Auf der Basteibrücke stand vor uns ein Junge, vielleicht sechs, der seiner Mutter erklärte, dass hier früher Ritter gewohnt haben. Sie hat ihn nicht korrigiert. Zwischen den Sandsteintürmen, die neben der Brücke aus dem Wald ragen, klingt das auch plausibel. Genau deshalb funktioniert die Sächsische Schweiz mit Kindern so gut: Die Landschaft erzählt von allein eine Geschichte, für die man sich sonst etwas ausdenken müsste.
Bevor du planst, eine ehrliche Vorbemerkung. Wandern mit Kindern in der Sächsischen Schweiz heißt Stufen. Sehr viele Stufen, dazu Eisenleitern, enge Felsspalten und Geländer über Abgründen. Es gibt Wege, auf denen Kinderwagen fahren, aber sie sind die Ausnahme, und die bekanntesten Ziele gehören nicht dazu. Wer mit Kleinkind anreist, sollte eine Kraxe dabeihaben und die Tourenauswahl daran ausrichten.

Anreise ohne Flugzeug, und warum die S-Bahn hier der Trumpf ist
Die Sächsische Schweiz liegt in Sachsen, südöstlich von Dresden an der Elbe, direkt an der tschechischen Grenze. Mit dem Auto kommst du über die A17 oder die A4 nach Dresden und von dort ins Elbtal. Der eigentliche Vorteil ist aber die Bahn: Die S-Bahn fährt von Dresden entlang der Elbe über Rathen, Königstein und Bad Schandau, und fast alle großen Ziele liegen in Laufweite oder eine Fähre entfernt.
Das ändert das Wandern grundlegend. Ihr könnt an einem Bahnhof starten, an einem anderen aufhören und müsst nicht zum Auto zurücklaufen. Mit müden Kindern am Nachmittag ist das viel wert. Dazu kommt die Kirnitzschtalbahn, eine alte Straßenbahn, die von Bad Schandau ins Kirnitzschtal fährt und unterwegs an mehreren Wanderausgangspunkten hält. Kinder steigen dort freiwillig ein, weil eine Straßenbahn mitten im Wald schlicht falsch aussieht.
Herbst im Elbsandstein: das beste und das schwierigste Wetter
Im Oktober färbt sich der Laubwald zwischen den Felsen, und an den ersten kalten Morgen steht Nebel in den Gründen, während die Felsköpfe darüber in der Sonne liegen. Das ist der Grund, warum viele im Herbst herkommen. Der zweite Grund ist banaler: Im Sommer stauen sich die Besucher an der Bastei bis auf die Zufahrtsstraße, im Herbst geht es außerhalb der Ferienwoche entspannter zu.
Der Sandstein hat allerdings eine Eigenheit. Er nimmt Feuchtigkeit auf und trocknet langsam, und feuchter Sandstein ist rutschig, besonders auf Stufen und schrägen Platten. Dazu kommt nasses Laub, das in Rinnen und auf Treppen liegen bleibt. Nach Regentagen würde ich mit Kindern keine Leitern und keine Klettersteige angehen, sondern auf Talwege ausweichen.
Und plant das Licht ein. Zwischen den Felsen wird es früher dunkel als im offenen Gelände, in engen Gründen deutlich früher. Wir sind einmal im Kirnitzschtal in die Dämmerung gekommen und haben die Stirnlampen tatsächlich gebraucht. Seitdem steht die Regel: um drei kein neuer Aufstieg mehr.
Bastei und Basteibrücke
Die Bastei ist der bekannteste Punkt der Region, eine Felsformation hoch über der Elbe, verbunden durch eine Sandsteinbrücke zwischen den Türmen. Von den Aussichten schaut man auf den Fluss hinunter und in die Felsenwelt hinein. Kinder sind hier zuverlässig ruhig, weil so etwas in keinem Bilderbuch vorkommt.
