig von der geplanten Länge
- Trockene Wechselsachen im Auto oder in der Unterkunft, nicht unterwegs im Rucksack
- Gästekarte griffbereit, sie gilt in vielen Orten für Busse und Bahnen
Zur Anreise noch ein Punkt, der im Herbst häufiger relevant wird, als man denkt: Die Schwarzwaldhochstraße und die Zufahrten zum Feldberg können bei früher Nässe und Kälte glatt werden. Wer aus dem Flachland kommt, sollte das im Kopf haben und die Wettermeldung für die Höhenlage lesen, nicht die für das Tal.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Gästekarte der Unterkunft mitnehmen: In vielen Schwarzwaldorten sind Busse und Bahnen damit frei nutzbar.
- Die Wutachschlucht erst ab etwa acht Jahren angehen und vorher auf Sperrungen prüfen, nach Hochwasser sind Abschnitte dicht.
- Wettermeldung für die Höhenlage lesen, nicht die fürs Tal. Am Feldberg kann Winter sein, während unten Sonne steht.
- Morgens liegt oft Nebel über den Seen. Eine Stunde später starten bringt mehr Sicht und wärmere Finger.
- Stirnlampe pro Person und feste Schuhe mit Profil: Nasses Laub auf Wurzeln und Stufen ist die häufigste Rutschursache im Herbst.
Häufige Fragen
Welche Schwarzwald-Wanderung geht mit Kinderwagen?
Ab welchem Alter passt die Wutachschlucht mit Kindern?
Kommt man ohne Auto in den Schwarzwald?
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