Es gibt in Bayern diesen einen Moment, den du mit Kindern kennst, wenn du einmal dort warst: Ihr steht auf einem Marktplatz zwischen rot-weiß gestreiften Standdächern, es riecht nach gebrannten Mandeln, und dein Kind zieht dich am Ärmel in genau die Richtung, in der sich etwas dreht. Nicht zum Krippenstand, nicht zur Holzschnitzerei. Zum Karussell. Das ist mit vier Jahren die einzige relevante Sortierung eines Weihnachtsmarkts.
Bayern macht es Familien insofern leicht, als hier ungewöhnlich viele Märkte einen eigenen Kinderteil haben oder in Städten liegen, in denen es noch etwas anderes zu tun gibt, wenn die Finger kalt werden. Und die Wege dazwischen sind kurz genug, dass ihr mit der Bahn hinkommt, ohne einen halben Tag zu verlieren.

Nürnberg: der Markt mit eigenem Kindermarkt
Der Christkindlesmarkt auf dem Hauptmarkt ist der bekannteste Weihnachtsmarkt des Landes und entsprechend voll. Das Christkind spricht zur Eröffnung vom Balkon der Frauenkirche, die Buden stehen dicht, und mit einem Kinderwagen kommt ihr an den Abenden schlicht nicht durch. Trotzdem steht Nürnberg für Familien ganz oben, und der Grund liegt zwei Gassen weiter.
Auf dem Hans-Sachs-Platz gibt es die Kinderweihnacht, einen eigenen kleinen Markt für Kinder mit historischen Karussells, einem Riesenrad in Kindergröße, einer Backstube zum Mitmachen und Ständen, die nicht auf erwachsene Käufer zielen. Ihr müsst also auf dem Hauptmarkt gar nicht erst nach Kinderprogramm suchen. Praktisch heißt das: erst Kinderweihnacht, dann kurz über den großen Markt, dann Schluss. In dieser Reihenfolge funktioniert der Nachmittag.
Essbar ist in Nürnberg vieles, was Kinder mögen: die kleinen Rostbratwürste im Weckla sind die richtige Portionsgröße für einen Sechsjährigen, und Lebkuchen gibt es an fast jedem zweiten Stand. Die Zwetschgenmännle aus getrockneten Pflaumen sind dagegen eher Dekoration als Essen, das solltet ihr vorher sagen, sonst gibt es eine Enttäuschung am Stand.
Vom Hauptbahnhof sind es wenige Minuten zu Fuß in die Altstadt. Nürnberg ist das Beispiel dafür, warum die Bahn im Advent die vernünftigere Anreise ist. Die Parkhäuser rund um die Altstadt melden an Adventswochenenden regelmäßig voll, und ihr steht im Zweifel eine halbe Stunde in der Zufahrt, bevor der Ausflug überhaupt begonnen hat.
München: Marienplatz, Tollwood und ein Dach über dem Kopf
Der Christkindlmarkt am Marienplatz liegt unter dem großen Christbaum vor dem Rathaus, und er ist genau das, was ihr von einer Millionenstadt erwartet: schön anzusehen und sehr voll. Für Kinder interessanter ist der Kripperlmarkt in der Fußgängerzone gleich nebenan, auf dem es fast nur um Krippen und Krippenfiguren geht. Kinder, die zu Hause selbst eine aufbauen, stehen dort erstaunlich lange und suchen Schafe aus.
Die Alternative im Winter ist das Tollwood auf der Theresienwiese. Das ist kein klassischer Weihnachtsmarkt, sondern ein Festival in großen beheizten Zelten, mit Kunsthandwerk, Essen aus aller Welt und einem Programm aus Theater, Zirkus und Musik. Der entscheidende Punkt für Familien: Es ist drinnen. Wenn draußen Nieselregen bei drei Grad fällt, ist das der Unterschied zwischen Abbruch und Abend.
Und wenn gar nichts mehr geht, hat München mehr Aufwärm-Optionen als jede andere Stadt in Bayern. Am Stachus wird im Winter eine Eisbahn aufgebaut, und für einen richtig verregneten Tag ist ein Museumsbesuch der bessere Plan als ein zweiter Markt.
