Regen im Zillertal hält sich gern. Das Tal ist eng, die Wolken bleiben zwischen den Hängen stehen, und was am Taleingang bei Fügen gilt, muss hinten in Tux noch lange nicht stimmen. Für Familien heißt das vor allem: Der Plan für den Tag sollte beim Frühstück stehen und nicht davon abhängen, dass es gegen elf aufklart. Die Auswahl ist groß genug dafür – und zwei der interessantesten Ziele liegen ausgerechnet unter der Erde.
Die Bäder – und das eine, das bei Regen nichts nützt
Das Erlebnisbad Mayrhofen in der Waldbadstraße 539 ist der naheliegendste Anlaufpunkt im hinteren Tal. Das Hallenbad hat rund 300 m² Wasserfläche bei 31 Grad, dazu Luftsprudelbecken, einen Wildbach, Wasserfall, Nackenduschen und Massagedüsen. Für die Größeren gibt es zwei Rutschen: eine 101 Meter lange Riesenrutsche und den 65 Meter langen „Crazy River“ als Wildwasservariante. Der Freibereich mit Sportbecken und Nichtschwimmerteil liegt auf einer begrünten Dachterrasse und läuft nur saisonal – bei Regen bleibt der Innenteil. Der Wellnessbereich mit finnischer Sauna, Dampfbad und Infrarotkabinen ist eher etwas für die Eltern, ein Bistro gibt es im Haus.
Größer und weiter vorne im Tal liegt die Therme Zillertal in Fügen, Badweg 1, direkt an der B 169. Bis vor Kurzem hieß sie Erlebnistherme Zillertal, die alte Web-Adresse leitet inzwischen um. Sie ist auf zwei Ebenen in einen AQUA-Teil für Familien und einen SPA-Bereich geteilt. Für Kinder ist der Bereich „Zillantis“ gedacht, dazu kommen mehrere Rutschen, darunter das „Black Hole“ und nach Angaben des Betreibers die längste Wasserrutsche Westösterreichs. Wer aus Mayrhofen anreist, sollte die Fahrzeit einrechnen.
Ein verbreiteter Irrtum: Das Erlebnisbad in Zell am Ziller ist ein reines Freibad. Es gehört zum Freizeitpark Zell am Schwimmbadweg 7, öffnet nur von Mai bis September und hilft an einem Regentag nicht weiter.
Der Trick mit dem Gletscher: rein statt drauf
Regen im Tal bedeutet oben am Hintertuxer Gletscher meist Schnee oder Nebel. Auf der Piste oder am Wanderweg macht das wenig Freude. Zwei Ziele dort interessiert das Wetter aber nicht, weil sie im Berg liegen.
Der Natur Eis Palast ist eine begehbare Gletscherspalte, die 2007 von Roman Erler entdeckt wurde. Drinnen herrschen an 365 Tagen im Jahr konstant null Grad. Zu sehen gibt es Eiszapfen, Eiskristalle, gefrorene Wasserfälle und einen Gletschersee. Der Eingang liegt drei bis vier Gehminuten von der Bergstation des Gletscherbus 3 entfernt. Hinein kommt man nur mit Führung; die erweiterte Tour dauert rund 70 Minuten, schließt eine Bootsfahrt auf dem See ein und startet stündlich zwischen 10:30 und 14:30 Uhr. Kinder sind ab 6 Jahren dabei. Warme Kleidung und feste Schuhe braucht ihr auch im August.
Ein Stück darunter liegt die Spannagelhöhle, die einzige Marmorhöhle der Zentralalpen, seit 1964 unter Naturschutz. Vermessen sind rund 13 Kilometer, womit sie als größte Gesteinshöhle der Zentralalpen gilt. Die Schauhöhlen-Führung geht etwa 500 Meter weit und dauert ungefähr eine Stunde. Gummistiefel, Helm und Regenjacke werden gestellt, denn die Höhle ist nass. Kinder müssen 6 Jahre alt und mindestens 1,20 Meter groß sein. Hin kommt man mit der Bahn bis zum Tuxer Fernerhaus auf 2.660 Metern und dann rund zehn Minuten zu Fuß zum Spannagelhaus. Von Juni bis September fahren die Touren täglich mehrmals ohne Anmeldung, in den übrigen Monaten nur nach Voranmeldung.
