Auf meinem ersten Adventmarkt in Wien habe ich zwei Dinge falsch gemacht. Ich habe abends um sieben angefangen, und ich habe den Kinderwagen mitgenommen. Nach vierzig Minuten stand ich mit einem quengelnden Kind zwischen Menschen, die alle einen Punsch in der Hand hielten, und habe mich gefragt, warum ich das nicht vorher durchdacht hatte. Beim zweiten Anlauf sind wir mittags mit dem Zug angekommen, waren um drei am Rathausplatz und um sechs im Hotel. Das Kind hat vom selben Markt geschwärmt.
Österreich nennt seine Weihnachtsmärkte Adventmärkte oder Christkindlmärkte, und viele davon sind stärker auf Familien ausgerichtet, als das Wort Punschstand vermuten lässt. Es gibt Eisflächen, Bastelwerkstätten, Ponys und in Innsbruck sogar einen Markt, zu dem du mit einer Bergbahn hinauffährst. Die Anreise geht komplett ohne Flugzeug, mit dem Auto oder, aus meiner Sicht meistens besser, mit der Bahn.

Wien: der Rathausplatz und die kleineren Märkte
Der Christkindlmarkt am Rathausplatz ist der größte und der bekannteste in der Stadt. Für Familien zählt vor allem, was im Rathauspark dahinter passiert: Dort gibt es eine Eisfläche zum Laufen zwischen den Bäumen und im Rathaus selbst eine Werkstatt, in der Kinder basteln und backen dürfen. Damit hat der Markt zwei Programmpunkte, die auch ein Sechsjähriger nach einer Stunde noch spannend findet.
Der Markt ist allerdings groß, hell und laut. Wenn ihr am Wochenende abends kommt, steht ihr im Strom. Der frühe Nachmittag ist die Zeit, in der ihr euch dort noch bewegen könnt.
Wien hat außerdem eine Reihe kleinerer Märkte, die sich für unterschiedliche Familien unterschiedlich gut eignen. Am Karlsplatz steht ein ruhigerer Markt mit Kunsthandwerk und eigenem Kinderprogramm. Der Spittelberg im siebten Bezirk ist der schönste und gleichzeitig der ungeeignetste für Kinderwagen, weil die Buden in schmalen Gassen zwischen Altbauten stehen und es sich dort in Einbahnstraßenmanier schiebt. Mit einer Trage oder mit größeren Kindern ist er dafür ein Erlebnis.
Wer es traditioneller mag, findet auf der Freyung und Am Hof in der Innenstadt zwei ältere Märkte, die dichter an Handwerk und Krippen sind und weniger an Beleuchtungseffekten. Für Kinder ist dort weniger los, dafür sind die Wege kurz und ihr steht nicht im Gedränge. Alle diese Plätze liegen so nah beieinander, dass ihr zwei Märkte an einem Nachmittag schafft, ohne dass jemand quer durch die Stadt geschleppt wird.
Schönbrunn: Markt und Zoo an einem Tag
Vor dem Schloss Schönbrunn steht ein eigener Adventmarkt, und der große Vorteil liegt gleich nebenan: Der Tiergarten Schönbrunn ist der älteste Zoo der Welt und hat ganzjährig geöffnet. Für einen Tag im Advent ist das eine gute Kombination, weil ihr den Vormittag bei den Tieren verbringt, mittags in einem der Tierhäuser aufwärmt und nachmittags über den Markt geht, wenn die Lichter angehen.
Die Wege in Schönbrunn sind lang, der Park ist weitläufig, und im Winter ist der Wind auf den offenen Flächen ein Thema. Rechnet einen Puffer für müde Beine ein, gerade wenn ihr mit Kindern unter sechs unterwegs seid.
Salzburg: Christkindlmarkt und Hellbrunn
Der Salzburger Christkindlmarkt liegt auf dem Dom- und Residenzplatz, mitten in der Altstadt und damit sehr kompakt. Für Kinder ist das gut, weil die Wege kurz sind, und schwierig, weil es sich in der Altstadt an Adventwochenenden staut. Zum Markt gehört das Turmblasen von der Festung und der Residenz herunter, was Kinder erstaunlich still werden lässt.
