Der erste Weihnachtsmarkt, den unsere Tochter bewusst mitbekommen hat, war ein Reinfall. Wir waren an einem Samstag gegen sechs dort, sie saß im Buggy auf Kniehöhe zwischen fremden Mantelrücken, sah von den Lichtern ungefähr nichts und wollte nach zwanzig Minuten nur noch nach Hause. Ein Jahr später sind wir an einem Wochentag um halb vier hingefahren. Sie ist zweimal Karussell gefahren, hat Kinderpunsch getrunken, und um sechs saßen wir wieder im Zug. Gleicher Markt, völlig anderer Nachmittag.
Der Unterschied lag nicht am Markt. Er lag an der Uhrzeit und daran, dass wir beim zweiten Mal verstanden hatten, was ein Kind auf so einem Platz überhaupt davon hat. Erwachsene kommen wegen der Stimmung, wegen Glühwein und wegen der Stände. Kinder kommen wegen Dingen, die sich drehen, leuchten oder essbar sind. Wenn ein Markt davon genug bietet, funktioniert er für Familien. Wenn nicht, ist es ein Abend im Gedränge.

Was einen Markt kindertauglich macht
Es sind erstaunlich wenige Punkte, an denen sich entscheidet, ob ein Weihnachtsmarkt mit Kindern trägt. Ein Karussell ist der wichtigste. Fast jeder größere Markt hat eines, oft ein altes Holzkarussell mit Pferden, manchmal ein Doppelstockkarussell. Zwei Runden darauf sind für ein vierjähriges Kind mehr wert als der ganze Rest des Platzes.
Dazu kommen ein paar Kleinigkeiten, die im Programm selten prominent stehen, vor Ort aber den Ausschlag geben:
- ein Stand mit Kinderpunsch, damit nicht alle Erwachsenen einen Becher haben und das Kind nichts
- Sitzgelegenheiten oder wenigstens Stehtische, an denen ihr die Bratwurst nicht im Stehen und Schieben esst
- ein Märchenwald, ein Puppentheater oder eine Bastelstation, also etwas zum Anschauen, das länger als drei Minuten hält
- eine Toilette, die nicht am anderen Ende der Innenstadt liegt
Der letzte Punkt klingt banal, bis ihr ihn zum ersten Mal mit einem drängelnden Fünfjährigen im Gedränge löst. Auf großen Märkten gibt es meist eine bewirtschaftete Anlage, aber die Schlange davor kann lang sein. Prüft das gleich zu Beginn, nicht erst, wenn es eilt.
Beim Essen sind Weihnachtsmärkte für Kinder übrigens schwieriger, als sie aussehen. Vieles ist heiß, fettig oder wird im Stehen gegessen, und die Portionen sind auf Erwachsene ausgelegt. Wer ein wählerisches Kind dabei hat, sollte etwas in der Tasche haben, das sicher funktioniert. Der Kinderpunsch am Stand ist meistens auch nur heißer Saft, aber er wird im gleichen Becher ausgegeben wie der Glühwein der Eltern, und darum geht es an dem Abend.
Großer Markt oder kleiner Ortsmarkt
Die bekannten Namen sind bekannt, weil sie groß sind. Groß heißt: mehr Stände, mehr Programm, mehr Karussells, und mehr Menschen. Auf den großen Plätzen der Innenstädte steht ihr in der Adventszeit an den Abenden Schulter an Schulter. Ein Kinderwagen ist dort keine Hilfe mehr, sondern ein Hindernis, das ihr durch die Lücken schiebt und an dem andere hängen bleiben. Mit Kindern unter drei ist eine Trage in dieser Situation fast immer die bessere Wahl.
Kleine Ortsmärkte drehen das um. Weniger Auswahl, dafür Platz, kürzere Wege und oft Vereine statt Gastronomiebetrieben hinter den Ständen. Viele laufen nur an einem einzigen Adventswochenende, manche sogar nur einen Nachmittag lang. Das macht die Planung schwerer und den Besuch entspannter. Wer mit Kleinkindern unterwegs ist, fährt mit dem kleinen Markt im Nachbarort meistens besser als mit dem berühmten in der Großstadt.
Ein Mittelweg funktioniert auch: der große Markt, aber am frühen Nachmittag und unter der Woche. Am späten Nachmittag wird es dämmrig, die Lichter kommen zur Geltung, und der Feierabendandrang hat noch nicht eingesetzt. Diese zwei Stunden sind das Fenster, in dem große Märkte auch mit kleinen Kindern gut funktionieren.
Eine dritte Variante wird oft übersehen: Weihnachtsmärkte an Orten, die ohnehin für Kinder gemacht sind. Viele Zoos, Freilichtmuseen und Burgen richten in der Adventszeit eigene Märkte aus. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn das Gelände ist weitläufig, es gibt Wege statt Gassen, und wenn das Kind vom Markt genug hat, ist der Rest der Anlage noch da. Welche Häuser das machen und an welchen Tagen, wechselt jedes Jahr, das steht rechtzeitig auf deren eigenen Seiten.
Nürnberg: der eine Markt, der einen eigenen Kinderteil hat
Der Christkindlesmarkt auf dem Hauptmarkt in Nürnberg ist der Klassiker, und er ist entsprechend voll. Für Familien entscheidend ist, dass es ein paar Schritte weiter auf dem Hans-Sachs-Platz die Kinderweihnacht gibt, einen eigenen Markt für Kinder mit historischen Karussells, einem Riesenrad in Kindergröße und Mitmachstationen. Das nimmt dem Hauptplatz den Druck: Ihr müsst dort nicht das Kinderprogramm suchen, das gibt es nebenan.
Nürnberg ist außerdem der Ort, an dem sich die Bahnanreise am deutlichsten lohnt. Vom Hauptbahnhof sind es wenige Minuten zu Fuß durch die Altstadt, während die Parkhäuser im Advent regelmäßig voll gemeldet sind und ihr im Zweifel eine halbe Stunde im Kreis fahrt, bevor der Nachmittag überhaupt anfängt.

