Drei Märkte an einer Achse, und was sie voneinander unterscheidet
Nur fünf Märkte in Südtirol dürfen sich Original Südtiroler Christkindlmarkt nennen: Bozen, Meran, Brixen, Sterzing und Bruneck. Sie sind als Green Events zertifiziert, was sich für Besucher vor allem an Mehrweggeschirr, Mülltrennung und der guten Anbindung an Bus und Bahn bemerkbar macht. Drei davon liegen auf der Brennerachse hintereinander, und genau das macht sie für Familien aus Deutschland und Österreich interessant: Sterzing kommt zuerst, gut dreißig Kilometer weiter folgt Brixen, noch einmal rund vierzig Kilometer weiter liegt Bozen.
Der Zeitrahmen ist bei allen ähnlich. Die Südtiroler Märkte öffnen üblicherweise in der letzten Novemberwoche und schließen um den 6. Januar herum, am 25. Dezember bleiben sie ganz oder teilweise zu. Die exakten Daten werden jedes Jahr neu festgelegt und sollten vor der Buchung geprüft werden, wer im Januar anreist, findet die Stände teils schon im Abbau.

Bozen: großer Markt am Waltherplatz, zweiter Markt für die Kinder
Der Bozner Christkindlmarkt steht auf dem Waltherplatz, rund achtzig Aussteller, dicht gestellt, mit dem Dom als Kulisse. Für Kinder gibt es dort ein Karussell, eine elektrische Kleinbahn, ein Marionettentheater und Stände, an denen sie basteln oder Kekse backen dürfen. Der zweite Teil, den viele Tagesbesucher übersehen, liegt im Kapuzinerpark: ein Weihnachtspark mit Karussell und Ponyreiten, deutlich luftiger als der Hauptplatz und für Kinder unter fünf die bessere Adresse.
Bozen ist die Stadt der drei, in der es am schnellsten eng wird. Der Waltherplatz ist groß, die Lauben drumherum sind es nicht, und ein Kinderwagen wird dort an einem Samstagnachmittag zum Ärgernis. Wer anreist, sollte deshalb ernsthaft über den Zug nachdenken: Vom Bozner Bahnhof sind es wenige Gehminuten bis zum Waltherplatz, und man spart sich die Parkplatzsuche komplett.
Wer trotzdem fährt: Die Innenstadt hat mehrere Parkhäuser, unter anderem am Waltherplatz selbst, beim Hotel Laurin, unter den Lauben und beim Schloss Maretsch. Der größte ist der Parkplatz Bozen Mitte mit rund 1200 Plätzen, von dort sind es etwa fünf Minuten zu Fuß. An Adventwochenenden sind auch die vormittags voll.
Für den Regentag oder einfach als Wärmepause hat Bozen zwei Ziele, die mit Kindern funktionieren. Das Südtiroler Archäologiemuseum zeigt die Gletschermumie Ötzi, für Kinder ab etwa acht spannend, jüngere reagieren manchmal verstört auf den echten Körper hinter der Scheibe. Das sollte man vorher wissen und nicht auf der Treppe entscheiden.
Die zweite Option führt aus der Stadt hinaus: Die Rittner Seilbahn startet mitten in Bozen und schwebt in gut zehn Minuten hinauf nach Oberbozen. Oben liegt oft Schnee, während unten Regen fällt, und die schmalspurige Rittner Bahn fährt weiter über die Hochebene. Für Kinder ist die Kombination aus Gondel und alter Straßenbahn meist interessanter als jeder Marktstand.
Brixen: Eislaufen am Hofburgplatz und eine Lichtershow im Innenhof
Brixen ist der Markt mit dem klarsten Familienprogramm. Er steht auf dem Domplatz, hat ein Dampfkarussell für die Kleinen und direkt daneben, am Hofburgplatz, eine Eislauffläche. Das ist der praktische Unterschied zu Bozen: Die Kinder haben etwas zu tun, das länger als zehn Minuten trägt, während die Eltern in Ruhe einen Glühwein trinken können.
Dazu kommen Basteltage, Kutschenfahrten, ein Nikolaus- und Krampusumzug Anfang Dezember und an den Samstagen vor Weihnachten ein Weihnachtsengel, der kleine Geschenke an Kinder verteilt. Für Vier- bis Neunjährige ist das der stimmigste der drei Märkte.

Im Innenhof der Hofburg läuft abends eine Licht- und Musikshow, die jedes Jahr eine neue Geschichte erzählt. Sie dauert nicht lang, ist aber für Kinder ab etwa vier der Höhepunkt des Besuchs. Die Plätze sind begrenzt, es lohnt sich, vorab nach Karten und Vorstellungszeiten zu schauen statt spontan davorzustehen.
Sterzing: der kleinste der drei, mit Rodelberg vor der Haustür
Sterzing ist die erste größere Stadt hinter dem Brenner und für viele deutsche Familien in weniger als anderthalb Stunden ab der Grenze erreichbar. Der Markt steht auf dem Stadtplatz zwischen Zwölferturm und Spitalkirche, ist überschaubar und in einer Stunde durchgesehen. Genau das ist mit müden Kindern eher Vorteil als Mangel.
Um 17 Uhr spielen die Glocken im Zwölferturm ein Weihnachtslied, ein fester Programmpunkt, auf den man den Nachmittag gut hin planen kann. Der Turm lässt sich besichtigen, der Eintritt kostet ein paar Euro, Kinder zahlen etwa die Hälfte. Eine kleine Eisfläche in Marktnähe gibt es auch hier.
Der eigentliche Grund, in Sterzing zu übernachten statt nur durchzufahren, liegt oberhalb der Stadt. Die Talstation der Roßkopf-Seilbahn ist vom Zentrum aus zu Fuß erreichbar, und von oben führt eine zehn Kilometer lange Rodelbahn ins Tal, die abends beleuchtet ist und als längste ihrer Art in Italien gilt. Zehn Kilometer sind allerdings kein Kinderspiel: Mit einem Fünfjährigen auf dem Schoß dauert die Abfahrt lange, und die Arme werden kalt. Für Kinder ab etwa acht, die selbst lenken können, ist es dagegen der Programmpunkt, über den zu Hause noch wochenlang geredet wird.