Der Markt für Familien liegt aber ein Stück außerhalb: der Adventzauber bei Schloss Hellbrunn. Dort hängt ein großer Adventkalender an der Schlossfassade, es gibt eine Krippenausstellung, Tiere zum Anschauen und ein Programm, das ausdrücklich für Kinder gemacht ist. Der Vorteil gegenüber der Altstadt ist der Platz. Die Wasserspiele, für die Hellbrunn im Sommer bekannt ist, sind im Winter außer Betrieb, das solltet ihr den Kindern vorher sagen.
Zur Festung Hohensalzburg fährt eine Standseilbahn hinauf, oben gibt es einen kleinen Markt und vor allem Innenräume. Bei Regen oder Schneematsch ist das eine der besseren Ausweichmöglichkeiten in Salzburg.
Innsbruck: Riesenrad unten, Markt oben
Innsbruck in Tirol verteilt seine Märkte über die Stadt und den Berg. In der Altstadt steht der traditionelle Markt am Goldenen Dachl mit Handwerk und Riesenfiguren aus Märchen an den Hauswänden. Der Familienmarkt ist der auf dem Marktplatz an der Inn-Seite: Dort gibt es ein Riesenrad, ein Kinderkarussell und deutlich mehr Bewegungsfreiheit als in den engen Altstadtgassen.
Der Punkt, der Innsbruck von allen anderen Städten in dieser Liste unterscheidet, liegt oberhalb der Stadt. Mit der Bahn zur Hungerburg fahrt ihr in wenigen Minuten aus der Innenstadt hinauf zu einem kleinen Bergweihnachtsmarkt mit Blick auf die Dächer. Für Kinder ist schon die Fahrt das Ereignis. Auch am Bergisel bei der Sprungschanze gibt es in der Adventzeit einen Markt.
Zieht euch für die Höhenlagen wärmer an, als es unten in der Stadt nötig wäre. Der Unterschied zwischen Innenstadt und Berg sind schnell ein paar Grad und ein zusätzlicher Wind.

Graz: die Grottenbahn im Berg
Graz in der Steiermark hat mehrere Adventmärkte in der Innenstadt, den größten am Hauptplatz vor dem Rathaus. Bekannt ist die Stadt für die Eiskrippe, eine Krippe aus Eisblöcken, die jedes Jahr neu geschlagen wird und im Hof des Landhauses steht. Für Kinder ist die interessant, aber kurz.
Der eigentliche Grund, im Advent mit Kindern nach Graz zu fahren, steckt im Schlossberg. Dort fährt eine Grottenbahn durch den Berg an beleuchteten Märchenszenen vorbei. Das ist warm, das ist drinnen, und das begeistert Kinder etwa zwischen drei und neun zuverlässig. Auf den Berg kommt ihr mit der Schlossbergbahn oder mit einem Lift im Felsen, beides ist mit Kinderwagen machbar.
Salzkammergut: Advent am See
Rund um Hallstatt und die Seen in Oberösterreich läuft der Advent in kleinerem Maßstab. Hallstatt selbst hat nur an einzelnen Wochenenden einen Markt, der Ort ist eng und ohnehin stark besucht, mit Kinderwagen ist das kein Vergnügen. Interessanter sind die Nachbarorte am Wolfgangsee und am Traunsee.
Dort fahren im Advent Schiffe über den See, teilweise mit Programm an Bord und mit Halt an mehreren Orten mit Marktständen. Für Kinder ist eine Schifffahrt in der Dämmerung etwas anderes als der zwanzigste Punschstand, und drinnen im Schiff ist es warm. Welche Schiffe an welchen Tagen fahren, entscheidet sich jedes Jahr neu und steht auf den Seiten der Schifffahrtsbetriebe.