Dresden: Striezelmarkt und die Märkte drumherum
Der Striezelmarkt auf dem Altmarkt gilt als einer der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands. Für Kinder ist die riesige Stufenpyramide mit ihren geschnitzten Figuren der Anziehungspunkt, dazu kommen Karussell und Backwaren, an denen sich niemand vorbeischiebt. Dresden hat den Vorteil, dass mehrere Märkte fußläufig beieinanderliegen: der historische Markt im Stallhof, der Advent auf dem Neumarkt an der Frauenkirche und der etwas ruhigere Markt in der Neustadt.
Diese Dichte ist mit Kindern Gold wert. Wenn ein Platz zu voll ist, geht ihr weiter zum nächsten, statt den Nachmittag abzubrechen. Und die kurzen Wege dazwischen sind lang genug, damit alle wieder Luft bekommen.

Köln: viele kleine Märkte statt eines großen
Köln verteilt sein Weihnachtsprogramm auf mehrere Plätze in der Innenstadt. Der Markt am Dom ist der bekannteste und der vollste. Interessanter für Familien ist der Alte Markt, der sich um die Heinzelmännchen dreht und deutlich stärker auf Kinder ausgerichtet ist, sowie der Heumarkt gleich daneben, wo im Winter eine Eisbahn aufgebaut wird. Zwischen mehreren Standorten verkehrt eine kleine Bimmelbahn, was für müde Beine hilfreicher ist, als es klingt.
Der Kölner Hauptbahnhof liegt direkt am Dom. Wer aus dem Rheinland oder dem Ruhrgebiet anreist, sollte das Auto stehen lassen, die Innenstadt ist im Advent kein Ort zum Parkplatzsuchen.
Stuttgart und Esslingen: zwei Märkte, eine kurze Bahnfahrt
Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt hat auf dem Schlossplatz einen eigenen Bereich für Kinder mit Fahrgeschäften und einer Eisbahn, während der Hauptteil rund um das Alte Schloss aus den aufwendig dekorierten Standdächern besteht, für die die Stadt bekannt ist. Kinder ab etwa drei kommen damit gut zurecht, weil der Kinderteil abgetrennt ist und man ihn nicht durch das dichteste Gedränge erreicht.
Wenige Bahnminuten entfernt liegt Esslingen am Neckar mit seinem Mittelaltermarkt. Der ist zum Anfassen gebaut: Kerzen ziehen, Seile drehen, Bogenschießen, dazu Gaukler zwischen den Ständen. Für Kinder ab etwa fünf ist das oft der bessere Besuch, weil sie etwas tun statt zuzusehen. Beide Städte lassen sich an einem Tag verbinden, wenn ihr mit der S-Bahn unterwegs seid.