Der Haken an beiden: Man braucht die Bahn. Bei Sturm stehen die Gletscherbahnen, und dann ist auch das Programm im Berg nicht erreichbar. Ein Blick auf den Betriebsstatus vor der Abfahrt spart die Fahrt nach Hintertux.
Hallen zum Auspowern
Das Kabooom in Kaltenbach, Gewerbestraße 6, bündelt auf 3.200 m² mehrere Anlagen. Kern ist der Airparc, ein Freestyle-Center auf 1.800 m² mit Trampolinen sowie Parkour- und Gymnastikflächen. Dazu kommen drei Bowlingbahnen auf über 300 m², eine Boulderfläche von 200 m² mit vier Metern Wandhöhe und ein Squashcourt. Funcourt und Kunsteisbahn gehören ebenfalls zur Anlage, liegen aber im Freien – bei Dauerregen fällt der Teil weg.
Die Playarena in Vorderlanersbach in Tux verteilt 1.200 m² auf zwei Ebenen: Hochseilgarten, eine sieben Meter hohe Kletterwand, Riesenrutschen, Softplayanlage, Trampolinpark und MultiBall Wall. Daneben gibt es eine Kreativzone zum Basteln und Malen, einen Multimediabereich mit Kinderdisco und Filmen sowie Billard, Tischfußball und Airhockey für Ältere. Wichtig vor der Fahrt: Der Zutritt ist Gästen der Mitgliedsbetriebe vorbehalten. Wer nicht in einem davon wohnt, kommt samstags und nur mit Voranmeldung hinein.
Das Visorium mitten in Mayrhofen ist auf 2.000 m² eher ein Ziel für Schulkinder und Teenager: drei Escape Rooms mit Zillertaler Geschichten, Lasertag in einer Waldarena, zwölf Bahnen Adventure Golf, VR-Räume mit mehr als 20 Spielen und Billard. Beim Lasertag gilt eine Mindestgröße von 1,30 Metern. Kleinere Geschwister sind trotzdem nicht außen vor, es gibt einen kostenlosen Spielraum für Kinder bis 12 Jahre. Gegessen wird im hauseigenen Restaurant „Schnogerei“.
Schauen, riechen, probieren
Die Erlebnissennerei Zillertal in Hollenzen bei Mayrhofen lässt Besucher auf rund 6.000 m² in die laufende Produktion schauen. Elf Stationen führen den Weg der Heumilch entlang bis zu Butter, Joghurt und Käse, unterwegs wird verkostet. Der Rundgang läuft selbstständig mit Audiogerät in sechs Sprachen, für Kinder gibt es eine eigene deutsche Version. Der entscheidende Punkt steht klein auf der Website: Nach 14 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen wird nicht mehr produziert. Wer die Maschinen laufen sehen will, muss vormittags kommen, sonst bleibt der spannendste Teil ein Video. Kinderwagen und Rollstühle kommen überall durch, Hunde nicht. Der Schau-Bauernhof mit Tiroler Grauvieh, Hühnern, Schweinen und Heumilchziegen gehört dazu, liegt allerdings im Freien.
Das BrauKunstHaus von Zillertal Bier am Bräuweg 1 in Zell am Ziller ist ein Fall für Familien mit älteren Kindern. Die multimediale Ausstellung zieht sich über mehrere Stockwerke und gut 5.000 m², angesetzt sind etwa anderthalb Stunden, letzter empfohlener Einlass ist 16:30 Uhr. Das Haus ist barrierefrei, die Zillertalbahn hält in der Nähe, vom Ortszentrum sind es rund 15 Minuten zu Fuß. Dass am Ende eine Bierverkostung steht, macht das Ziel für Grundschulkinder nicht spannender – ehrlicherweise ist es ein Erwachsenenprogramm mit kindertauglicher Technik.
