In Jenbach steigen wir aus dem Zug und in einen deutlich kleineren um. Die Zillertalbahn fährt auf Schmalspur, sie ruckelt, und meine Tochter steht die halbe Fahrt am Fenster, weil links die Häuser vorbeiziehen und rechts der Ziller. Vierzig Minuten später sind wir in Mayrhofen, und der Bahnhof liegt so mitten im Ort, dass wir den Koffer zu Fuß zur Unterkunft ziehen. Das war unser erster Eindruck vom Zillertal: ein Tal, das man ohne Auto durchqueren kann.
Das Zillertal liegt in Tirol und zweigt bei Strass vom Inntal nach Süden ab. Es ist rund vierzig Kilometer lang, breit genug für richtige Orte statt nur für Weiler, und am Talschluss steigt es in mehrere Seitentäler hinauf. Für Familien ist das eine gute Kombination: unten Infrastruktur, Bahn und Supermärkte, oben Gletscher und Hochgebirge.
Was viele unterschätzen: Das Tal funktioniert im Sommer genauso gut wie im Winter. Die Bergbahnen laufen in beiden Saisons, aus den Skischulen werden Wanderprogramme, und die Preise im Juli liegen unter denen im Februar. Wir waren inzwischen in beiden Jahreszeiten dort, und der Sommer war der entspanntere Urlaub.

Wie das Tal sortiert ist
Von der Talmündung aus liegen die Orte in dieser Reihenfolge: Fügen, Kaltenbach, Zell am Ziller, Hippach und Mayrhofen. Hinter Mayrhofen wird es enger, dort zweigt das Tuxertal ab mit Finkenberg, Lanersbach und ganz hinten Hintertux am Gletscher. Je weiter du hineinfährst, desto alpiner wird es und desto länger dauert die Anfahrt von der Autobahn.
Fügen und Kaltenbach sind die ruhigere Wahl mit kurzen Wegen ins Inntal. Zell am Ziller liegt in der Mitte und ist ein guter Kompromiss. Mayrhofen ist der bekannteste Ort, entsprechend belebt, dafür mit dem größten Angebot an Skischulen, Läden und Restaurants. Finkenberg und das Tuxertal sind der Bereich für alle, die im Winter Schneesicherheit ganz oben auf die Liste setzen.
Winter: wo die Kinder anfangen
Fast jeder Ort im Tal hat einen eigenen Übungsbereich, meist am Ortsrand oder an der Bergstation. In Mayrhofen liegt das Kinderland auf dem Ahorn, also auf dem Sonnenplateau gegenüber vom Penken, und das ist kein Zufall: Der Ahorn ist deutlich flacher und ruhiger als der Penken und deshalb der bessere Anfängerberg. Die Ahornbahn ist eine große Pendelbahn, in die auch ein Kinderwagen passt.
Wenn dein Kind zum ersten Mal auf Skiern steht, wähle die Unterkunft nach dem Übungshang und nicht nach dem Gesamtgebiet. Fünfhundert Pistenkilometer im Skipass bringen nichts, wenn die Familie eine Woche lang denselben Teller- und Förderbandlift benutzt. Die großen Zahlen werden erst interessant, wenn alle sicher parallel fahren.
Praktisch am Zillertal ist, dass ein einziger Skipass alle Gebiete des Tals abdeckt. Du musst dich also nicht am Anreisetag festlegen, sondern kannst am Morgen entscheiden, wohin der Skibus fährt. Für die ersten Tage reicht der Hausberg, und wenn das Wetter am Donnerstag umschlägt, weichst du nach oben Richtung Tuxertal aus. Die Skibusse sind mit gültigem Skipass nutzbar und fahren im Winter dicht getaktet durch das Tal.
Die Skigebiete und für wen sie taugen
Mayrhofen: Penken und Ahorn
Zwei Berge, zwei Charaktere. Der Penken ist das sportliche Gebiet mit langen roten Abfahrten und der Harakiri, die als steilste präparierte Piste Österreichs gilt und für Kinder schlicht kein Thema ist. Der Ahorn gegenüber ist breit, sonnig und flach und damit der Familienberg. Beide erreichst du mit Seilbahnen direkt aus dem Ort.