Lübeck, Bremen und der Norden
In Lübeck steht der Hauptmarkt vor dem Rathaus, und für Familien gibt es einen Märchenwald mit beweglichen Figuren, durch den kleine Kinder auch dann laufen, wenn sie vom Rest des Marktes nichts wissen wollen. Die Altstadt ist eine Insel und die Wege sind kurz, was den Besuch mit Kinderwagen erträglicher macht als in vielen Großstädten.
Bremen kombiniert den Markt auf dem Marktplatz mit dem Schlachte-Zauber direkt am Weserufer, der mittelalterlich aufgezogen ist, mit offenen Feuern und Handwerk. Beides liegt nah beieinander. Der Wind an der Weser ist im Winter allerdings ein Faktor, den man auf dem geschützten Marktplatz nicht ahnt.

Erzgebirge: die Region, in der Weihnachten Handwerk ist
In den Orten des Erzgebirges in Sachsen ist die Adventszeit kein Zusatzprogramm, sondern Teil der örtlichen Geschichte. Seiffen mit seinen Holzspielzeugwerkstätten, Annaberg-Buchholz und die kleineren Bergstädte haben Märkte, die von Schwibbögen, Pyramiden und geschnitzten Figuren geprägt sind. Dazu gibt es in der Adventszeit Bergparaden, bei denen Bergleute in historischen Uniformen durch die Orte ziehen. Für Kinder ist das etwas anderes als ein Karussell, aber es zieht sie sofort an.
Die Orte liegen weit auseinander und die Anbindung ist dünner als in den Großstädten. Hier ist das Auto die praktischere Wahl, und ihr solltet in den höheren Lagen mit Schnee und entsprechenden Straßenverhältnissen rechnen.
Kälte, Wartezeiten und wann ihr besser abbrecht
Zwei Stunden sind für die meisten Kinder unter sechs die Grenze. Danach ist das Interesse aufgebraucht, die Füße sind kalt und die Stimmung kippt schneller, als ihr den letzten Glühwein austrinken könnt. Plant den Besuch also lieber kurz und mit einem klaren Ende, statt so lange zu bleiben, bis es niemandem mehr Spaß macht.
Gegen die Kälte hilft weniger die dickste Jacke als eine Aufwärm-Option in Gehweite. Ein Café, eine Kirche, ein Kaufhaus, eine Markthalle. Zehn Minuten im Warmen setzen den Nachmittag zurück und ihr könnt noch einmal raus. Kinder, die im Buggy sitzen und sich nicht bewegen, frieren dabei deutlich früher als alle anderen, eine Decke über den Beinen ist wichtiger als die zweite Mütze.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Weihnachtsmarkt
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Geht am frühen Nachmittag hin, nicht abends. Zur Dämmerung wirken die Lichter schon, und der Feierabendandrang hat noch nicht eingesetzt.
- Mit Kindern unter drei ist eine Trage im Gedränge fast immer besser als der Kinderwagen. Zwischen den Buden kommt ihr damit durch, mit dem Buggy bleibt ihr stecken.
- Sucht euch gleich zu Beginn eine Aufwärm-Option in Gehweite. Ein Café, eine Kirche oder eine Markthalle setzen den Nachmittag nach zehn Minuten im Warmen zurück.
- Rechnet mit etwa zwei Stunden bei Kindern unter sechs. Plant ein klares Ende ein, statt zu bleiben, bis die Stimmung kippt.
- In den Innenstädten ist die Bahn im Advent klar die bessere Wahl. Parkhäuser sind an den Adventswochenenden regelmäßig voll, und die Suche frisst den halben Nachmittag.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter lohnt sich ein Weihnachtsmarkt mit Kindern?
Was macht einen Weihnachtsmarkt kinderfreundlich?
Großer Markt oder kleiner Ortsmarkt mit Kindern?
Wann sind Weihnachtsmärkte am vollsten?
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