Wir haben unsere erste Weihnachtsmarkt-Städtereise mit Kindern so geplant, wie man eine Städtereise ohne Kinder plant. Freitagabend Anreise, Samstag der große Markt, Sonntag Altstadt, Rückfahrt. Am Samstagnachmittag saß unser Sohn auf einer Treppenstufe, hatte kalte Füße, wollte weder Bratwurst noch Punsch noch irgendetwas ansehen, und wir haben zum ersten Mal begriffen, dass ein Weihnachtsmarkt kein Programmpunkt für einen ganzen Tag ist. Er ist ein Programmpunkt für zwei Stunden. Der Rest der Reise muss aus etwas anderem bestehen.
Genau darum geht es hier. Nürnberg, Dresden und Köln sind die drei Städte, die sich für eine kurze Adventsreise mit Kindern am besten eignen, und zwar nicht wegen ihrer Märkte allein, sondern weil es in allen dreien genug Anderes gibt, wenn draußen niemand mehr stehen will.

Zwei Nächte sind das Minimum
Eine Nacht reicht nicht, drei sind mit kleinen Kindern schon reichlich. Zwei Nächte ergeben den Rhythmus, der funktioniert: Ankunft am ersten Nachmittag mit einem kurzen ersten Blick auf den Markt, ein voller Tag dazwischen mit einem Innenprogramm am Vormittag und dem Markt am späten Nachmittag, und am dritten Tag noch etwas Ruhiges vor der Rückfahrt.
Der wichtigste Satz dieser Planung: Pro Tag ein Markt, nicht drei. Der Reiz von Köln ist zwar, dass es viele Märkte gibt, aber wer sie abarbeitet, hat abends drei müde Kinder und keinen schönen Nachmittag.
Nürnberg: der kompakteste der drei
Nürnberg ist für diese Art Reise fast ideal, weil alles nah beieinanderliegt. Vom Hauptbahnhof lauft ihr in wenigen Minuten in die Altstadt, der Christkindlesmarkt steht auf dem Hauptmarkt, und die Kinderweihnacht mit eigenen Karussells und einem kleinen Riesenrad liegt zwei Gassen weiter am Hans-Sachs-Platz. Damit ist die Frage, was die Kinder auf dem Markt tun sollen, schon beantwortet.
Für den Rest der Reise hat die Stadt ein Spielzeugmuseum, ein großes Eisenbahnmuseum am Bahnhof und ein Wissenschaftsmuseum zum Ausprobieren. Der Tiergarten liegt außerhalb, ist mit der Straßenbahn erreichbar und im Winter deutlich leerer als im Sommer, dafür sind einige Tiere dann in den Innenanlagen. Für Kinder etwa zwischen drei und zehn füllt das zwei Tage locker.
Die Kaiserburg über der Stadt ist eher etwas für ältere Kinder. Der Aufstieg lohnt sich trotzdem, weil ihr von oben in der Dämmerung auf die beleuchtete Altstadt schaut und der Weg dorthin durch die weniger überlaufenen Gassen führt.
Dresden: mehrere Märkte auf kurzen Wegen
Dresden hat den Striezelmarkt auf dem Altmarkt, der als einer der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands gilt, mit der großen Stufenpyramide als Anziehungspunkt für Kinder. In Gehweite liegen der Markt auf dem Neumarkt an der Frauenkirche, ein historischer Markt im Stallhof des Schlosses und der etwas jüngere Markt in der Neustadt auf der anderen Elbseite.
Diese Dichte ist der eigentliche Vorteil. Wenn ein Platz zu voll ist, wechselt ihr, statt aufzugeben. Und zwischen den Plätzen liegen genau die Museen, die ihr für den Vormittag braucht: ein Verkehrsmuseum mit Lokomotiven und Autos direkt am Neumarkt, ein Museum mit einem eigenen Bereich für Kinder rund um die Sinne, dazu die Schatzkammern im Residenzschloss für Kinder ab etwa acht, die Freude an funkelnden Dingen haben.