Der einfachste Zugang führt vom oberen Parkplatz auf breitem Weg zur Brücke, das ist ein kurzes Stück und mit einem robusten Kinderwagen machbar. Alle anderen Varianten sind es nicht: Der Aufstieg aus dem Elbtal von Rathen führt über hunderte Stufen, die Felsenburg Neurathen dahinter über Stege und schmale Passagen. Wer mit der S-Bahn kommt, nimmt die Fähre über die Elbe nach Rathen und steigt zu Fuß hoch, was sportlich, aber für Grundschulkinder machbar ist.

Kurort Rathen und die Felsenbühne
Rathen ist autofrei, was mit Kindern angenehmer ist, als es klingt. Ihr kommt mit der S-Bahn ans andere Elbufer und setzt mit der Gierseilfähre über, die ohne Motor allein durch die Strömung fährt. Für Kinder ist die Überfahrt bereits ein Programmpunkt.
Im Ort selbst geht es flach am Wasser entlang, es gibt Spielmöglichkeiten und Wiesen, und der Amselgrund führt ohne große Steigung ins Tal hinein bis zum Amselsee, auf dem im Sommer Ruderboote fahren. Diese Talwege sind der Teil der Sächsischen Schweiz, der mit kleineren Kindern und teilweise sogar mit Wagen funktioniert. Sobald ihr Richtung Bastei abbiegt, fangen die Treppen an.
Schrammsteine: erst für größere Kinder
Die Schrammsteine bei Bad Schandau sind die Tour, bei der ich am deutlichsten abrate, wenn die Kinder noch klein sind. Der Aufstieg auf die Schrammsteinaussicht führt durch enge Felsspalten, über Eisenleitern und schmale Stufen, an denen man sich am Geländer festhält. Oben ist es luftig, ausgesetzt und schmal.
Ab etwa zehn Jahren, mit trittsicheren Kindern und bei trockenem Wetter, ist das ein großartiger Tag. Darunter würde ich es lassen, und mit Höhenangst in der Familie ebenfalls. Eine Kraxe auf dem Rücken ist auf diesen Leitern keine gute Idee, weil sich das Gewicht in den Spalten gegen dich arbeitet. Wenn ihr in der Ecke seid und die Schrammsteine ausfallen, bleibt der Weg am Fuß der Felsen, der flach durch den Wald führt.
Kirnitzschtal mit der alten Straßenbahn
Von Bad Schandau fährt die Kirnitzschtalbahn ins Tal der Kirnitzsch hinein, eine schmale Straßenbahn mit Holzbänken, die seit über hundert Jahren dieselbe Strecke bedient. Sie hält an mehreren Punkten, an denen Wanderwege abgehen, und endet am Lichtenhainer Wasserfall. Der wird oben aufgestaut und in Abständen abgelassen, sodass eine Weile nichts passiert und dann alles auf einmal.
Für Familien ist das Tal die entspannte Seite der Sächsischen Schweiz. Der Weg an der Kirnitzsch entlang ist flach, breit und schattig, mit vielen Stellen zum Steinestapeln am Wasser. Mit Kinderwagen kommt man auf den Hauptwegen gut zurecht, solange ihr unten im Tal bleibt. Praktisch ist die Kombination aus Hinfahrt mit der Bahn und Rückweg zu Fuß, oder umgekehrt, wenn die Stimmung kippt.

Kuhstall und die Himmelsleiter
Der Kuhstall im hinteren Teil der Region ist das zweitgrößte Felsentor im Elbsandstein, ein breiter Durchgang mitten im Fels, durch den man hindurchläuft. Der Aufstieg dorthin startet an der Kirnitzschtalstraße und geht auf einem gestuften Waldweg bergauf. Das ist anstrengend, aber unkompliziert und ab etwa sechs Jahren machbar.
Hinter dem Felsentor führt die Himmelsleiter durch eine enge Spalte weiter nach oben, eine steile Treppe zwischen zwei Felswänden. Kinder finden das großartig, Erwachsene mit Rucksack finden es eng. Bei Gegenverkehr wartet man unten, oben ist kein Platz zum Ausweichen. Der Weg zur Kirnitzschtalbahn zurück lässt sich gut mit der Straßenbahn kombinieren, dann muss niemand denselben Weg zweimal gehen.