Rothenburg ob der Tauber: der Reiterlesmarkt
Rothenburg in Mittelfranken ist die Kulisse, die sich viele beim Wort Weihnachtsmarkt vorstellen, und ausnahmsweise stimmt das. Der Reiterlesmarkt steht auf dem Marktplatz in der Altstadt, das namensgebende Reiterle gehört zu den alten Winterfiguren der Region. Der Markt selbst ist überschaubar groß, was mit kleinen Kindern eher ein Vorteil ist.
Für Kinder ist die Stadt drumherum fast wichtiger als der Markt: die begehbare Stadtmauer, das ganzjährige Weihnachtsdorf mit dem angeschlossenen Museum, die Nachtwächterführung durch die Gassen. Rechnet allerdings damit, dass Rothenburg an Adventswochenenden von Reisegruppen voll ist. Unter der Woche ist es eine andere Stadt. Mit der Bahn kommt ihr über einen Umstieg in Steinach hin, das Zusteigen dort ist eng getaktet, plant lieber eine Verbindung mit Puffer.

Regensburg: Schlossmarkt und Altstadt
Regensburg hat gleich mehrere Märkte in Gehweite. Der bekannteste liegt im Hof von Schloss Thurn und Taxis, ist als Romantischer Weihnachtsmarkt aufgezogen und kostet Eintritt. Dafür bekommt ihr Feuerkörbe, Kunsthandwerk und eine Kulisse, die Kinder auch dann anschauen, wenn sie sich für Krippenfiguren nicht interessieren. Der Markt ist eng, an vollen Abenden schiebt es sich zwischen den Ständen.
Entspannter sind die Märkte in der Altstadt, etwa am Neupfarrplatz. Regensburgs Altstadt ist klein und autofrei genug, dass ihr mit Kindern zu Fuß von einem Platz zum nächsten kommt. Vom Hauptbahnhof läuft ihr in wenigen Minuten hinein, was in der Adventszeit den Ausschlag gegen das Auto gibt.
Bamberg und der Krippenweg
Der Bamberger Weihnachtsmarkt steht am Maxplatz vor dem Rathaus und ist ein solider Stadtmarkt ohne große Extras. Die Besonderheit ist etwas anderes: der Krippenweg. In der Adventszeit stehen in Kirchen, Höfen und Schaufenstern der Altstadt Dutzende Krippen, und ihr lauft sie ab wie eine Schnitzeljagd.
Für Kinder ab etwa fünf funktioniert das gut, weil es eine Aufgabe gibt und weil ihr euch dabei bewegt, statt an einem Platz zu frieren. Der Weg führt durch die Altstadt und über den Berg zum Dom, das sind ordentliche Steigungen. Mit Buggy ist das machbar, aber anstrengend.
Augsburg: das Engelesspiel
Augsburgs Christkindlesmarkt am Rathausplatz hat einen Programmpunkt, der für Kinder tatsächlich funktioniert: das Engelesspiel. In den Fenstern der Rathausfassade erscheinen Engel, dazu Musik, und für ein paar Minuten schaut der ganze Platz nach oben. Das findet mehrmals pro Woche zu festen Zeiten statt, die jedes Jahr neu festgelegt werden. Schaut vorher nach, sonst steht ihr eine Stunde zu früh oder zwanzig Minuten zu spät da.
Augsburg hat außerdem die Puppenkiste, und eine Vorstellung am Nachmittag lässt sich mit dem Markt am Abend gut verbinden. Karten dafür sind in der Adventszeit früh weg, das ist der Teil, den man rechtzeitig regeln muss.
Passau: Markt vor dem Dom
In Passau steht der Christkindlmarkt auf dem Domplatz direkt vor St. Stephan. Die Stadt ist klein, die Altstadt liegt zwischen den Flüssen, und ihr habt vom Bahnhof aus einen kurzen Weg. Der Markt ist kein Riese, sondern ein ruhiger Stadtmarkt, und genau deshalb geht er mit kleinen Kindern besser auf als die großen Plätze.
Im Dom gibt es eine sehr große Orgel, und Orgelmusik ist für Kinder eine seltsame und meistens sehr eindrückliche Erfahrung. Zugleich ist die Kirche ein warmer Raum mitten im Markt, was den Nachmittag verlängert.