Wann es voll wird und wie man dem ausweicht
Das Muster ist an allen drei Orten dasselbe. Freitagnachmittag bis Sonntagabend ist Hochbetrieb, besonders am zweiten und dritten Adventwochenende. Der Andrang beginnt gegen elf Uhr und erreicht zwischen 15 und 19 Uhr seinen Höhepunkt, wenn Tagesgäste und Einheimische zusammentreffen.
Wer mit kleinen Kindern reist, dreht den Tag um: vormittags auf den Markt, wenn die Stände gerade öffnen und die Standbetreiber noch Zeit für ein Gespräch haben, mittags eine lange Pause im Warmen, und den Abend entweder auslassen oder auf einen der kleineren Orte verlegen. Werktage im Dezember sind spürbar ruhiger als Wochenenden, und die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr ist wieder voll.
Ein Termin verdient besondere Aufmerksamkeit. Rund um den 5. und 6. Dezember ziehen in Brixen und in vielen Pustertaler und Eisacktaler Orten Nikolaus- und Krampusgruppen durch die Gassen. Die Krampusse tragen geschnitzte Holzmasken, Fellkostüme und Schellen, es ist laut, eng und dunkel, und sie gehen bewusst auf Zuschauer zu. Manche Sechsjährigen finden das großartig, andere sind danach tagelang verstört. Wer unsicher ist, stellt sich weit hinten hin, nimmt kleine Kinder auf den Arm und geht rechtzeitig, bevor der Umzug den eigenen Standort erreicht. Familien mit Vorschulkindern legen das Wochenende oft absichtlich vor oder hinter den Nikolaustermin.
Praktisch: Viele Südtiroler Unterkünfte geben ihren Gästen einen Gästepass für Busse und Regionalzüge aus. Damit lassen sich Sterzing, Brixen und Bozen an einem Tag ohne Auto verbinden, weil alle drei an der Brennerbahn liegen. Das ist mit Kindern deutlich entspannter als drei Parkplatzsuchen hintereinander.
Was Kinder essen, wo man sitzt und wo gewickelt wird
Kinderpunsch und heiße Schokolade gibt es an fast jedem Stand, ausgegeben in Tassen, für die meist Pfand verlangt wird. Zu essen finden Kinder Kastanien, Krapfen, Strudel, Schüttelbrot mit Speck und den Südtiroler Früchtebrot-Klassiker Zelten. Was oft fehlt, ist etwas Warmes ohne Gewürze und ohne Alkohol im Umfeld, wer ein wählerisches Kind dabeihat, packt eine Kleinigkeit ein.

Sitzplätze sind knapp. In Bozen findet man am ehesten unter den Lauben etwas, in Brixen in den Lokalen rund um den Domplatz, in Sterzing in den Gasthäusern an der Neustadt. Wickeln funktioniert am verlässlichsten in Museen, Kaufhäusern und Bahnhöfen, nicht am Marktstand. Und die Nachmittage sind in den engen Tälern kurz: In Sterzing ist es im Dezember früh schattig und deutlich kälter als in Bozen, wo die Sonne länger auf den Platz fällt. Eine Schicht mehr für die Kinder ist dort nie verkehrt.
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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Mit der Bahn anreisen: Sterzing, Brixen und Bozen liegen alle an der Brennerbahn, und in Bozen sind es vom Bahnhof nur wenige Minuten zum Waltherplatz.
- In Bozen den Weihnachtspark im Kapuzinerpark ansteuern, dort ist mehr Platz für kleine Kinder als auf dem Waltherplatz.
- Brixen ist der Markt mit Eisfläche direkt nebenan; Schlittschuhe lassen sich vor Ort leihen.
- Um 17 Uhr spielen die Glocken im Sterzinger Zwölferturm ein Weihnachtslied, ein guter Fixpunkt für den Nachmittag.
- Vormittags auf den Markt gehen: Zwischen 15 und 19 Uhr ist an Adventwochenenden kaum Durchkommen.
- Viele Unterkünfte geben einen Gästepass für Bus und Zug aus, damit spart man sich an drei Orten die Parkplatzsuche.
Häufige Fragen
Wann haben die Weihnachtsmärkte in Bozen, Brixen und Sterzing 2026 geöffnet?
Welcher Weihnachtsmarkt in Südtirol passt am besten zu kleinen Kindern?
Kann man Bozen, Brixen und Sterzing an einem Wochenende besuchen?
Wie kommt man ohne Auto zu den Weihnachtsmärkten in Südtirol?
Lohnt sich die Rodelbahn am Roßkopf bei Sterzing mit Kindern?
Was macht man in Bozen mit Kindern, wenn es regnet?
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