Vom Hauptbahnhof zum Altmarkt ist es ein kurzer Weg, mit der Straßenbahn geht es noch schneller. Wer im Advent mit dem Auto in die Dresdner Innenstadt fährt, verbringt einen Teil des Nachmittags in Parkhauszufahrten.
Zur Alterseinordnung: Der Striezelmarkt selbst funktioniert ab etwa drei, weil es Karussell und Backwaren gibt. Der Markt im Stallhof mit seinen Feuerstellen und Handwerksständen zieht eher Kinder ab sechs. Und die Neustadt jenseits der Elbe ist abends deutlich stärker eine Erwachsenenangelegenheit, das ist kein Ziel für einen Nachmittag mit Kleinkindern.

Köln: viele Märkte, viel Innenprogramm
Köln verteilt seine Märkte über die Innenstadt. Der am Dom ist der bekannteste und der vollste, der Alte Markt mit den Heinzelmännchen ist deutlich stärker auf Kinder ausgerichtet, und am Heumarkt daneben steht im Winter eine Eisbahn. Zwischen mehreren Standorten fährt eine kleine Bimmelbahn, was mit müden Kindern mehr wert ist als jede Sehenswürdigkeit.
Für die Zeit außerhalb des Marktes ist Köln von den drei Städten am breitesten aufgestellt. Das Schokoladenmuseum am Rheinufer ist der sichere Treffer für fast jedes Alter, es gibt ein großes Mitmachmuseum im Osten der Stadt, den Zoo mit Aquarium und für Kinder ab etwa acht die Turmbesteigung am Dom. Die Seilbahn über den Rhein fährt im Winter nicht, das ist ein Punkt, der regelmäßig für Enttäuschung sorgt.
Der Kölner Hauptbahnhof liegt direkt neben dem Dom, näher geht es nicht. Aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland ist Köln damit sogar für einen Tagesausflug machbar, wenn ihr auf die Übernachtung verzichten wollt.
Anreise: in diesen drei Städten gewinnt die Bahn
Alle drei Hauptbahnhöfe liegen an oder in der Altstadt. Ihr steigt aus und seid da. Das Auto bringt euch dagegen in genau die Zone, die im Advent am stärksten belastet ist. Parkhäuser in Innenstadtnähe melden an Adventswochenenden regelmäßig voll, die Zufahrten stauen sich, und am Ende parkt ihr weit außerhalb und fahrt doch mit der Bahn hinein.
Mit Kindern hat der Zug noch einen zweiten Vorteil, der oft unterschätzt wird: Ihr sitzt euch gegenüber, könnt spielen, jemand kann aufstehen, und niemand muss angeschnallt zwei Stunden nach vorne schauen. Für die Rückfahrt am dunklen Nachmittag ist das der Unterschied zwischen einem entspannten Abschluss und einer Fahrt, an die sich alle ungern erinnern.
Reserviert Sitzplätze, wenn ihr an einem Adventwochenende unterwegs seid. Die Züge in diese drei Städte sind dann voll, und mit zwei Kindern im Gang zu stehen, ist kein guter Reisebeginn.
Unterkunft: zentral oder günstig am Rand
Zentral kostet im Advent mehr, und in diesen drei Städten ist das Geld meistens gut angelegt. Der Grund ist nicht Bequemlichkeit, sondern der Mittagsschlaf. Wenn ihr vom Markt in einer Viertelstunde im Zimmer seid, könnt ihr den Tag teilen: vormittags raus, mittags Pause, nachmittags noch einmal los. Wohnt ihr weit draußen, fällt diese Pause weg, weil niemand zweimal am Tag vierzig Minuten fährt.
Am Rand zu wohnen funktioniert trotzdem, wenn zwei Bedingungen stimmen. Erstens eine direkte Verbindung mit S-Bahn oder Straßenbahn ohne Umsteigen, zweitens genug Platz in der Unterkunft, damit die Kinder sich abends bewegen können. Eine Ferienwohnung mit Küche am Stadtrand ist mit kleinen Kindern oft angenehmer als ein enges Hotelzimmer in der Innenstadt, in dem alle um dieselbe Zeit still sein müssen.