Zillertal Arena
Das größte zusammenhängende Gebiet im Tal, mit Einstiegen in Zell am Ziller und Gerlos. Über die Höhe schiebt es sich weiter bis nach Königsleiten und Hochkrimml, die schon im Salzburger Land liegen. Für Familien mit fahrenden Kindern ist das ein guter Tag mit echtem Ortswechsel, für Anfänger ist es zu weitläufig.
Hochzillertal, Hochfügen und Spieljoch
Die Gebiete über Kaltenbach und Fügen sind der unauffällige Teil des Tals. Sie sind kleiner als die Arena, dafür meist entspannter, und Hochfügen liegt so hoch, dass dort oft Schnee liegt, wenn unten schon Wiese ist. Das Spieljoch über Fügen ist der kleinste der vier und für Familien mit kleinen Kindern völlig ausreichend.
Ski- und Gletscherwelt Zillertal 3000
Der Verbund von Hintertux, Eggalm, Rastkogel und Finkenberg mit dem Penken. Hier liegt der schneesicherste Teil des Tals, weil das Gebiet am Gletscher endet. In der Vorsaison im Dezember ist das oft der einzige Bereich, in dem wirklich alles läuft.

Rodeln, wenn Skifahren zu viel wird
Nach vier Skitagen hintereinander ist bei den meisten Kindern die Luft raus, und dann ist Rodeln die Rettung. Vom Ahorn führt eine mehrere Kilometer lange Naturrodelbahn ins Tal, oben auf der Gerlossteinwand über Hainzenberg gibt es eine weitere, und kleinere Hänge findest du in fast jedem Ort. Schlitten leihst du unten an der Talstation, ein eigener muss nicht mit.
Plane für die längeren Bahnen genug Zeit ein und fahre die erste Abfahrt gemeinsam, bevor jemand allein losstartet. Bei Kindern unter sechs Jahren sitzt ein Erwachsener mit auf dem Schlitten. Handschuhe, Helm und feste Schuhe gehören dazu, eine Skibrille hilft, wenn es schneit.
Hintertux: Schnee im August und Eis im Berg
Der Hintertuxer Gletscher am Talschluss ist das einzige Skigebiet Österreichs, das ganzjährig geöffnet hat. Das ist im Winter eine Rückversicherung und im Sommer eine Kuriosität, für die es sich lohnt, einen Tag zu opfern: Kinder, die im Juli im T-Shirt in Mayrhofen frühstücken und mittags im Schnee stehen, vergessen den Tag nicht.
Im Berg selbst liegt der Natur Eis Palast, eine begehbare Gletscherspalte mit Eisformationen und einem See darin. Zieh warme Sachen an, auch im Hochsommer, und rechne für die Auffahrt mit mehreren Sektionen Seilbahn. Ganz kleine Kinder tun sich mit der Höhe von über 3.000 Metern manchmal schwer, für Schulkinder ist es unproblematisch.

Sommer: der Ahorn ist der einfachste Einstieg
Im Sommer wird aus dem Anfängerberg der Wanderberg für kurze Beine. Oben auf dem Ahornplateau gibt es weitgehend flache Rundwege, einen Spielbereich und Hütten in Gehweite, sodass die erste Bergwanderung nicht am zweiten Anstieg scheitert. Wer mehr will, steigt weiter Richtung Edelhütte, aber das ist ein Halbtagesprogramm für geübte Kinder ab etwa zehn Jahren.
Am Spieljoch über Fügen steht mit dem Fichtenschloss eine große Holzspielanlage direkt an der Bergstation, dazu kommen eine Sommerrodelbahn und ein Themenweg. Für Familien mit Kindergartenkindern ist das der verlässlichste Bergtag im ganzen Tal, weil das Programm nicht vom Gehen abhängt.