Festung Königstein
Die Festung Königstein liegt auf einem Tafelberg über der Elbe und ist die Adresse für den Tag, an dem es regnet oder an dem die Beine streiken. Oben steht ein komplettes Festungsgelände mit Mauern, Kanonen, Kasematten und einem sehr tiefen Brunnen, an dem Kindern erklärt wird, wie lange ein Stein bis unten braucht.
Das Gelände oben ist weitläufig und größtenteils eben, mit Wagen kommt man dort zurecht. Der Aufstieg vom Parkplatz ist die Frage: Es gibt einen steilen Weg und einen Schrägaufzug, der die Höhenmeter übernimmt. Mit der S-Bahn bis Königstein und dem Bus zur Festung geht es ebenfalls. Für Kinder ab etwa fünf ist das ein voller Tag, ältere Kinder halten hier problemlos einen ganzen Nachmittag durch.
Malerweg in Etappen
Der Malerweg ist der bekannteste Weitwanderweg der Region und führt in mehreren Etappen durch das Elbsandsteingebirge. Als Ganzes ist er für Familien nichts, einzelne Etappen dagegen schon, wenn ihr sie euch richtig aussucht. Die Abschnitte unterscheiden sich stark: Manche verlaufen über breite Waldwege, andere über Leitern und Stiegen.
Wir gehen es so an, dass wir eine Etappe zwischen zwei Bahnhöfen oder Bushaltestellen aussuchen und die Beschreibung vorher genau lesen, statt uns auf die Etappennummer zu verlassen. Wenn in der Wegbeschreibung Stiegen und Leitern auftauchen, ist das mit Kindern unter acht Jahren eine andere Tour als beschrieben. Die aktuelle Wegführung und Sperrungen stehen an den Tafeln vor Ort, im Nationalpark ändert sich nach Sturm oder Waldbrand gelegentlich etwas.
Was mit in den Rucksack gehört
Für den Herbst im Elbsandstein hat sich bei uns eine kurze Liste bewährt, an der ich nicht mehr rüttele.
- Wasserdichte Schuhe mit ordentlichem Profil, auf feuchtem Sandstein zählt jeder Millimeter Sohle
- Stirnlampe pro Person, in den engen Gründen wird es früh dunkel
- Handschuhe für die Kinder, weil die Eisengeländer an kalten Tagen unangenehm werden
Und ein Hinweis, den man in den Wanderführern selten so direkt liest: Der Nationalpark ist streng geschützt, das Klettern in den Felsen ist Kletterern mit Erfahrung vorbehalten, und abseits der markierten Wege gilt vielerorts ein Wegegebot. Erkläre das den Kindern vorher, dann müsst ihr oben nicht diskutieren, warum ausgerechnet dieser Felsen tabu ist.
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🏡 Familienunterkünfte in Sächsische Schweiz
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Mit der S-Bahn ab Dresden anreisen: Ihr könnt an einem Bahnhof starten, an einem anderen aufhören und müsst nicht zum Auto zurücklaufen.
- Feuchter Sandstein ist rutschig. Nach Regentagen keine Leitern und Stiegen mit Kindern angehen, sondern auf Talwege ausweichen.
- Kinderwagen kommt nur auf wenigen Wegen mit, etwa im Kirnitzschtal, im Amselgrund und oben auf der Festung. Für Kleinkinder ist die Kraxe die bessere Lösung.
- In den engen Gründen wird es früh dunkel: Stirnlampe pro Person einpacken und ab dem Nachmittag keinen neuen Aufstieg mehr beginnen.
- Handschuhe mitnehmen, die Eisengeländer und Leitersprossen sind an kalten Herbsttagen unangenehm kalt.
Häufige Fragen
Ist die Sächsische Schweiz kinderwagentauglich?
Ab welchem Alter sind die Schrammsteine machbar?
Kann man den Malerweg mit Kindern gehen?
Beliebte Ziele für den Herbsturlaub
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