Der richtige Zeitpunkt schlägt den richtigen Markt
Wenn ihr euch zwischen zwei bayerischen Märkten nicht entscheiden könnt, ist das die falsche Frage. Wichtiger ist, wann ihr hingeht. Der frühe Nachmittag unter der Woche ist mit Kindern jedem Adventssamstag überlegen, und zwar bei jedem einzelnen Markt in dieser Liste. Zur Dämmerung wirken die Lichter, und der große Andrang setzt erst danach ein.
Zum Kinderwagen: Auf dem Nürnberger Hauptmarkt, am Marienplatz in München und im Schlosshof in Regensburg ist ein Buggy am Abend eher Ballast als Hilfe. Kinder unter drei tragt ihr in diesen Situationen besser. Auf den kleineren Märkten in Passau, Bamberg oder in den Alpenorten ist das entspannter, dort ist Platz zwischen den Buden.
Und plant von vornherein einen warmen Raum ein. In den bayerischen Altstädten sind das meistens die Kirchen, die in der Adventszeit offen sind und in denen niemand schief guckt, wenn ihr euch zehn Minuten in eine Bank setzt. Danach halten die Kinder noch einmal eine Runde durch. Ohne diese Pause ist bei den meisten nach knapp zwei Stunden Schluss, egal wie gut der Markt ist.
Advent auf dem Bauernhof und Bergweihnacht
Abseits der Städte gibt es zwei Formate, die für Familien oft besser passen als jeder Innenstadtmarkt. Das eine ist der Adventsmarkt auf dem Bauernhof: Viele Höfe in Bayern öffnen an ein oder zwei Adventswochenenden, mit Tieren im Stall, Kerzenziehen, Ponyrunden und einem Feuer im Hof. Es gibt Platz, die Kinder dürfen sich bewegen, und niemand schiebt euch an.
Das andere ist die Bergweihnacht in den Alpenorten im Süden, etwa im Berchtesgadener Land, im Werdenfelser Land oder im Allgäu. Kleine Märkte, Hüttenzauber, oft Fackeln und Bläser. Die Anreise geht per Auto, in vielen Orten aber auch mit der Bahn bis in den Ort hinein.
Ein Hinweis, der in Reiseprospekten selten steht: In den Alpenregionen Bayerns gehören Perchten- und Krampusläufe zum Advent. Verkleidete Gestalten mit Masken, Fellen und Glocken ziehen laut durch die Orte. Ältere Kinder finden das grandios, für Vier- oder Fünfjährige ist es oft schlicht zu viel. Fragt vorher nach, ob im Ort an dem Abend so ein Umzug stattfindet, und entscheidet dann bewusst, ob ihr dabei sein wollt oder lieber nicht.

Beliebte Familien-Aktivitäten in Bayern
🏡 Familienunterkünfte in Bayern
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- In Nürnberg zuerst auf die Kinderweihnacht am Hans-Sachs-Platz, danach kurz über den Hauptmarkt. In dieser Reihenfolge hält die Laune bis zum Schluss.
- Für München bei nassem Wetter das Tollwood auf der Theresienwiese einplanen. Die großen Zelte sind beheizt und retten einen Abend, an dem draußen nichts geht.
- In den Alpenorten vorher fragen, ob am Besuchsabend ein Perchten- oder Krampuslauf stattfindet. Für Kinder unter sechs ist das oft zu laut und zu unheimlich.
- Das Engelesspiel am Augsburger Rathaus läuft zu festen Zeiten, die jedes Jahr neu festgelegt werden. Die aktuellen Zeiten stehen auf der Seite der Stadt.
- Nach Rothenburg fährt die Bahn mit Umstieg in Steinach. Der Anschluss ist knapp getaktet, plant lieber eine Verbindung mit Puffer statt der schnellsten.
Häufige Fragen
Welcher Weihnachtsmarkt in Bayern ist am besten für kleine Kinder?
Lohnt sich der Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis mit Kindern?
Bahn oder Auto zu den bayerischen Weihnachtsmärkten?
Was macht man in Bayern, wenn es den Kindern zu kalt wird?
Beliebte Ziele für den Winterurlaub
Wetter, Unterkünfte und Ausflugsziele je Region, aus unserer Buchungssuche.
Bereit für den nächsten Familienurlaub?
Finde Familienhotels mit Spielplatz, Supermarkt und Eisdiele in der Nähe — mit dem Umkreis-Check.
Jetzt Familienhotels finden →