Almen, Höhenstraße und der Schlegeis-Stausee
Die Zillertaler Höhenstraße ist eine Mautstraße auf der Westseite des Tals mit mehreren Auffahrten, unter anderem von Ried, Kaltenbach und Aschau. Oben reihen sich bewirtschaftete Almen aneinander, und zwischen ihnen liegen kurze Wanderwege, die auch mit einer Kraxe funktionieren. Für Familien, die schlecht zu Fuß aufsteigen wollen, ist das die pragmatische Lösung: hochfahren, kurz gehen, essen.
Der Schlegeis-Stausee hinter Mayrhofen ist die andere Richtung. Die Straße dorthin ist ebenfalls mautpflichtig, alternativ fährt ein Bus. Das Wasser ist im Sommer auffallend türkis, rund um die Staumauer gibt es einen einfachen Uferweg, und die Hütten am See sind ohne großen Aufstieg erreichbar. Der bekannte Weg zur Olpererhütte mit der Hängebrücke ist dagegen ein richtiger Bergaufstieg und nichts für Grundschulkinder ohne Bergerfahrung.


Regentage im Tal
Zwei Bäder decken die Schlechtwettertage ab: die Erlebnistherme Zillertal in Fügen und das Erlebnisbad in Mayrhofen. Beide haben Rutschen und Kinderbereiche, beide sind an Regentagen entsprechend voll, und beide erreichst du mit der Zillertalbahn ohne Parkplatzsuche.
Wenn du weiter fahren willst, liegen zwei Ziele in vertretbarer Entfernung im Inntal: die Swarovski Kristallwelten in Wattens mit einem großen Spielturm im Garten und der Achensee bei Jenbach mit Schifffahrt und Uferwegen. Über den Gerlospass in Richtung Salzburger Land erreichst du die Krimmler Wasserfälle, allerdings ist der Weg dort ein längerer Anstieg, der bei Dauerregen wenig Spaß macht.
Wo Familien im Tal wohnen
Im Zillertal gibt es alle Kategorien: Familienhotels mit Betreuung und Hallenbad, klassische Gasthöfe, Ferienwohnungen und Bauernhöfe an den Hängen über den Orten. Die Hotels mit Kinderbetreuung liegen preislich weit über einer Wohnung, nehmen dir dafür im Winter das Thema Mittagessen und Nachmittagsprogramm ab. Bei einer Woche mit Skikurs ist der Unterschied kleiner, als er auf den ersten Blick wirkt, weil ohnehin ein Teil des Tages verplant ist.
Achte auf drei Dinge, bevor du zusagst: Wie weit ist es zur Talstation oder zur Skibushaltestelle, ist ein Skikeller mit Schuhtrocknern vorhanden, und liegt die Unterkunft an einer Straße, die im Winter geräumt wird. Wer in Mayrhofen im Ortskern wohnt, hat es zu beiden Bergbahnen und zum Bahnhof zu Fuß. Wer oben am Hang über Finkenberg wohnt, hat die ruhigere Lage und braucht das Auto für jede Kleinigkeit.
Beliebte Familien-Aktivitäten in Zillertal
🏡 Familienunterkünfte in Zillertal
☀️ Praktische Tipps für euren Familienurlaub
- Der Zillertaler Skipass gilt in allen Gebieten des Tals, ihr könnt also jeden Morgen neu entscheiden, wohin der Skibus fährt.
- Für Skianfänger ist der Ahorn in Mayrhofen die bessere Wahl als der steilere Penken gegenüber.
- Nach drei Skitagen einen Rodeltag einlegen, zum Beispiel auf der Naturrodelbahn vom Ahorn ins Tal.
- Anreise mit der Bahn bis Jenbach und weiter mit der Zillertalbahn: die Bahnhöfe liegen in den Orten, nicht am Ortsrand.
- Vor der Buchung klären, wie weit es zur Skibushaltestelle ist und ob die Unterkunft einen Skikeller mit Schuhtrocknern hat.
Häufige Fragen
Welches Skigebiet im Zillertal ist am besten für Familien?
Lohnt sich das Zillertal im Sommer mit Kindern?
Kann man im Zillertal auch im Sommer Schnee sehen?
Braucht man im Zillertal ein Auto?
Wo wohnt man im Zillertal am besten mit Kindern?
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