Timing: der Nachmittag schlägt den Abend
Auf allen drei Märkten gilt dasselbe Muster. Am späten Nachmittag wird es dämmrig, die Beleuchtung kommt zur Geltung, und der große Andrang setzt erst danach ein, wenn die Feierabendleute dazukommen. Diese Phase dazwischen ist das Fenster für Familien.
Der zweite Hebel ist der Wochentag. Ein Adventssamstag ist auf dem Hauptmarkt in Nürnberg, am Altmarkt in Dresden und rund um den Kölner Dom das dichteste Gedränge des Jahres. Unter der Woche sind dieselben Plätze andere Orte. Wer flexibel ist, legt die Reise auf die Wochenmitte und spart sich die halbe Anstrengung.
Ehrlich gesagt: Mit Kindern unter drei ist ein großer Markt am Samstagabend nichts, was man sich antun muss. Der Kinderwagen wird dort zum Hindernis, das Kind sieht auf Kniehöhe nur Mäntel, und ihr schiebt euch durch, ohne dass irgendjemand etwas davon hat. In der Trage geht es besser, in der Woche geht es viel besser.
Aufwärmen ist Teil des Plans
Der Punkt, an dem diese Reisen kippen, ist immer derselbe: kalte Finger, kalte Füße, und der nächste warme Ort ist zwanzig Minuten entfernt. Sucht euch deshalb für jeden Marktbesuch vorher eine Aufwärm-Option in Gehweite. Eine Kirche, ein Café, ein Kaufhaus, eine Markthalle. Zehn Minuten drinnen setzen den Nachmittag zurück, und danach geht noch eine Runde.
Das Gleiche gilt für die Toilette. Auf allen drei Märkten gibt es bewirtschaftete Anlagen, aber die Schlange davor kann an vollen Nachmittagen erheblich sein, und mit einem drängelnden Vierjährigen ist das die unangenehmste Viertelstunde der Reise. Klärt gleich zu Beginn, wo die nächste ist, statt sie zu suchen, wenn es eilt. In Kaufhäusern und Bahnhöfen kommt ihr meistens schneller dran als auf dem Markt selbst.
Für den Vormittag ist ein Hallenbad oder ein Erlebnisbad die unterschätzteste Option einer Adventsreise. Alle drei Städte haben welche, sie sind im Winter der Ort, an dem sich Kinder auspowern, ohne zu frieren, und danach sind alle in der Verfassung, abends noch einmal in die Kälte zu gehen. Anders als Museen brauchen Bäder keine Konzentration, und genau die fehlt am zweiten Reisetag oft.

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☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Plant pro Tag einen Markt, nicht drei. Zwei Stunden auf einem Platz sind mit Kindern unter sechs die realistische Grenze, danach kippt die Stimmung.
- Zwei Nächte sind der richtige Zuschnitt: erster Nachmittag kurzer Marktbesuch, voller Tag mit Innenprogramm am Vormittag, dritter Tag ruhig vor der Rückfahrt.
- Nehmt den Zug. In Nürnberg, Dresden und Köln liegt der Hauptbahnhof an der Altstadt, während Parkhäuser an Adventswochenenden regelmäßig voll gemeldet sind.
- Reserviert Sitzplätze für die Bahnfahrt an Adventswochenenden. Mit zwei Kindern im Gang zu stehen, ruiniert den Reisebeginn.
- Ein Hallenbad oder Erlebnisbad am Vormittag ist die unterschätzteste Option einer Adventsreise. Die Kinder powern sich aus, ohne zu frieren, und halten abends länger durch.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht eine Weihnachtsmarkt-Städtereise mit Kindern?
Welche Stadt eignet sich am besten für den ersten Trip mit Kindern?
Unterkunft zentral oder günstiger am Stadtrand?
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Marktbesuch?
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