Kleiner und ruhiger: Das Zillertaler Regionalmuseum an der Talstraße 50b in Zell am Ziller zeigt den Hof „Ental“ von 1713, der 1991 aus Burgstall bei Schwendau hierher übersiedelt wurde. In der Machkammer liegt altes Werkzeug, zur Anlage gehören Hauskapelle, Backofen, Brunnen und Garten. Kinder bis 14 zahlen nichts. Zwei Einschränkungen sollte man kennen: Geöffnet ist im Sommerhalbjahr von Montag bis Freitag, am Wochenende nicht, und ein Teil der Anlage liegt draußen. Im Winter geht es nur auf Anfrage.
Im Naturparkhaus Ginzling zeigt der Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen die Ausstellung „Verborgene Schätze“ auf zwei Stockwerken und mehr als 500 m². Thema sind die Gesteine und Kristalle der Zillertaler Alpen. Für ein, zwei Regenstunden mit Kindern, die Steine mögen, reicht das gut.
Wenn Sturm oder Nebel alles dichtmacht
Es gibt Tage, an denen die Bahnen stehen und die Bäder voll sind. Dann bleibt der Freizeitpark Zell am Schwimmbadweg, auch wenn das Freibad geschlossen hat: Die Tennishalle hat drei Plätze mit zwei Glasfronten, dazu gibt es eine Kegelbahn. Die Anlage wurde 2018 auf über 45.000 m² neu gestaltet.
Wer ohne Auto unterwegs ist, kommt an solchen Tagen mit der Zillertalbahn weiter, die von Jenbach durchs Tal bis Mayrhofen fährt. Bei Regen ist das entspannter als die Parkplatzsuche vor einem vollen Hallenbad.
Die Stolperfallen bei der Planung
Das Erlebnisbad Mayrhofen ist ganzjährig geöffnet, macht aber Revisionspausen im April und Mai sowie im November und Dezember – ausgerechnet in Wochen, in denen im Tal oft Schmuddelwetter herrscht. In der Nebensaison lohnt der Blick auf die Website vor der Buchung.
Die zweite Falle ist das Alter. Ein großer Teil der Zillertaler Indoor-Ziele denkt bei „Kind“ an sechs Jahre und älter. Natur Eis Palast und Spannagelhöhle nehmen niemanden unter 6, in der Höhle kommt die Mindestgröße von 1,20 Metern dazu, beim Lasertag im Visorium entscheidet die Körpergröße. Mit Kleinkindern bleiben das Hallenbad in Mayrhofen, der Kinderbereich Zillantis in Fügen, die Softplayanlage der Playarena in Tux und der Spielraum im Visorium.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Zillertal
🏡 Familienunterkünfte in Zillertal
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Die Erlebnissennerei vormittags einplanen: Nach 14 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen läuft keine Produktion mehr, dann seht ihr statt der Maschinen nur noch Videos.
- Vor der Fahrt nach Hintertux den Betriebsstatus der Gletscherbahnen prüfen. Stehen die Bahnen bei Sturm, sind Natur Eis Palast und Spannagelhöhle nicht erreichbar.
- Auch im Sommer Mütze, Jacke und feste Schuhe einpacken: Im Natur Eis Palast hat es das ganze Jahr über null Grad.
- Die Playarena in Tux ist Gästen der Mitgliedsbetriebe vorbehalten. Ohne passende Unterkunft kommt ihr samstags und nur mit Voranmeldung hinein.
- Das Erlebnisbad Mayrhofen schließt für Revisionen im April/Mai und im November/Dezember. Wer in der Nebensaison kommt, sieht vorher besser nach.
- Das Erlebnisbad Zell am Ziller ist ein Freibad und nur von Mai bis September offen – als Regenprogramm fällt es aus.
Häufige Fragen
Gibt es im Zillertal ein Hallenbad?
Was kann man am Hintertuxer Gletscher bei schlechtem Wetter machen?
Wohin mit Kindern, die sich austoben müssen?
Lohnt sich die Erlebnissennerei Zillertal bei Regen?
Was geht mit Kleinkindern unter sechs Jahren?
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