Anreise: warum die Bahn hier meistens gewinnt
Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz haben alle einen Hauptbahnhof in Innenstadtnähe und ein Netz aus Straßenbahnen und Bussen, das euch bis vor den Markt bringt. In allen vier Städten ist Parken im Advent teuer, knapp und nervenaufreibend. Aus Süddeutschland sind Salzburg und Innsbruck mit dem Zug schnell erreicht, nach Wien und Graz gibt es Nachtzüge aus mehreren deutschen Städten.
Der Nachtzug ist mit Kindern eine eigene Rechnung. Im Liegewagen ist es eng und der Schlaf ist meist mäßig, dafür verliert ihr keinen Reisetag und die Fahrt selbst ist für viele Kinder der Höhepunkt der ganzen Reise. Bei einem verlängerten Wochenende geht die Rechnung häufig auf.
Wer mit dem Auto in die Alpenorte fährt, braucht die Vignette für die Autobahnen, und für einige Strecken kommt eine gesonderte Maut dazu. Winterausrüstung am Fahrzeug ist in der kalten Jahreszeit vorgeschrieben. Beides sind Dinge, die man an der Grenze nicht mehr entspannt regelt.
Was in Österreich anders läuft als in Deutschland
Zwei Punkte fallen mit Kindern sofort auf. Erstens gibt es auf fast jedem Markt Kinderpunsch, und zwar im gleichen Häferl wie bei den Erwachsenen, meistens mit Pfand. Sammelt die Becher nicht ein, sondern gebt sie zurück, sonst tragt ihr am Ende des Abends vier Tassen durch die Gegend.
Zweitens gehören in weiten Teilen Österreichs Krampus- und Perchtenläufe zum Advent. Verkleidete Gestalten mit Masken, Fellen und Glocken ziehen laut durch die Orte, in Salzburg und in Tirol besonders ausgeprägt. Für Zehnjährige ist das der Höhepunkt, für Vierjährige der Grund für drei unruhige Nächte. Fragt vor Ort nach, ob an eurem Abend ein Lauf stattfindet, und entscheidet bewusst.
Dazu kommt eine organisatorische Eigenheit: Viele österreichische Märkte laufen kürzer, als man denkt. Etliche der kleineren Adventmärkte im Salzkammergut und in den Bergorten öffnen nur an den Adventwochenenden, manche nur an einem einzigen. Die großen Stadtmärkte in Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz haben durchgehend auf, schließen aber teilweise schon vor dem Fest. Wenn ihr eine Unterkunft für ein bestimmtes Wochenende bucht, klärt vorher auf der Seite des Ortes, ob an diesen Tagen überhaupt Markt ist. Das ist der Fehler, der Familien am häufigsten passiert.

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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- In Wien den Rathausplatz am frühen Nachmittag ansteuern und die Bastelwerkstatt im Rathaus sowie die Eisfläche im Park mitnehmen. Abends steht ihr dort nur noch im Strom.
- In Salzburg ist der Adventzauber bei Schloss Hellbrunn der Markt für Familien, nicht die Altstadt. Dort gibt es Platz, Tiere und ein eigenes Kinderprogramm.
- In Innsbruck lohnt sich die Fahrt mit der Bergbahn zur Hungerburg. Zieht die Kinder für oben wärmer an, es ist mehrere Grad kälter als unten in der Stadt.
- Kleine Adventmärkte im Salzkammergut und in den Bergorten öffnen oft nur an einzelnen Adventwochenenden. Vor der Buchung auf der Seite des Ortes prüfen, ob überhaupt Markt ist.
- Mit dem Auto nach Österreich braucht ihr die Vignette und im Winter die vorgeschriebene Ausrüstung am Fahrzeug. Auf einzelnen Alpenstrecken kommt eine gesonderte Maut dazu.
Häufige Fragen
Welcher Weihnachtsmarkt in Österreich ist der beste für Kinder?
Kommt man ohne Flug zu den Adventmärkten in Österreich?
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